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87. Jahrgang

Nr. 74.'

Dienstag, 28. März 1939,

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Kampfmoral der Roten völlig zerrüttet

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marichieren, um der Bevölkerung die,;reiyen zu oungen! In der Nacht zum Dienstag herrschte an der Madrider Front vollkommene Ruhe. In den Vormittagsstunden liefen geschlossene Einheiten der roten Miliz zu den nationalen Truppen über. Sogar vollständig ausgerüstete und mit Munition versehene Batterien ergaben sich. Mehrere Stellen der roten Front wurden von nationaler Artillerie beschossen, ohne daß das Feuer erwidert wurde. Auch die Luitabwehr gab nur vereinzelte Schüsse auf die nationalen Flugzeuge, die eine starke Erregung in der Stadt

Eine liberstchtskarte von Madrid und Umgebung.

lWeltbild-Eliese. M.)

England scheint aber ein Interesse daran zu haben, dre Beruhigung der öffentlichen Meinung mit allen Mitteln zu Hintertreiben. So wird die vorerwähnte Luge von einer neuen abgelöst. Im Unterhaus fragte der Arbeiterabgeordnete Henderson an, ob die litauische Re­gierung das Memelstatut eingehalten habe und ob nicht da­durch die Intervention der Reichsregrerung unrechtmäßig gewesen sei. Unterstaatssekretär But- l e r beantwortete diese Frage unglaublicherweise mit einem glatten Sa. Eine Behauptung, die der Wahrheit ins Gesicht schlägt. Von -en 16 Direktorien, die seit 1924 im Memelland „regierten", besahen nur drei das ver­fassungsmäßige Vertrauen des Landtages. Der latent« Kriegszustand mußte die Basis abgeben, von der aus die litauischen Gouverneure das deutsche Memelland terrori­sierten. Ein offensichtlicher Bruch des Statuts, der in der Unterhausfitzung vom 30. Januar 1935 auch von dem dama-

Weihe Fahnen über der Hauptstadt.

Burgos, 28. März. (Letzte Funkmeldung.) Am Dienstag, um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wurde über den sowjet­spanischen Madrider Sender diellbergabevonMadrid an Franco bekanntgegeben. Gleichzeitig hat der Befehlshaber der bolschewistische» Truppe» a« der Madrider Front „Oberst" Prada den Befehl z»m Ruckzug gegeben. Die nationalen Truppen stehen unmittelbar vor der Stadt, über deren Gebäude weiße Fahnen wehr».

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Die mit großem Tamtam eingeleitete Aktion gegen die autoritären Staaten beginnt sich also im Sande zu ver­laufen. Man mutz heute zugeben, daß die Behauptung von dem deutschen Ultimatum an Rumänien, mit der der Vorstoß eingeleitet wurde, eine glatte Lüge dar- [teilt. Chamberlain erklärte am Montag vor dem Unter­haus auf Grund von Mitteilungen des rumänischen Außen­ministeriums, daß die Handelsvertragsverhand- lunaen zwischen Berlin und Bukarest völlig normal verlaufen seien. Die englischen Blätter brachten diese an sich selbstverständliche Meldung in größter Aufmachung. Das verspätete Eingeständnis einer Lüge, die einzig dazu bestimmt war, eine Katastrophenstimmung auszu­lösen. Ein frivoles Spiel mit dem Frieden, den ....... -11 •—:rn rm Munde

Franco übergingen. Der Glaube an den Sieg ist aber bei den Roten völlig dahin. Charakteristisch dafür ist auch die Meldung, daß die roten Madrider Machthaber be- bereits die gesamten ihnen noch verbliebenen Luststren- kräfte an Franco ausgeliefert haben. Diese Übergabe der Luftflotte war bereits von nationaler Seite in den ersten Verhandlungen mit den Roten gefordert worden. Die Ver­handlungen führten zwar zu keinem Ergebnis, doch sind die Roten jetzt offenbar gewillt, die Bedingungen Francos zu erfüllen. Sm roten Lager kann sich ja auch niemand mehr im unklaren darüber sein, daß für die Roten das Ende gekommen ist. Schon spricht man denn auch davon, oag rote Bonzen sich auf dem Wege zur Küste befänden, in der Hoffnung, noch ein Schiff zu erreichen, das ihnen die Flucht ermöglicht. Wie die Operation Francos im einzelnen wei­ter verlaufen wird, ob er noch an anderer Stelle zu einem Offensivstoß ansetzt, bleibt abzuwarten. Das Schicksal Madrids dürfte sich schon in der allerkürzesten Frist wenden, nachdem gestern Abend bereits Snfanterie- abteilungen Francos in die Vorstädte Madrids ein­gedrungen sind. Schon stehen hinter de» Truppen Francos die Wagen mit Lebensmittel bereit, zur Versorgung der Madrider Bevölkerung, die solange unter der Herrschaft der Roten zu leiden hatte. Der Zusammenbruch des roten Restspaniens ist, daran kann heute kein Zweifel mehr be­stehen, nur uvch eine Frage weniger Wochen, vielleicht so­gar nur noch eine Frage von Tagen.

