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Wiesbadener Tagblatt

Erfcheimmgszett:

87. Jahrgang.

Dienstag, 14. März 1939,

Nr. 62

Autonomie der Slowakei verkündet

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Gewaltregiment des

Ein Ultimatum an Prag

der

Berlin, 13. MKrz. Am Montag um löMUHrtras der

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i Begleitung des

, Unabhängigkeitserklärung der Slowakei.

(Letzte Funkmeldung.)

Pretzburg, 14. März. Der slowakische Landtag, der heute morgen zu einer geheimen Sitzung zusammentrat, hat die Unabhängigkeit des slowakischen Staates ausgerufen.

Dr. Ti ko hat eine neue Regierung gebildet.

La Rochelle kommendes Batail ments habe sich an Bord des Marseiile nach Dschibuti

Ungarischer Einmarsch in die Karpatho-Ukraine tschechischen Pöbels. — Furchtbare Leiden der deutschen Volksgruppe

Ungarischer Einmarsch in die Karpatho-Ukraine.

Budapest, 14. März. (Drahtbericht.) Wie hier bekannt wird, haben in Verfolg der zahlreichen Zwischenfälle die tschechische Soldaten an der karpatho-ukrainischen Grenze provozierten, nunmehr ungarische Truppen die Grenze der Karpatho-Ukraine überschritten.

Ungarisches Ultimatum an Prag.

Budapest, 14. März. (Drahtbericht.) DRV. erfährt von unterrichteter Seite, datz im Zusammenhang mit dem Einmarsch ungarischer Truppen in karpatbo- ukrainisches Gebiet ds> auf Druck der unerträg­lichen Provokationen und der Überfälle durch tschechisches Militär aus ungarische Grenzwachen er­folgte. ein Ultimatum an die Prager Regierung gerichtet wurde.

Der Führer empsing heute in Gegenwart des Reichs- miniiters bee Auswärtigen de» slowakischen Ministerpräsi- 2** »nd d« in seiner Begleitung besiudlichea

•» Vretzbura, 13. März. Auf Grund eines einstlmmlgen Beschlusies des Präsidiums der Hlinka-Partei sollte der ehe­malige Schulminister C e r n a k der an ihn ergangenen Ein­ladung in die Reichshauptstadt zum Führer Folge giften. Als sich Cernak über die Donaubrucke nach En g e r au begeben wollte, um von dort die Reise nach Berlin anzu- trcten wurde ihm der Grenzübertritt auf ausdrücklichen Be­fehl des Pretzburger Polizeipräsidenten ve r w e igert, nut dem Bedeuten, daß Cernak Pretzburg überhaupt nicht mehr verlasien dürfe.

völkerung einzuschüchtern. Auch die deutsche Jugend hat unter dem Tschechenterror schwer zu leiden. Ein dreizehnjähriger Junge wurde jn °on flner tschechischen Horde. weil er weihe Strumpfe trug, verfolgt und so schwer verletzt, dah er bewußtlos in seinem Blut liegen blieb. ,, .. .

Zahlreiche Angehörige der deutschen Volksgruppe smd von den Tschechen verhaftet und verschleppt, worden In Mährisch-Ostrau wurden mehrere Lehrer tm Gefängnis blutig geschlagen. Über das Schicksal der meisten ^ er^ hasteten ist nichts bekannt und es besteht Anlah zu ernstesten Befürchtungen.

Häuser gesprengt — sechs Tote.

slowakische Ministerpräsident Dr. T i s o tm Flugzeug tn der Reichshauptstadt ein Er befand sich ni Begleitung des slowakischen Ministers Durcansky. Der Ches des Pro­tokolls von Doernberg, hatte sich zur Begrüßung auf dem Flughafen Tempelhof etngefunden.

Ministerpräsident Dr. T i fo begab losort vom Flug­hafen in das Auswärtige Amt. wo er mit dem Reichs- nnnister des Auswärtigen, von Ribbentrop, eine Be­sprechung hat.

Das entfesselte Chaos.

