Montag, 31. Juli 1939.
Wiesbadener Tag blatt
Nr. 176. Seite 5.
Wagen der Winzer und des Sckcklks. Dazwischen sab man Festgruvven und Musikkavellen und den Abschluß bildeten andere Kerbeaesellschaiten u. a. die E i b b e r. Nock weitere Festroagen mit schmucken Feldsträßern Buben und feschen Mädels belebten den 3un. Das buntbewegte Bild batte zablreicke Zuschauer angelockt. die die Zugstraße dickt umsäumten.
Mit dem Festzug aina es dann am Mittag zum Kerheolatz „Unter den Eichen", wo zahlreiche Buden aller Art — vom Sckiefestand bis zum Glücksrad und der Waffelbude — errichtet waren und man bis zur sväten Nachtstunde bei Tanz und Sviel vereint blieb. Am Abend war dann das Feldsträßer Mertel noch einmal festlich illuminiert. Am Montan findet nock eine Nachfeier aus dem Festvlatz statt, die kick ebenfalls eines iebr nuten Besuches erfreuen dürfte. Man konnte auch diesmal wieder den Feldsträßern zu ihrem lieft. das sie so einzigartig sck'ön veranstaltet haben, nur gratulieren. Sie boten ihren Gästen eine gemütliche Fröhlichkeit, so das? man sich nock lange an die tieffltoe Veranstaltung erinnern wird.
gl.
Deutsche HrbettsfrontOM
NS.-6emeinschaft „Kraft durch Freude“
DAF. Kreis Wiesbaden, Lulsenstr, 41, Fernspr.-Sammel-Nr. 596 41 Sprechstunden des Kreisobmanns: Dienstags u. Freitags v.16-18 Uhr
Betr. Freilichtaufführung d. Schauspiels „Wilhelm Teil" auf der Thingstätte Loreley am Mittwoch, 2. August.
Zu der Ausführung des Schauspiels ..Wilhelm Teil" von Schiller fährt die NSG. „Kraft durch Freude" am Mittwoch, den 2. 8. 1939. mit Omnibussen zur Loreley. Abfahrt ab Wiesbaden gegen 18 Uhr. Der Fahrpreis beträgt 3.50 RM., Eintritt zur Aufführung 1 RM. Karten sind ab sofort in der KdF.-Verkaufsstelle. Luisenstrabe 41. erhältlich.
Eine ungültige Mietkündigung.
Bemerkenswerte Gerichtsentscheidung.
Es kommt zuweilen, um nicht zu sagen häufiger vor, daß zwischen Vermieter und Mieter Streitigkeiten entstehen. Gelegentlich einer solchen Auseinandersetzung äußerte die Vermieterin dem Mieter: „Überhaupt, Sie können ja am 1. Mai sich eine neue Wohnung suchen." Darauf der Mieter: „So einen Taubenschlag wie hier bekomme ich jederzeit." Der Mieter zog am 1. Mai auch aus, doch die Vermieterin verklagte ihn nun auf Zahlung der Miete für den Monat Mai, weil eine wirksame Kündigung der Wohnung nicht vorgelegen habe. Der Mieter wurde auch vom' Amtsgericht Köln zur Zahlung der Mai-Miete verurteilt. Das Gericht stellte sich auf den Standpunkt, daß in der in der Erregung gemachten Aufforderung eine ernstliche Kündigung nicht zu erblicken sei. Die Kündigung sei eine wichtige Anlegenheit, die man, wenn sie ernsthaft gemeint sein solle, in Ruhe überlegen und eine feste Vereinbarung treffen müsse. Zudem sehe der zwischen den Parteien abgeschlossene Mietvertrag ausdrücklich die schriftliche Kündigung vor. Schon aus diesem Grunde fei der in der Erregung ausgesprochenen mündlichen Kündigung keinerlei ernstliche Wirkung beizulegen. Weiter sei das Gericht der Ansicht, daß der Mieter mit seiner Gegenäußerung selbst nicht die Kündigung als ernsthaft und wirksam angesehen hatte. Des weiteren sei dem Mieter bekannt gewesen, daß er auf Grund des Mieterschutz- gesetzes von der Vermieterin überhaupt nicht zum 1. Mai herausgesetzt werden konnte. Die Vermieterin habe auch eine Neuvermietung der Wohnung nicht in irgendeiner Weise angekündigt. Auch daraus habe der Mieter schließen müssen, daß es sich bei der Äußerung der Vermieterin um in der Erregung hingeworfene Worte ohne rechtliche Wirkung handelte.
