Einzelbild herunterladen
 

//

e Neuyasse 11

N und Filiale Wellritzstraße 45

Die Braune.

Von Sans Friedrich Blunck.

Als der (Befreite Febrs zur Feldküche lief, um Elfen für die Leute bei den Malchinengervehren »u holen, horte er einen feltfamen übergellen Pferdefchrei, Und plötzlich wußte er, daß die „Braune" in der Nähe war. leine braune Liefe vom Möblenhof, und daß lie ibn gerufen hatte, mitten in den Karpathen.

Einen Augenblick ltand er wie betäubt da, die Schläfen vochten ihm, er mutzte lick zwingen, nach dem Tier auszu- lchauen. Wenn man lange draußen gewesen ist und, bald ein Jahr fern von der Heimat, täglich mit ,»eind und Tod zu tun hat. kommen Augenbttite, wo Wirtlichkeit und weitsicktige

.. r' ®ann Wut txuuy Gvuiv vcunxuJ

das Knirschen der Züael und das stockende, erregte Schnauien. wandte sich um, erkannte die Stute und streichelte ne.

Ein Rittmeister rief ibn an. Der Gefreite, Febrs war einen Augenblick daheim auf dem Hof gewesen, letzt fuhr er auf und ritz die Hacken zusammen.

„Die habe ich selbst aufgezogen", erklärte er, „und nun treffe ich sie bier wieder!" Er staunte noch über feine Ruhe vor solchem Wunder.

Der andere nickte ihm zu. „Das ist allerdings sonderbar! Irren Sie sich nicht? Sind Sie einer von den Elmshorner Züchtern?"

„Ich bin Landwirt aus der Elbmarsch." Dem Gefreiten war. als fei das Zusammentreffen schon eine geraume Zeit her. Man lebt so sonderbar und ohne Zeitmatz da draußen; alle großen Ereignisse bleiben in greifbarer Räbe und liegen dock sofort nach dein Geschehen wie auf eine, Kette geschnürt hinter einem. Man bat gelernt, rasch zu überwinden und für den nächsten Sprung bereit zu sein.

„Braune, gute alte Braune" — tagte Hans Febrs wieder, strich, halb verlegen über seine weiche Stimmung, dem Pferd über die Kruvve. stand straff und ging zum Essenbolen.

Einige österreichische Mörser warfen ihre zischenden Ge­schosse hoch über die Köpfe der deutschen Truppen hinweg auf den Feind. Scharf dröhnten die Aufschläge von den Bergen wider. —

Der (Befreite brachte mit fallender Dunkelheit das Essen zu seinen Kameraden. Dabei besing ibn noch immer das. Er­staunen über die Begegnung: ihm war. als sei.er der Heimat nabe gewesen, er mutzte sich zwingen, an Krieg und Kar­pathen zu denken.

„Alte, gute Braune!" Er sah den Hof und den Stall und sah fick selbst tausendmal dem Tier den Hafer zumesien. Selt­sam. wie sie alle in den Kampf hatten ausz,eben müssen. auch die Braune! Ob überhaupt noch jemand in Deutschland war? Übrigens schien es ihm nur gereckt, datz auck die Pferde helfen mutzten: jetzt wußte man wenigstens, wofür, man die Stute eingefahren hatte. Rur daß sie bet der celdkucke stand, war Fehrs nickt genug. Er selbst hätte sie baben mögen, niet bei seinen Masckinengewebren. etwa im Tausch für den alten Zirkusgaul, der tanzen konnte, aber vor den Kugeln ausriß.

Der Gefreite meldete fick bei feinem Hauptmann und fprack darüber. Am andern Abend hatten sie wirklich der Feldküche den „Tanz-August" aufgeredet und zogen mit der Elmshorner Stute ab.

In der Nackt hatte Fehrs Macke, und dem Hauptmann, der die Stellung abging, war es reckt. . Der Gefreite war einer von den allzu Besonnenen, über d,e mau gerne lackt und die dock ihren Mann stehen, wenn der Ernst kommt. — Hans Fehrs stand auf Posten, die Stellung lief burch eine Talmulde, übertoneite Berge feuchteten glatt und silber­weiß. Z» ihren Füßen reckten fick ein paar Tannen, verstreut auch die Giebel zerfckoffener Gehöfte. Dahinter hoben fick dunkel die Sergbänge. Auf halber Höbe, lag Schnee, begann eine fließende Helle, die irgendwo in dünne ziehende Nebel überging. Der Mond stand weiß und hock in Wolken, bte wie ein leuchtender Baum mit langbangendem und sich streckendem Wipfel toimmerten.

