Wiesbadener Tagblatt
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Unterhaltungsbeilage. ®cr,mn Mr0:
Nr. 42.
Samstag/Sonntag, 18./19. Februar 1939.
87. Jahrgang.
Die Pariser Schaukel-Politik.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Um die Anerkennung von Burgos.
as. Berlin, 18. Febr. Auch zum Wochenende steht für die große Politik unverändert das Thema Spanien im Vordergrund. Entschließen sich England und Frankreich nunmehr zur Anerkennung Francos oder nicht, das ist die Frage, auf die sich aber eine Antwort heute noch nicht erteilei läßt. Wohl ist der französische Senator Börard, der in offizieller Mission in Burgos verhandeln soll, gestern abend von Paris nach Nationalspanien abgereift, aber niemand kennt seine neuen 3n st ruk- t i o n e n. 3it Frankreich sind die Meinungen über das, was nun geschehen so.ll, geteilt. Einige französische Kreise drängen auf eine baldige Anerkennung. Dazu gehören vor allem Wirtschaftskreise, die die französischen Kapitalanlagen in Spanien, die auf drei bis fünf Milliarden französischer Franken geschätzt werden, retten wollen. Die französische nationalspanische Handelskammer, die gestern gegründet wurde, soll Herrn Börard entsprechende Pläne mitgegeben haben. Andere politische Kreise spekulieren noch immer darauf, daß man durch eine baldige Anerkennung General Franco veranlassen könne, die "Bahn des' deutsch-italienischen Einflusses zu verlassen, wie es das Blatt „L'Ordre" in seiner Offenheit verkündet, und in die Bahn des französisch-englischen Einflusses hinüberzuwechseln. 3a, es scheint in Frankreich Kreise zu geben, die sich sogar gern mit einer Monarchie in Spanien abfinden würden, ein Gedanke, der auch schon in englischen Blättern angeschnitten wurde. Gegenüber solchen Kombinationen über die k ll n s - tige Sta'atsform Spaniens, hat der Bruder des General Franco einem italienischen 3ournalisten erneut erklärt, daß die Zeit noch nicht gekommen sei, sich über das schwierige Problem Monarchie oder autoritäre Republik zu äußern. Vorher müßten vielmehr die sozialen Grundlagen des Staates geregelt werden.
Gibt es also in Frankreich wie übrigens auch in England Kreise, die aus eine baldige Anerkennung Francos drängen, wobei weniger die Gerechtigkeit und die Vernunft als vielmehr der Eigennutz den Ausschlag geben, so ist doch nicht zu verkennen, daß sich auch ein starker Widerstand gegen eine solche Politik bemerkbar macht. Kommunisten. Sozialdemokraten und auch Angehörige der Radikalsozialen, d. h. der Regierungsparteien, finden sich wie in den Zeiten der Volksfront zusammen und bombardieren die Regierung Daladiers mit Telegrammen, Franco nicht anzuerkennen. Ein Ausschuß solcher Volksfront-Abgeordneter hat sogar an den roten Oberbonzen Reg rin ein Sympathietelegramm gesandt.
Recht nett ist es, daß just in dem gleichen Augenblick, in dem französische Volksfrontkreise dem roten Spanien ihre Sympathie bekunden, eine Meldung bekannt wird, die klar erkennen läßt, welch würdiges Objekt für ihre Sympathie die Volksfront gefunden Ijät Ein französisches, wohl bemerkt, ein französisches Gericht hat nämlich gestern nicht weniger als 71 „Offizier e“ der berüchtigten Brigade Li st e r, die bei ihrem Übertritt auf französischen Boden wegen der mitgeführten Edelsteine und Kostharkeiten fest- genommen worden sind, zu Strafen von zwei Monaten bis zu zwei 3ahren Gefängnis verurteilt und die Zollstrafen auf insgesamt 18 Millionen Franken festgesetzt. Das sind also di« Männer, die die französische Linkspresse und die demokratischen Blätter anderer Länder ihren Lesern als 3dealisten vorgestellt hat, 3dealisten, die
sich in der internationalen Brigade Lister „zur Verteidigung der Demokratie" zusammengefunden hatten. Man kann der Demokratie zu solchen Verteidigungen nur herzlich gratulieren.
