Einzelbild herunterladen
 

tKMt

Wiesbadener Tagbiatt

IWuif Mtth Wöflrtrt • *’*” <e*r*.

r

Druck und Verlag:

Erscheinungszeit:

r

£

o

Nr. 103

Donnerstag, 4. Mai 1939.

87. Jahrgang

r

R

leitete, der

es mit

Blatt ein, daß nur

R

Z

und c n

zu haben.

zu st erben!

ten konnte. Zu dem

it kann man nur sagen:

ihren Wob Herr Roosi

lern.

5

WöcheEch

mit einer täglichen

8. ScheUenberg'Iche Bnchdruckerti, „Xagbtatt. fioxe" g^rnsprecher-Saimnel-Nr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. Postscheckkonto: Frankfurt a. M. Nr. 7405.

seine Zeit, um dem jüdisch, ausgiebige Dividende zu sich.

wt. Das „feurige Hakenkreuz", das man am Himmel von Texas gesehen haben will, hat auch Präsident Roosevelt sehr „beunruhigt" und veranlagt, dem Kongreß eine neue Wehrvorlage vorzulegen. In ihr werden 153 Mil­lionen Dollar verlangt, für die Beschaffung von Tanks. Tankabwehrgeschützen. Gasmasken, Flaks. Artillerie ufw. Die bedrohliche „Aktivität der Marsbewohner" wirkt auf den amerikanischen Imperialismus anscheinend sehr avvetit- anregend. Der Machthunger wird immer größer. Das Kriegs- und Marineministerium in Washington prüfen zur Zeit Pläne, wonach in Mexiko und auf den zu Ecuador gehörigen Galavagos-Jnseln nordamerikanische Flugzeug- und Marinestützpunkte angelegt werden sollen, um den Schutz des Panamakanals von pazifischer Seite her zu verstärken. Hinter den Verteidigungs- demühungen und dem Marsschwindel verbergen sich aber reale Absichten, die den Südamerikanern nicht unbekannt sind. USA. will sich nicht mehr mit der Macht seiner auf dem südlichen Kontinent arbeitenden Kapitalien begnügen.

Der entlarvte „Friedensretter"

London bekommt Angst vor der eigenen Courage.

Kz. In London hat die Nachricht vom Rücktritt Litwinow-Finkelsteins, wie die Donnerstag- Morgenblätter zeigen, wie eine Bombe eingeschlagen. „Daily Herold" berichtet, daß man im Foreign Office von der be­vorstehenden Ausbootung des russischen Autzenkommissars keine Ahnung hatte und die ersten Nachrichten darüber ein­fach nicht glauben wollte. Für die Demokratien ist Litwinow-Finkelstein der Mann der „kollektiven Sicherheit", „des unteilbaren Friedens", bester gesagt des unteilbaren Krieges, und der Vater des Gedankens der neu

Bejugspteife: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein. schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanftalten. — Die Behinderung der Lieferung rechtfertigt leinen Anspruch auf Rüchahlung des Bezugspreises. SDDDDSDDDDVDDSNDMSDDBTDDSDDDDVD

polnischen Chauvinismus in den Sattel halfen, eine merkliche Schwenkung vorgenommen haben. Die Blätter sind über die starrköpfige Haltung Polens gegenüber den deutschen Vor­schlägen einigermaßen besorgt. Es fehlt daher nicht an mahnenden, ja warnenden Stimmen, die der polnischen Regierung nahelegen, vernünftige Gegen­vorschläge zu machen. Äußerst interessant ist in diesem Zusammenhang ein Artikel des früheren französischen Lutt- fahrtministers. Marcel Seat, in dem es u. a. heißt: „An Seite der polnischen Freunde für die gemeinsame Verteidi­gung unserer Territorien, unserer Güter und unserer Frei­heiten zu kämpfen, ist eine Angelegenheit, die man mutig ins Auge fassen könne, wenn sie zur Aufrechterhaltung des Friedens beitragen sollte. Aber für Danzig st erben — nein! Jetzt etwa wegen Danzig Europa einen Krieg an­zuhängen. ist ein wenig stark, denn die französischen Bauern haben keinerlei Lust, für die Polen