Es war ein frohes Wiedersehen.
Solinger Sänger bei der „Union" zu Gast.
Als im Jahre 1935 der MGV. „Eintrach t" Solingen-Schaberg in Wiesbaden ein Konzert gab, da gefiel es den Solinger Sangesbrüdern so gut in der Weltkurstadt, daß sie beschlossen, dem MEV. „Union“ Wiesbaden balomöglichst wieder einen Besuch abzustatten. Die Gelegenheit ergab sich jedoch erst jetzt nach vier Jahren. Umso freudiger wurde das Wiedersehen gefeiert. Am Samstagnachmittag um 5.30 Uhr trafen die „Eintracht"-Sänger in Omnibussen in Wiesbaden ein und wurden im Vereinslokal „Germania", in der Helenenstraße, herzlich begrüßt und in die jeweiligen Quartiere geleitet.
Am Abend fand dann ein großer Kommers zu Ehren der Gäste im Paulinenschlößchen statt, zu dem sich auch die befreundeten Männergesangvereine, u. a. Scharr'scher Männerchor, MEV. „Frohsinn" Bierstadt, MEV. „Konkordia" Sonnenberg, Schubertbund, Germania und der Postsängerchor eingefunden hatten. Rach dem Sängergruß (ein Vortrag des gemischten Chors der Union) begrüßte der Vereinsführer der Union Karl Debus die Sangesbrüder aus Solingen. Er gedachte dabei noch einmal rückschauend des schönen Konzertes, das die „Eintracht" 1935 in Wiesbaden gab, und welch großen Beifall sie damals mit ihren Vorträgen errang. Anschließend sprach der Vereinsführer die Hoffnung aus, daß es den Sangesbrüdern aus Solingen in Wiesbaden, dessen Sehenswürdigkeiten Und Schönheiten man ihnen diesmal zeigen werde, noch besser gefallen möchte als vor vier Jahren. Es folgte dann der Vortrag eines schwedischen Volksliedes in der Bearbeitung von Lund, das die „Union“ zu Gehör brachte. Hierauf dankte der Vereinsführer des MEV. „Eintracht" Solingen-Schaberg, Wilhelm P l ü m i n g, für den überaus herzlichen Empfang und die vielen llberrafchungen, die die „Union“ ihren Gästen bietet. Als äußeres Zeichen des Dankes überreichten die Solinger ihren Wiesbadener Sängerbrüdern des MEV. „Union“ verschiedene Erzeugnisse ihrer weltberühmten Industrie.
Anschließend fand ein Singen der verschiedenen Chöre statt. Dabei brachte zuerst der Eastverein „Eintracht“ Solinge" (etwa 60 Sänger) den rheinischen Sängerspruch und bann „Wanderers Nachtlied“ (Bruno Stürmer), „Abendsegen" von Werth, die „Ausfahrt" von Thelen, sowie „Über die Heide" (Text Löns) von Roscher unter seinem trefflichen Dirigenten Curt Becht, Wuppertal-Barmen, mit seinen vorzüglichen, klangvollen Stimmitteln zu Gehör. Doch auch der MEV. „Union“ (35 Sänger), unter der sicheren Leitung von Chor- meister Hermann Kratz, stand nicht zurück und brillierte besonder^ mit dem Vortrag „Im Krug zum grünen Kranze“ und „Maientag“, sowie anderen klangschönen Liedern. Nicht minder wirkungsvoll waren die Darbietungen des Frauenchors der „Union" (40 Sängerinnen), von dem man „Schwefelhölzle“ und das „Meisenliedchen“ hörte. Der
gemischte Chor der „Union“ sang bann noch, mit reichem Beifall belohnt, „Heisa Kathreinerle“ (Bearbeitet von Hans Lang) unb „Tanzlied“ von H. Lang. Von den anwesenden Wiesbadener Eastvereinen trat der Scharr' sche Männerchor, unter Dirigent Kuckro, mit den Liedern „Scheidezeit“ von Eauchormeister Rudolf Werner unb „Rheinglaube" von H. Sonnet eindrucksstark hervor. Ferner langen Kameraden vom Postsängerchor „Die Post", „Bleib deutsch, du herrlich Land am Rhein“ unb „Dorfgeheimnis“ Solistisch wirkte der Bassist Seibel, ein gebürtiger Wiesbadener, der zur Zeit am Stadttheater Krefeld wirkt, durch den dankbar aufgenommenen Vortrag zweier Lieder mit. — Es schloß sich bann ein bunter Teil ber Veranstaltung an, bei dem u. a. von den Solinger Gästen, als Solisten Karl Otto (Bariton) und Willy B n ß (Tenor), volkstümliche Lieder geboten wurden.