Bei den Sympathien der Demokraten für solche „Offiziere" wundert es uns auch nicht weiter, wenn man sich in den Kreisen der Genfer Liga ernstlich überlegt, ob man die von den Roten entführten Spanienkunstschätze, die sich jetzt in der Obhut der Genfer Liga befinden — sie wurden, obwohl nicht der mindeste Grund besteht, diese Kunstwerke vor den Spaniern „zu schützen", in 22 Güterwagen durch Frankreich nach Genf transportiert —, auf einer Ausstellung zeigen soll oder nicht. Hier geb« es natürlich nur eins, nämlich diese Kunstschätze schleunig st dem rechtmäßigen Besitzer, der nationalspanischen Regierung, zuzustellen. Statt dessen aber verhandelt Herr Aveno l, der Generalsekretär der Genfer Liga, mit dem Genfer Museumsdirektor über die Möglichkeit einer Ausstellung.
Die Schlagkraft der Franco-Armee.
Urteil eines französifchen Generals.
Paris, 18. Febr. (Funkmeldung.) Der französische General der Reserve, Dufeux, schildert im „Figaro" seine Eindrücke, die er bei einer kürzlichen Reise durch National- spanien empfangen hat. Er befaßt sich heute besonders mit der nationalspanischen Armee und der Persönlichkeit General Francos als oberstem Militärchef des neuen Spaniens.
Rach einer eingehenden Schilderung der militärischen Laufbahn Francos, betont General Dufeux daß seine Armee den dreifachen Vorteil des einheitlichen Kommandos, gut- ausgebildeter Eadres und einer geschickten Rekrutierung aufweise. Die nationalspanischen Generäle hätten alle den B e - weis solider militärischer Fähigkeiten erbracht. Di« Nationalspanier hätten ferner gleich von Beginn des Krieges an die Unterstützung der Offiziere und Unteroffiziere der aktiven Armee gehabt. General Franco sei es aber vor allem gelungen, die Rekrutierung so durchzuführen, daß bald eine einheitliche Truppe zur Verfügung stand. Besonders erwähnenswert sei auch die hervorragende Organisation der Kriegsmaterialerzeugung im eigenen Lande.
General Dufeux war bei einem Besuch in Barcelona von dem glänzenden Funktionieren der Lebensmittelversorgung durch die nationalen Hilfsstellen sehr beeindruckt, um so mehr, als diese ausschließlich mit Lastkraftwagen erfolgen mußte, da die Eisenbahnlinien fast sämtlich zerstört worden waren.
Die Armee General Francos, so schreibt Dufeux abschließend, sei ein Organismus, der ausgezeichnet arbeite. 3hre große Stärke beruhe vor allem darauf, daß bei den Nationalspaniern Armee, Regierung und Volk von einem 3b c al besessen seien, das den edel st en Überlieferungen des spanischen Volkes entspreche. Sie wollten ein großes und freies Spanien. Der Träger dieser 3dee, General Franco, werde von allen geachtet und geliebt. Man wisse ihm Dank, daß er Spanien von dem demagogischen 3rrsinn befreit habe, in dem alle Kraft, die Vaterlandsliebe und das Ansehen Spaniens unterzngehen drohten. Alles weife daraus hin, daß die nationale Armee in.Zukunft unter der energischen Führung ihres Chefs einen bedeutenden Faktor in der europäischen Politik bilden werde.
Tradition und Erfüllung.
Von Fritz Günther.
