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der Fleestreet: Atempause! Beschwörend lautet die Parole sür die nächsten Tage — die politischen Wetterberichte der Fleetstreet gelten leider immer m^r für sehr kurze Zeiträume —: No war! Holidays as usual! (Es gibt keinen Kriem darum Ferien wie immer!) So fährt also Mr. Brown mit Familie als gehorsamer Leser des „Daily Telegraph" nach Vrghton, aber seine Gefühle und seine Gespräche werden hin und her gerissen zwischen Nervenkrieg und Ferienstimmung, zwischen Holiday und Kriegspotential.
Londoner Fieberlabelle.
Zwischen Nervenkrieg und Ferienstimmung.
Von John E. Bulton.
London, 31. Juli.
Wer macht eigentlich das Londoner Stimmungsbarometer, das in diesem Juli — wechselvoll wie das Wetter — dauernd zwischen sonnigem Optimismus und gewitterschwülem Pessimismus schwankt? Wenn man die Londoner Preffe und den konkreten Meldungsstoff aufmerksam verfolgt, so kann man feststellen, daß eigentlich weder Chamberlain noch Hitler in diesem Monat als Wettergott für dieses Stimmungsbarometer fungierten, sondern — die Herren „Kriegsberichterstatter" an der Front des Nervenkrieges, in Tagespresse, Weekly's und den plötzlich so international berühmt gewordenen News Leiters. Zweimal hatte man durch die geradezu hellseherische Prognose, daß Hitler einen Danzig- Coup über Weekend unternehmen werde, das Stimmungsbarometer auf den Tiefpunkt gejagt. Jetzt aber konstatieren — oder kommandieren? — die Nervenkriegs-Berichterstatter
Stockholm, 1. Aug. 2n einem Vortrag in Stocka betonte am Sonntag Außenminister Sandler, daß die schwedische Neutralitätspolitik durch irgendeine besondere Deklaration nicht weiter manifestiert zu werden brauche. „Wo wir stehen und was wir wollen, ist eine überall bekannte Sache. Es gilt, durch die Tat, und zwar die der neutralen Bereitschaft vor der dunklen Ungewißheit der Zukunft, unseren von Großmachtinteressen unabhängigen festen W i l l en zu behaupten, unseren Frieden dadurch zu sichern, daß wir uns nicht in einen evtl. Großmachtskonflikt hrneinziehen kaffen." Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Prüfung desschwedisch-finnischen Aalands-Planes seitens der Regierung unter unsentimentalen Eefichtspunkten erfolgen möge.
Minister Sandler hob dann "weiter "hervor, daß im Anschluß an die letzte Tagung der nordeuropäischen Außenminister die gemeinsame Parole herausging, daß die nordischen Länder sich nicht zu "Objekten in
Antibritische Demonstrationen in Tokio
Die größten Schwierigkeiten für die Tientsin-Verhandlungen liegen auf wirtschaftlichem Gebiet.
Schweden warnt die Einkreisungspolitiker
Eine klare Rede Sandlers. — Druck auf Finnland berührt auch schwedische Jntereffen.
.»^d""öon, 31. Juli. Die für heute angesetzte außenpoli- ttsche llnterhausaussprache wurde von dem Anführer der Opposttwnsliberalen, Sir Archibald Sinclair, eröffnet, der erklärte, man habe den Eindruck, daß der Premier- mr nrster zur Zeit immer noch mehr zur Befriedung bfnnelge und weniger entschlossen sei als der Außen- mrnister. Das Haus müffe unbedingt Versicherungen über die Verhandlungen mit Sowjetrußland haben und dürfe sich
/e- ep?r 5>er^aSen- Sinclair fragte den Premierminister, ob England gegen einen deutschen Angriff in ® 3 X<L Widerstand leisten werde und zu welchem Zeit
punkt. Was Japan angehe, so sei eine neutrale Haltung im chinesisch-japanischen Krieg für L^Sland gesetzlich und moralisch unmöglich. Für bre Labour-Partei erklärte der Abgeordnete Dalton, daß diese ganz entschieden gegen eine lange Vertagung des Parlaments sei. Auch Dalton hielt eine unmittelbare Aussprache zwischen Lord Halifax und Molotow für notwendig.
