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mit einer besonders knifflichen Handarbeit, die ib Wannteste Aufmerk amkeit verlangte, deshalb war ihr uns eajwsöen, die Stille im Zimmer bisher garnicht recht 6e wufet geworden.

IValt» im Minier.

Du hoher Wald von Baum au Baum durchsvonnen Mit blassen Reiss verschlungenen Gehängen, Dertuhr mich nicht zu tief in finiteren Gängen! Früh schleicht hinab das gelbe Licht der Sonnen, .rroit blüht wie Locken von Asbest im Grunde, Es aast der Schritt, das Herz wagt nicht zu klovsen, Wie Augen schaun die groben goldnen Tropfen Bon klarem Harz an alter Kiefer Wunde.

Und Beerenbuschel glübn, vurvurne Zeichen.

Aus niedern Strauchs durchsichtiger Eisesbürde, Wie Lippen, die ein Tod so jäh berührte.

Dan ne nicht Zeit mehr fanden zum Erbleichen.

Sans C a r o sI a.

Eines Rindes Her?.

Bon Wolfgang Frderau.

.die Kinder schon im Bett lagen und kehrte, als man nach alter, lieber Gewohn- m'ö .und friedlich in seinem Zimmer Iah und Unruhe und Arbeit des Tages wohltuend abklingen wollten, fiel dem Bater alles ein. Manches wenigstens. Der Tag. zum Bei- Wiel, als er die Kaninchen angebracht hatte. So klein waren Vie beiden damals noch gewesen, dafe er sie in einen Schub­karton hatte tun können. Und Io leicht, dah er ihr Gewicht kaum gespurt hatte.

. Es hatte lange und eingehende Beratungen gegeben, damals. Denn natürlich muhten die Kaninchen einen Namen bekommen, wie sollte man sie sonst rufen, wie sollte man sie zutraulich machen. „Nachtschatten" hatte er. der Vater, vor- gelchlagen für das Schwarze und „Silberhaar" für das Graue. " Gr hatte gedacht, dah Helge den Vorschlag mit Begeisterung aufnehmen wurde, aber sie hatte nur verächtlich die Lippen geschürzt und die Namen, kaum geprüft, auch schon verworfen. Satte sich stattdessen, sehr schnell, für die zwar nicht originellen, aber kurzen und klaren Namen „Mohrchen" und „Grauchen entschieden. Und weil es doch ihre Kaninchen waren, ihr persönlich geschenkt, jo gab es natürlich keinen Widerspruch.

Er hatte gedacht, damals: „Ein kindlicher Einfall und Wunsch. Erst wird ne sich ein bihchen mit den Tieren be- ichaftigen, dann werden sie ihr langweilig werden, sie wird ne vernachlässigen, sie nur noch als Last empfinden. Das ist dann der richtige Augenblick, sie weiterzugeben, sie an irgend jemanden zu ver,chenken." Aber er hatte sich geirrt. Sie wurden ihr nicht langweilig, sie pflegte sie mit Hingabe, morgens war der Gang zu dem kleinen Verschlag, de» man nn Garten, hinter dem Sause, hergerichtct batte, ihr erster Weg. und abends »haute lie, vor dem Schlafengehen, noch lmnell einmal nach, ob ihnen auch nichts abging. Besonders, als es anfing kalt und winterlich zu werden, fand Selge nicht eher Ruhe, als bis he alles nur Mögliche getan hatte, um die Langohren durch vorgehängte Decken, durch Stroh und derlei gegen den Frost zu schützen.

„Ich verstehe es nicht", hatte et manchmal gedacht. „Gerade mit Karnickeln kann man doch weih Gott nichts Unterhaltsames anfangen. Sie spielen nicht, sie bellen nicht, ne machen nur selten irgendwelche Kapriolen, und meint sie cs doch einmal tun, sind es bescheidene Kunststückchen, die sie vorfuhren. Das waren seine Gedanken gewesen, aber die von Selge gingen andere Wege, sie fand ihre Kaninchen reizend und In» und herzig und wurde nicht müde, sich mit ihnen zu beschäftigen. , Sie schleppte alles herbei, was ihnen gut schmecken konnte, sie sorgte dasiir, dah sie immer was zu nagen und zu beihen hatten, sie opferte einen erheblichen Teu ihres Taschengeldes für ihre Ernährung. Das war bei­nahe das Verwunderlichste an der ganzen Sache.