Die Nebel der Sckneebalden sanken tiefer, bis zu den Tannen hinab; sie ruhten auf allen 3rocigen und ließen st» durchsichtig beickeinen. Als Hans Febrs lange btnuberiab. hüllten sie auck ibn ein: er war daheim und führte die Braune zur Weide. Biel hatten sie zusammen erlebt und dankten einander manckerlei. Als Fohlen batte er ne einmal aus dem Graben gezogen, das vergaß sie ihm nickt. Der Mann griff nach dem tonaubenben Kopf des Tieres: es war bei ihm. batte fick wohl losgeriffen? Indern ftumpfbellen Nebel, der um ibn trieb, wandelten stck Bild und Einbildung, waren ste beide wieder jung und auf dem vof. das zitternde, unruhige Fohlen und der breite, unbeholfene Burfcke. der es zu versorgen hatte. Er buchte dabei an das Tier wie an einen Freund, dessen Herz man nabe scklagen hort und bellen Wünfcke man erraten will.

Hans Febrs fuhr auf. toüttelte die Gebauten ab. rote man den Schlaf aus ben Augen reibt, unb rounberte fick, rote

„Charlie wird es nicht eilig haben, feine Schwester zu verheiraten", meinte ein blonder Jüngling nach dem letzten Blick. „Lilian ist unvernünftig: mit dem Geld, das der Bruder ihr jetzt wieder abzwackt, könnte sie hier eine Hochzeit mit zwölf Brautjungfern ausrichten!"

„Ach, Charlie ist ein reizender Junge!" betonten die Freundinnen.

„Charlie ist ein Taugenichts", erklärten die Männ­lichkeiten. v

Indes stand Lilian zwischen ihren Paketen und -Blumen und wendete sich an ihre ältliche, in die Breite gegangene Centn, die seit zehn Jahren die wenig beneidenswerte Stellung einer Gesellschafterin und Zofe mit herrlichem Phlegma ausfüllte, und rief: „Ach, Centn, schaffen Sie das / Zeug weg!"

Und als soeben ein Steward vorüberkam, einen be­quemen Bordsessel schleppend, hielt sie ihn an und sagte kurz: „Hierher mit dem Sessel! Und helfen Sie, diese Schachteln in die Kabine zu tragen! Sie dürfen auch einige davon für sich behalten!" ,

Der Mann, der in seiner schmucken Uniform gut aussah unb ein bemerkenswert intelligentes Gesicht hatte, nickte der befehlenden Dame ein wenig zu und erwiderte: „Sofort, Miß", worauf er seinen Stuhl gemütlich zu einer weiß­haarigen alten Dame trug, die in einer windgeschutzten Ecke darauf wartete.

Verblüfft und empört erlebte Lilian zum erstenmal, daß ein männliches Wesen eine alte Dame vor einer jungen, hübschen bediente. Ihr rasch folgender Gedanke war freilich: Na, die alte Schraube wird unerhörtes Trinkgeld gespendet haben, das hätte ich auch tun sollen.

Der gut aussehende, intelligente Steward stellte höflich den Stuhl auf, ordnete Kissen und Decken der alten Dame darauf und prüfte den Wind. Dabei näherte er sich der Kajütirevpe und hörte zwei Stimmen, eine rauhe, die wohl einem Bedientesten angehörte: „Die hellblonde? Mit den vielen Schachteln und Blumen?", und eine gesittetere, aber ebensowenig sympathische . . . „ja, Luxuskabine Nr. 7 und 8. Vorsicht/ es darf kein Verdacht aufkommen."

Leider konnte der Steward nicht mehr hören auch,nicht sehen, wer ba geredet hatte, denn es ward von allen «eiten nach ihm gerufen, weil jeder Reifende sich nun gemütlich auf Deck installieren wollte. Ein bißchen nachdenklich machte er sich an die Erfüllung der verfchiedentlichen Wunfche. „Französisch haben bie zwei gesprochen, hm, und auf dem A-Deck? Sonderbar."

Centy trug einen Arm voll Blumen in das schöne Appartement ünb sreute sich, eine volle Woche lang ein ebenso entzückendes Schlafgemach wie Lilian zu bewohnen, und der zwischen beiden Räumen liegende Salon war ge­radezu prächtig. , , , .

