Einzelbild herunterladen
 

Seite 14. Nr. 101.

Wiesbadener Tagblatt

Dienstag, 2. Mai 1939.

vQetMteeme* 1/xßdUuwteH

J J Tatsachenbericht von Karl Friedrich Boree

(Nachdruck verboten.)

22. Fortsetzung.

Stasfettenwechsel vor der «Insel".

Hitler-Platz. wo der Fi beit des Stabsführers

Die SA. gedenkt ihres toten Kameraden

* Mainzer Lagerhaus-Gesellschaft AS., Mainz. Die mit 63 000 RM. Kapital ausgestattete Gesellschaft weist für 1938 nach keinerlei ersichtlichen Abschreibungen das Anlagevermögen besteht nur noch aus Merkposten einen Gewinn von 3629 RM. aus. 6300 RM. eigene Aktien sind mit 4118 RM. bewertet.

ner) einen Kranz niederlegte. Vor allem aber durch irgend­eine Leistung, einen Einsatz, eine Tat. um anzuzeigen, daß man demjenigen gegenüber, der einst alles opferte, den besten Kameradschaftsdienst erweisen kann, wenn man selbst im Wettstreit der Kräfte und des Könnens dafür sorgt, dah der Name Karl Ludwig immer wieder durch die Strahen ge­tragen wird, in denen einst Saus um Haus und Zelle um Zelle im Kampf um die Freiheit erobert werden muhten. Und es entspricht der Wesensart all der Männer, die hch alle Jahre für diese Kundgebung der Leistungsbereitschaft ihres Körpers, ihres Ehrgeizes etnsetzen. ihr Teilnehmendürsen als eine besondere Auszeichnung zu empfinden. ,

So ist dieser Karl-LudwigEedächtnislauf zum 3. Male gestartet worden. 1050 Männer der SA. (auch aus Mainz. Alzey und dem Rüeingau) und anderer Parteigliederungen, des Reichsarbeitsdienstes und der Wehrmacht (insgesamt 200 mehr als im Vorjahr) warteten an 50 Wechseln darauf, den Stab aus der Hand des heranstürmenden Kameraden tn Empfang zu nehmen. 21 Mannschaften durcheilten die Stadt vom Nordfriedbof nach dem Ehrenmal in der Karl-Ludwig- Strahe bis zum Rheinuier und wieder zurück zum Adolf- der Führer der Standarte 80 in Anwesen- -----T-.-j der SA.-Gruvve Kurpfalz. Ober­führer H e r tz e r. des Führers der Brig. 150 K r a f t, Kreis­leiters Stawinoga. Vürgermetsters Piekarski. Bannführers Friede (HI.). Bannführers Buh. General-

1050 Mannheim Karl-Ludwig-Gedächtnislauf

Ein grauer, regnerischer Tag. dieser 30. Avril. Oft herrschte solches Wetter, wenn die SA. zu einer Einsatzübung antrat. Als ob Wolken am Himmel jemals einen Entschluh der braunen Sturmkolonnen ins Wanken gebracht hätten. Gerade an einem Tage, da sie des Kameraden Karl L u d - w i g gedachten. Nur durch ein kurzes, stilles Verweilen am Grabe, wo der Führer der Standarte 80. Obersturmbann­führer Rei 0. in Anwesenheit einer kleinen Ehrenabordnung seiner SA.-Männer. eines Vertreters der Wehrmacht (Hauptmann Hesse) und der Schutzpolizei (Hauptmann Röck-

Sergius war aufgestanden. Die Bilder, die Gedanken jagten in ihm durcheinander. Schließlich sagte er:Eins ist wenigstens gut: dah itfi zurückgekommen bin.. Sobald Vater wieder da ist oder wir über ibn Bescheid wissen, müssen wir nach Riga".

Wie sollten wir das wohl anfangen, mein Junge?"

Draußen erhob sich ein Lärm. Er öffnete das Fenner. Ein Lastauto kam langsam herangefahren, von einer brüllenden Menschenmenge umgeben, die die Strahe bis zu den Häusern füllte. Im Wagen sah ein Mann in der Uni­form eines Regimentskommanderus. Er war auf einem Brett angebunden, das quer über die Seitenwände gelegt war. Hinter ihm standen zwei Rotgardisten. Seine Arme waren nach beiden Seiten ausgespannt. In die Hände batte man ihm eine Schnavsflasche und Brot gesteckt. Sergius trat zurück, schloß das Fenster, er bebte und fröstelte. Die Mutter kauerte zitternd auf dem Diwan. Er schritt aus und nieder und suchte nach einem sicheren Gedanken. Aber die Mutter erhob sich nach einigen Minuten und ging in die Küche. Ta folgte er ihr und sah zu, wie sie ihnen beiden etwas zu essen richtete In seinem Bündel hatte er noch das Brot und das Fleisch aus Kursk und freute sich darüber.

