Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit:
87. Jahrgang
Freitag, 10. März 1939
Nr. 59.
Wöchentli
mit einer täglichen
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Unterhaltungsbeilage.
England verlängert Spanienkrieg
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Bor dem Angriff auf Madrid.
as. Berlin, 10. März. Die Blockade-Erklärung des Generals Franco hat in England eine Stellungnahme ausgelöst, die jedes Verständnis für die Lage in Spanien vermissen lägt. Hatten schon die ersten Kommentare der Londoner Presse gezeigt, daß England nicht gewillt ist, den Anordnungen Francos Zolge zu leisten, sondern es für sein gutes Recht hält, für Rotspanien auch weiterhin alle möglichen Lieferungen durchzuführen, so hat der englische Außenminister Lord Halifax gestern im Oberhaus sogar englische Vergeltungsmaßnahmen für den Fall angekündigt, daß englischen Blockadebrechern etwas passieren sollte. Der Minister vermied es dabei freilich, General Franco das Recht zur Blockade klipp und klar abzusprechen. Er hat jedoch mit soviel Wenn und Aber operiert, daß man von einer tatsächlichen Ablehnung der Francoschen Blockademahnahme ourch die englische Regierung sprechen mutz. Statt die eigene Schiffahrt vor jedem Vlockadebruch zu warnen, müssen die englischen Kapitäne und Reeder vielmehr aus den Erklärungen Halifax' den Schluß ziehen, daß ihnen jederzeit britische Schiffskanonen zur Verfügung stehen. Lord Halifax hat dabei Vergeltungsmaßnahmen nicht nur unter der Voraussetzung angekündigt, daß englische Dampfer außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer von nationalen Kriegsschiffen gestellt würden, wovon nie die Rede war, sondern auch für den Fall, daß nationalspanische U-Boote englische Blockadebrecher innerhalb der Drei-Meilen-Zone angreifen. Daß durch diese englische Stellungnahme die Lage in Spanien erneut kompliziert und die Abwürgung des letzten roten Widerstandes gehemmt wird, liegt auf der Hand.
Das Schicksal der Roten wird sich auch dadurch nicht mehr wenden. Wohl aber ist die englische Haltung geeignet, die blutigen Kämpfe in Spanien noch zu verlängern. Dabei lassen alle aus Spanien vorliegenden Nachrichten klar erkennen, daß in der roten Restzone völliges Chaos herrscht. Nicht nur in Madrid dauern die Kämpfe der verschiedenen Richtungen gegenüber an, auch Valencia scheint ein schweres Schicksal bevorzustehen, wird doch berichtet, daß kommunistische Truppen der Negrin-Richtung sich im Anmarsch auf die Stadt befinden, um dort die Herrschaft der Anhänger Miajas zu brechen. Die Kommunistenhorden kämpfen dabei nicht nur mit Gewehr und Handgranate, sondern es werden bereits Artillerie, Tanks und Flugzeuge in diesem Krieg der roten Genossen gegeneinander eingesetzt.
Während sich so die Masse der Verführten unter Leitung verbrecherischer Elemente selbst zerfleischt, hat General Franco alle Vorbereitungen für den Einmarsch in die Haupt st adt getroffen. Er hat sein Hauptquartier nach C a r a b a n ch e l, das heißt unmittelbar vor das Weichbild der Stadt verlegt und wartet den Augenblick ab, in dem er unter höchster Schonung von Blut und
Gut eingreifen kann. Nicht nur das national,pamsche Militär steht bereit, sondern es sind auch in vielen Orten in der Nähe Madrids Nahrungsmittel in Massen aufgestapelt, zum Teil sogar schon auf Lastwagen verladen, so daß das Ernährungshilfswerk sofort nach dem Vormarsch der Truppen in Tätigkeit treten kann. Ebenso find Maßnahmen getroffen, um die Verwaltung durch nationalspanische Beamte zu übernehmen. Auch sind Sicherheits- und Be- satzungstruppen eingeteilt. Kurzum es ist alles vorbereitet. Es braucht nur ein Befehl gegeben zu werden, um den ganzen Apparat in Bewegung zu setzen. Die Entscheidung liegt allein bei General Franco.
Was geht in Prehburg vor?