Mit angeborener Blumenliebe versorgte sie erst einmal die langstengelichen Sträuße und nahm dann dem voll­bepackten Steward bie zierlich bebänberten Sußigkeits- fchachteln ab.

„Ihre Tochter besitzt viele Freunbe, Mabame", bemerkte er, bie Schachteln auffchichtend unb darauf beutend. „Man hat ihre Abreise scheinbar sehr bedauert. Oder sehr gern

Fräulein Raimund beeilte sich, festzustellen, daß Miß Miller nicht ihre Tochter sei, daß sie nur als ihre Begleiterin diene. „Sie ist zwanzig Jahre, ebenso alt war im. als ich seinerzeit Europa verließ! Du lieber Himmel! Wie wird sich Paris verändert haben in dieser langen in dieser langen Zeit! So wie ich mich veränderte", sie seufzte tief.

(Fortsetzung folgt.)

er nur träumen konnte. Er schalt oft genug über bie Träumer; er wollte ja hart, unb klar bleiben für ben Krieg. —

Im Osten war ein heller Winkel im Nebel, wie ein Lickt» sckein. bet nach oben strahlt. Der Morgen kam ins Tab grau und bämmer. Von den Bergposten ballten ein paar Schüsse herüber, noch einige, unb plötzlich barst eine schwere (Branatt ■ mitten in der Stellung bet Deutschen. Ober waren es viele,.-' Ein döllenfeuer brach los — ein tobbringenber Lärm, als sprängen die Felsen auseinander. Dann hörte es icktag» artig auf.

„Die Russen kommen!" —

Als die Sonne die Nebel durckstietz. fehlen die Übermacht der Angreifer die Deutschen erdrücken zu wollen. Der Haupt­mann war längst gefallen, .den Leutnant batten sie schwer ♦biimS emmxri. iivrf) Vfc fvtlivilUjyil

weschoßgarben bie harten Felshänge ah 1l’1\ÄT’T"'T brachen bie iufftfc6en scllimer vor. Hans Febrs unb die «einen hatten weicken müssen, vorn in bet alten Stellung lagen bie Toten ber Kompagnie. Ein Unteroffizier batte einige Gewehre zuriickgefübrt, ohne zu wissen, was vor und hinter ihm kommen würde. Auf der flachen Halde standen kleine Wildbüsche von Kiefern und Birken. In einem von ihnen batte Hans Febrs von früheren Kämpfen bei Munitionsgurte gefunden, hatte sich mit drei, vier Leuten iestgefetzt und fckon zweimal graue Klumpen, die vorn aus dem Tal auftauchten, auseinandergesprengt. Einmal war ein Offizier vorübergekommen ünb batte befohlen, er solle ben Buick halten auf Tod unb Leben.

Zornig unb eigensinnig batte Hans Fehrs sich ein» genistet, tootz. wartete unb schoß roieber. Zwlsckenburck. beim Atemholen, backte er an bie Braune; man hatte einen Kameraben mehr in bet Räbe, bas machte froh unb »uversickt- lick. Dann truf’s jäh seinen Nebenmann, baß er aufsehrte. Fehrs versuckte ibn zu »erbinben; aber es war eine Wunde, bei ber bas Blut nickt ttillsteben will. Der Berwunbete sah es. lächelte noch einmal aus seinen Schmerzen unb roanbte bann bas grauer werbende (Belicht in ohnmächtigem Grimm dem Feind entgegen. Wieder stürmte der Russe, sie feuerten wild und verzweifelt hinein. Auck rechts unb links sckoß man jetzt: Hans Fehrs merkte, baß ber Offizier eine neue Auf- nabmelinie gezogen batte. Er versuchte sick einzugraben, ober bie Crbkrume war bünn. wo sie nisteten, ber Felsboben la« barunter.

Dann batte ber Russe ben Busch gefunben, aus bem Febrs feuerte, unb begann den fast deckungslosen Abhang zu bestreicken: die Eeickoßgarben flattoten vor und hinter ihm auf, daß Erde und Scknee auffnrübten.

