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Sette 16. Rr. ZI.

Wiesbadener Tagblatt

fltmriag.. Februar 1988.

ebenes aus clLUtWM.

Ecf)o der Liebe - £cf)O des Todes

Von SB. Sahn.

Wer erinnert sich nicht noch, was für eine Freude ein Echo hervorrief, das wir auf einer Wanderung entdeckten! Aber wie es Echos gibt, die eine Frage beantworten, so gibt es auch eigensinnige, wie einmal ein Engländer er­fahren hat. Dieser reiste in Italien herum und traf dabei zufällig in einem leerstehenden Sause ein Echo, das ihm ausnehmend gut gefiel. Da sich das Echo vom Hause nicht trennen lieh, so kaufte er das Haus, lieh es abbrechen und auf seinem Landgut wieder aufbauen. Dann lud er seine Freunde ein. um ihnen das Echo vorzuführen. Der Eng­länder lieh nach dem Essen seine Pistolen bringen, trat feier­lich an das Fenster, allgemeine gespannte Erwartung, der Schuh krachte das Echo blieb aus! Da nahen der Engländer eine zweite Kugel und jagte Ire sich durch den Kopf. Echos haben ihre Launen . . .

Der Benediktinermönch Quesnet erzählt 1692. dah an einem gewissen Orte zu Eenetan in Frankreich sich ein selt­sames Echo befinde. Derjenige, der singt, hört dabei nur seine eigene Stimme, die Zuhörer aber an den geeigneten Stellen nur den Widerhall, und zwar so, dah das Echo sich bald zu nähern, bald zu entfernen scheint. Der eine ver­nimmt nur ein einfaches, der andere ein mehrfaches Echo, dieser zur Rechten, jener zur Linken.

3m Tale von Montmorency bei Paris soll sich ein Echo finden, das bei Nacht vierzehn Silben, bei Tage aber nur sieben wiederholt. Die Erklärung ist wohl bartn zu finden, dah nur bei der Nachtzeit jene Stille herrscht, in der man auch die schwach zurückgeworfenen Silben verstehen kann.

Beim Schlosse Simonetta in der Lombardei, das seinen Stauten von der berühmten Sängerin hat, befindet sich ein seit Jahrhunderten berühmtes Echo. Simonetta wurde hier ein­mal von ihrem Geliebten eingeladen um vor einem angeblich zahlreichen Publikum zu singen. Es mar aber niemand weiter da als der Freund, dessen Händeklatschen vom Echo hundertfach wiederholt wurde. Ms sie den liebenswürdigen Schwindel erfuhr, war sie ernstlich böse. Das Landhaus aber behielt ihren Namen. Das Ecko wird gebildet durch die beiden vorspringenden Flügel des Schlosses, die gegen den Hof zu fast kein Fenster haben.

Ein merkwürdiges Echo befindet ssch in den Adersbacher Sandsteinfelsen in Böhmen. Einzelne dieser Felsen, im Um­kreise von fast drei und einer halben deutschen Meile zerstreut, bilden das Gerippe eines Berges und ragen größtenteils bloh mit ihren nackten Spitzen empor. Da. wo sich diese Felsen- gruppe schlieht, ist das Echo, welches sieben Silben dreimal wiederholt, ohne sie im mindesten zu verwirren.

In Heidelberg gibt es. wie der Physiker Muncke entdeckt hat, ein seltsames Echo, das sehr geeignet ist, das Rollen des Donners und die abwechselnde Verstärkung und Schwächung seines Schalles anschaulich zu machen. Der Knall eines Pistolenschusses, von einer etwas tieferen Stelle des Heiligen- berges ausgehend, wird aus einer gegenüberliegenden Berg­schlucht zurückgeworfen, so dah man weiter aufwärts, zur Seite und hinter dem schallenden Gegenstände das Geräusch selbst nicht hört, wohl aber den Widerhall, und zwar eigen­tümlich donnerähnlich mit wiederkehrenden Verstärkungen bis zum langsamen Verhallen.

Viele Echos, die berühmt waren, sindeingeschrumpft" ober verschwunden. Die Veränderung eines Widerhalls rühren sicherlich von der Änderung der zurückwerfenden Flächen her, die so unbedeutend sein kann, dah sie sich ohne genaue Untersuchung nicht feststellen Iaht. Vernon erzählt von einem solchen Echo, das durch eine Mühle erzeugt würbe, später aber verschwanb. weil Bäume, die dort gestanden hatten, umgehauen worden waren.

Das mehrfache Echo entsteht wenn in verschiedenen Ent­fernungen von einander dem Schall immer wieder neue Wände entgegenftehen. die ihn zurückwerfen, ähnlich wie mehrere hinter einander gestellte Spiegel uns das gleiche Bild in immer mehr verkleinertem Mahstabe wiedergeben würden.