as. Noch stärker als gestern zeigen die heute aus der Tschecho-Slowakei vorliegenden Nachrichten, datz tm ge­samten Gebiet dieses Staates Wirrwarr. Unruhe und Terror herrscht. Neben den Slowaken, die ihre Unabhängigkeit tapfer und begeistert verteidigen sind die Volksdeutschen in allen Teilen des Landes brutal­sten Überfällen und M i ß h an d l u n g,e n durch tschechische Gendarme ausgesetzt. Man suhlt sia, beim Le en der Meldungen, die diese unerhörten Vorgänge schil­dern, geradezu in die Zeit des vorjährigen Sommers und Herbstes zurückversetzt. In eine Zeit also, von bet wir glaubten, dah sie vollkommen überwunden sei und weit yt- rücklieqe. Dieses Gefühl verstärkt sich noch, wenn wir auch fetzt wieder vernehmen, dah die Komm uni st e n in d er Tschecho-Slowakei eine sehr rege Tattgke,t ent­falten und dah Moskau dem Chaos, das sich tn der Slo­wakei entwickelt hat, sein liebevolles Interesse zuwendet. Prag hat also n i ch t s a u s d e r H e r b st k r t s e d e s v er - gangen en Jahres gelernt. Emme vernünftige Männer in Prag haben den Ungeist des Benesch-Regimcs, die Hahinstinkte des tschechischen Pöbels unb Ierror= Methoden der Polizei nicht zu ändern vermocht. Aber^ so erklärt heute der „Völkische Beobachter , den Tschechen. Man irrt sich, wenn man glaubt, mit den Deutschen an tnv seren Ostgrenzen heute noch ebenso Schindluder, treiben zu können, wie in der Zeit der Habsburger, oder tu der Zelt des Benesch-Staates. Der E n g l ä n d e r st e h t überall in der Welt unter dem Schutze seines Em­pire s. Er hat sich daran gewöhnt, im Ausland ebenso wie su Hause als Herr behandelt zu werden. Kem Haar kann einem Engländer gekrümmt werden, ohne rmh Nicht ein Weltreich zu seinem Schutze antritt. Adolf HNIer hat dem deutschen Volk neue Weltgeltung verschafft. W,r wollen daher, dah diese vorbehaltlos respektiert wird, auch in Prag! Gerade in Prag!" .

Uber die Not der Volksdeutschen aber wollen wir nicht die Kämpse der Slowaken vergessen, denen die Tschechen, ähnlich wie den Sudetendeutschen im vorigen Lahr, jetzt einen Putschplan andichten möchten, um das Auftreten der tschechischen Polizisten und Soldaten zu rechtfertigen. Aus einen solchen Schwindel fällt heute niemand herein. Nicht die Slowaken haben sich gegen Gesetz und Ordnung ver­gangen, sondern die Tschechen, die -die Rechte der Slowaken ebenso mit Fähen traten, wie die Rechte der Volksdeutschen und die Rechte der Karpatho-Ukraine. Die Tschechen sind es, die das Münchener Abkommen brachen, sich gegen den Wiener Schiedsspruch vergingen und eine Lage schufen, die schlechterdings un- h a l t b a r ist.

Es ist selbstverständlich, dah auch das Ausland dte Entwicklung in der Tschecho-Slowakei mit großer Aufmerk­samkeit verfolgt. Die italienische Presse ist etwa auf den gleichen Ton gestimmt wie die deutschen Zeitungen.

Die französische Presse ist auf den gleichen Ton gestimmt. Der Auhenvolitiker des „Excelsior" meint, man sehe keine Möglichkeit, wie Frankreich und England als Unterzeichner des Münchener Abkommens eine von den Ereignissen überholte Entwicklung aufhalten könnten. 3n amtlichen Pariser Kreisen, so schreibt der „Excelsior". erkläre man. dah Frankreich und Eng­land an dem gegenwärtigen Konflikt nicht mehr direkt interessiert feie». .

Ausgabe' Die Slowaken rufen den Schutz dttleis an. „Mellagero" überschreibt: -Deutschland übt die Verteidigung des Rechtes der Völker aus." Cbensotoenrgwietm »ommer des vergangenen Jahres, auhern ng W

blätter, werde jetzt das Reich et» FoMkiMrrn roet gat ettre Verschärfung der Lage dulden.

In Prebburg sprengten die Tschechen am Montagabend mehrere deutsche. Hauser, darunter zwei deutsche Fabriken.. Drei.. gewaltige Detonationen erschütterten die Luft, bisher sind i e Ä s Todesopfer festgestellt worden Die Erregung unter empörten Bevölkerung ist außerordentlich stark.

Der Tfchechen-Terror.

50 Verletzte in Sslau.

wt. Aus sämtlichen deutschen Siedlungsgebiete in der Tschecho-Slowakei treffen beute neue Alarmnachrichten ein. Im einzelnen sind die blutigen Zwischenfalle nicht mehr zu übersehen. Wir müssen uns daraus beschranken, tue krassesten Beispiele des Tschechenterrors gegen unsere volks­deutschen Brüder mitzuteilen Die brutale Ge­walt hat a l l e R e ch t s g r u n d l a g e n z e r b r o ch e n. Der

