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Wiesbadener Tagblatt

Erfcheinungszett:

87. Jahrgang

Freitag, 17. Mürz 1939

Nr. 65

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Unendlicher Jubel bei der Ankunft in Brünn. — Parade der 2. Panzerdivision.

Das Protektorat.

Von Walter Aßmus.

Außerordentlich schnell ist dem Einmarsch der deutschen Truppen in Böhmen und Mähren der Erlaß des Führers gefolgt, der die st a a t s r e ch t l i ch e Form festlegt, in der Großdeutfchland seine Rolle als Ordner im böhmisch-mäh­rischen Raume durchführt. Dieser Erlaß gibt dem Reiche, was des Reiches ist. aber er gibt zugleich auch dem tschechischen Volke in großzügiger Weise das, was es zu seiner Fortentwicklung und zur Sicherung seines völkischen und kulturellen Eigenlebens gebraucht. Wie weit man ge­rade in dieser Hinsicht geht, zeigt wohl am besten die Tat­sache, daß das Oberhaupt des Protektorates den Schutz und die Ehrenrechte eines Staatsoberhauptes genießt. Alle Be­stimmung ergeben klar und eindeutig, daß das Eigen­leben des tschechischen Volkes nicht unter­drückt werden soll. Auf der anderen Seite rst es selbst­verständlich, daß das Reich, wenn es den Schutz des tschechischen Volkes und die Verantwortung für sein Wohl- ergehen übernimmt, die Oberaufsicht über die Protektorats­verwaltung haben muß. Durch die Einsetzung eines Reichs­protektors wird dabei in Böhmen und Mähren di« Zu­sammenarbeit mit dem Reiche sichergestellt.

Es ist somit jetzt die Basis geschaffen, auf der nun­mehr der weitere Aufbau beginnen kann. Böhmen und Mähren, in denen ja die Arbeitslosigkeit noch immer sehr groß war, werden nunmehr auch an dem wirtschaft­lichen Aufschwung teilhaben, den der Nationalsozialismus dem Reiche schon lange gebracht hat. Auch hier werden jetzt alle Arbeitskräfte eingesetzt werden können und ein wirtschaftlicher Aufschwung wird ganz zweifellos schon in Kürze festzustellen sein. Durch die Her­stellung der Zollunion wird dabei ein wirtschaftlich un­möglicher Zustand beseitigt, der eine vernünftige Entwick­lung bisher ausschloß. Aus den AnordnuMen ergibt sich weiter, daß im Protektorat Böhmen und Mähren zunächst noch die Krone neben der Mark gesetzliches Zahlungsmittel bleibt. Daß das ein vorübergehender Zustand ist, liegt auf der Hand.

Wer einigermaßen aufmerksam die Bestimmungen über das Protektorat Böhmens und Mährens liest, der erkennt ohne weiteres, wie unsinnig es von gewissen ausländischen Blättern war, wenn sie über eine „Germanisierung der Tschechen" glaubten zetern zu müssen. Tatsächlich hat nun­mehr die tschechische Minderheit Garantien erhalten, wie sie keine Minderheit in anderen Ländern besitzt. Man hat Deutschland aber auch den Vorwurf machen wollen, daß es die rassischen Grundlagen seiner Politik jetzt ver­lassen habe. Der Erlaß des Führers zeigt, wie vollkommen abwegig auch eine derartige Behauptung ist. Er stellt eine reinliche Scheidung zwischen dem deutschen und dem tschechischen Volke auf, ohne dadurch jedoch die Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit im Rahmen des Großdeutschen Reiches zu schwächen. Man sieht auch aus diesen Beispielen wieder, wie sehr die Auslandspresse „da­neben gehauen hat", um nicht Zu sagen, wie verlogen eine solche Berichterstattung war. Man wird gut tun im Aus­lande, sich recht aufmerksam den Artikel 3 des Führer-Er- lasies durchzulesen, in dem ausdrücklich festgestellt wird, daß

Freudenkundgebungen überall.