„jetzigen Lage" mit Verordnungen zu regieren, da „rascheste Entscheidungen zum Gebot der Stunde geworden" seien. Das riecht nach Krisenmacherei. die. soweit Deutschland in Frage steht, unbegründet ist. Immerhin dürfte auch Oberst Beck nicht entgangen sein, daß die französischen glischen Zeitungen, nachdem sie anfangs dem m Chauvinismus in den Sattel halfen, eine merkliche

sondern ihren Einfluß mit donnernden Flugzeuggeschwadern wirkungsvoll unterstützen. Eine „Aggression" großen Stils, gegen die gestern wieder 900 Delegierten der amerikanischen Methodiftenkirche, die zwanzig Millionen Amerikaner ver­treten. energisch protestieren. Selbst der Sohn Roose­velts gibt den Amerikanern, die für eine Isolierung ein« treten, völlig Recht. Der einzige Grund für einen kommen­den Krieg, könne, so sagte er in einer Rundfunkrede, nur die Habgier sein. Die Habgier der jüdisch-ameri-

USA.-Jmperialismus und Erwerbslofenelend

„Lieber öffentlich verhungern" als einsam und oerlasten zugrunde zu gehen.

kanischen Kapitalisten, die in ihrem Reichtum nahe­zu ersticken, während die Arbeitslosen einem unsag­baren Elend preisgegeben sind. In F l i n t im Bundes­staate Michigan wurde gestern 900 Familien die Unter­stützung gestrichen. Die Familien lagerten sich dem Not- hilieamt gegenüber in den öffentlichen Anlagen und er­klärten^,,! ieber öffentlich zu verbungern“. als in 'mungen einsam und verlassen zugrunde zu gehen, ievelt aber weiß nichts von ihnen. Er braucht , um dem jüdischen Rüstungskavitalismus eint

nären Zirkel um Lenin. Er hat bann mancherlei Posten bekleidet und gilt als gefügiges Werkzeug Stalins. Ob er den alten Kurs weitersteuert oder nicht, ist schwer zu sagen. Es ist das auch eine Frage, die uns kaum interessiert, son­dern über die sich die Engländer ihren Kopf zerbrechen mögen, die Engländer, die jetzt hilfesuchend an der Mos­kauer Tür stehen und die nun wohl infolge des Szenen­wechsels im Moskauer Auswärtigen Amt noch etwas Ge­duld üben müssen.

wt. Die wahnwitzige Hetze des polnischen Chauvinismus dauert unvermindert an. Der sattsam bekannte „Illustrierte Krakauer Kurier" tut sich dabei beson­ders hervor. Er mochte einer erstaunten Welt beweisen, daß Ostpreußen eine „unzerreißbare Einheit mit Pole n" bilde. Diese Behauptung ist so unsinnig, unver­froren und frech, daß es für einen ernsthaften Menschen schwer ist, sich mit ihr überhaupt auseinanderzusetzen. Wenn es sich nicht um eine Böswilligkeit handelte, mußte man eine geschichtliche und geographische Unkenntnis voraussetzen, die selbst die Masse, die Roosevelt für sich beanspruchen kann. ü6ertrerfen würde. Einen derartigen Unfug kann man natür­lich nur einer Nation vorsetzen, bie, in Europa die g r o ß t e Zahl von Analphabeten stellt. Wenn, das Blatt frechweg behauptet, daß die „polnische Kultur. die „polnische Freiheit" und die „polnische Rechtsachtung" immer eine große Anziehungskraft auf die preußischen Stände gehabt habe, so wollen wir demgegenüber nur an ein deutsches Sprichwort erinnern, das wir auf völlig verworrene, ungesetzliche Zustande anzuwenden gewohnt sind: „Es geht zu wie auf dem polnischen Reichstag". Polen als Kulturbringer für Deutschland! Wir müssen zugeben, daß derartige Argumente ob ihrer Unver­frorenheit geradezu entwaffnend wirken. Schwer vorstellbar erscheint uns, daß Politiker in der ganzen Welt, die noch Wert darauf legen, ernst genommen w werden, für einen derart wildgewordenen Chauvinismus mehr als ein Lächeln übrighaben.

„Keinerlei Verlangen für Polen zu sterben."