Fehrs unb lein Kamerab wollten ermibern: aber »wei Scküsie trafen bas Gewehr. Sie warfen stck nieber, »erden an ben Feldstücken unter ihrem Leib, um Deckung,»u finden, merkten an ihren blutenden Fingern, datz der Stein eishart war. und wußten auck. daß es ferne ötlfe tn bem ein» iarbenen Hang gab. Da preßten sie bas Gestckt in ben Schnee, legten bie öanbgranaten bereit unb warteten bewegungslos. Aber bas Feuer hörte nickt auf. rechts unb links,knackten die Kugeln in ben Stein ober flogen als Ouerfcklager singend weiter.

Haus Febrs hob den Kopf ein wenig Man konnte drüben beutlto einige Gestalten untertoeiben, eine, graue Reibe, die näher sprang. Er stieß den Nackbar an, aber bet Uetz sich nicht wecken. Nur ber Selm rollte zur Seite wie em Becker voll Blut. Unb bann roieber Surren unb Singen und bet Einschlag ber Geschoße.. Unb ohne Deckung bet Hang, ohne Gnnbe Schnee unb Stein.

Da sah Sans Febrs. wie ein buntler Schatten fi» aus der Talmulde löste. Mitten durch das Feuer den Kopf vor» gestreckt, trabte ein Pferd quer über bas Selb, mit schleifen­den Strängen, zitternd und blutend.

„Braune. Braune'/' Hans Fehrs hatte es Berufen, ibn dünkte das Sterben leichter »u zweit. Unb das Tier Ickten ibn gehört zu haben; es roanbte sich unb lief mit toroeten, verwundeten Sprüngen naher. Einmal wurbe ej fletrofIen. brach vornüber, sprang gleich roieber hock unb stürzte von neuem, stürzte einige Schritt vor bem Gefreiten nuber. „Braune!" Die Stute versuckte aufäufommen. fte lab ihren Bauer, hob ben Kopf unb (tieft »um anbern Mal den Schrei aus wie beim ersten Wieberseben. .

Als Verstärkungen eintrafen unb ber Russe zuruckging. fanb man ben Gefreiten Fehrs als letzten ßebenben bei feinem Gewehr. Er lag gebeckt hinter bem langausgestreckten Leib ber Braunen, ber bie Kugeln «ujß.efaitgeii batte, und batte ben Kops fest in bie blutige Mahne Ubruckt. Die Kameraden muhten ibn aufbeben rote einen ^Mndeten. unb als er sie mit Rümpfen Blicken anstarrte unb klbft roie ein Tier schrie, glaubten sie erst, er se, irrsinnig.geworben Dann kam er »u fick, lief den ganzen Tag mit ihnen unb schlug sich gut, bis sie bie alten Stellungen roiebergeroonnen hatten. , , .,

Aber am Abenb war er bei ber Braunen, fprack mit ihr unb begrub sie feierlich im Schutz eines Sauses, rote einen Menschen.

„Wie ich meine Lilian kenne, Sparsamkeit ist nicht ihre stärkste Tugend."

Plötzlich verlosch bas strahlenb zuversichtliche Lächeln in bem hübschen Mäbchenantlitz. „Du, Dad . . ."

„Was denn, mein Kind?"

„Wenn nun aber das Gelb — aus irgendwelchen Um- ftönben — bock nickt reichen sollte, wenn es mir zum Beispiel gezroyren würde?"

„Dann gibt es auf keinen Fall Nachzahlungen." Das war die Stimme des alten Georg Miller, des Bauernsohnes aus Warendorf.

„Wie?"

„Auf keinen Fall."

„Ja, aber was soll ich denn — wo sollte ich denn — neues hernehmen?" Sie fragte es langsam und ganz ver­stört, mit beleidigter Miene. . ------

„Ser . : bie .. ."

Ja."

"Womit denn? Soll ich Korsetts verkaufen? Oder bet ber Ernte helfen?"

„Das bliebe bir überlassen."

„Dad, bange machen gilt nicht!" drohte Lilian mit dem Finger.

Dann überwältigte sie bas Glucfsempfinben. „Ach reisen, reifen! Weg aus bem oben Einerlei, aus bem ewigen Sport, dem ewigen FUrt. Jetzt kommt etwas Neues, Buntes, Lustiges. Ich werde mich in Europa verlieben, verloben, werde heiraten, einen Grafen, einen Fürsten oder vielleicht sogar einen Prinzen. Ha! Was meinst du, Dad? Lache doch! Mit Geld, da kann man alles!"