Brünn, 17. März. (Letzte Funkmeldung.) Am Morgen des 17. März traf der Führer ans der Fahrt nach Brunn in O l m L tz ein, nachdem er das im Oktober befreite Alt - »atergebiet pasiiert hatte. Wieder ergreift die Schon- 6ett dieses deutschen Landes, das in strahlender Morgen­sonne in leuchtend weißem Schneekleide sich darbietet. Von Olmiitz aus geht dann die Fahrt hinab in die Hanna, das reiche mährische Hügelland, das mit seine» weithin sich deh­nenden, schon kür die Frühjahrsbestellung hergerlchteten Feldern eine Ahnung seiner großen Fruchtbarkeit vermit­telt. Es haben hier in den Dörfern überall große Freudenkundgebungen stattgesunden. Die Deutschen wohnen hier in gemischten Siedlungen, von zahlreichen Bauernhäuser» leuchten Hakenkreuzfabnen im hellen Sonnenglanz. Ein Perkonenzug kommt uns entgegen, et ist stark besetzt, aus allen Abteilen winkt man dem Führer- zuge zu. ,

Gegen 11 Uhr wird das Gebiet der großen deutschen Bolksinkel Brünn erreicht. Die Erinnerung taucht aus an die Oktobertage, als bei den groben Kundgebungen in Znaim und Rikolshurg die Abordnungen des Brunner Deutschtums mitten in der jubelnden Menge ihrer besrerten Brüder standen und mit Svrechchören und Spruchbändern den Wunsch und die Bitte immer wieder verkündeten, daß auch Brünn heimkehren möchte ins Reich. Jetzt ist dieser tiefste Herzenswunsch der Brünner Deutschen erfüllt. Die Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren hat ihnen die Reichsbürgerfchaft gegeben.

Um 11.10 Uhr läuft der Sonderzug des Führers ans dem festlich geschmückten Bahnhof von Brünn ein. Im

Augenblick, als der Führerzug den Bahnhof Brunn etnlaust, brause» deutsche Bomber staffeln über die Stadt dahin, ein herrliches Zeichen deutscher militärischer Krast und Stärlc,

Unendlicher Jubel der Tausende, die zusammen­geströmt sind, den Führer zu grüßen, braust empor. Die ganze Stadt prangt im Schmuck der Hakenkreuzslaggen. Die Fenster sind mit Hakenkre.uzsähn»en und nut Tan- nengrLn geschmückt. Hoch über der Stadt liegt der Dom. ein kostbares Zeichen deutscher gotischer Baukunst. .

Ans dem Bahnhof tn Brünn sind zur Meldung beim Führer angetreten: Der Oberbesehlshaber der Heeres- gruvve V, General der Infanterie L i st. der Kommandierende General des XVIII. Armeekorps. General der Infanterie B e v e r. Ferner Gauleiter Reichskommissar Bürge l. und Reichsstatthalter Dr. S e n ß - I n q u a r t, die sich zum Führer in den Besehlswagen des Sonderznges begaben.

Nach einet kutzet Besprechung im Befehlswagen trat der Führer die Fahrt durch die Straßen des tausendiäh- rigen Brünn an. Bor dem Bahnhof schritt der Führer unter den Klängen des Präsentiermarsches und der National­hymnen die Front der Ehrenkompanie des Heeres, gestellt vom Infanterie-Regiment 133 (Sinj) ab. Ungeheurer Jubel der befreiten Brünner Bevölkerung grüßte den Führer auf BCm^r^Fuhrer^uhr'sodann, immer wieder umtobt von der unbeschreiblichen Begeisterung der Deutschen, die aus ganz Mähren nach Brünn zusammengeströmt waren, die Parade­ausstellung der gesamten zweiten Panzerdivision ad und begab sich in das Rathaus, wo er durch den deutschen Bürgermeister der Stadt und die deutschen Ver­treter der Behörden begrüßt wurde.

