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Wiesbadener Tagblatt

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Unterhaltungsberlage.

Nr. 76.

Donnerstag, 30. Mürz 1939.

87. Jahrgang.

Der spanische Krieg ist zu Ende!

Das gauze Land im Besitz der nationalen Truppen. Die Milizen ergaben sich kampflos. Ei» Tag der Freude nach Jahren des Opfers. Der Glückwunsch des Duce.

Kompromißloser, totaler Sieg.

wt. Am Mittwochnachmittag, um 14. 30 Uhr, veröffentlichte Burgos die Mitteilung, da» sich mit diesem Zeitpunkt ganz Spanien im Besitze Francos befand. Unauf­hörlich trafen im nationalen Hauptquartier Nachrichten ein, nach denen sich sämtliche Städte und alle größeren Landorte den Truppen Francos ergaben. Militärisch gesehen ist somit der spanische Krieg beendet. In einem stolzen Heeresbericht gibt das nationale Hauptquartier bekannt, das, gestern von den Truppen des Generals Franco sechs Provin­zen mit ihren Hauptstädten besetzt wurden. In allen Ab­schnitten ergaben sich die Milizen kampflos.

Der gestrige Mittwoch ist für ganz Spanien ein nationaler Feiertag gewesen, ein Tag der Freude, den man nach Jahren blutigen Kampfes so schnell nicht vergehen wird. Der Tag des Friedens! Überall drängte sich die Be­völkerung auf die Stratzen, die Zeitungen brachten Sonder­nummern heraus, die auf der ersten »eite das Bild des Caudillos tragen. Der N a m e F r a n c o ist in aller Munde, denn ihm ist der kompromißlose, totale «i e g zu danken. Ein genialer Führer, der dieses Wunder zusiande- brachte. Der Heldherr eines harten Krieges, der Schöpfer eines glückhaften Friedens. _ _ f

Mussolini sandte an General Franco nachsiehendes Telegramm:

3n dem Augenblick, in dem mit der Besetzung von Madrid Ihre prächtigen Truppen das Ziel des Endsieges er­reichten, möchte ich Ihnen meine» und de» begeisterten Grub des italienischen Volkes übermitteln. Aus dem groben blutigen Ringen ist das Spanien von morgen im Entstehen, frei, geeint und stark. Ich versichere Ihnen, dab ich die zwischen unseren beiden Völkern geschossenen Bande für untrennbar halte.«

Auch der deutsche Reichsaußenminister sandte dem spanischen Außenminister anlählich der Einnahme Madrids ein Glückwunschtelegramm.

Das kalte und feuchte Wetter hält die Bevölkerung Madrids nicht ab. auf den Straßen die durchziehenden nationalen Truppen immer wieder begeistert zu grüßen. Die ausgehungert und blag aussehenden Einwohner drangen sich um die Hilfsziige der Solange. Dreie helfen, jo rasch sic nur können. Daher werden Lebensmittel, Schokolade, Brot und Zigaretten buchstäblich auf die Straße geworfen, wo unzählige Hände sie aufsammeln. Eine Bor- siellung von der Hungersnot vermitteln die Preise, dre.unter der roten Herrschaft üblich waren. So kostete ein Ei 12 Peseten, eine Büchse kondensierte Milch 75 Peseten, ein Kilo Eselsfleisch falls es überhaupt vorhanden war. 120

In Oran sind am Dienstag 14 rotspanische Militär­flugzeuge aus Murcia mit 48 Personen an Bord einge­troffen. Unter den Flüchtlingen befindet sich auch General Miaja. , .,

Der Sowjetpresse macht es einige Schwierigkeiten, ihren Lesern den Fall Madrids zu erklären.Madrid ist nicht int Ergebnis einer verlorenen Schlacht, nicht itn Ergebnis einer Niederlage des republikanischen Heeres gefallen. Madrid ist ein Opfer des Verrats, des feigen Dolch­stoßes in den Rücken." Als Hauptschuldige greift die ..Prawda" die Regierungen Englands und irrank- reich« an. Die Weltmächte hätten als Helfershelfer der Verräter Wasser auf die Mühleder faschistischen Inter­venten" gegossen. Um den Preis von Leichen und Blut hätten sie versucht, mit demAggressor" em Geschäft zu machen. Die Sowietzeitungen können ihre ohnmächtige Wut und ihre Niedergeschlagenheit nur schwer verbargen.