Zwei Führerreden, die am Anfang und am Schluß dieser Woche stehen, stellen den innen- und außenpolitischen Wandel im neuen Deutschland, sein Recht auf Seegeltung und seine verkehrswirtschaftliche Bedeutung wieder einmal vor aller Welt in den Vordergrund. Beim Stapellauf des 35 006-Tonnen-Schlachtschiffes „Bismarck" in Hamburg hat der Führer mit der Namensgebung für den neuen Schlachtriesen der deutschen Kriegsmarine nicht nur ein Bekenntnis zu Bismarck als Sinnbild des Deutschtums und des deutschen Reichsgedankens ausgesprochen, sondern mit einer eindringlichen Würdigung der geschichtlichen Größe und der politischen Leistung des Altreichskanzlers sein Werk, die Schaffung des Zweiten Reiches als Voraussetzung für die Schöpfung Eroßdeutschlands iknd den nationalsozialistischen Einheitsstaat bezeichnet.
Von Nikolsburg, wo Bismarck unmittelbar nach König- grätz die neue Verbindung mit Österreich suchte, führt ein gerader Weg über die Reichsgründung vom 18. 3anuar 1871 zur großdeutschen Erfüllung des 3ahres 1938. Bismarck war sich 'bewußt, daß die aus den dynastischen Bindungen damaliger Zeit sich ergebende kleindeutsche Lösung nur ein Notbehelf war. Das gesamtdeutsche Zusammengehörigkeitsbewußtsein aber wurde durch den Abschluß des Zweibundes schon damals gefestigt und schuf die Voraussetzung für die Erfüllung der großdeutschen Sehnsucht, die erst einem Adolf Hitler möglich wurde.
Dem Werke Bismarcks waren durch die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit Grenzen gezogen, innerhalb welcher die dynastischen, partikularistischen und parteipolitischen Bestrebungen den Weg zu einer wirklichen Volks- gemeinschast versperrten. Hatte die machttwlitischc Auseinandersetzung zwischen Habsburg und Hohenzoltern nicht die von Bismarck ersehnte Gelegenheit zur Lösung bet großdeutschen Frage gebracht, so schloß die Reichsverfassung der konstitutionellen Monarchie mit ihren weitgehenden' Beschränkungen durch Bundesrat und Reichstag jede Möglichkeit aus, den Traum der 3ahrhunderte zu verwirklichen. Der heiße Wunsch nach einem einigen Groß- deutschen Reich mußte wieder einmal zurückgesteut werden. Dazu kam, daß die immer stärker hervortretenden internationalen Kräfte des Marxismus, die den Begriff des Klasienstaates formulierten, den Weg zu einer wirklichen Volksgemeinschaft versperrten und auswärtige Anfeindungen das Zweite Reich von Anfang an wiederholt in eine gefährliche Lage brachten.
Nur eine geniale Führerpersönlichkeit wie Bismarck, konnte das Steuer des Reiches so sicher führen, daß alle gefährlichen Klippen umschifft wurden. Seine Nachfolger haben darin sämtlich versagt. Nach einer Scheinblüte wurde Deutschland in den Strudel des Weltkrieges gerissen. Nach dem Zusammenbruch im 3ahre 1918 hatte es die Sünden seiner Staatsmänner der nachbismarckscheu Zeit zu büßen. Der Zusammenbruch beseittgte zwar mit den Fürstenhäusern und politischen Landesgrenzen frühere Hin- derniss«, führte aber mit seinem mißverstandenem Freiheitsbegriff zur Zügellosigkeit eines übersteigerten Parlamentarismus und zur Parteienwirtschaft des Zwischenreiches, in dem die zersetzenden und zerstörenden jüdisch-marxistischen Einflüsse Volk und Reich an den Rand des Abgrundes führten. Diese unheilvollen Einflüsse mußten mit der Schaffung des Dritten Reiches durch Adolf Hitler vom Nationalsozialismus erst restlos ausgeschaltet werden, ehe auf dem Wege einer wirklichen Volksgemeinschaft und nach der Wiederherstellung des Vertrauens zur eigenen Kraft der Marsch ins Eroßdeutsche Reich angetreten werden konnte. Die Voraussetzung dazu aber war
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Erker Rundsang durch die Automobil-Ausstellung.
(Weltbild. ÄJ
Der Führer am Stand des KdF.-Wagens.
Links: Rcüchsorganisationsleiter Dr. Ley: rechts: Der Konstrukteur d^^ottswagE
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