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Wiesbaüemr Tagblatt

Druck und SsrUn« (\Xä

Srscheinungszettr

Nr. 40,

Donnerstag, 16. Februar 1939,

87. Jahrgang

Wöchentlich

mit einer täglichen

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Unterhaltungsbeilage. ®ürD: **•*"*•"**

Die „doppelte Moral" der Herren Demokraten

London, 16. Febr. (Funkmeldung.) Der britische Rund­funknachrichtendienst beschäftigt immer mehr die britische Öffentlichkeit. Nachdem bereits erst am Mittwoch die „Daily Mai I“ gegen die Panikmache der britischen Rund­funksender Stellung genommen und ihre Linkstendenz sowie ihr Geschrei gegen die autoritären Staaten angeprangert hatte, wurde am Abend des­selben Tages im" Unterhaus ein Antrag über dis britische Rundfunkpropaganda eingebracht und nach einer Aussprache angenommen.

Dieser Antrag ging von dem konservativen Abgeordneten Grant-Ferres aus und besagt, die Regierung solle moralisch und finanziell alle Pläne unterstützen, die darauf hinauslaufen, britische Nachrichten im Auslände wirksam zu verbreiten. 3n seinen Ausführungen forderte Grant-Ferres noch, daß England noch mehr als bis­her „unparteiische^ Rundfunknachrichten in fremden Sprachen senden solle.

3n der anschließenden Debatte wiesen sämtliche Abgeord­nete auf die Wichtigkeit eines einwandfrei funktionierenden,

Der betrübte englische Steuerzahler.

as. Berlin, 16. Febr. In vielen englischen Zeitungen gibt es seit geraumer Zeit eine Rubrik, die wir am besten mit Rüstungsspalte übersetzen würden, nämlich die Rubrik, in der sich Tag für Tag eine Reihe von Meldungen finden, die irgendwie aus die englischen Rüstungen Bezug nehmen. Welchen Umfang diese englische Aufrüstung bereits angenom­men hat und noch weiter annehmen wird, das wird jetzt der englischen und der Weltöffentlichkeit klar vor Augen geführt durch die Ankündigung des englischen Schatzkanzleks Sir John Simon, daß dem Unterhaus ein Gesetzentwurf vorgelegt werden wird, nach welchem die englische Regierung für die Aufrüstung bis zum Jahre 1912 insgesamt 800 Millionen Pfund, das sind fast 10 Mil­liarden R M. beschaffen kann. Das bedeutet, daß die im ursprünglichen Ermächtigungsgesetz vorgesehene Summe von 400 Millionen verdoppelt wird. Zugleich wird in einem Weißbuch Mitteilung über den augenblicklichen Stand der englischen Aufrüstung gemacht. Ob den englischen Steuerzahler diese Mitteilungen besonders erfreuen, muß dahingestellt bleiben. Wenn nämlich auch der Anleihe­weg weiter heschrittcn werden wird, und wenn die Rück­zahlung dieser Anleihen einer späteren Zeit Vorbehalten bleibt, so spricht man in England doch davon, daß die Erweite­rung des Rüstungsvrogramms auch zu einem Anziehen der Steuerschraube führen wird. So sieht der Eng­länder wohl, daß seine Regierung alle Folgerungen aus der Tatsache zieht, daß die moderne Waffentechnik die Vorzüge der Jnsellage Englands praktisch aufgehoben hat, und sieht aber zugleich auch, was diese Rüstungspolitik kostet. Das dürfte die Freude an den Mitteilungen über das bisher auf dem Rüstungsgebiet schon Erreichte in England etwas trüben, denn auch der englische Steuerzahler hat gegen Steuererhöhung eine ausgesprochene Abneigung. Die Freude an dem Rüstungs­programm wird aber weiterhin dadurch getrübt, daß trotz dieser großen Rüstungsaufträge das Heer der Erwerbs­losen in England nicht kleiner wurde, sondern noch immer rund 2 Millionen zählt.

Bemerkenswert ist aus der englischen Denkschrift, daß die neue Vollmacht der Regierung im Gegensatz zu der alten Voll­macht auch Anleihen für die zivile Verteidi­gung und für Lebensmittel- und Rohstoff - Magazinierung ermöglicht, ein weiterer Beweis dafür, daß man sich auf den Totalkrieg vorbereitet, was im übrigen auch schon die Aufforderung an die Bevölkerung, sich für den nationalen Hilfsdienst zur Verfügung zu stellen, klar erkennen lieb. Auch England ist sich bewußt, daß ein komcken- der Krieg die gesamte Bevölkerung und das gesamte Leben auf der englischen Insel erfassen wird.