„Kinder", dachte der Vater, „Kinder sind eben so ganz anders in vielen Dingen, als wir Erwachsenen. Und Gott lei Dank, dah es so ist." Ihm fiel ein, wie sie einmal Vesuch be­kommen hatten, von einem Nachbar, der ein Siedlungshaus besah und ein bihchen Kleintierzucht betrieb. Der hatte gemeint: „Nun, Helge, wenn deine Kaninchen weiter so wachsen und zunehmen, dann habt ihr zu Weihnachten und zu Neuiabr einen prächtigen Festbraten." Helge hatte ihn nur angesehen, ihr Gesichtchen war bläh geworden vor innerer Erregung und ihre Lippen hatten gebebt vor Zorn und Empörung, Der Nachbar hatte sein Versehen nie wieder gut machen können, sie hahte ihn, sie verachtete ibn, sogar die Tafel Schokolade, die er ihr einmal hatte schenken wollen, um die alte Freundschaft wieder herzustellen, hatte sie dankend ahgelehnt. Obwohl sie doch Schokolade so gern ah.

Sie hatte die beiden langohrigxn Tierchen gut über den Winter gebracht, alles was recht ist, man muhte das zugeben. Sie hat sie mit einer Hingabe umhegt und gepflegt, als waren es kleine Menschenkinder gewesen, und sie, Helge, ihre Mutter. Und gerade jetzt, wo es doch schon warm und fast frühlingshaft war, muhte dann dies pafiieren.

„Lieber Gott", seufzte der Vater und lieh die Zeitung fallen, die er leit langem krampfhaft in den Händen gehalten hatte, ohne auch nur eine Zeile in sich aufzunehmen.

„Du schläfst wohl schon, gelt?" fragte seine Frau lächelnd aus der Tiefe ihres Sessels heraus, sie mübie sich leit langem

unten am Straßenrain, zog feine Pfeife heraus und besann zu rauchen. Dabei musterte er den Aindbruch.

Die Frei zeit war um. Adam pfiff, und ans dem Ast- werk tauchten die Burschen auf. Die Axtschläge setzten wieder ein.

Am Vortag hatten die Männer bereits begonnen, die freigelegten Stämme zu teilen. Da lagen nun die starken, kurzen Blöcke und warteten darauf, gespalten und geklaftert zu werden. Unverdrossen und mit zäher Beharrlichkit arbeitete Matthias. Er zog den Harzduft ein; der Sch weih rann in Strömen. Die Aste, die er abseits schleppte, waren richtig geordnet. Wie eine lange grüne Raupe lagen sie hangabwärts in der Sonne,

Mittags aber war es wie am Tag vorher. Todmlldc trottete er zur Hütte, wusch sich, was er als große An­strengung empfand, und muhte bann, auf Adams strenges Geheiß, eine Riesen menge Mehknocke n verzehren.

Der Franzi sah wieder neben ihm „Nur anshalten, Matthias!' riet er und schluckte keine Nocken. „Nur nct uachgeben' Wirst sehen: In aner Woche is dös alles vorüber — dann kannst schon mit die Ast' Balln spielen!"

Alle sahen freundlich auf Matthias, diesen ernsten Kameraden. Sie bemerkten wobt, wie schwer es ihm wurde, mitzuhalten, wie er die Zähne zusammenbih, um die frei­willig übernommene Arbeit durchzuführen.

„Niedalegen auf a Stund'!" befahl der Adam. „Dann kommst abi auf die Straften! Mir rollen hiazt die g'schnittnen Stamm’ hinunter, und dort werden s' teilt. Dös muaftt da anschaun, wia so a Block ausanandaspringt!"

Matthias nickte; zum Reden war er zu faul . . . Der Grieshosbauer war zur Mittagszeit heimgegangen. Als Matthias nach einer Stunde tiefen Schlafes erwachte, wusch er sich nochmals und ging sodann den Hang hinab auf die t'trafte.^ Schmetternde Artschläge sagten ihm, dah die Holz- ■ knechte schon emsig an der Arbeit waren, Und abseits, in be­scheidener Entfernung, sah wieder das alte Bäuerlein und rauchte.

Matthias setzte sich zu ihm und sah den Holzknechten zu. Er staunte, wie flink deren anscheinend so schwere Arbeit von- ftatten ging. Die stählernen Keile wurden angesetzt, festge­schlagen, und der Adam war dabei, einen der Blöcke zu spalten. Hochauf schwang er die schwere Waldaxt, mit dem Hammerende voraus lieft er sie auf den Stahl fallen, der sich mit jedem Hieb um einen Ruck tiefer hi nein frag in die Fase­rung des Stammes. Knisterndes Geräusch kam — man sah, wie der Block rift. Ein zweiter, ein dritter Keil wurde an- setzt, und mit knirschendem Seufzer sprang der Block in zwei

Matthias machte dem Alten gegenüber eine Bemerkung über diese Leichtigkeit, mit der so ein schweres Stück gemalten wurde.