Den stärksten Nachhall gewähren Höhlen. Ein kräftiges Echo findet sich in einer Höhle bei Viborg in Jütland, die «mellen genannt wird und vor der auch die Geschichte bereits berichtet, daß die eindringenden Russen vor Schreck zu Boden gestürzt seren.

Starke Echos sind in den Alpen bei Gewittern zu hören. Es klingt dies geisterhaft wie ein gewaltiges Dahinrauschen ber Tone an ben langen Fclsenwänden. Die regelmäßigsten Echos kommen an großen und weitläufigen Gebäuden vor, weil hier die Wände systematischer hinter einander folgen.

berühmtes Echo befindet sich zu Rosneath in ber Aaoe von Glasgow, das ein kurzes Tromveterstück wieder­holt, Wbald dreies zu Ende ist und zwar um zwei Töne tiefer. Dann erst wird es von einem zweiten Echo wieder um einen -um tiefer wiederholt und noch einmal durch ein drittes Echo wiederum um einen Ton tiefer.

Das Echo am Loreleifelsen am Rhein wirft eine Silbe mwa siebzehnmal zurück, das Echo auf dem Königsvlatz zu Kassel neunmal. Am St. Wolsgangsee in Steiermark ant- wortet das Ecko. wenn schönes Wetter, aber nicht, wenn trübes Wetter bevorsteht.

Der Schweizer Naturforscher Franz Joseph Hugi erzählt rn seinenNaturhistorischen Alpenreisen", es sei ihm in der Gegend der Wetterhörner ein Mann mit einem elf Fuß langen Alpenhorn begegnet, der gegen das Wetterhorn hin geblasen habe. Da habe bas Echo lange geschwiegen und erst wat angefangen, das ganze Lieb, aber in einem sanit ver- anbernben Ton wie aus überirbischer Ferne zu wiederholen.

Ein ebenfalls ickönes Echo soll hinter demSchatten", einem einsamen an der Landstraße StuttgartCalw liegen« ^en..?ß't.tshaus. zu hören sein. Wenn da ein naturfroher und musikalischer Wanderer auf einer Stockflöte irgend eine Melodie bläst, so kommen die Töne sofort vom gegenüber­liegenden Wildpark dreifach zurück und täuschen ein reizendes Quartett vor.

Eine folgenschwere Kohlenorydvergiftung ereignete sich in dem Städtchen Singe n an der Ems. dem bisher zwei Menschenleben zum fünfer fielen. Eine Familie bestehend aus ber verwitweten Mutter unb zwei Töchtern war seit vier Tagen nickt mehr gesehen worben. Die Nachbarn schöpften baher Verbackt unb verständigten bie Vals-ei. Ms biete am Samstaomittaa bie Türen erbrach bat sich ihr ein schreckliches Vill> Die beibenTöchterim Mter von 16 unb 20 Fahren wurden in ihren Betten liegend tot aufgefunben. mähr-mb bie Mutter noch schwache Lebenszeichen von sich gab. Der herßgtperufene Arzt stellte fest, baß der Tob ber beiden Mädchen bereits vor acht Stunden eingetreten fei Di" M»tter würbe in ein Krankenhaus geschafft, dock wirb an ihrem Auf­kommen gezweifelt. Das furchtbare Unglück ist auf aus« strömende Gaie eines eisernen Ofens zuruckzuführen.

Straßenbabnzusammenstoß in Prag. Samstaovormitiag stießen in den Prager Weinbergen zwei Straßenbahnwagen zusammen. Eine Zeitungsverkäuferin deren Identität noch nickt festgestellt werden konnte, wurde bei dem Zusammen­stoß getötet, fünf Personen schwer und ackt leicht verletzt. Das Unglück ist infolge Versagens der Bremsen an einem der Wagen entstanden.

Fabrik-Großfeuer in England. In Slough (Bucking- hamibire) brannte während ber Nacht das große Jndustrie- werk der Stabt, die Rheostatik-Fabrik fast völlig nieder. Trotz höchsten Einsatzes der Feuerwehr wurde nur ein Teil des Werkes gerettet Während des Brandes kam es zu mehreren Ervlosionen in der Fabrik, ko bah man zunächst entnahm, bah es sich auch hier wieder um Bombenattentate gehan­delt haben könnte. Die Polizei erklärte iedock. für diese Ver­mutung keinerlei Bestätigung zu haben.

Brand in bet Küche eines Prager Nachtlokals. In ber Kucke des Prager NachtlokalsFcstvavillon" ereignete sich eine Ervlosion. bei der zwei Köchinnen lebensgefährlich vor­letzt wurden. Die Küche geriet in Brand. Die vorläufige Unterkuckung hat ergeben, daß die Ervlosion auf Erhitzen von Fußbodenwachs zurückzuführen ist.