Der wildgewordene polnische Chauvinismus und sein Echo in Frankreich.

Das berüchtigte polnische Hetzblatt. „P o Ionia ver­öffentlicht anläßlich des volnifchen Nativnalieier.tag.es eine Landkarte mit der sogenannten Korfantv-Linie vom Jahr 1921. die die Einverleibung Oberschlenens bis an die Oder bei Övveln vorsah. „Polska Zachodma" versteigt sich in ihrem Leitartikel zu der Behauptung, daß heute niemand be­streiten könne, daß mit der Grenzziehung von 1921 Polen em schweres Unrecht gugefügt worden sei. Glauben diese Leute, daß die Welt die Ereignisse aus der damaligen Zeit bereits so völlig vergessen habe? Aus einer Zeit, wo man dem wehr­losen Deutschland reindeutsche Gebiete entreißen uno mh über eindeutige Abstimmungsergebnisse unter dem Schutz enghimet und französischer Bajonette hinwegsetzi Wort von dem Polen angetanen Untere Wahnsinn inReinkultur.

Durch diese Art, auf die sachlichen und außerordentlich gemäßigten Forderungen des yüürers zu antworten, gesteht die polnische Presse die Schwäche ihrer rechtlichen Position ein. Man kann sich nicht votstellen. daß der polnische Außenminister, dessen Rede für morgen zu erwarten ist, sich überhaupt mit derartig wahnwitzigen Ideologien ab- aibt. Immerhin ist es beachtenswert, daß das Warschauer Kabinett das Parlament nach Hause schickt, um angesichts der

Anzeigenpreis«: Ein Millimeter Höbe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund, preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im Tertteil 60 Rpf„ sonst laut Preisliste Nr. 6, Nachlatzstaffel B. — Für die Aufnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen. — Schluß der Anzeigen-Annahme 9>/i Uhr vormittag-. Größere Anzeigen müssen spätestens einen Tag vor dem Erscheinungstag« aufgegeben werden.

jüdischen Schlächters Wallach Alias Finkelstein in Bialy - stak geboren wurde, hatte 1928 für den damals erkrankten Tschitscherin zunächst vorübergehend und nach dessen Aus­scheiden im Juli 1930 endgültig die Leitung der sowjet- russischen Außenpolitik übernommen, die er, wie man wohl ohne Ubertreibuna sagen kann, von Mißerfolg zu Mißerfolg führte. Die Gründe, die gerade jetzt seine Absägung veranlaßten, sind noch nicht ganz klar zu er­kennen. Ebenso wenig vermag man zu sagen, wohin Lit­winow-Finkelstein nun „auf eigenen Wunsch" gehen wird. Das wird er selbst am wenigsten wissen. Uber seinen Nach­folger Molotow ist nicht viel zu sagen. Molotow, der 49 Iahte alt ist, kam auf üblichem Wege in den reoolutio-

Litwinow-Finkelstein, dem das Genfer Parkett ja vertraut war, wieder am Genfer See begrüßen und dann dort zu­sammen mit ihm und Herrn Bonnet auf einer Ein­kreisungskonferenz alle die Pläne unter Dach und Fach bringen zu können, um die man sich in London so heiß bemüht. Kein Wunder also, daß den Herten in Paris und London der Rücktritt ihres Freundes Litwinow-Finkelstein höchst ungelegen kommt. Man war gerade so schön dabei, sich gegenseitig übers Ohr zu hauen, wobei sich noch nicht recht übersehen ließ, wer zum Schluß der am meisten Hereingefallene sein würde. Nun wird dieses Spiel zu­nächst einmal rauh unterbrochen und der Mann, der fast zehn Iahte lang die sowjetrussische Außenpolitik lei Vater des sowjetrussischen Bündniss Frankreich und der Tschechoslowakei verschwindet von der Bildfläche. Er, der im Jahre 1879 als Sohn eines