Die abgelöste Lüge.

Ki. Vor einigen Tagen alarmierte London die Welt mit der Lüge, Deutschland habe an Rumänien ein Ultimatum gestellt. Das mit diesem Hetzvorstoß ver­folgte Ziel, wurde sehr bald sichtbar. Mit, ihm sollte d« für die Schaffung einer antiautoritären Front nötige Atmosphäre erzeugt wcrd.en. Inzwischen hat das ganze Unternehmen Schiffbruch erlitten. Die Verhandlungen über die sogenannte Vier-Mächte-Erklärung sind prak­tisch bereits gescheitert. Die Londoner Morgenblätter mel­den, daß Chamberlain auf einer Sitzung des Auswär­tigen Ausschusses im Unterhaus, die am Montag stattfand, ausführlich über die diplomatischen Schritte, die bezüglich der Vier-Mächte-Erklärung unternommen wurden, berich­tete Neues habe der englische Premierminister zedoch. wie „Daily Herald" meldet, überhaupt nicht mitt eile n können. Polen verhält sich gegenüber der englischen Snitiative außerordentlich zurückhaltend und die kleineren Staaten fühlen wenig Neigung, ihre Neutralität für dre Snteressen der großen Demokratien zu opfern. Die belgische Nachrichtenagentur betonte gestern noch einmal ausdrück­lich, daß sich Brüssel gegen jede Einbeziehung tn dre fran- zösi ch-englischen Pläne wehre. Sein Verhältnis zu den Nachbarstaaten dürfe mit keinerlei Zweideutigkeiten be­lastet werden.

feint. Die weiteren Operationen dürften hier dem Laufe des Tajo folgen. Eingesetzt sind vor allem motorisierte Kolonnen.

Wie aus Rain- gemeldet wird, verloren die^italie- nischen Legionärsflieger im spanischen Feldzug 8 8 Flug­zeuge. Bis zum 22. März 1939 fielen insgesamt 59 italie­nische Offiziere, 57 Unteroffiziere und 58 Mannschaften. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Legionärsflieger 9 0 0 s et üb­liche Flugzeuge (727 davon einwandfrei festgestellt) abgeschossen. Ein Ruhmesblatt in der Geschichte der

feststelken konnten, ab.

Sm Abschnitt von Toledo, wo die nationale Offensive auf einer Frontlänge von 90 Kilometer am Montag einsetzte, wurden 12 Ortschaften befreit Ein Umkreis von 50 Kilometer Durchmesser um die Stadt Toledo ist von Bolschewisten gesäubert. Die nationalen Truppen stehen unmittelbar vor den Kreisstädten Ocana (an der Straße Madrid—Ciudad Real) und Orgaz (an der Straße Toledo—Ciudad Real). Bei den Kämpfen in diesem Ab­schnitt wurden am Montag 4000 Gefangene gemacht. Bei Aranjuez sind die Nationalen nur noch 35 Kilo- m-eter von der Hauptstraße Madrid—Valencia ent-

eigenen Ministerium von der hohen Bürokratie be­kämpft, deren Wortführer, Generalsekretär des Quai d'Orsay, Leger, gestern nicht davor zurückgeschreckt sei, den bevorstehenden Rücktritt des Außenministers anzukündigen. Das Bild, das sich aus der Pariser Morgenpresse vom Dienstag ergibt, ist außerordentlich verworren.