(Fortsetzung folgt.)

Die Mannschaften beim Ttillauf.

(Photos Lenhardt K.)

arbeitsführers Faatz. Polizeimajors Stumpf. Ober­intendanturrats Koenig (Wehrkreiskommando). Majors Winneberger (Luftgaukommando) t der Offiziers­abordnung von JR. 87 und AR. 72. sowie zahlreicher Gäste den Einlauf der letzten Staffettenläuser erwarteten. Na. 80 hatte längs der Strecke eine Telephonverbindung und am Ziel selbst eine Lautiprecheranlaae errichtet, die den trotz der ungünstigen Witterung zahlreich erschienenen Volks­genossen den leweiligen Stand der Kämpfe verkündete.

Im Hauotwettbewerb batten die Staffeln von 10 Stürmen (12/80 und 23/80 starteten im Einladungslauf außerdem als Standartenmannschaft) nach dem Startschuß von Obersturmbannführer Feig den Kampf ausgenommen. Bei derInsel" lag noch die Nummer 5 des Sturmes 13/80 in Front, aber bereits bei der Kebre batte sich Na. 80 mit der Nr. 8 nach vorne gearbeitet und führte nun bis ins Ziel. 3m Endspurt holte 2/80 gut auf. Allein Na. 80. dessen

e » - - 1 | -des Reichs weif en-

We tterberi ch tdien$,e$-

Frankfurt a.M.

Witterungsauefichten Bis Mittwochabend:

Wolkig und Neigung zu Regenfällen, ausgeglichenere, aber noch immer für die Jahreszeit zu kühl« Temperaturen, meist nördliche und östliche Winde.

Wasserstand des Rheins am 2. Mai 1939. Biebrich: Pegel 2,05 gegen 2,04 m gestern; Mainz: 3,33 gegen 3,31 m gestern; Bingen: 2,28 gegen 2,27 m gestern; Kaub: 2,60 gegen 2,55 ni gestern; Köln; 2,64 gegen 2,65 m gestern; Kehl: 2,90 gegen 2,97 m gestern.

wenden würde. Man hoffte, die Massen seien nur verwildert: man konnte nicht glauben, daß der russische Mensch diesen politischen Wahnsinm diesen bestialischen Terror, der nur von einer kleinen Gruppe bis an die Zähne Bewaffneter ausging, länger dulden würde, sobald sich ein Kern des Widerstandes formte. Er mußte sich doch auf die Seite der­jenigen schlagen, die den Gegenstoß wagten, und zur Be­sinnung kommen! Auch Ferdinand gehörte zu den Männern, die in den Kreml gegangen waren: seit drei Tagen war er fort.

Seit drei Tagen waren alle Läden und A^e-i--uätten geschlossen. In der Nacht hörte man Schüsse. Arn Morgen lagen Leichen auf der Strafte. Noch an bteiem Sßormtttag hatte man einen Toten vor den Fenstern der Mutter weg­geschafft. Niemand durfte Licht Brennen: auf erleuchtete Fenster wurde geschossen.

Sicgeroetlün6igung durch den Führer der Standarte 80, Obersturmbannführer Feig.