Nach dieser Verdoppelung der Rüstungsausgaben wird es den englischen Kritikern vermutlich schwer fallen., die Regie­rung noch weiterhin der Untätigkeit auf dem Rüstungsgebict zu bezichtigen. Vielmehr sind Marine, Luftwaffe und Heer gleichermaßen im Rüstungsvrogramm berücksichtigt. Es zeigt sich auch, daß die Kräfte der gesamten britischen Welt eingesetzt werden sollen, verweist doch das Weiß­buch ausdrücklich auf die Zusammenarbeit mit den Dominien und erinnert an die Flugzcugbauaufträge, die bereits nach Kanada vergeben wurden. Hinzugefügt wird, daß sich jetzt eine Luftfahrtmission zu einem ähnlichen Zweck in

Australien befindet und anschließend auch Neusee­land besuchen wird. Der sehr starke Ausbau der englischen Luftflotte bedeutet aber nicht, baß die Marine zu kurz käme, vielmehr erfährt auch dieses Aufrüstungsprogramm eine noch­malige Ausweiterung. So wird England in diesem Jahr nicht weniger als 9 Schlachtschiffe im Bau haben, und auch in den übrigen Schiffsklassen ist eine Programmerweiterung vorgesehen.

In dem Weißbuch der englischen Regierung wird erneut betont, daß sich die Rüstungen gegen niemanden richten, und daß England bereit sein würde, seinen Teil beizutragen, wenn die anderen Nationen sich zu Abmachungen über die Begrenzung der Rüstungen verstehen würden. Dabei muß noch einmal daran erinnert werden, daß der Führer jahrelang praktische Vorschläge zur Be­grenzungoer Rü st ungen gemacht hat, ohne daß die britische Regierung im Stande war, bei ihren engeren Freunden eine Berücksichtigung dieser Vorschläge durchzusetzen. Vielleicht wendet sich London einmal in dieser Frage an Washington, wo man ja unter den unsinnigsten Vorwänden die eigene Rüstung ins Ungcm essen e steigert, was wiederum das Tempo der englischen Ausrüstung nicht un­beeinflußt lassen Dürfte.

land und Frankreich dieses Ziel sehr schnell erreichen, wenn sie der roten „Regierung" ihre Unterstützung entzogen. Sie aber steifen ihr durch die Hinauszögerung der An­erkennung der Franco-Regierung immer wieder den Rucken und werden somit schuldig an dem Blut, das noch bis zur Beendigung des spanischen Bürgerkrieges fließen wird.

Wie die Havasagentur aus Lima meldet, beschloß die Regierung von Peru, einen Vertreter bei der nationalen Regierung in Burgos zu akkreditieren.

wf Das Spiel um die Anerkennung Francos enthüllt die Zwiespältigkeit, oder wie „Giornale d'Italia" sich ausdrückt, die „doppelte Moral" der Demo­kratien. Während die französische Regierung sich be­müht. in diplomatische Beziehungen mit <rranco einzu- treten und Senator Berard in den nächsten Tagen zum zweitenmal nach Burgos abreisen wird, duldete ne. daß der rotspanische „Präsident" A z a n a in der Pariser Botschaft residiert, daß das bolschewistische Regierungsorgan in Madrid Verordnungen veröffentlicht, unter denen zu leien steht: „Gegeben zu Paris", unterzeichnet von Azana. Gestern traf der rote „Außenminister" bei Vayo von Madrid kommend in der französischen Hauptstadt ein. um mit Azana, dem die Luft im „republikanischen" epauten anscheinend zu mulmig geworden ist. zu beraten. Senator Börard der glaubt, daß keine vraktischen Meinungsver­schiedenheiten zwischen Burgos und Paris bestehen, steht iw Falle einer Wiederaufnahme der diplomatnchen Be­ziehungen „gewisse Schwierigkeiten" in der räumlichen Unterbringung des neuen Botschafters, wenn „die Roten auch weiterhin das Botschaftsgebäude besetzt halten'. Der be­sorgte Herr Berard sollte sich in Bern informieren, rote man diese Frage ehrZich und sauber löst. Kürzlich erkannte der Schweizer Bundesrat die Regierung Franco an und zog daraus die einzig mögliche Konseauenz: et brach die Beziehungen zu Rotspanien ab. Die von Paris und London betriebene Schaukelvolitik aber, das Korrespondieren nach beiden Seiten, enthüllt eindringlicher als alles andere die Tatsache, daß die Herren, Demokraten in der Anerkennung Francos das kleinere Übel sehen, gegen das ste sich innerlich wehren, zu dem sie sich aber doch, um ein Ge­schäft nicht zu vervasten, gezwungen fühlen. Roosevelts Haltung zu diesem Problem ist typisch. Sein Außenminister lehnte es gestern ab. sich überhaupt über die Frage, wann USA Franco anerkennen werde, zu äußern. Chamberlain erklärte im Unterhaus neuerdings, die Angelegenheit der Anerkennung der Franco-Regierung durch Großbritannien werde erwogen. Neue Mitteilungen zu dieser Angelegen­heit könne er nicht machen. Wenn er dem Wunsch Ausdruck gab, daß der Krieg in Spanien ohne nochmaliges Blutvergießen yi Ende gehen möge, io könnten Eng-