Der alte Miller sah sie nochmals prüfend an. Gerade, weil er sein Enkelkind so liebte, dieses launenvoll-impulsive, oft recht ungezogene, mußte er sich mit Härte wappnen.

„Du wähltest Charlie und seine Umgebung", wiederholte er nochmals ernst, „vielleicht wird es ein Fegerfeuer für dich."

<■

Als Lilian Miller an einem Freitag, dem 13. April, in New Port den Schnelldompfer nach Cherbourg bestieg, gab ihr ein ganzes Rubel von vergnügten Freunbinnen und ent­täuschten Freunden das Abschiedsgeleite und erstickte sie fast unter Blumen und Schokoladepaketen.

Schließlich saß sie wie eine vom Photographen hergerich­tete Filmdiva nach ber xten Scheibung zwischen all dem Kram unb wehrte verzweifelt nach allen Seiten: „Kinder, latzt's bloß gut fein! Soll ich durchaus mit verdorbenem Magen in Europa ankommen?"

„Du folltest überhaupt nicht nach Europa fahren, Lilian", sagte einer der sauber blond gebürsteten jungen Männer in ber typischen Sportkleidung, wie sie von seinen anwesenden zwanzig Gefährten allesamt getragen wurde, „du solltest ge­trost einen von uns hier heiraten und zu Hauie glücklich sein."

„Du lieber, alter Esel, ich will ja gerade weg. weil ich keinen von euch heiraten mag!“ rief Lilian in schöner Auf­richtigkeit. „Ihr seid allesamt nette Jungen, besonders du und Ollie unb Olivier und Jackie, gewiß, aber sooo lang­weilig! Der Sport macht euch alle zum Verwechseln ähn­lich, daß ich mir eine Ehe mit einem von euch peinlich denke. Ihr ahnt nicht, ihr Gänseriche, wie ich diese Norm hasse, nach ber ihr euch kämmt, kleidet, bewegt, verliebt, verheiratet, wie ich ben ganzen New Porter Kram hasse! Diese Blumen, diese Süßigkeiten, alle aus demselben Modeladen, alles zum selben Preis, alles übersüß, kremig, wie ihr eben alle seid!"

„By Jove, Lilian wird pathetisch, also steht's schlimm", sagte Ollie Smith kopfschüttelnd. „Schon Wirkung der See­luft? Oder nur des Datums?"

„Wie du ausgerechnet am 13. reifen magst, Darling?" rief eine Freundin zärtlich. „Ich stürbe vor Angst, daß etwas Schreckliches passieren konnte!" , , _

„Die Dreizehn ist meine Glückszahl! ries Lilian, auf eine große, goldene, brillantbefetzte Dreizehn deutend, die sie an langer Kette um den Hals trug.

„Du kommst aber wieder, wenn du drüben nichts anderes finbest als hier?" fragte einer der Ollies und Jackies anft.

„Die Männer find nämlich überall gleich", erklärte eine Freundin unb küßte Lilian mit großer Gebärde.

„Charlie ist bereits instruiert, er mug mich überall als „mittellose Lehrerin" einführen, das wird ein großer Spaß fein'"

„Charlie wird gehörige Fortschritte in seiner Kunst ge­macht haben", piepste eine junge Dame und machte schwärme­rische Äugen.

„Mit ihm Paris zu durchstreifen muß himmlisch sein!"

„Ach, ja, ach, Ja", tönte es rings aus weiblichen Mündern, indes die Männlichkeiten sauersüß lächelten.

„Vergiß nicht, liebe Lilian, sofort Mary Bush aufzu- fuchen!" mahnte Ethel Hyde beschwörend.

„Ach", maulte Lilian, „ich fahre nicht nach Paris, um Amerikaner zu treffen."

Nun ertönte die Schiffsglocke, die alle Nichtpajsagiere zum Verlassen des Decks aufforderte, unb wie eine ^char aufge­scheuchter Hühner beeilte sich bie Freundesmenge, Abschied zu nehmen.

Und dann setzte sich ber Schnelldampfer unter dem Üblichen Tücherschwenken, Geschrei, Hin- und Herlaufen an Land wie an Bord und ber üblichen Musik in BeweHUNH,,ein

„ ™ A ””"""""TT”-""""ZS , hin. Sie sind völlig frei von Strom, ohne Schläuche u. Drähte

MMM.L5LL SMMükN IltOmlOS Salon Figaro, iftsag