Der schmunzelte ein wenig: „I wett' — dah d' kau on,tigen Block nct ausananderkringst! Wannst hinschaust, wirst scho draufkommen, wie dö Sach' zum Machen is. Ma dcrs den Keil net so ohne weiteres anfeften — o na. Siagst, wia der Adam zuerst die Fasern prüfen tuai? An her richtigen Stell’ inuaft ma den Keil einitreiben. Aber dös können nur Leut', die was beim Holz fcho lang arbeiten; den Blick und's E'fühl niuaft ma Ham . . .“

Dann sah der Alte wieder geruhsam da und sog an seiner Pfeife. Er schien Zeit zu haben und am Zuseihen Gefallen zu finden. Jedenfalls erhob er sich erst, als der Adam Feier­abend verkündete. Er nickte dem Matthias zu und ging ge­mächlich gegen seinen Hof.

Am Samstag früh wurde am Straftenrain der erste Stapel geklaftert. Man gab ihm beiderseits starke Stützen, und Matthias sah zu, wie die fUtänner sorgfältig ein Scheit an das andere legten. „Weiht", sagte der Adam, „da derf möglichst wenig Luft zwischen die Scheit' sau — dös wär' a Schwindel. Dö Leut' wollen Holz kaufen, aber ka Luft! '

So lernte her Matthias Klaftern schichten; er beteiligte sich bald eifrig an dieser Arbeit.

Die Pause verging mit Speck und Brot. Matthias sah «nten an der Strafte. Sein Hemd stand offen; das Haar klebte an der Stirn, und die Hände — harzig und gar nicht kehr sauber — hielten ein Stück Speck, von dem er mit seinem Messer herunterschnitt, auffpieftte und in den Mund steckte. Brot schob er nach.

In diesem Augenblick erklang fernes Räderrollen. Adam, der neben dem Matthias sah, blickte auf und erhob sich: „Hiaza kommt der Herr Obaförsta!" Er pfiff.

Die Leute standen auf und schauten, was los sei. Die Partie sammelte sich am Stvaftenkörper, den Dienstherrn er­wartend.

. '-.Ain, wirklich nicht" wehrte sich der Mann. „Ich . . . ach, ich dachte nur an die Sache mit den Kaninchen, mit Grauchen und mit Helge.

s"20"' ni£te die Frau. „Es war sehr schlimm. Dick warst 'm Dienst, als es geschah . aber du hättest leben (ollen, wie cs Helge packte. Trotzdem das Tier doch schon ,,„V^Qr ^Q0re recht auf Deck war. nicht ordentlich froh h.X!°.,rt£cIße batte darauf vorbereitet lein müssen, ich ver- suchte es schon gestern, fic mit diesem Gedanken vertraut zu machen.

"Zeinen Tierarzt geholt hätte", warf der Mann nachdenklich ein.

»Unsinn", erwiderte die Frau. „Wir hätten uns lächer­lich gemacht — hat man schon je davon gehört, dah ein Tier- «» ,**}, einem Kaninchen gerufen wurde? Es wäre ein m TreÄ Msuugen gewesen, und für das Honorar, das tönnen "0t te' &atte mon drei andere Kaninchen kaufen

"Eewih", der Vater nickte nur. Er war traurig, und er • sich, dah er es war, wegen eines simplen Kaninchens. Ober in Wahrheit war er ja nicht um des Tieres willen traurig, sondern Helge wegen.

^.»Aber cs war rührend anzulehen". fuhr die Frau fort „3(b beobachtete alles aus dem Fenster. Wie sie das arme, lcuie zuckende Ding auf dem Schob hielt und streichelte, immer wieder streichelte, ihm zulachelte. ihm tröstende Worte in die langen Löffel. hauchte. Vis das Graue mit einem Male von einem richtigen Krampf geschüttelt wurde — gay, lang wurde es, seltsam lang, und zuckte dann noch einmal

• ■ -ia. dann war es tot. .Ich habe Helge noch nie Io bemmungslos meinen gesehen mte in jenem Augenblick."

„Als mir es begruben, nachmittags", marf der Vater ein, ..da meinte sie nicht mehr."

„Sie hatte schon alle Tränen hergcgeben. am Vor- mittaa entgegnete die Mutter. „Nun gaben ihre Augen teilten Tropfen mehr her. Aber in ihrem Gesicht bat es doch mächtig gearbeitet, als du das Graue in die kleine Grube legtest, als sie es mit Tannenzmeigen zudeckte und da bann Efde baraufschaufeltest. Sicher roith sie das Grab nun mit ^Blumen benflanäen und richtig pflegen, eine ganze lange Zeit hindurch . . .