Die Nachricht von der bevorstehenden Zusammenkunft der Außenminister Deutschlands und Italiens wird von der italienischen Presse an e r it e r Stelle gebracht. Die persönliche Fühlungnahme beider Außenminister der Achse in der gegenwärtigen internationalen Lage wird dabei als ein natürlicher Vorgang im Rahmen der engen deutsch-italienischen Zusammenarbeit angesehen. In der Tat stellt diese Jtaliemahrt des Reichsaußenministers ein neues Glied in der nicht abreißenden Kette freundschaftlicher Be­suche zwischen den führenden Männern der beiden Länder bar. So erinnern wir nur daran, daß zur Zeit auch der Ober- tommanbierenbe des deutschen Heeres. Generaloberst von B r a u ch i t s ch, in Italien weilt und daß auch Reichsarbeits­minister S e l b t e gegenwärtig die großen öffentlichen Arbei­ten des Faschismus bestchtigt. In allen diesen Besuchen, denen ja eine große Reihe Zusammenkünfte und Besichtigungen vorangegangen sind, offenbart sich die enge Zusammenarbeit der Achsenmächte. Diese enge Verbundenheit beider Länder hat.dabei erfreulicherweise auch dazu geführt, daß die verant­wortlichen Leiter von Staat, Wehrmacht und Partei persönlich Freunde geworden sind. Es ist deshalb auch vollkommen abwegig, wenn die Auslandspresse die ^talienfabrt Ribbentrops zur Sensation stempeln mochte. Die Auslands- vresse zeigt damit nur, wie wenig sie bisher den Charakter der Achsenvolitik verstanden hat und wie wenig angenehm ihr diese enge Zusammenarbeit zwischen Berlin und Rom ist. Es ist vielmehr nichts ungewöhnliches, wenn die beiden Männer zusammentreffen, die für die Außenpolitik der beiden Achsen­mächte verantwortlich zeichnen, sondern eine solche Aussprache liegt einfach in der Natur der Achsenvolitik. Das ist für gewisse Auslandsblätter vielleicht schwer zu be­greifen, denen es. auch gar nicht in den Kram paßt, daß in einem Augenblick angeblich so großer Spannungen Herr von Ribbentrop Berlin verläßt und damit alle Nachrichten ^on der ernsten politischen Krise in Europa entkräftet.

Ribbentrop und Ciano

treffen stch am Corner-See. — Mehrtägiger Besuch des

Reichsaußenministers in Oberitalien.

Berlin, 3. Mai. Der Reichsaußenminister des Aus­wärtigen von Ribbentrop wird stch am Donnerstag­abend zu einem mehrtägigen privaten Aufenthalt nach Lberitalien begeben. Der Reichsaußenminifter wird bei dieser Gelegenheit am Comer-See mit dem italienischen Außenminister Graf Ciano Zusammentreffen.