Paris ist begeistert.

Alle Erwartungen von beit neuen englischen Aufrüstungs- vlänen übertroffen.

Paris, 16. Febr. (Funkmeldung.) Die französische Frühpresse verzeichnet mit großer Genugtuung und Freude die gewaltige Ausrüstung Englands,, die der britische Schatz­kanzler am Mittwoch im Unterhaus angekündigt hat. Die Zeitungen lenken mit riesigen Schlagzeilen die Ausmerksam- teit der Öffentlichkeit auf die weitere Verstärkung der Militärmacht des englischen Bundesgenossen. Sie weisen in diesem Zusammenhang auch darauf hin, daß das amerikanische Repräsentantenhaus ebenfalls mit überwiegender Mehrheit das Aufrüstungspro­gramm Roosevelts genehmigt hat. Einige Blätter versichern, daß nunmehr „der Block der drei großen Demokratie'n unanfechtbar dasteht".

Der Außenpolitiker der rechtsstehenden „Epoque" meint, die britische Aufrüstung, die Anstrengungen der USA. und die Wiederausrichtung Frankreichs seien für die Sache des Friedens nützlicher als zahlreiche diplomatische Demarchen. Der Londoner Berichterstatter des „Jour" bezeichnet die Er­höhung der englischen Rüstungskredite als „enorm" und be­tont, daß alle Erwartungen übertroffen worden seien. Ange­sichts der gewaltigen Aufrüstung könne man sich nicht über die Entschlossenheit Englands täuschen, die Lebensinteressen seines Weltreiches und diejenigen seiner Verbündeten zu verteidigen. Diese politische Entschlossen­heit stütze sich in Zukunft auf die „gewaltigste militärische Macht der Welt".

Jugend greift an!

Von Heinrich Karl Kunz.

Mit achtzig Millionen sind wir die weitaus größte Nation Europas. Wenn wir heute noch den Hang zum selbstzufriedenen, beschaulichen Dasein besäßen — einen Zug, Den die Welt an dem klassischen Deutschland der Dichter und Denker so „wohltuend" empfand — wir könnten ihm keinen Einfluß mehr auf unser Leben zugestehen. Das menschen­reichste Volk auf dem verhältnismäßig kleinsten Raum! Ein gewaltiges Vedarfsvolumen, eine nicht minder starke Produktionskapazität, denen nur be- scheidene Rohstoffquellen gegenüberstehen. Der Führer hat in seiner Reichstagsrede die unerbittliche Konse­quenz aus dieser Lage in den harten Satz geprägt: „Deutsches Volk lebe, das heißt exportiere, oder st i r b." Es gibt keine Lücken zwischen diesen Worten, in denen sich noch die Behaglichkeit einnisten könnte. Sie fügen sich, Granitblock an Eranitblock, zur Bastion, vor Der die Welt als Kampffeld ausgebreitet liegt. Unsere Waffe ist die Arbeit, unser Sieg die Lei­stung. Arbeit als Geldverdienen ist schon längst keine er- . schöpfende Gleichung mehr. Sie ließe die kostbarsten, auf das Ganze, das Volk bezogene Regungen unbefriedigt. Die Arbeit ist Kampf zur Sicherung unseres persönlichen Da­seins, auf die Festigung unD Steigerung unseres Lebens­niveaus gerichtet und soweit sind wir — du und ich — ehrliche Konkurrenten. Arbeit ist zugleich unser persön­licher Beitrag zur Selbstbehauptung des Volkes. Unter dieser ZielseMng marschieren wir — du und ich — Schulter an Schulter, sind wir Kameraden, bei denen die Lei­stung den Rang und die Einsatz- und Opfer­bereitschaft die persönliche Wertung be­stimmt. „Nicht was du tun möchtest, mußt du tun", sagte Der Stellvertreter des Führers vor der Landdienst- jugend, „sondern, was für die Gesamtheit, für dein Volk nötig ist, sollst du tun!“ Nur so erfüllen wir unsere Aufgabe, leben wir geschichtlich, als ein Glied der kämpfenden Nation.