Die römischen Blätter weisen vor allem darauf bin. daß die Niederlage der Roten eine Niederlage der w e st - lich-n Demokratien darstellt. ...Der Ausgang des spanischen Krieges bedeutet für alle, die glauben, den Ver­lauf der Geschichte aufhalten zu können, eine ernste Mahnun g.

Nachdem nun auch Madrid gefallen und der rote Spuk zu Ende ist, hält man in London den Zeitpunkt für ge­kommen. daß sich der englische Botschafter nach Burgos be­gibt. Sir Maurice Peterson hat am Mittwoch London in Richtung Spanien verlassen.

Wie regiert Franco?

Von Rafael Jose Quito (z. 3t. Burgos).

Deutschland ist überzeugt, dab nunmehr für Spanien eine Zeit des Ausbaues anbricht. . ... so drahtete Adolf Hitler an Generalissimus Franco, den Caudillo (Führer) des neuen nationalspanischen Staates. Die Grundlagen dieses Auf­baues wurden bekanntlich schon bald nach dem Aufbruch Francos aus Marokko im Sommer 1936 gelegt und dann mitten im sogenannten Bürgerkrieg während des blutigen Ringens mit dem roten Gegner dauernd verbessert und ver-

Franco, der Befreier Spaniens.

(Weltbild. Ä.)

stärkt Jin Oktober 1936 wurde die Junta Töcnica, der Tech- nische Staatsausschuß. geschossen. Es war. eine vorläufige Anordnung, die aber bereits die großen Linien aufwies, nach denen eine nationale Regierung, errichtet werden sollte.

Jene erste Staatsiunta bestand aus 11 Ämtern. Sie arbeitete als Provisorium bis zum 39. Januar 1938 am fünfjährigen Gedenktag der Machtübernahme des befreundeten Nationalsozialismus in Deutschland! löste General Franco die Junta Tscnica auf und verfügte die Bildung eines auf die Dauer eingestellten Kabinetts. Wenrge Tage darauf fand in Burgos, in der altehrwürdigen Casa del Cordon (in der 1497 Kolumbus nach seiner Rückkehr aus der entdeckten Neuen Welt von König Ferdinand empfangen wurde) ein feierlicher Staatsakt statt, bei dem die vorhandenen 11 Ämter tn Ministerien umgewandelt und die Refsortchets vereidigt wur­den Diese 11 Minister stehen heute noch mit ihren Posten. Gleichzeitig mit jener Bestellung verhieß.. Franco tn einer Botschaft an das spanische Volk den Frontkammern und ihren Angehörigen ehrenvolle Versorgung, den schäftenden. Volks­genossen im ganzen Lande eine durchgreifende Sozialpolitik und schließlich eine Neuregelung des Eemeindewesens.

Was die Frontkämpfer anlangt, so sind darunter nicht nur die Soldaten zu verstehen, die aut nationaler Sette stan­den. sondern auch dieunglücklichen Kameraden, die zwangs­weise in Rotsvanien kämpfen ober leiden mußten. Innen­minister Serrano Suner hat sich darüber kürzlich, noch vor der letzten Offensive gegen Madrid vor ausländischen Presse­vertretern folgendermaßen geäußert: .Der Geist der. Front wird der Geist des neuen Staates sein. Es gibt zwei Arten von Frontsoldaten, diejenigen, die im Schützengraben standen und diejenigen, die tn der roten Gefangenschaft unsägliche Leiden erdulden mußten. Beide Kategorien haben dem neuen Staate Opfer gebracht. Beide werden sich beim Aufbau mit« einsetzen. Sie werden das korrupte Spanien, das he haßten

Verstärkung der französischen Kolonialarmee.