Die slowakische Regierung beseitigt. — Die öffentlichen Gebäude von tschechischem Militär besetzt. — Der deutsche freiwillige Schutzdienst entwaffnet.
Prag, 10. März. (Funkmeldung.) Staatspräsident Dr. Hacha hat den slowakischen Ministerpräsidenten Dr. Josef T i s o, den slowakischen Minister für Volkswirtschaft Dr. Pruzinsky und den slowakischen Minister für Verkehr und öffentliche Ardeiten Ferdinand Durcansky ihrer Ämter enthoben und de» slowakischen Minister für das Schulwesen, Josef S i v a l s, zum Ministerpräfidenten ernannt.
In Pretzburg herrscht vorläufig Ruhe. Die öffentlichen Gebäude sind von Gendarmerie und Militär besetzt. Im weiten Umkreis ist die Stadt von Militär vollkommen abgeriegelt. Auch in der übrigen Slowakei hat das Militär Besetzungsmatznahmen durchgeführt. 3« Pistyan wurde das Standrecht verhängt. Das gleiche dürfte auch in anderen Orten geschehen sein. Genaue Nachrichten fehlen, doch nimmt man an, datz die tschechische Aktion in der Provinz nicht so reibungslos verlaufen werde, wie in Pretzburg.
Die Antikomintern-Aus ft ellung in Pretzburg, die der Staatssekretär für die deutsche Volksgruppe K a r m a s i« eröffnen sollte, wurde von der Polizei besetzt. Der deutsche Freiwillige Schutzdienst und die slowakische Hlinkagarde wurde» entwaffnet, soweit dies durchführbar war.
Der Vorkämpfer der slowakischen Selbständigkeit, Pros. Tuka und der slowakische Propagandachef Dr. Mach find verhaftet, der Sekretär des Ministers Durcanfk» soll ebenfalls festgesetzt werden und wird von der Polizei gesucht.
Der frühere Ministerpräsident Dr. T i s o soll sich in einem K l o st e r befinden. Der Aufenthaltsort des Staatssekretärs Karmasin und seines Stellvertreters sind zur Zeit unbekannt, sie find jedoch in Freiheit. Die Pretzburger Arbeiter haben für heute vormittag eine Demonstration angekündigt.
Generaladmiral Raeder spracht.
Staatsakt in Anwesenheit des Führers.
Berlin, 9. März. Das deutsche Volk feiert am Sonntag, 12. März, den Heldengedenktag, der von diesem Jahr ab bekanntlich gleichzeitig als Tag der Wehr- sreiheit begangen wird. Im Mittelpunkt aller Feiern wird wieder die Feier in der Reichshauptstadt stehen, die sich in dem bereits traditionellen Rahmen abwickelt. Beim Staatsakt in der Staatsoper, der um 12 Uhr beginnt, wird in Anwesenheit des Führers Generaladmiral Raeder die Gedenkrede halten. 2m Anschluß daran wird der Führer einen Kranz im Ehrenmal Unter den Linden niederlegen.
Das Vermächtnis der Front erfüllt.
Berlin, 10. März. (Funkmeldung.) Der Reichskrieger- führcr ^-Gruppenführer Generalmajor a. D. Reinhardt wendet sich zum Heldengedenktag in einem Tagesbefehl an die im NS.-Reichskriegerbund vereinigten Frontsoldaten und jungen Soldaten.
Italienisch-englisches Gespräch
über die Truppenbewegungen im Mittelmeerraum.
Rom, 10. März. (Funkmeldung.) Der italienische Außenminister Graf C i a n o hat am Donnerstag in Vertretung des erkrankten Botschafters Lord Perth den englischen' Geschäftsträger zu einer etwa halbstündigen Unterredung empfangen. Gegenstand des Gespräches waren, wie verlautet, die Truppenbewegungen im Mittelmeergebiet, und zwar sowohl in Tunis w i e in Libyen und auch in Ägypten. Die Unterredung hat, wie man von englischer Seite weiter vernimmt, ' einen zufriedenstellenden Verlauf genommen.
3m Donnerstagnachmittag traf, von der Bevölkerung herzlich begrüßt, der Präsident des Faschistischen Jndustrie- arbeiterverbandes, Gianetti, zu einem einwöchigen Besuch Deutschlands auf Einladung der DAF. in Bayreuth ein.
Sieg der völkischen Idee.