Staffel die rund 15 000 Meter in 41,50 Min. bewältigte, sah sich doch noch übertrumpft, denn tm Ernladungslauf holte Sturm 12/80 mit 41,02 Min. eine noch bessere Zeit (im Vorjahre 41,06 Min,) heraus und gewann damit zum zweitenmal hintereinander den Wanderpreis der Brigade 150, eine wertvolle Fubrerbuste. Der Eln- ladungslauf selbst wurde . wieder eine Beute der Staffel de? R e i ch s a r b e l t s d l e n st e s. die mit 30,07 Min. die im vergangenen Jahre gelaufene Zeit von 36.50 Min beträchtlich unterbot, um damit wieder d,e Trophäe des NSRL.. ein Reiterstandbild, an sich zu bringen Schutz­polizei. JR. 87 und AR. 72 endeten tn scharfer Konkurrenz auf den nächsten Plätzen. (Ein sehr gutes Rennen lief die p3 die sich sogar noch vor der Mainzer SA. vlazreren °nn2tüf dem Deutschen Gelände gedachte der Führer der Standarte 80 des toten Kameraden Karl Ludwig, der bei allem Tun und Handeln der SA. ein Vorbild höchster Einsatz­bereitschaft bleibt. Alsdann erfolgte die Siegernerfunbtgung. wobei der technische Leiter dieses tn allen Teilen wohl- gelungenen Gedächtnislaufes. Sturmbannführer K o t ck a u. den Siegern die beiden Preise und allen übrigen Mann­schaften Urkunden überreichte Auch diesmal bildete em Stil lauf der Teilnehmer durch die Wilbelmstrane den Abschluft dieser den Wehrgeist der SA. und verwandter For­mationen betonenden Kundgebung.

Die Ergebnisse:

Karl-Ludwig-Gedächtnislauf: 1) Sturm 12/80 41,02 Min. 2) Na. 80 41,50 3) 2/80 42,06 4) 13/80 42,20 5. 23/80 42,34 6) 22/80 43.01 7. 1/80 K L." 43.04 - 8. 11/80 43,07 - 9. 21/80 43,36 - 10) 3/80 44 nq

Einladungslauf: 1. RAD. 36.07 - 2. Sckutz- polizei 37,16 3. JR. 87 37.50 4. AR. 72 38.16 5. HI. Bann 80 38.31 6. SA. Stand. 117 Mainz 40,09. 7. SA. Stand. 80 (12/80) 41,02 8. Politische Leiter 41.04 9. SA. Stand. 224 Rheingau 41,11 10. SA. Stand. 27 Alzey 42,26 11. SA. Stand. 80 (23/80) 42.34. L.

Von den heutigen Börsen.

Berlin, 2. Mai. (Funkmeldung.) Tendenz: Aktien nach­gebend, Renten r u hig. Nach der durch den Nationalen Feiertag des deutschen Volkes und den vorangegangenen Sonntag bedingten Pause kam das Wertpapiergeschäft heute nur langsam in Gang. Die Festsetzung der Anfangskurse ging ost nur auf der Grundlage von Mindestschlüssen vor fich, so daß Zufälle eine Rolle spielten; das Kursniveau wies eher kleine Abstriche auf. Von Montanwerten waren nur Vereinigte Stahlwerke mit minus 1 % bemerkenswert gedrückt. Bon Braunkohlenaktien gaben Rhein­braun bei kleinstem Umsatz um 2%, Deutsche Erdöl um % % noch. In der chemischen Gruppe erhöhten Farben einen Anfangsverlust von % aus % %. Sehr ruhig lagen Elektrowerte. Dersorgungs- papiere waren fast durchweg angeboten und schwächer. Don variablen Renten eröffneten Reichsaltbefitz und Gemeindeumschul- dung unverändert mit 131% bzw. 93%. Lagergeld 2% bis 2% %. Pfund 11,67, Dollar 2,493, Franken 6,60.

Frankfurt a. M., 2. Mai. (Eig. Drahtmeldung.) Tendenz: Abbröckelnd. Die Börse nahm einen äußerst stillen Verlaus und war am Aktienmarkt überwiegend etwas schwächer. Es herrschte allgemein Zurückhaltung. Dar Rentengeschäst bewegte stch in engen Bahnen, größere Abweichungen waren nicht zu ver­zeichnen. ' Die Haltung blieb hier weiterhin freundlich. Tages- geld 2% %.

Er sah sichum, ein paar zusammengelesene Möbel standen im Zimmer: Mutters Bett, der große Schrank, der in Riga auf dem Flur gestanden hatte, der Diwan, der Tisch aus dem Wäschezimmer. ein Sessel aus dem Salon, ein paar von den schwanen Stühleit . . .

Wo ist Vater?" fragte er plötzlich.

Vater ist fort, mein Surae. antwortete die Mutter mit seltsam feierlicher Stimme.Sie haben ihn mitgenommen, im September. Hat dir denn Klaudia nichts gesagt?"

Sie begann zu erzählen, aber als sie zu sprechen anfing, überwältigte sie die Aufregung und die Rührung, und es dauerte einige Zeit, bis er sich in ihren Worten zurechtfand.