6 mann aus einem gesunkenen japanischen U-Boot gerettet.

Tokio, 6. Fehr. (Funkmeldung) Das Marinemint- fterium veröffentlicht eine Verlautbarung, derzufolge aus dem am Donnerstag nach einem Zusammenstoß gesunkenen U-Boot3. 63 sechs Mann gerettet werden konnten. 81 Mann werden noch vermißt. Die Rettungsatheiten dauern an.

Schweres Verbrechen eines Pfarrers bei Bukarest. Das sckwere Verbrechen eines Pfarrers erregt größtes Aufsehen. Vor mehr als zwei Monaten, erstattete der Pfarrer Vanle Dumitriu ber Gemeinde Cernica in der Nähe von Bukarest, bei ber Polizei Anzeige, baß fein Bruder ihn in der Nackt zum 15 November besucht Habe und seither svurlos verkckwunden sei. Der Pfarrer behauptete, sein Bruder sei spät nackts wcg- gcaanaen. Auf einen vagen Verdacht der Polizei hm wurde Vasile Dumitriu jetzt verhaftet und legte bereits heim erstell Verhör ein Geständnis ab. Danach war der Pfarrer mit seinem Bruder in Streit geraten. Er behauptet nun von ihm mit einem Kückenmesser angegriffen worben zu kein. Um sick zu wehren, habe er. ber Pfarrer, mit einem, vammer »uge- schlagen und feinen Bruder getötet. Den Leichnam warf er in die Senkgrube des Hanfes, wo er auch tatsächlich gefunden

Vierköpsige Samilie in den Flammen umgekommeu. e>m Osten Londons brannte während der Rockt em Wohnhaus völlig nieder, wobei eine ganze Familie, die Eltern, ein fünf Jadre und ein sechs Monate altes Kind ihr Leben eni- büßten Die Familie lebte im zweiten Stock des Hanfes und kennte nickt mehr gerettet werden.

Große Überschwemmungen in den Bereinigten Staaten. Infolge schwerer Regen- und «ckneefalle traten der Ohio und andere Flüsse aus ben Hfent. Weite Gebiete m Ohio. Illinois Indiana. West-Virginion. Pennsylvamen. Kentuck». Arkansas und Tennessee wurden überflutet Rund 20 Men (wen find ertrunken. Gbattanooga unb andere Orte stehen teil­weise unter Wasser. Drei Austernboote kenterten im Orkan vor Maryland. Neun Fischer sind ertrunken.

Das Neueste find gläserne Schuhe. Seit ben Zeiten des Märchens, erschien dieser Tage in Paris zum erstenmal wieder eine Fran in gläsernen Schuhen. Es sind eigent­lich keine Schuhe, sondern eher Sandalen, dre sie trug, denn sie bestehen nur aus einer flachen Sohle mit §atfen bte aus Glasplättchen zusammengesetzt sind; bas Material sieht ganz wie Kristall aus, und es wird garantiert, baß es un­zerbrechlich ist, aber es ist doch biegsam genug, daß man leicht darauf gehen kann. Der Schuhmacher, ber btejc neueste Mode einführen will, erklärte, daß er schon ,eit Jahren ben Gedanken verfolge, bis ihm die Ausführung enblich gelungen ist. Die bisher gezeigten Sandalen haben Silberbänber, bie über den Fuß bis zum Knöchel hinauf geschlungen werben. Sie sollen vor allem zu Gesellschafts­kleidern' getragen werben, werden aber auch für den Strand gemacht.

Blüheube Erbse» aus Tutauchamous Grab. Tutanchamon kann nicht zur Ruhe kommen. Es ist be­kannt, daß Weizenkörner, bie in feinem Grabe gefunden würben, in frische Erde gesenkt, aufgeschchsen finb. Jetzr erregen auf bet Gartenbauausstellung in London blühende Erbsen, die aus seinem Grabe stammen, großes Aufsehen. Sie sind im Jahre 1924 ausgegraben worben. Es ist eine besonbere Art mit dunkelblauer Haut. Der Finder hat sie im Jahre 1924 ber Lady Gilbert geschenkt, unb bieje hat sie ihrem Gärtner gegeben, der erst die seltsamen Erbsen nach langem Zögern gepflanzt hat. Jetzt sind sie so großartig gediehen, daß sie ber Gartenbauausstellung übergeben wer­den konnten. Der Gärtner meint, sie schmecken genau so wie die heutigen Erbsen, trotzdem ihr Samen über 3000 Jahre alt war.

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