_ D'ann ergriff Ministerpräsident Chamberlain das Wort. In einer Lage wie der augenblicklichen, erklärte er, muffe man seine Worte sorgfältig abwägen. (Beifall.) Darum bestand ein großer Teil der "sich anschließenden Aus- Ahrungen des Ministerpräsidenten in einer gekränkten Polemik gegen die erwähnten ferienunluftigen Abgeordneten. Er drückte dabei die Hoffnung aus, daß die Unter« hausmitglleder, die hofften, in Zukunft verantwortliche Posten zu bekleiden, mit etwas mehr Verstand darüber nachdachten, was angebracht fei und dienlich.
Chamberlain wandte sich dann gegen den Vorwurf der Opposition, daß die britische Regierung an der Verzögerung eines Abkommens mit Sowjetrußland schuld sei. Es sei kein Geheimnis, daß die Sowjets und die französische und britische Regierung bisher nicht in der Lage gewesen seien, sich auf eine für alle Parteien zufriedenstellende Definition des „Indirekten Angriffs" zu einigen. Ferner sei die britische Regierung darauf bedacht, nicht den Anschein zu erwecken, als ob sie die Unabhängigkeit anderer Staaten zu beschneiden wünsche. Um dieses Problem handele es sich gerade bei der von der sowjetruffischen Regierung befürworteten Formel des indirekten Angriffs. Molotow habe erklärt, daß, wenn die militärischen Besprechungen, denen er Bedeutung beimesse, eröffnet seien die politischen Schwierigkeiten nicht unüberwindlich sein dürften Zu der'Frage eines vorläufigen Abkommens zu einem baldigen Zeitpunkt sagte Chamberlain, die Sowjetregierung sei anderer Meinung gewesen und habe es vorgezogen, nicht zu unterzeichnen oder zu paraphieren, so lange man nicht zu einer völligen Übereinstimmung gelangt sei. Infolgedessen sei die britische Regierung nicht in der Lage gewesen, der Welt, wie er es sehr gerne getan hätte, zu "einem früheren Zeitpunkt ein vorläufiges Abkommen präsentieren. Zu der vorher von ihm bekanntgegebenen Entsendung einer britischen Militarmiffion nach Sowjetrußland sagte Chamberlain, es fei fast beispiellos in der Geschichte, daß Großbritannien und Frankreich sich damit einverstanden erklärten, vor dem Abschluß eines politischen Abkommens Militär- miffionen zu entsenden. Großbritannien beweise sicherlich größtes Vertrauen zu den Sowjets. Die Ansicht Molotows, daß nach der Eröffnung militärischer Besprechungen sich politische Schwierigkeiten nicht als unüberwindlich erweisen würden, habe die britische Regierung stark dazu bestimmt, diesen wirklich ungewöhnlichen Beschluß zu saffen.
machtpolitischen Kombinationen verwandt sehen wollen. Es unterliege keinem Zweifel, führte Sandler in Hinsicht auf die Machenschaften der Einkreiser weiter aus, daß „Finnland Gegenstand von Großmachterörterungen gewesen ist, die mit diesem Grundsatz nicht vereinbar sind." Es dürfe keine Unklarheit darüber bestehen, daß dadurch auch schwedischcJntercssenern st haft en Schaden erfahren würden.
Unter Anspielung auf die Bemühungen um Einbeziehung Polens in ein kombiniert sowjetrussisch-enalisch- ftanzösisches System erklärte Sandler, in bezug auf Finnlands Lage, einem außerhalb der Spannungszone liegenden neutralen Lande, daß die Westmächte verstehen müßten, daß das Vertrauen zu einer Respektierung vor der Unabhängigkeit der kleinen Länder einen Riß bekäme, der für lange Zeit nicht zu reparieren wäre, falls jje eine derartige Methode für den Aufbau der Einkreisung zur Anwendung zu bringen suchten.
klärte er, hätten sich nicht im Zusammenhang mit der Frage des Waffenkaufes tn anderen Ländern ergeben, vielmehr dadurch daß die polnische Regierung eine Anleihe in Gold gefordert habe.
.. ^Jc-'J^’e^enb erklärte Chamberlain sein Bedauern über oie „Gistpropaganda in der Preffe und andere Mittel". Der Minrsterprasident ließ hierbei nicht klar erkennen, ob er die beispiellos leichtfertige englische Presse und Mr. Kinq- H a l I meinte.