Bald nachdem Sergius abgereist war, hatten die Konfis­kationen begonnen. Die großen Betriebe wurden einfach be­setzt und für Volkseigentum erklärt, und aus den Geschäften wurden die Waren abgeholt ohne daß die Besitzer einen Rubel dafür erhielten. Meistens bei Nacht, damit die Öffent­lichkeit nicht so viel davon merkte. Lastautos mit Rotgardisten fuhren vor und luden die Lager auf und brachten sie zur so­genannten Kooperative. Die Bankguthaben wurden beschlag­nahmt. aber das alte Geld verlor ohnehin seinen letzten Wert. Dann hatten die Haussuchungen bei den reichen Leuten be­gonnen. und immer häufiger hörte man, daß Menschen einfach verschwanden. Immer Männer aus der guten Gesellschaft. Sie wurden nachts abgeholt, oder sie waren vielleicht ausgegangen und kehrten nicht mehr zurück. Am meisten hatten sie es auf die Gutsbesitzer und auf die hohen Offiziere der alten Armee abgesehen. Man lud sie auf offene Wagen und fuhr sie durch die Stadt und ließ sie vom Pöbel mit Schmutz bewerfen und be­schimpfen. Wohin Re gefahren wurden, erfuhr man nicht. Silber es wurde ganz offen erzählt. Re würden gemartert und schließ­lich erschossen. r _

Man wagte nicht mehr aur die Straßen zu gehen. Das Volk war ganz verwildert. Aber am schrecklichsten war die neue Leibgarde der Regierung, die Rotgardisten mit dem großen Stern. Sie durften sich alles erlauben: sie konnten leben anhalten, mitnehmen, erschießen.

Immer mehr Menschen wurden vermißt. Man lebte unter einem entsetzlichen Druck. Silber nachdem Monate hingtngen. ohne daß ihnen beiden etwas geschah, beruhigten sie und der Vater stch etwas. Auch kriegte Ferdinand eine Anstellung in einem staatlichen Büro. Doch eines Abends im September fuhren Lastautos mit vielen Rotgardisten bei der Fabrik in der Rjasaner Chaussee vor. Es war schon nach Arbeitsschluß. Sie erbrachen, ohne erst zu warten, das Tor und drangen in den Hof ein. Der Vater und die Mutter standen am Fenster des Arbeitszimmers und warteten, was kommen würde. Ihre Schmucksachen hatten [ic längst versteckt. Der Vater war merk­würdig ruhig, wie erstarrt. Der Ingenieur Gratschew trat den Soldaten entgegen, breitete die Arme aus und wollte etwas sagen. Da stach ihn einer nieder. Nachher räumten sie die Fabrik aus und zerschlugen, was sie nicht mitnebmen konnten. Sinnlos es gehörte doch alles schon dem Staate!

Als man schon glaubte, sie wären fertig, kamen sie aut einmal doch in die Wohnung. Sie durchsuchten alles, ließen aber alle Sachen an ihrem Platz. Jedoch als sie abfuhren, zwangen sie den Vater, mitzufahren, obwohl er sich nicht ge­rührt hatte. Er durfte nicht einmal etwas Wäsche mitnebmen. Er war nicht wieder zurückgekehrt seitdem, bis heute hatte man nichts über ihn gehört.

Die Mutter blieb allein in der Wohnung zurück. Stc schickte noch in der Nacht einen Boten zu Ferdinand. Ferdinand kam und ließ sich erzählen und versuchte Erkundigungen über den Vater einzuziehen. Aber das war sehr gefährlich: wer bei den Behörden nachfragte, galt für einen Anhänger der Bourgeoisie und setzte sich der Gefahr aus. festgehalten »u werden. Ferdinand hatte bisher nichts berausgebracht.

Ferdinand kam von nun ab regelmäßig zu ihr. Er be­nutzte feine dienstfreien Stunden, um füj sie alle die Lebens­rnittel zu beiorgen. Er stand bei den staatlichen Geschäften an. Jetzt bekam man alles nur auf Karte. Jeder hatte feinen Pay". feine feste Ration. Aber der Pay war verschieden groß. Die Rotgardisten erhielten die volle Ration, die An­gehörigen des Bürgertums die kleinste, nickt fo viel, als zum bescheidensten Leben reickte. Ferdinand fuhr regelmäßig aufs Land hinaus, um Lebensmittel einzubandeln; er verstand stch darauf.