Das Program des Sonntags brachte für die Solinger Gäste einen Besuch des Flughafens Rhein-Main unter ber Führung bes Union-Vereinsführers D e b u s. Am Nachmittag fanb eine Besichtigung bes Nerobergs, des Opelbabes unb bes Kochbrunnens statt. Für ben Montag ist eine Kur- Haus-Deflchtigung unb ein Besuch ber Sektkellerei Henkell ängesetzt. Am Nachmittag wirb bann die Rückfahrt erfolgen.
gl.
Mannheimer Äanarienfrcunbe besuchten Wiesbaden.
In zwei Reiseomnibussen trafen am Sonntagmittag die Mitglieder des Kanarienzüchtervereins Mannheim und des Vereins Vereinigte Kanarien- züchter Mannheim mit ihren Angehörigen nach einer Fahrt durch Rheinhessen, bei der auch Oppenheim besucht worden war, in Wiesbaden ein. Nach dem gemeinsamen Mittagessen lernten die Mannheimer Gäste unter Führung Wiesbadener Sportfreunde die Schönheiten der Weltkur- stadt kennen. Die Stadtrundfahrt führte über die Ringstraßen zur Reisinger- und Herbertanlagen, über die Wilhelm- straße am Kurhaus und Kochbrunnen vorbei, durch das Dambachtal zum Neroberg mit Opelbad. Die Gäste waren begeistert von der schönen Lage unserer Stadt und ben vor- bilblichen Kureinrichtungen. Die Fahrt wurde weiter fortgesetzt durch die Innenstadt und die Straßen ber Weststabt durch bas Wellritztal zur „Klostermühle“, wo bie Mannheimer mit ihren Kameraben unb Freunden von der „Kana r i a“ VbV. 1899 Wiesbaden einige frohe Stunden der Kameradschaft verbrachten. Ein Sprecher ber Mannheimer Gäste beglückwünschte hierbei ben Sßiesbabener Verein zu seinem 4vjährigen Bestehen unb überreichte ihnen ein Erinnerungsgeschenk, für bas ber Vertreter ber „Kanaria“ herzlichst bankte. Am Abenb fuhren bie Mannheimer mit schönen Einbrücken im Herzen wieder in ihre Heimatstabt zurück mit ber Versicherung ber Wiesbadener und Mainzer, im kommenden Jahr zum Gegenbesuch nach Mannheim zu fahren. p.
Berlustvortrag jetzt auch auf die Gewerbesteuer möglich.
Eine weitere Steuervergünstigung.
- Zur Durchführung der Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1939 hat der Reichsfinanzminister im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Innern und vorbehaltlich der späteren Regelung im Verordnungsweg einstweilen durch Erlaß eine weitere Steuererleichterung verfügt. Der sogenannte V e r l u st v o r t r a g, der bisher auf die Einkommen- und Körperschaftssteuer beschränkt war, wird nunmehr auch bei der Gewerbesteuer ermöglicht. Erstmalig gilt die Neuregelung für das Jahr 1938, dessen Gewerbeertrag der Gewerbesteuer für das Rechnungsjahr 1939 zugrunde zu legen ist. Dabei können also Verluste aus den Jahren 1936 und 1937 berücksichtigt werden. In jenen Jahren hatten noch verschiedentlich auch im Altreichsgebiet Gewerbetreibende Verluste, die nun berücksichtigt werden können. Besonders wertvoll aber wird die Neuregelung sich für die Ostmark und das Sudetenland auswirken, wo sie entsprechend angewandt wird und wo 1936 und 1937 das Gewerbe noch sehr danieder- lag.