Die Neuordnung in Mitteleuropa

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Ukraine wird Selbstverwaltung im Rahmen des ungarischen Staates erhalten. An einigen Stellen haben die ungarischen Truppen bereits die polnische Grenze erreicht. Teilweise finden aber offensichtlich auch noch Kämpfe zwischen Ungarn und den Karpatho-Ukrainern statt. In Warschau ist die Nachricht von der Schaffung einer gemeinsamen ungarisch-polnischen Grenze, die von der polnischen Öffentlichkeit wiederholt gefordert wurde, mit Genugtuung ausgenommen worden. Vor der ungarischen Gesandtschaft in Warschau sanden große Sympathie-Kundgebungen statt. Man verweist in Warschau im Hinblick auf das enge polnisch-rumänische Verhältnis be­sonders auf die ungarische Erklärung, daß die ungarischen Truppen die Grenzen dritter Staaten unbedingt respektieren würden. Nach Budapester Meldungen hat Rumänien fünf Jahrgänge einberufen und zwar zur Sicherung seiner Grenzen. Nach einer Bukarester Darstellung hat Rumänien ein Gesuch des ehemaligen karpatho-ukrainischen Minister­präsidenten W o l o ch i n, das Protektorat über die Kar- patho-Ükraine zu übernehmen, abgelehnt. Nachrichten schließlich, die wissen wollen, daß Bulgarien einige Divi­sionen mobilisiere, um jetzt seinen Forderungen Rumänien gegenüber den Nachdruck zu verleihen, werden von bul­garischer Seite nachdrücklich dementiert.

Naive Verständnislosigkeit in der französischen Presse.

Slowaken und Karpatho-llkraine.

as. Berlin, 17. März. Es fällt der Welt schwer, dem Tempo zu folgen, in dem zur Zeit Geschichte gemacht wird. Kaum hat die Welt die Meldungen von dem Ein­marsch deutscher Truppen in Böhmen und Mähren voll er­faßt, da sieht sie fich auch schon dem Erlaß desFührers gegenüber, der das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren schafft und damit endgültige Verhältnisse für ein Gebiet bringt, das 20 Jahre lang den Verirrungen der Anarchie des 'Versailler Diktats unterworfen war. Im Zeichen des Ereignisses wurde hier eine Lösung gefunden, die das tschechische Volk, das den deutschen Lebensraum bewohnt, genau so bedenkt, wie fie den Interessen des deutschen Volkes gerecht wird. Als der Führer gestern bald nach der Ver­kündung dieser neuen Ordnung im mitteleuro­päischen Raum Prag verließ, haben ihm die^Deutschen Prags voller Begeisterung zugejubelt. Diesem Jubel und dieser Begeisterung schließt sich das ganze deutsche Volk an, das bewundernd vor der Größe dieser genialen Leistung steht und voller Dankbarkeit zu dem Führer ausschaut. Die Welt, die heute der Entwicklung noch nicht so recht zu folgen ver­mag und sieht, wie so manches Kartenhaus, das die deutsch­feindlichen Kreise errichtet hatten, zusammenstürzt, wird sich später ebenfalls nicht der Erkenntnis verschließen können, daß hier eine europäische Tat geschah, eine Tat des Friedens. Waren doch die Probleme in dem deutsch­tschechischen Raum nur allzu oft der Ausgangspunkt trennen­der europäischer Auseinandersetzungen.

Bald nach der Bekanntgabe des Protektorats-Erlaßes des Führers wurde ein Telegrammwechsel zwischen dem Führer und dem slowakischen Ministerpräsidenten Ti so veröffentlicht, durch den der Führer auf Ersuchen Tisos den Schutz des slowakischen Staates übernimmt. Daß die Übernahme dieses Schutzes nicht das gleiche ist wie das Protektorat, liegt auf der Hand. In Preßburg hat man diese Antwort des Führers mit tiefer Befriedigung ausge­nommen. Dr. Tiso erklärte dem Sonderberichterstatter des Berliner Lokalanzeigers", daß damit der Entstehungs­prozeß der Slowakei, der mit seinem Empfang in Berlin begonnen habe, zu seinem Abschluß gekommen sei. Der neue Staat sei gesichert, sodaß die slowakische Regierung nunmehr, — gestützt vom vollen Vertrauen auf den Schutz des Reiches — in die Arbeit gehen könne. Als vordringlichste und wich­tige Aufgabe des Aufbaues bezeichnet der Mimsterpräfl- dent die Organisation der Zentralverwaltung und die Aus­richtung der slowakischen Wirtschaft auf dem deutschen Wirtschaftsraum. Die engen politischen Beziehungen, die zwischen dem Reich und der Slowakei be­gonnen haben, erfuhren eine wesentliche Unterstützung durch die wirtschaftlichen Ergänzungsmöglichkeiten die Dr Tiso vor allem in dem Ausbau von Erzeugnissen der slowakischen Land- und Forstwirtschaft und in der deutschen Industrie ficht.