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- Aus einer Rechtfertigung gegenüber der 5>,pp2' fte offenbar werden sollte, ist die gestrige
Chamberlain-Erklarung zu einer ungewollten Selbst- “ a 9e Sarden. Einen großen Teil der Ausführungen Greben aus, gegenüber den Vorwürfen "der Opposition, Englands Verhandlungs- oder besser A d - p e * c * * a f * i n Moskau z u verteidigen.
^rn diesem Bestreben hat sich der Premier etwas weit vorgewagt, denn das Ergebnis seiner Darstellung war nichts anderes als das offene Zugeständnis einer fyste - "Lat'lcheu Einkreisung Deutschlands, die wir stets die ™ ° V •“ r benFrieden bezeichnet haben,
oie tn England aber immer wieder geleugnet wurde. Viel-
(Fortjetzung auf Seite 3.)
Londons Thema Nr. I heißt: Kriegspotential.
Der Nervenkrieg treibt offenbar immer groteskere Blüten. Das Wort „Kriegspotential", das vor wenigen Wochen noch den breiten Massen überhaupt kein Begriff war ist plötzlich der Lieblingsausdruck des „kleinen Mannes" geworden. Die Diskuffion über das „respektive war potential" ist von den Fachleuten, von den aktiven und pensionierten Herren des „Navy and Military Club", von den „Informierten" der Society übergesprungen, sogar bis East End und Lambeth. Die englische Presse in ihrer Mehrzahl, die ja dieses etwas zu populäre „Gesellschaftsspiel" angekurbelt hat, unterläßt nichts, um durch mehr oder weniger richtig informierende Artikel diesem neuen Jnter- effengebiet der Breiten Leserschichten Rechnung zu tragen. Wenn man in manchen Zeitungen die „Kriegspotential- Artikel" liest, so versteht man das Bedenken diverser englischer Politiker, daß die allzu populäre Aufklärung über einen Fragenkomplex, der nur aus profunder Kenntnis der strategischen und politisch-wirtschaftlichen Zusammenhänge verstanden werden kann, der wirklichen Informierung der Massen nicht dienen kann.
„Kommt die große Krise im August ober September", diese stereotype Frage ist zum Beispiel eine Frucht dieser Kriegspotential-Artikel. Der Berichterstatter will diese Möglichkeit durchaus nicht ableugnen, aber mit populären Diskussionen Über die optimalen und pessimalen Ernteaussichten Deutschlands und Italiens, die augenblicklich grassieren, ist die Antwort nicht gegeben. Verständlich und begrüßens
Neue Blutopfer in Palästina.
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BÄ?ie Monats Juli in dc''-"!
Verso n e n getötet und 97 verwundet Bluter den Toten befinden sich 31 Araber, ?^"den, 1 Engländer und 9 aktive Freiheits- k f r. Verwundet wurden 7(1 Araber. 13 Juden. 7 Engländer. 1 Armenier und li aktive Freiheitskämpfer.
'Ür den englischen Blutterror liefert »»n q Tatsache, dan tm Jul; 15 Araber zum Tode $U p " s l anglt ch e m Gefängnis ver- 1U" *4?. * ‘4 tpurben. 9 Araber wurden hingerichtet, weil sie !!!*■ Stetbeti Ages Landes gekämpft hatten. Bezeichnend mit ,Gerechtigkeit üt, bah keinem Juden, die sich
SV. nFen Witteln, sogar Mit Meuchelmord und Umgehung van lm ya5bc einmnisten versuchen,
non den englischen Gerichten ein Haar gekrümmt wurde.
dl- f-lKeti. sichtlich bevorzugten Behandlung
aufdringlicher werden. nimmt nicht wunder. E,^skntltch sehen sich daher die englischen Behörden ver- gleich unter möglichster Schonung, auch gegen mre «chutzlinge einzuichretten. So wurden zwei jüdische S/u^nten tn Jerusalem wegen Besitzes von Ervlosivstoffen zu der gering fugt gen strafe von 4 Jahren Gefängnis verurteilt.