Der Erlaß bestimmt, daß bei Gewerbetreibenden, die Bücher nach den Vorschriften des Handelsgesetzbuches führen, der Eewerbeertrag um die Fehlbeträge zu kürzen ist, die sich bei Ermittlung des Eewerbeertrages für die beiden ooran- gegangenen Wirtschaftsjahre ergeben, soweit die Fehlbeträge nicht bereits bei Ermittlung des Eewerbeertrages für das vorangegangene Wirtschaftsjahr gekürzt worden sind. Wenn auch dank des Aufblühens der deutschen Wirtschaft, die in der
Die Qualitäts-Zahnpaste Chlorodont wirkt abends am besten
Systemzeit allgemein verbreitete Defizitwirtschaft im Gewerbe jetzt auf Ausnahmefälle beschränkt ist, in denen aus den verschiedensten persönlichen und sachlichen Gründen einmal ein Fehlbetrag auftreten kann, so zeigt der Gesetzgeber doch durch diese Regelung erneut, daß er alles unternimmt, um die Wirtschaftsführung zu erleichtern.
— Ein schöner Sommersonntag mit all seinen Reizen lockte gestern tausende naturliebender Menschen aus der Enge der Häuser hinaus in den weiten, schattenspendenden Taunuswald. Besonders von der linken Rheinseite war der Zustrom wieder stark. Kleine und große Wanderungen wurden unternommen, die nicht selten in den stillen Dörfchen bes „blauen Ländchens“ endeten. Hochbetrieb hatte auch die Taunusbahn nach den Waldbahnhöfen Chausseehaus und Eiserne Hand aufzuweisen. Mehrere eingelegte Züge bestätigen den starken Verkehr, der sich nicht zuletzt auch auf die städtischen Verkehrsmittel ausdehnte.
— Alle Tannenbergfahrer, die am Staatsakt anläßlich ber 25-Jahrfeier ber Schlacht bei Tannenberg am Reichsehrenmal teilnehmen wollen unb währenb dieser Zeit in ber Nähe bes Reichsehrenmals zu übernachten wünschen, müssen sich so bald als möglich unter Angabe der llbernachtungs- baten beim Quartieramt für bie 25-2ahrfeier, Hohenstein- Ostpreußen anmelben. Wer ohne eine solche Anmeldung die Fahrt unternimmt, kann nicht bamit rechnen, baß er ein Nachtquartier finben wirb. Diese Notiz gilt nicht für die Teilnehmer ber Sonberzüge, für bie besondere Quartiere bereit- gestellt sind.
— Neue Aufgaben für die NSKOV. Alle ehemaligen Angehörigen der Legion Condor und sonstigen Spanienkämpfer sowie deren Hinterbliebene, ferner Angehörige der Wehrmacht, die bei der Befreiung der sudetendeutschen Gebiete eingesetzt waren und ihre Hinterbliebenen werden jetzt ausnahmslos durch die NSKOV. vertreten. Das gleiche gilt für die ehemaligen Angehörigen des sudetendeutschen Freikorps und deren Hinterbliebenen. Weiter vertritt die NSKOV. alle Ansprüche aus dem Wehrmachtsfürsorge- und Versorgungsgesetz (WFVG.) und damit jetzt alle Soldaten der alten und neuen Wehrmacht, wenn Fürsorge oder Versorgung gewährt werden soll.