Derstecksprel hinter verstaubten Formeln

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schristleitung.)

zosen hätten es zwar lieber gesehen, wenn die Engländer die Dienstpflicht einaefuhrt hätten. Es ist auch kein Ge­heimnis, daß dieses Thema während des Besuches des fran­zösischen Staatspräsidenten in London behandelt wurde. Diesen Wunsch aber glaubt Chamberlain nicht erfüllen zu können, zumal sich die englische Linke gegen die Einführung der Wehrpflicht ausgesprochen hat. Er kommt aber dem Sicherheitsbedürfnis^ des französischen Bundesgenossen da­durch entgegen, daß er das Expeditionskorps für den Ernstfall von 19 auf 34 Divisionen, nach anderen Meldungen sogar auf 38 Divisionen ver­stärk k. Diese Verstärkung erfolgt dabei nicht durch eine Vergrößerung der englischen Berufsarmee, sondern durch die Verdoppelung der Territorialarmee. Dos ist die auf freiwilligem Dienst beruhende Armee, eine Miliz von Männern zwischen 17 und 50 Jahren, die ober in der letzten Zeit genau fo organisiert und genau so bewaffnet wurde, wie die Berufsarmee. Das Expeditionskorps soll im Ernstfall aus der Berufsarmee und der Territorialarmee zusammengesetzt werden. Daneben dient die Territorial­armee dem Luftschutz und dem Küstenschutz des Heimat­landes. Diese ganzen Territorialtruppen werden jetzt also verdoppelt. Es steht den Engländern natürlich frei, soviel militärische Gesten zu machen, wie sie wollen. Rur dürfte man sich in London und Paris gewaltig irren, wenn man glauben würde, daß man mit solchen Mitteln uns ober bte Achse BerlinRom irgendwie beeindrucken könnte.

Eine verständnislose Rede Daladiers.

as. Berlin, 30. März. Die Rundfunkansprache, die der französische Ministerpräsident D a l a b i e r gestern hielt, hat bie Erwartungen, die man im Ausland vielfach auf diese Rede gesetzt hatte, nicht erfüllt. Sie bedeutet keine Ant­wort auf die Rede Mussolinis, denn sie ging an dem Kern des italienischen Rechtsanspruches vollkommen vorbei. Es war insofern eine typisch französische Rede, als Daladier sich ängstlich an alte, von der Entwick­lung längst überholte diplomatische Akte, anklammerte. Es war bas alte französische Pochen auf bas geschrie­bene Recht, auf Besitz und Vergangenheit unb es mar bie französische Verständnislosigkeit gegenüber der Tatsache, daß bie Welt nicht still steht und baß junge Völker Lebens- raum brauchen. Diese Verstänbnislosigkelt war nicht nur in dem Teil der Ausführungen-festzustellen, die Daladier dem französisch-italienischen Verhältnis widmete, sondern auch in dem kurzen Abschnitt, in dem er auf Deutschland zu sprechen kam. Auch hier fehlt jedes Verständnis für das durch die Lebensnotwendigkeit und die geschichtliche Sen­dung des Reiches bedingte Vorgehen im böhmisch-mährischen Raum. Bei dieser ganzen Einstellung des französischen Ministerpräsidenten ist es nicht weiter verwunderlich, wenn er in feiner Ansprache, bie zum großen Teil für den inner- französischen Gebrauch bestimmt war, unb dementsprechend auch eine ausführliche Verteidigung der Notverordnungs- politik brachte, auf bie italienischen Forderungen nur mit den alten Sätzen antwortete. Er hielt seine alten Erklä­rungen aufrecht, daß Frankreich meber einen Zoll breit Boben noch ein einziges seiner Rechte preisgeben werbe. Er fügte aber auch hinzu, baß Frankreich auch weiterhin Vorschläge prüfen werbe, die ihm unterbreitet würden. Mit anderen Worten heißt bas, baß die französische Auffassung sich nicht geänbert hat. In Paris hat man, um bie Bedeutung der Dalabierschen Rede zu unterstreichen, gestern erklärt, baß der Minister- r a t, der gestern vormittag tagte, bie Runbfunkansprache einstimmig gutgeheißen hat. Trotzbem sind aber immer wiede? Gerüchte im Umlauf, die von weitgehen­den Meinungsverschiedenheiten im fran­zösischen Kabinett wisien wollen und bte sogar von einem möglichen Rücktritt Bonnets sprechen. Diese Gerüchte werden hauptsächlich von französischen Lrnkskreisen verbreitet, die Außenminister Bonnet wegen seiner Verhand- lungsbereitschaft gegenüber Italien bekämpfen.