Nach der amtlichen Mitteilung über den Ministerrat unterbreitete Daladier dem Präsidenten der, Republik eine Reihe von Notverordnungen, die der Stärkung der Kampfkraft der Marine dienen. Eine Verordnung sicht eine Erhöhung der Effektivstärke der Schiffsbesatzungen vor. Das Gesetz über die Rekrutierung und die Reserve­organisation der Marine wird abgeändert. Die Effektivstärke der leitenden Sngenieure und technischen Beamten der Marine wird erhöht. Eine Notverordnung behandelt die Verteidigung der Grenzgemeinden, eine andere sieht einen Kredit vor für die industrielle Mobilmachung.

wt. Nach Meldungen, die aus Burgos eintrafen, sind am Montagnachmittag national e Truppen in die Vorstädte Madrids ein gedrungen. Während sie am Rande der Stadt auf heftigen Widerstand stießen, fanden nationale Stoßtrupps, di« in das Stadtinnere eindrangen, nur geringe Gegenwehr. General Franco richtete einen Nundfunkaufruf an die Madrider Bevölkerung, in dem es u. a. heißt: „Die Zeit eurer Befreiung ist nahe. Sn wenigen Stunden wird die Flagge des nationalen Spaniens von den höchsten Zinnen der Hauptstadt wehen. Untere Armee über­wältigt jeden Widerstand 'und wird in Madrid ein=* marschieren, um der Bevölkerung die Freiheit zu bringen!"

Von Norden und Süden auf Ciudad Real.

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

as. Berlin, 28. März. Sn Spanien vollzieht sich die Entwicklung gegenwärtig in einem Tempo, das es schwer macht, Karten über den neuen Frontoerlauf zu veröffent­lichen. Bis diese Karten nämlich sertiggestellt sind, liegen bereits wieder Meldungen vor, nach denen die Truppen Francos inzwischen neue Gebiete besetzt haben. Der erste Ansturm der nationalspanischen Truppen hat, wie gestern schon berichtet wurde, zu einem Durchbruch ander Cordoba-Front geführt. Wichtig ist dabei, daß den Nationalspaniern bereits die Quecksilbergruben bei Al­maden in die Hand gefallen sind, obwohl es hieß, daß die Roten hier besonders starke Stellungen angelegt hätten. Diese Gruben liefern fast 50 % der Welterzeugung a n Quecksilber und mit dieser Produktion haben die Roten iu einem erheblichen Teil bisher den Krieg finan­ziert. Snzwischen ist ein weiterer, nationaler Offensivstoß gefolgt. Er brach südöstlich von Madrid, aus dem Brücken­kopf von Toledo heraus vor und führte schon in den ersten Stunden zu einem tiefen Einbruch in die.rote Front. Verlängert man die Richtungspfeile, die das Vorgehen der Truppen Francos on der Cordoba-Front und an der neuen Toledofront anzeigen, so ergibt sich, daß von Norden und Süden beide Offensiven etwa auf Ciudad Real zielen, dem Hauptort des großen Landschaftsgebietes im Süden Neu-Kastiliens. Cs handelt sich auch hier wieder um eine der berühmten Zangenoperationen, die für die Francosche Kriegsführung charakteristisch sind. Mit dem Gelingen dieser Zangenoperation fällt zwangsläufig der westlich Ciudad Real hoch etwa 80 Kilometer nach Westen vorspringende rote Frontbogen zusammen. Wenn die Roten sich nicht außerordentlich beeilen, aus dem Sack, den Franco abzuschnüren im Begriff ist, herauszukommen, werden die Truppen Francos zweifellos erhebliche Beute machen können. An einem Erfolg dieser nationalspanischen Ope­ration ist nicht mehr zu zweifeln. Bei Toledo sind die in der katalanischen Schlacht bewährten Truppen, drei Armee­korps, und unter ihnen die italienischen Legionäre, einge­setzt, die unter dem Gesang des faschistischen Kampfliedes, der E i o v i n e z z a, »ergingen. Das Verhalten der Roten scheint sehr verschieden gewesen zu sein. An einigen Stellen _I)a6en sie überhaupt keinen Widerstand geleistet. An an- oeren Stellen haben sie sich zur Wehr gesetzt. Neuerdings sprechen auch Meldungen davon, daß rote Truppenabtei­lungen planmäßig zurückgenommen wurden, während an anderen Stellen ganze Kompanien geschlossen zu