Von Heinrich Karl Kunz.
Das politische Denken der vergangenen Jahrhunderte kreiste um die Pole Dynastie und Staat. Unter Volk verstand man die in nationaler Hinsicht indifferente Masse der Untertanen. Das völkische, nationale Eigenbewußtsein schlummerte und der in der Dynastie repräsentierte Staat empfand sich als Selbstzweck. Seine Grenzen schoben sich oft willkürlich, von der blutsmätzigen Kernzelle aus, in fremdvölkische Räume vor. Das napoleonische Reich war der umfassendste Versuch einer Realisierung dreser Gedankenwelt. Die Brutalität der Mittel und Methoden aber, die der große Korse anwandte, führten zum Gegenteil des erstrebten Übernationalen Staates. Die Völker erwachten. Eine neue Epoche brach an. Das Zeitalter der Nationen. ,
Von der gefaßten Erkenntnis bis zu ihrer Verwirklichung führt ein weiter, dornenvoller Weg. Die neuen Ideen arbeiten unter der Oberfläche der politisch gültigen Formen. Irgend ein ursprünglich auf ganz andere Ziele ausgerichtetes Ereignis bricht ihnen plötzlich Bahn. Kurzsichtige Beobachter stehen dann überrascht vor einer ungeahnten Wandlung. Betrachten wir den Weltkrieg. Er war von unseren Gegnern systematisch vorbereitet und begonnen worden, um die junge, aufstrebende Kraft des Reiches zu brechen, einen lästigen Konkurrenten los zu werden, um Revanche zu üben. Unterirdisch wirkende jüdisch-freimaurerische Kräfte, bedienten sich „patriotischer Parolen, um die Völker gegen das „undemokraiisch empfindende Deutschland zu mobilisieren, um es zu zersplittern, in Kleinstaaten auszuspalten und als Machtfocktor, der ihre Weltherrschaftspläne störte, aushuschalten. Diese Wunschbilder, denen das blutige Völkerringen seine Exr- E verdankt, schienen in Versailles zu unumstößlichen Tat- n geworden zu sein. Doch die Zeit ging über Hdeen und über Männer vom Schlage Clemenceaus, Poincards, Lloyd Georges, Wilsons usw. hinweg. Heute schon, nach 20 Jahren, ist Versailles zur Episode geworden, als ein armseliges Machwerk politisch impotenter Staatsmänner erkannt. Die völkischen Energien aber, die die jüdisch-freimaurerisch infizierten Kriegstreiber von gestern instinktlos übersehen hatten, rissen den Sieg an sich. Sie schufen neue geschichtliche Tatsachen, die rn ferne Jahrhunderte hineinwirken. Polen rang sich zu seinem Staat durch und vor allem, Groß-Deutschland wurde vom Führer, den wir geradezu als Inkarnation der völkischen Idee ansprechen können, geschaffen. Das Selbstbestimmungsrecht, vor zwei Jahrzehnten von unseren Feinden zur Zerstückelung unseres Raumes mitz- braucht, klopft heute an ihre eigene Tür.