Einige Wochen vergingen, bann kamen die Roten wieder und suchten die Wohnung noch einmal durch, von oben bis unten, während sie allein war. Sie fragten nichts, aber sie sanden offenbar auch nicht, was sie suchten. Sie hinterließen eine große Unordnung, doch nur ein vaar Kleinigkeiten fehlten. Aber wieder nach ein paar Wochen waren sie zum drittenmal gekommen, .diesmal mit Lastwagen.

Nun begannen sie. die ganze Wohnung auszuraumen. Sie bedeuteten ihr, daß Re ihre notwendigsten Sacken packen solle und wieviel sie mitnehmen dürfe an Möbeln, Geräten, Kleidern und Wäsche. Das luden sie auf einen besonderen Wagen, ließen sie selbst auf dem Wagen Platz nehmen und fuhren sie hierher in diese kleine, abgeteilte Wohnung. Die ganze Etage bestand aus vier Zimmern, Kücke und Flur. Davon gehörte der Mutter das Zimmer, in dem sie mit Sergius saß, dazu ein zweites Zimmer, das daran grenzte. Aber dieses zweite Zimmer war nur eine Stube ohne Fenster, ein Raum, in dem man den ganzen Tag Licht brennen mußte, wie Re in den enggebauten alten Stadtvierteln Moskaus nicht selten waren. In den beiden anderen Zimmern wohnten fremde Leute, zwei getrennte Parteien. Kücke und Flur waren ge­meinsam. der Umstand, daß man ihr zwei Zimmer zu- geteilt Hatte, nährte in der Mutter die Hoffnung, daß der Vater noch am Leben sei und eines Tages wieder freigelassen werden würde.

Von allen diesen schrecklichen Dingen haben wir tn Deutschland in der Folge genug gehört. Aber Sergius hörte sie damals zum ersten Male und aus dem Mund seiner Mutter; er erlebte sie, plötzlich mitten bineinversetzt, lab diese zarte Frau vor sich, eine Dame aus der besten bürger­lichen Gesellschaft, die ihr ganzes Leben hindurck ein be­hütetes Dasein gehabt batte und die nun hier allein zwischen ein paar traurigen Resten ihrer Sachen und umgeben von all diesen Greueln saß und keinen Gedanken denken konnte, ohne daran zu denken, was jetzt mit ihrem Manne geschehe. Es ist nicht mit Worten wiederzugehen, was Sergius empfand, als er diese Ungeheuerlichkeiten erfuhr, für die es damals noch keine Begriffe gab. Worte können nur Über­kommenes ausdrücken. Er meint, die Haare hätten sich ihm gesträubt. Am furchtbarsten waren diese Gedanken an den Vater, die die Pbantaste folterten, die in der Luit schweb­ten. Ringen, wie etwas, das doch nicht sckweben oder hängen kann. Sie tarnen nie herab und zur Ruhe, man erfuhr nie, was aus dem Vater geworden war ... .

Aber die Mutter war noch nickt zu Ende mit dem, was sie zu berichten hatte. In den jüngsten Tagen hatte sich Neues ereignet: Re wußte es von Klaudia. Und nun empfing Sergius Aufklärung übet die Dinge, die ihm auf den Straßen begegnet waren. Die Männer aus dem Bürgertum und dem Adel, vor allem die, gewesenen Offiziere, FäHnricke und Kadetten, batten sick zusammen in den Kreml geflüchtet. Niemand von ihnen war mehr eine Stunde lang feines Lebens ficker. Einer nach dem andern kam an die Reihe. Sie wollten kämpfen Aus Petersburg war die Nachricht durchgedrungen, daß man dort die Offiziere in Massen verhaftet und in die Heizkessel der Schiffe geworfen hätte. Ähnliches stand für Moskau zu er­warten.

Der Kreml, die alte Zarenburg, fo groß wie ein ganzer Stadtteil, von zwanzig Meter hohen Mauern umgeben, von der Moskwa gestckert, enthielt das Munitionslager. Wie es ihnen möglich gewesen war, wußte die Mutter nickt: he hatten sich seiner bemächtigt und ssck darin verschanzt In ein vaar Stunden war die Verabredung getroffen und der über­fall gelungen. Seitdem lebte Moskau in atemloser Spannung. Es kam alles darauf an, wohin das Volk sich