— Ehefrauen können Weftwallarbeiter besuchen. Der Reichsverkehrsminister hat in einem Bescheid vom 22. Juni d. I. mitgeteilt, daß bie Arbeiter, bie bei den West wallarbeiten beschäftigt sind, zugunsten ihrer Ehefrauen auf bie ihnen zustehenben kostenlosen Wochenenbheimfahrten verzichten können. Die kostenlose Rückfahrkarte kann bis
Sachlichkeit in Gefühlsangelegenheiten gepaarte Frische, nicht mletzt dank seiner waschechten Aussprache bes Wienerischen. Armgard Westra machte aus ber Frau bieies Bieber- mannes. wie nicht anbets möglich, eine verwöhnte Puppe mit ben Unarten eines schlecht erzogenen Kindes. Vor einer Tragobie im Sinne ber ..Wahloerwanbtsckaften“ werben wir bewahrt, weil lebes ber Pärchen aus Liebe ober aus Gewohnheit ben Weg zu seiner Krippe zurückfinbet. Höchst brollig bleibt trotzdem der Abschluß, der ben Pianisten, ganz gegen seinen Willen — es ist nun einmal sein Berus — in den Armen einer weiteren glühenben Verehrerin zeigt. Diese würbe von Marlies Bienek ebenso pikant wie schwärmerisch gegeben unb mit einem tollen Touristenkostüm an ben Ranb ber Groteske gebracht. Nicht vergessen sei bas Ehepaar Pollmger. bas von Willy Moog unb Dora Til - mann nut ber angemessenen alpinen Urwüchsigkeit vorgeiübrt würbe. Die. geschmackvollen Bühnenbilber von Erika Peters lieferten ben stimmungsvollen Rahmen für bas Lustspiel, bas dem gutbesetzten Hause ein herzliches Vergnügen bereitete. Dr. Wolfram Waldsch inidt.
* Overettenaoend im Kurgarten. Das gestrige, der heiteren Muse geweihte Abendkonzert erhielt einen besonderen Reiz burch bas Auftreten bet Sopranistin Hübe Schellenberg. Sie ist eine ausgesprochene Ooeretten- sängerin mit einer wohlgeschulten unb beionbers in der. Mittellage tragfähigen unb ausgiebigen Stimme. Hübe Schellenberg trug verschiebene beliebte Operettenscklager vor, so bas Walzerlieb aus bem „Svitzentuch ber Königin" von Johann Strauß unb bas Lieb „Ich schenk mein Herz aus ber Operette „Die Dubarry" von C. Millöcker. Ihr Gesang ist geschmackvoll, wahrt ben Stil bet leichten Kunst und überrascht gelegentlich burch Innigkeit bes Tons. In einem Lieb aus bet Operette „Monica" von R. Dostal, unb in bem Lieb ber Christel aus Zellers ..Vogelhändler“ wußte sie überdies durch beachtliche Technik der Koloraturen zu interessieren. Der Beifall des zahlreich erschienenen Publikums war hetzlick und wohlverdient. Kapellmeister Ernst S ch a l ck hatte für eine abwechslungsreiche Vortragsfolge gesorgt, in der neben den Klassikern auch bie Sckövfet ber modernen Operette zu Worte kamen, und konnte dank seiner schwungvollen Stabführung einen guten Teil bes Erfolges für sich in Anspruch nehmen.
Dr. Wolfram Waldschmidt.
Aus Kunst und Leben.
* übet 100 000 Besucher im Saus der Deutschen Kunst. Die beutsche Kunstausstellung 1939 im Haus bet Deutschen Kunst zu München erfreute sich auch in ber abgelaufenen Woche eines anbaltenb starken Besuckes. In ben letzten Tagen statteten insbefonbgre iebr viele Auslänbet. namentlich Italiener unb Englänber. der Schau einen Besuch ab. Am vergangenen Samstag würbe bet 100 000. Besuchet gezählt. In ber abgelaufenen Woche stellte sich die Besucherzahl aus rund 50 000. Auch bie Verkaufstättgkett war seht rege.
* Hauptversammlung bes Bayreuther Bundes. Arn Freitagvormittag fanb in bet Lubraig-Siebett-Festballe zu Bayreuth die Hauptversammlung des Bayreuther Bundes statt. Der Geschäftsbericht bes Reicksbunbesführers Otto Daube gewährte einen tiefen Einblick in bie Entstehungsgeschichte bes Bayreuther Bundes, der das deutsche Volk zum -träger bes heutigen Kulturlebens, wie es Richarb Wagner in Bayreuth angeitebt unb ber Führet heute verwirklicht hat. erziehen will. Von ben Erfolgen bes Bundes spricht bie Tatsache, baß sich innerhalb eines Jahres bie Zahl bet Orts- netbänbe bereits vervierfacht hat unb die Mitglieberzahl auf bas Dreifache anwucks. Auch ber Kassenbericht liefe die geiunbe Entwicklung bes Bayreuther Bunbes erkennen.