1919 aber, im Rausch eines scheinbaren Sieges befangen. übersahen die Versailler Eintagsfliegen die sich an- bahnende, grundlegende Wandlung der pontischen Prinzipien. Sie glaubten das ostmärkische Deutschtum, das durch die Zerstörung der Donaumonarchie frei geworden war, zu einem staatlichen Sonderdasein zwingen zu können. Sie verboten ihm den Anschluß an das Mutterland verwehrten ihm sogar die nationale Kennzeichnung als „Deutsch"-Österreich. Ein Staat, dem aber auch jede Voraussetzung fehlte. Weder völkisch, geopolitisch bedingt, noch wirtschaftlich lebensfähig. Eine Zwei-Millionen- Hauptstadt, vordem Zentrale des gesamten , Südostens, lastete — ein Wasserkopf — auf dem 6 Millionen Einwohner umfassenden Gebilde. Ausgeburt perverser, vom Haß getrübter Hirne, in dem die gesunde Kraft illegal reagieren und die tragende Schicht sich aus korrupten Elementen rekrutieren mußte. Ein Tummelplatz dynamischer Spätlinge, konfessioneller Dunkelmänner, jüdischer Schmarotzer, ein System, das unter dem Namen des Verräters Schuschnigg als eines der trübsten Kapitel in die deutsche Geschichte eingegangen ist. 3m völkischen Zeitalter geschaffen: die Parodie eines Staates.,
Vergangenheit, die durch die großen Ereignisse, die wir 'inzwischen erleben dursten, schon so weit zurückzuliegen scheint. Und doch ist es erst ein Jahr her, daß Adolf Hitler die befreiten Brüder heimfuhrte. Ein Freitag wie heute. In den Mittagsstunden trafen die ersten 'Meldungen von schweren Zusammenstößen in Linz ein. Die kommende Entwicklung begann sich abzuzeichnen. Dann überstürzte sich das Geschehen. Und schon am späten
„Voll Stolz wehen die Fahnen des nationalsozialistischen Reiches. Nicht in trauer und Bitterkeit, sondern voll Stolz gedenken besonders wir Frontsoldaten unserer Kameraden, die in dem l^jiihrigen Ringen um Deutschland an unserer Seite den Heldentod' starben. Heute hat sich der Sinn ihres großen Opfers und das Vermächtnis der Front erfüllt: ein einiges, starkes und freies Großdeutschland ist erstanden. In unser Gedenken schließen wir ein die G e - fallenen der Bewegung, die Wegbereiter des Sieges der nationalsozialistischen Idee. Das Heldentum bei. Gebliebenen soll uns jederzeit leuchtendes Vorbild sein."
Bombenanschläge gehen weiter.
Acht Pakete mit Explosivstoff entdeckt.
London, 9. März. In einem unterirdischen Lustzuführungskanal in Dudley (Worchestershire) wurden am Donnerstag acht Pakete aufgefunden, die Explosivstoffe enthielten. Die Explosivstoffe wurden so rechtzeitig entdeckt, daß kein größerer Schaden angerichtet wurde. Die Polizei ist" fieberhaft mit der Aufklärung dieses neuen An- Mages beschäftigt.
„Die Kampferspritze für einen Sterbenden."
Das Autzenarnt in Tokio zur Status-
Tokio, 10. Marz. (Funkmeldung.) Die Fünf-Millionen- Anleihe Englands an Tschiangkaischek wird am Freitagmorgen von der japanischen Presse scharf kritisiert. Ein Teil der Zeitungen spricht sogar von einem bevorstehenden Protest Japans in London. Im Laust des Vormittags teilte dann der Sprecher des Außenamtes mit, daß der hiesige britische Botschafter am Donnerstag eine offizielle Mitteilung über die Anleihe und die damit verbundenen Absichten Englands gemacht habe.
England, so erklärte der britische Botschafter dem japanischen Vizeaußenminister gegenüber, handele lediglich im Interesse seiner Unternehmungen in China und besonders zur Aufrechterhaltung des britisch chinesischen Handels, das aber könne nur durch Stabilisierung der chinesischen Nationalwahrung geschehen. Wie der Sprecher des Autzenamtes mitteilt, hat' der Dizeaußenminister in dieser Unterhaltung sofort im Namen der japanischen Regierung Vorstellungen gegen die Gewährung einer solchen Anleiche erhoben.
quo-Politik Englands im Fernen Osten.
In der gleichen Sache hat die japanische Regierung eine längere Erklärung erlassen, die am Freitag vom Sprecher des' Außenamtes der Auslandspresse übermittelt wurde. Darin heißt es, die Währung des Tschiangkaischek-Regimes habe bereits vor dem Zusammenbruch gestanden und auch England könne durch seine jetzige Anleihe den finanziellen Verfall nicht aufhalten. Die englische Hilfe bedeute lediglich eine „Kampferspritze" für einen Sterbenden. Die japanische Regierung könne den britischen Schritt nicht allzu ernst nehmen, viel wichtiger sei aber die Frage, welche Gründe die britische Regierung zur Hilfe an Tschiangkaischek veranlaßt hätten. Allgemein gestrrochen, könne die Haltung Englands nicht mit der augenblicklichen Entwicklung in O'stafien in Übereinstimmung gebracht werden. Allem Anschein nach versuche England auch jetzt noch mit allen Mitteln den Status quo im Fernen Osten aufrecht zu erhalten. Japan hoffe aber trotzdem, daß England baldigst seine „falsche Politik" ein» sehen werde.