In der Tientsin-Konferenz scheint die Forderung Japans nach einer Beteiligung an der Polizeige w a l t in den Konzessionen ferne besonderen Schwierigkeiten zu machen. England ist offensichtlich bereit, Japan bei der Bekämpfung der nationalchinesischen Umtriebe mitarbeiten zu lassen. Die Hauptschwierigkeiten liegen auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Japaner verlangen, daß England auch für seine Konzeffionen ausschließlich die neuL chinesische Währung anerkannt. Gerade in der Erfüllung dieser Forderung sieht das japanische Militär die einzige Möglichkeit zu einer vernünftigen Zusammenarbeit mit den Engländern. Da aber dieses Aufgeben des chinesischen Dollars für England das Ende feiner Chinapolitik bedeuten und auch die bisherigen militärischen Erfolge der Japaner wirtschaftlich sichern würde, sind auf biefem Gebiet wohl noch recht schwierige Auseinandersetzungen zu erwarten.
, : ernst anzusehen. igung des amerikanisch-japanischen Chamberlain agf die Eemeinsam-
wt. Die Doppelzüngigkeit der englischen Politik hat in T o k i o die englandfeinblichen Gefühle verstärkt. Trotz des Protestes bes britischen Botschafters fanb am Montag in Tokio mieber eine Riesenbemonstration statt, die unter dem Titel „O st a s i a t i s ch e Massenveranstaltung" abgehalten wurde. Die japanische These: „Asien den Asiaten" kam hierbei wirkungsvoll zum Ausdruck. Es sprachen Vertreter Chinas, Jndochinas, Indiens, der Philippinen, der Türkei, aus der Mongolei, aus A n n a m und Siam. Von japanischer Seite nahm unter anderem auch der frühere Botschafter in Berlin, Honda, das Wort. Alle Redner Betonten, daß Japan die Interessen der unterdrückten asiatischen Völker gegenüBer England wahr- nimmt. Sie forderten die Tokioer Regierung auf unerschütterlich in ihrer Entschlossenheit, den Einsluß ’ Großbritanniens in Ostafien auszuschalten, zu bleiben.
Bezüglich Danzigs sehe die Regierung keinen Grund zu übermäßiger Besorgn i s. Polen wurde gelobt als klug und staatsmännisch.
Schließlich wandte sich Chamberlain der Lage im Fernen Osten zu und erklärte, die britische Regierung werde ihre Politik nicht auf die Forderung irgendeiner Macht hin ändern, und sie sei von der japanischen Regierung auch nicht darum ersucht worden. Wenn die an ti britische Agi- ttakion in Nordchina weiter anhalte und die Angriffe auf britische Jntereffen und Rechte in Nordchina ungehindert weitergingen, würde die britische Regierung gezwungen sein, die Lage als sehr Hinsichtlich der Kündigung des a Handelsvertrages wies C.,_________... „yl „,v ..............
feit „der allgemeinen Ziele und Absichten der Vereinigten Staaten und Großbritanniens" hin (!). Es sei aber nicht notig, daß jeder von ihnen notwendigerweise genau dasselbe tun müffe wie der andere. Vielleicht feien verschiedene Methoden in verschiedenen Fällen angebracht. Das Haus könne aber versichert fein, daß die britische Regierung größten Wert aus Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten lege. Die britische Regierung habe keinerlei britische Jntereffen in China betrogen und verfolge nicht die Aufgabe von Rechten Dritter. Wenn Sinclair meine, ob die Formel bedeute, daß Großbritannien Japan helfen wolle, das zu behalten, was es habe, und es nicht daran zu hindern, mehr zu erobern, so sei das eine falsche Erklärung (!). Fragen bezüglich der Übergabe von S i l b e r b e st a n d e n und der Unterstützung der chinesischen Währung gingen nicht nur England an und könnten daher ohne vollste Verständigung mit anderen Ländern, deren Interessen ebenso berührt seien, nicht erörtert werden.
Dann befaßte sich Chamberlain noch kurz mit den englisch-polnischen Verhandlungen. Die Schwierigkeiten, so er-
Zwischenbilanz der Einkreisung.
gegen Tokio. Schwarzer Tag Chamberlains,
Wiesbadener Tagblatt
Druck und »erlag: (ifb’
Erscheinungszeit:
Nr. 177
Dienstag, 1. August 1939.
87. Jahrgang
fr Ausgaben
Unterhaltungsbeilage.
Werktäglich nachmittags.
Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn- u. Feiertags Berliner Büro: Berlin-Wilmsrsdorf
Bezugspreise: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat man •> schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35 zuiüalich 36 9lnf rÜ'~A: ‘
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