geplanten Tripelallianz. In amtlichen englischen und französischen Kreisen ist man nach einer Meldung des „Daily Telegraf" sehr besorgt, da man zu wissen glaubt, daß Molotow für eine Isolierung der Sowjet­union eintreten wird. Die Schwierigkeiten, die ohnehin in den Verhandlungen zwischen London und Moskau zu Tage traten, dürften sich nach englischer Auffassung nunmehr noch erheblich verstärken. Chamberlain, der gestern wieder einmal im Unterhaus nach dem Stand der Beratungen gefragt wurde, und wie stets keine Auskunft geben konnte, wird aller Voraussicht nach noch lange Zeit brauchen, bis er etwas ab­schließendes sagen kann. Aus den Schilderungen der engli­schen Blätter geht immer deutlicher hervor, daß das Foreign Office nicht gewillt ist, auf die umfassenden Sünbnispläne, die Finkelstein vorschlug, einzugehen. In der erneuten Niederlage Finkelsteins darf man wohl den Grund für die plötzliche Absetzung des Außenkommissars sehen. Moskau, das zeigt sich aus dieser Entwicklung, ist nicht geneigt, die Geschäfte der englischen Einkreisungspolitiker zu be­sorgen. Deshalb lehnt es eine Garantie, die sich auf Polen und Rumänien beschränkt, ab. Weitergehende Pläne aber halten die Engländer für untragbar. Daraus ergibt sich, daß die Aussichten für das Zustandekommen eines englisch-russi­schen Vertrages sich erheblich verschlechtert haben. Plötzlich findet auch die „Times" ein Haar in der Suppe und es er­scheint ihr nicht wünschenswert, daß es zu einer Tripel­allianz komme, die im Endergebnis Europa in zwei feindliche, bewaffnete Lager teilen würde, was — wie 1914 — nur mit einer bewaffneten Auseinander­setzung enden könne. In diesem Zusammenhang gesteht bas " ’ , ‘ * bie Furcht, „sich Feinde aus ideologischen Gründen zu machen", England davon zurückgehalten habe, den Finkelsteinschen Vorschlägen ohne Einschränkung zuzu­stimmen. Eine glatte Allianz mit Sowjetrutzland konnte „andere Verhandlungen und Annäherungen" hindern, die Einfluß auf die „Wiederherstellung von Ver­nunft und Freundschaft in der Welt" haben konnten. Wenn diese Einsicht auch reichlich spät kommt, so ist sie doch immerhin bemerkenswert. Nur müssen wir bezweifeln, daß die Rücksicht auf „Wiederherstellung von Vernunft und Freundschaft" für die Haltung Londons ausschlaggebend ge­wesen ist. Diese Formulierung klingt ebensowenig aufrichtig, wie die Behauptung, die Chamberlain am Mittwoch wieder einmal im Unterhaus aufstellte, daß England gar- nicht daran denke, Deutschland einzukreisen. Wir sind von England gewohnt, daß es seine brutalen Ziele mit gut­klingenden humanitären Phrasen tarnt und versucht, als Friedensretter aufzutreten. Die sowjetrussischen Vorschläge drohten England in ein Netz von Verwicklungsmöglichkeiten zu verstricken, denen es sich nicht gewachsen fühlt. Aus Furcht um die Erhaltung seiner Machtposition in der Welt macht es anscheinend einen Rückzieher und bekommt 21 n g ft vor der eigenen Courage. Die Phrasen von Vernunft und Freundschaft aber sollen den blamablen Rückzug decken.

Dem Havasvertreter in Moskau ist es trotz aller Be­mühungen nicht gelungen, Einzelheiten über die Gründe, die zum Rücktritt Finkelsteins führten, zu erfahren. Das „Petit Journal" fragt, ob nicht bald der Tag komme, wo man er­fahren werde, daß Litwinow-Finkelstein von den Sowjets als tollwütiger Hund, als schlüpfrige Schlange be­zeichnet werde und, weil er sich an die internationalen Kapitalisten verkauft hätte, enthauptet ober standrechtlich erschossen werden müßte. Leider ziehen die französischen Zeitungen aus dieser Einsicht in die sowjetrussischen Ver­hältnisse keine Konsequenzen und sperren sich der Erkenntnis, daß die Zusammenarbeit mit den Sowjets gegen europäische Kulturnationen eine kaum mehr aus - zütilgende Schande darstelle. Der Haß, der von jüdi­schen Hetzern in den Zentren der Demokratien, roi& im bolschewistischen Moskau geschürt wird, scheint in den west­europäischen Staaten jedes Gefühl für Anstand ausgetilgt

Zusammenhangs mit den Paktverhandlungen.

as. Berlin, ,4. Mai. Das Präsidium des Obersten Sowjetausschusses hat, wie aus Moskau amtlich gemeldet wird, den Ministerpräsidenten Molotow unter Be­lassung in seinem bisherigen Amt zum Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten ernannt und Litwinow - Finkelstein auf „eigenen Wunsch" von seinen Amtsgeschäften als Außenkommissar entbunden.

Der Rücktritt Litwinow-Finkelstein kommt insofern nicht ganz überraschend, als schon seit geraumer Zeit Mel­dungen verbreitet waren, daß bie Tage auch dieses Mannes gezählt feien. Wenn aber Herr Litwinow-Finkelstein ge­rade in dem Augenblick plötzlich den Wunsch verspürt, von den Amtsgeschäften entbunden zu werden, in dem sich Eng­land um einen Patt mit Sowjetrußland bemüht, so ist bas immerhin einigermaßen auffällig. Hoffte man doch auch in London darauf, am 15. d. M. mit Herrn

Litwinow Finkelstein abgesägt

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

6 Werktäglich nachmittags.

ausuuutii Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends außer Sonn« u. Feiertags

Berliner Büro: Berlin-Wilmersdorf