Unsere Überseeschiffe tragen die Erzeugnisse deutscher Arbeit in die Welt. Ihnen folgen im Kielwasser die KdF.- Dampfer. Sie erschließen Den deutschen Arbeitern die bunte Weite, in der das Werk ihrer Hände, das „Made in Eer- many" geachtet und auch gefürchtet wird. Unsere Kriegs­marine, die in diesen Tagen um eine gewaltige Einheit, das Schlachtschiff „Bismarck", bereichert wurde, trägt stolz die deutsche Flagge über die Meere, allen Böswilligen eine beredte Mahnung: die deutsche Arbeit, die deutsche Leistung entfalten sich unter dem Schutz eines mächtigen, Schwertes. Alle Fenster Deutschlands öffnen sichindieWelt. Wir fordern unfern Anteil an ihrem Reichtum. _

Das Kraftzentrum aber, aus dem sich die Ener­gien, die in die Welt ausströmen und in ihr um die Siche­rung der deutschen Lebensbasis ringen, lösen, ist das fruchtbare Blut unseres Volkes, die Erde, in der es seit Jahrtausenden wurzelt. Die Städte verbrauchen, setzen menschliche Kräfte in geistige und in stofflich-industrielle Leistungen um. Sie realisieren die schöpferischen Möglichkeiten unseres Blutes und ent­ziehen ihm dafür seine physische Frucht­barkeit. Die Erfahrungen besagen, daß eine Stabt« familie meist in der dritten Generation ausstirbt. Das Land ist das unersetzliche Menschenreser- d o i r, aus dem die Städte und das Volk leben. Darum sehen wir in der Landflucht eine so bedrohliche Erschei­nung, wobei der Mangel an Arbeitskräften in der länd­lichen Wirtschaft noch nicht einmal ihre schlimmste Seite darstellt. Schwerer wiegt die Schwächung bet völkischen Substanz. Ein Gefahrenherd, der — die Voraussetzung einer dauernden, erfolgreichen Aktivität nach außen — ausge­brannt werden muß. ,,

Die Landflucht ist kein spezifisch deutsches Problem. Im Gegensatz zu manchen anderen Staaten aber haben die nationalsozialistische Bewegung und Regierung es in seiner ganzen Tragweite erkannt. Die Ursachen liegen Jahrzehnte zurück, in der Jndustriealisierung, die z. B. in England das Bauerntum nahezu völlig auslöschte, sie schuf grundverschiedene Arbeitsbedingungen. Die indu- striellen Bedingungen genießen den scheinbaren Vor­

guten britischen Nachrichtendienstes hin, der das beste Mittel sei, um „einer gegen England gerichteten Propaganda ent­gegenzutreten".

Lord Winterton betonte für die RMierung, daß die finanzielle Unterstützung für den British Council, dem die britische Kulturpropaganda übertragen worden ist, von 5000 Pfund im ersten Jahr seines Bestehens auf 110 0 0 0 Pfund (!) im laufenden Finanzjahr angestiegen sei. Lord Winterton sang dann ein Loblied auf den Nach­richtendienst der englischen Presse und behauptete weiter, daß der gesamte Rundfunknachrichtendienst Englands „beispiel­los" dastehe. Seine Nachrichten gäben „ein richtiges und un­parteiisches Bild".

Daß diese Ansichten Lord Wintettons selbst in Engllrnd nicht geteilt werden, beweist schlagend der eingangs erwähnte bekannte „Daily-Mail"- Artikel, der zahlreiche B e i s p i e l e der Tendenz mache „der fetten Burschen" des britischen Rundfunks, die die Weil mit ihrem antifaschistischen Geschrei graulen mache» wollten", anführt.

Kostspielige Rüstungspolitik

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

London finanziert Hetzpropaganda.

110 000 Pfund für den englischen Rundfuntnachrichtendienst, der noch weiter ausgebaut werden soll.