Staat befindet sich in einem beispiellosen Durcheinander. Jede Autorität ist vernichtet und der vah gegen das Deutsch­tum von Juden und Kommun t st e n ge.churt. wütet hemmungslos aus. Allein in Iglau find durch die Ge­walttaten der tschechischen Gendarmerie über 50 Ange­hörige der deutschen Volksgruppe verletzt werben, darunter 10 sehr schwer. Se.tt Anlang «rebruar wurde den pensionierten deutschen Arbeitern der ^abakiabrik Iglau unter nichtigen Vorwänden das Ruhegeld nlwt mebr ausgezahlt. Die volksdeutschen, nationalsoziallllischen Abge­ordneten wandten sich verschiedentlich an die Zentraldirektion der tschechischen Tabakregie in Prag. Auch der Abgeordnete Kundt verlangte bei der Regierung dringend Abhilfe Ein Schreiben der verzweifelten alten Leute an Ministerpräsident Beran blieb ebenfalls ohne Erfolg. Am 3. Marz zogen nun die Hungernden vor das Arbeitsamt tn -oglau und ver­langten Hilfe. Zwei Frauen brachen aus Schwache ohn­mächtig zusammen. Darauf marschierten die Pensionäre, denen sich eine große Menge Jglauer Deutsche »ugefellt hatte, vor das Gemeindehaus. Dort gingen die tschechischen Polizisten mit einer Brutalität ohne Beispiel gegen die Deutschen vor und schlugen mit blanker Waffe auf sie ein. Bei einem einzigen Arzt wurden allem10 Verletzte, darunter vier Schwerverletzte emgehefert. die sich im Alter von 18 bis 66 Jahren befinden. Der Arzt stellte fest, daß ein Greis niedergeschlagen und verprügelt worden war.

Deutsche Einwohner verschleppt.

In Eiesbübel bei Iglau sind alle deutschen Männer in die Schule eingesperrt worden. Das Städtchen wird von den Tschechen aus den umliegenden Ortschatten beherrscht. Außerdem wurde berittenes Militär in die Stadt gelegt In den Abendstunden des Montag überfielen tschechische Zivi­listen das deutsche Arbeitsamt in gl au. Die darin weilenden Amtswalter Röder und Engelmann wurden niedergeschlagen und schwer mißhandelt. In zwei Gemeinden der Jglauer Sprachinseln werden fünf deutsche Einwohner vermißt. Sie sind von den Tschechen verschleppt worden.

Von der Tschechen-Polizei gefoltert.

Auch in Brünn sind die Unruhen wieder aufgeflackert. Tschechische Horden, unter denen sich vor allem berüchtigte Kommunisten hervortaten, rillen in der Vorstadt Kulmrowitz die Hakenkreuzflaggen von den Hausern. Bei einem „Zu­sammenstoß gab es auf deutscher Sette fünf Schwerverletzte. Emer von ihnen, rmgt mit dem Tode. Die Bewohner der bei Brünn liegenden deuttchen Dörfer Mötritz und Ölschitz zogen auf die Nachricht von - der bedrohten Lage ihrer Volksgenossen tn der Stadt noch

in der Nacht nach Brünn, um Hilfe M bringen Die Polizei trat ihnen entgegen und nahm zahlreiche Verhaftungen vor.

Die Deutschen formierten sich hierauf tn einen, über tausend Mann starken Zug. der vor der Polizetdtrektion auf- marschierte und die Freilallung der Kameraden forderte. Einer der Verhafteten wurde tn . i<6weroerIetztem Zustand freigegeben. Er mußte ins Krankenhaus uber- geführt werden. Aus einem Bericht ergibt stck>. daß die V e r; hafteten von der tschechischen Polizei fürchterlich drangsaliert und gefoltert werden.

Panzerwagen rasen durch die Strahen.

In A l t e n b e r g riß eine Gruppe tschechischer Soldaten Hakenkreuzflaggen herunter, die he Att Men Seiten­gewehren unter Schmahrusen auf die Deutichen zersetzten. Die Einwohnerschaft setzten sich zur Wehr und die Schechen suchten ihr Heil in der Flucht. Wieder,, tote tm Sommer vergangenen Jahres, rasen tschechische Panze.r- wagen durch die deutschen Dorier, schienen blindlings mit ihren Maschinengewehren, um die B e»

beruhtesÄwaZchen Landtages! ktt Lwftchen'bekeits

.“iti r‘ U '$ SwV b* ® «IÄ . u « b' b « i Ordnung in einem Staat, für dellen neue Form und Verfallung fie weitgehend verantwortlich fei. un^e - ftüfeen müHe. Nach Ansicht des englischen Blattes imd die Grenzen der Slowakei und der Karvatho;Ukraine. w - schafttich gesehen, absurd, weshalb es mckt überrasche. daß

-u«-«-b-» »-rb-N. 1« IX

Frankreich und England nicht mehr direkt interessiert.

U rung keine besonderen Verpflichiunge n hab«.

die sie dazu zwängen, in den Entwicklungsprozeß in Mittel­europa einzugreifen. Wie die ..Times" so sind auch die üb­rigen englischen Blätter der Meinung, datz die slo­wakische Krise England nichts angehe. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Herald" (marxistisch) stellt fest, dah weder die britische noch die französische Re­gierung die Absicht hatten, zu intervenieren. Allgemein, so sagt das Blatt, erwarte man jetzt, datz die Loslösung der Slowakei verwirklicht werde.

Tiso und Durcansky vom Führer empfangen.

Minister Dr. Durcansky in der neuen Reichskanzlei zu einer Aussprache über die schwebenden Fragen.

Cernaks Reise nach Äerlin verhindert.