Was die Karpatho.Ukraine anlangt so hat die Mitteilung, die der ungarische Ministerpräsident Graz T e I e f i un ungarischen Parlament gestern machte, Klar­heit geschaffen. Das gesamte Gebiet der Karpatho-Ukraine wird von ungarischen Truppen besetzt werden, nach­dem, wie Graf Teleki mitteilte, die dortige Bevölkerung zweimal dringend um Hilfe gebeten hätte. Die Karpatho-

Paris, 17. März. (Funkmeldung.) Die tschechischen Er- eignisie stehen unverändert im Mittelpunkt der Aufmerksam­keit der Pariser Morgenpresse. Fast ausnahmslos ergehen sich die Morgenblätter auch heute in oberflächlichen Bemerkungen, doch gewinnt man den Eindruck,, daß die Zei­tungen sich bereits mit dem Gang der Ereignisse obgefunden haben. Die Blätter bezeugen hierbei allerdings die immer noch eine naive Verständnislosigkeit für die Be­weggründe, die zwangsläufig zu den bekannten Ereig­nissen geführt habe. Man' kehrt wieder einmal die „huma­nitäre Denkungsweise" heraus. Natürlich fühlen, die Leit­artikler der Blätter, daß diese Überlegung für eine Argu­mentierung gegen die deutsche Haltung absolut unzureichend ist. Zur Bestärkung ihrer Ansicht greifen sie daher auf die seit langem bekannten Themen von den Papierfetzen-Ver­trägen und von dem europäischen Messegleichgewicht zurück. Dazu kommt, daß sich in Frankreich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte die Gewohnheit eingebürgert hatte, die tschechische Wehrmacht gewissermaßen als die bedeutendste Reserve der französischen Armee zu betrachten.

Das Wirtschastsblatt „Journee Industrielle" wirft die Frage auf, ob die Organe der französischen Politik ange­sichts der anderseitig geübten Politik genügend geschmeidig und schnell arbeiten. An anderer Stelle beklagt das Blatt den Gang der Ereignisse in handelspolitischer Hinsicht, da das Verschwinden der Tschecho-Slowakei als Abnehmer Frankreichs ein äußerst unerfreuliches Ereignis für den französischen Außenhandel sei. Der Außen- palitiker des „Petit Journal" fragt, wann sich die Engländer endlich entschließen würden, die allgemeine Wehrpflicht ein­zuführen. Kerillis stößt in der „Epoque" ein hysterisches Ge­

schrei aus bei dem Gedanken, daß das tschechische Kriegsmaterial in deutsche Hände gekommen ist.

In der überwiegenden Mehrheit erschöpfen sich die Be­trachtungen in der sranzäsischtn Presie in haltlosen Spe­kulationen, die nicht einmal der Phantasie ihrer Ver­fasser ein besonders gutes Zeugnis ausstellt.

„Umfassende Überprüfung der europäischen Lage."

Londoner Blätter znm bevorstehenden französischen Staatsbesuch.

London, 17. März. (Funkmeldung.) Der bevorstehende französische Staatsbesuch in London in der kommenden Woche wird von der Londoner Morgenpreße eingehend erörtert.

Der diplomatische Korrespondent der „Times" stellt fest, daß die Bedeutung des Besuches durch das Ende der Tschecho-Slowakei erhöht werde". Zu der Frage einer Teil- nahmeDaladiersan dem Besuch meint der Korrespon­dent. es sei ungewöhnlich, daß der Prmoiermimifter das Staatsoberhaupt begleite. BiHer sei an dem Programm nichts geändert worden.

Der politische Korrespondent der „Daily Mail" hält es für wahrscheinlich, daß Daladier nach London kommt. In britischen Kreisen erkläre man. daß die Zeit für eine „um­fassendere Überprüfung der europäische» Lage" gekommen sei.