Chamberlain sekundiert mit Divisionen.

Im Zusammenhang mit der Daladier-Erklärung, die wieder einmal von der Übereinstimmung Frankreichs mit den angelsächsischen Nationen sprach, mutz man die Mittei­lungen beachten, die Chamberlain gestern im Unter­haus über die Verstärkung der britischen Terri­torialarmee abgab, da diese Maßnahme wohl nicht zuletzt auf französischen Wunsch erfolgt. Die Fran-

Paris, 29. März. Im Kolonialausschutz der Kammer gab Kolonialminister Mandel einen eingehen­den Bericht über die Lage in den französischen Kolonien und besonders über die militärische Verteidigung d e s französischen Kolonialreiches. Seine Erklä­rungen über die französische Somaliküste wurden, wie tn den Wandelgängen der Kammer betont wird, besonders von dem soeben "aus Dschibuti zurückgekehrten Untersuchungs- ausschuh einmütig gutgeheißen. Ein nach der Sitzung ausge­gebenes Kommunique lagt, der Bericht des KolonialmiMsters habe den Ausschuß vollkommen befriedigt. Die Effektivstärke der französischen Kvlvnialarmee hat sich nach diesem Bericht seit einem Jahr verdoppelt, und sie ist nach Ansicht des Kolonialministers in der Lage, dank der vor­wärtsgetriebenen Ausbildung der Truppen, die fernabgelegenen französischen Besitzungen vor jeder Über­raschung zu schützen. Der Verteidigungszustand des franzö­sischen Kolonialreiches werde im übrigen in der Zukunst sich noch weiter verbesiern. Die Erfahrung habe gelehrt, daß bte Kolonien ein fast unerschöpfliches Mens^chen- reservoir bilden von dem Augenblick an, wo bte Organi­sation unb bie Ausbilbung der Kadres den Punkt der Voll­kommenheit erreicht hätten, was demnächst der Fall fein werde. Außerdem sei der Schutz strategisch wichtiger Punkte, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu genügen, ernsthaft ver­

stärkt worben burch die Entsendung gut ausgebildeter Einge­borener. Bezüglich der Verteidigung Jndochinas, so heißt es in der Verlautbarung weiter, habe der Kolonial­minister daran erinnert, daß diese Kolonie eine bedeutende Ergänzung von Flugzeugen erhalten habe. U. a. ist eine Flugzeugfabrik im Bau. die von ihrer bevorstehenden Fertig­stellung an in der Lage sein werde, jährlich 150 Flugzeuge und 400 Motoren zu erzeugen, bie ausschließlich für den Be- barf Jndochinas vorgesehen sind.

Der britische Eeneralsta-bschef Gort hatte am Mitt­wochvormittag mit dem französischen Generalstabschef Gene­ral Eamelin eine zweistündige Unterredung. Nach­mittags begaben sich Gort unb die Offiziere feiner Beglei­tung im Kraftwagen nach Reims. Unter der Führung Gamelins besichtigten die englischen Militärs die Maginot- linie.

Der englische Überseehandelsininister Hudson traf am Mittwochfruh von Moskau kommend in Helsinki ein, wo er von hohen Beamten des finnischen Auswärtige« Amtes empfangen wurde.