wt. Sn dem gestrigen französischen Ministerrat beglück­wünschte Daladier den Präsidenten der Republik zu den Ergebnissen seiner Reise nach London. Außenminister Bonnet berichtete anschließend üher die Besprechungen mit den englischen Ministern. Die Pariser Blätter wotten wissen, daß im Kabinett, im Zusammenhang mit der Rede Mussolinis, lebhafte M e i n u n g s v e r i ch r e - denheiten aufgetreten seien. Bonnet nehme eine oppositionelle Stellung ein und die Minister Pomaret, de Monzie, Marchandeau und L a CH am b r e hätten sich seiner Auffassung angeschlossen. Der Direktor des „Sour" erklärt, auf die Anständigkeit Daladiers, der feinen Ministern völlige Meinungsfreiheit laste, sei es zuruckzu- führen, daß sich innerhalb der frani'^" feindliche Strömungen geU,„*. ...... -

Gruppe hetze zum Kriege, die andere begehen wolle vor einer kriegerischen Lösung alle ehrenhaften Fnedens- aussrchten ausgeschöpft sehen. Bonnet werde in seinem

Zahlen in MadeW: 1 Südbahnhof 2 Norrftahnhof

-3 Kriegsminisf .HongreflpalasF, Hauptpost, Bank von Spanien

4 Deutsche Botschaft,Münzamt, Justizpalast, Hationalmuseum

5 Gefängnis, Techmsch.laborat 6 Palast, Kathedrale.Theafer,

Marineministerium ,Marsta!l 7 Hippodrom, BferkHReh'ro 9 Regierungsgebäude, Kasernen 10 Schbdtf-und Viehhof tl los Maladeros

Druck und Verlag: .

L. Sch-llenberg'sche »Uchdruckerei, „Tagblatt-Ha»»"

Kernsprecher.Samrnel.Nr. 59631. Drahtanschrift: Tagblatt Wiesbaden. XÖUtyc

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Ameiaenvr-iie: Lin Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalt» im Anzeigenteil «rund, »reis 7 Stof , der 85 Millimeter firmten Spalte im Te-ctteil 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr.«, Nachlatzstaffel B. — Für die Ausnahme von Anzeigen an bestimmten Tagen und PlöH-n wird keine LewLhr übernommen. - Schluß der Anzeigen-Annahm« 9Vi Uhr vormittag». Größere Anzeigen massen spötesten, einen Tag var dem Srscheinungstage aufgegeben werden.

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die englischen Staatsmänner so oft und gern tm Munde führen. Aber auch der rumänische Ministerpräsident und der Außenminister griffen selbst dieses Thema auf und Kllten den unbedingt normalen Charakter der Ver- nblungen ausdrücklich fest. Das Abkommen habe, so be- tonte Ministerpräsident Calinescu, rein wirtschaftlichen Charakter. Seine günstige Wirkung auf die allge­meine politische Sage sei unverkennbar. Die Frage einer Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit Rumäniens sei keinen Augenblick lang aufgetaucht. „Wir verhandelten auf dem Fuße der Gleichheit." Seiler der vertragschließenden Teile finde seine Vorteile. Die Handelsbeziehungen zu anderen Staaten würden nicht be­nachteiligt, da eine Monopolforderung nicht erhoben worden sei Die Bukarester Regierung, so schloß der Ministerpräsi­dent habe ihre Pflicht erfüllt und die Snteressen des Landes gewahrt. Der rumänische Partner hat damit noch einmal diegesuudenundorganische n E r und - lagen des Abkommens hervorgehoben. Rumänien und Deutschland stellen wirtschaftliche Räume dar, die sich auf Las sinnvollste ergänzen. Agrar- und Rohstoffland auf der einen Seite, ein hochentwickelter Industriestaat auf der anderen Seite. Dazu kommt die nachbarliche Sage und die Donau als schneller und billiger Verkehrsweg. Eine Luge, die soviel Erregung und Feindseligkeit ausgelöst hat, findet damit ihr Ende und eine Aufklärung, wie sie überzeugender nicht gegeben werden kann.

Madrid ergibt sich Franco.

Übergabe durch Rundfunk bekanntgegeben. — Rater Befehlshaber gab Rückzugsbefehl. — Die Rationale» unmittelbar vor der Stadt.

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6 Ausgabe« Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend» außer Sonn. u. Feiertag»

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