* „Max Reger." Von Prof. Dr. Fritz Stein. (Akabe- muche Verlagsanstalt Alhenaion. Polsbam.) Mit biekrn zwölften Banb ist bie von Ernst Bücken berausgegebene Reihe »Die großen Meister ber Musik“ nunmehr abgeschlossen. Der Verlasset, einet ber vertrautesten Fteunbe Regers, nennt seine Darstellung ein Etinnetungsbuch. Es gebt ibm um bas unvettälsckte Bild bes Menschen unb um bie authentische Interpretation ber Werke. Er läßt, jo oft es angeht, ben Meister selbst sprechen. Mit allem Nackbruck entkräftet er ungerechtfertigte Vorurteile unb rechnet temperamentvoll mit ben ehemaligen unb heutigen Wibetsacketn bes beraum betten Freunbes ab. Dock verschweigt er auch mancke mensch- ttch-allzumenschlicken Züge nicht, beckt vielmehr zum ersten Male bie ganze Tiefe ber schöpferischen unb charakterlichen Krise aut bie ber junge Reger in seiner Wiesbadener Zeit burchgemacht bat. Um so wärmeres Lickt fällt aus bie Gestalten ber Eltern, beten aufopfetnbe Liebe den Sohn aus dieser Krise rettete. Wesentliches weiß Stein auch über Regers Verhältnis zur musikalischen Form und über seine musikgeschichtlicke Stellung zu sagen. Hier ergeben sich aus
ber inzwischen gewonnenen Distanz neue gültige Maßstabe, wie sie den ersten Biographen zu des Meisters Lebzeiten oder kurz nach seinem Tode naturgemäß nicht zur Beringung standen. Besonbers lesenswert finb für ben Menschen bie auf Regers eigene Äußerungen gegrünbeten Leitsätze für bie Interpretation seiner Werke. Bei ber Betrachtung bes Schaffens gebt Stein von ber Kammermusik als ber Gattung aus. ber Reger sein ganzes Leben binburch treu geblieben ist, nicht von ben Orgelwerken, mit -benen er zuerst in weiteren Kreisen bekannt wurde. Mit liebevoller Ausfübrlichkeit sind auch bie Frübwerke betrieben, um an ihnen bie allmähliche Entwicklung bes persönlichen Stils zu beobachten. Zablreicke Notenbeispiele. zum Teil aus ungebrutften und unvollendeten Werken, und sorgfältigausgesuchtes Bildmaterial, sowie eine Ahnentafel und eine Werkübersickt im Anhang erhöben bie Ansckaulichkeit ber Darstellung unb macken ben Banb zum unentbehrlicken Hanbbuck für leben, bem am Verstänbnis Regerscher Musik gelegen ist. Dr. Wolfgang Stephan.
* Das Raumklima des Menschen. Der Frankfurter Hygieniker Professor Küster stellt bie Forberung auf. baß das Raumklima, b. b. bie Gesamtheit ber Witterungseinflüsse. bie auf Bewohner. Arbeiter unb VersammluMs- besucher in Snnenräumen einrairfen. den zuträglichsten Witterungseinflüssen im Freien möglickst angenähert [ein müssen. Die Frage ber Beschaffung von staubfreier, sauerstoffreicher unb tflblenfäurearmer Luft, frei von schäblichen Gasen, mit optimaler Temperatur. Feuchtigkeit unb Luft- bewegung bürste beute technisch gelöst unb nur eine Frage ber Beschaffung sein. Genaue Beobachtungen unb Berechnungen haben ergeben, bafe sick ber Kostenaufwanb durchaus lohnt, in dem neben ber Förderung der Gesundheit eine erhöhte Slrbeitsfreubigleit und Arbeitsleistung erzieblt wirb, yerner konnte man im Rahmen von Arbeiten über bie Wirkung von elektrisch gelabener Luft auf gesunde unb kranke Tiere feststellen, baß bestimmte Krankheiten wie Tuberkulose. Krebs, Pneumonie unter dem Einfluß ber Jonen verhältnismäßig schnell ausgebeilt werden können. Wenn sich diese Versuche bestätigen lassen, ist damit eine außerordentlich wichtige therapeutische Möglichkeit eröffnet.
So viele widersetzen sich dem Eckten nur deshalb, weil sie zugrunde geben würden, wenn sie es anerkennten.
Goethe.