„Sicher", bestätigte der Mann. „Dabei ist sie doch im allgemeinen gar nicht so gefühlsselig — es ist eigentlich schmcr zu verstehen. Ich denke es mir so. dah Helge zum ersten Male von dem Geheimnis und der Bitternis des Todes an« acruhrt morden ist hast tief, tief im Unterbemuhtfein, im UnberouBten ihrer Seele eine Ahnung von dem aufgebrochen ist, was Sterben helfet, und von dem. mas als Schlufe hinter allem Lebenden steht. Als ihr Großvater starb, bat sie kaum gemeint — damals, denke ich, wurde ihr das nicht klar, sie war nicht dabei gewesen, sie konnte es innerlich gar nicht recht verarbeiten. Aber jetzt war der Tod ihr ganz, ganz nahe, er langte zu ihr hinüber und ritz ihr das kleine, warme Leben aus den Armen und würgte es ab. Und vielleicht braucht ein Kind nicht unbedingt am Sterbebett eines Menschen zu stehen, vielleicht genügt auch ein in unseren Slugcn belangloses Wesen, wie Io ein Kaninchen dazu. ihm. gleichsam betlotelbaft. Wunder und Geheimnis und drohende iDiajeltat des Todes klar zu machen.

Das war eine lange Rede gewesen, jetzt schwieg der Mann, fast erschöpft, schaute grübelnd und nachdenklich vor sich bin. Seine Stirn legte sich in Falten, aber es waren keine Sorgenfalten — immer runzelte er die Stirn, wenn irgendetwas ibn anrührte, das et einmal ganz zu Ende denken wollte.

„Es ist Zeit, schlafen zu gehen", sagte er endlich und erhob sich mit einem unterdrückten Gähnen — ging hinüber ms Schlafzimmer und lag auch schon, einige Minuten später, im Bett.

Kegen seine Gewohnheit las er nur wenige Zeilen in dem bereitlieuenben Buch. Löschte dann lehr bald die Nacht­tischlampe, lag aber noch lange wach und fand keinen Schlaf.

Endlich doch schlummerte er ein. Er träumte merk­würdige und zusammenhanglose Dinge, erwachte mit einem Schrei und hörte ein hartes Pochen durch die Dunkelheit. Er mußte sich erst in die Welt, in die Wirklichkeit zurückfinden, ehe er begriff, dafe es lein Herz, fein eigenes Herz war, das da Io ungebärdig klopfte.

Irgendetwas trieb ihn aufzustehen und ins Kranken­zimmer binüberaugeben. Da laa der Junge mit Icblafrotcn Wangen und leicht geöffnetem Mund, er atmete lauft und regelmäßig, und er lab aus, als könne er kein Wäfserlein trüben. Aber das andere Bett. Helges Bett, war leer.

Dem Vater fuhr der Schreck in die Glieder. Er irrte durch die Wohnung, aber Helge war nicht zu entdecken. Zuletzt lab er, dafe die Tür. die aum Hausflur führte, nur angclebnt war. ..Aha', dachte er, ein wenig erleichtert, schlüpfte in den Mantel hinein und ging hinaus in den Garten.

Es war noch sehr kühl, es war ja auch erst Mära. da konnte man nicht mehr erwarten. Und es war ziemlich dunkel.

Nur Matthias stand bei feinem Block; er wußte nicht recht, wohin er sich stellen solle. Außerdem war er eine Woche lang nicht rasiert.

.. Staub roirbel-te; ein Jagdwagen, mit zwei flinken Fuchsen bespannt, kam rasch heran und hielt bei den Leuten. Herrgott, da sah der Oberförster — er hielt die Züge! —, und neben ihm im Kutschsitz ein Mädel in braunem Lodenkleid mit einem Hütchen, worauf eine weihbraun gefleckte Feder stak!

Matthias sah sich um, als wolle er sich irgendwohin ver­kriechen.

Indes der Oberförster die Zügel dem hinter ihm sitzen- ben Jag erb urschen gab, war das Mädel mit einem Sprung vom Wagen herunter und lächelte die Leute an: „Grüß Gott!"

„Erüh Gott a, Herr Obaförsta!" sagten die Männer. „Grüh Gott, Freilein!"

Matthias hatte immer noch Fluchtgeidanken. Weggehen sreiilich konnte er unauffällig nicht mehr. Er sah auf seine dreckige, harzbeschmierte Lederhose und auf seine Hände. Heute war Samstag; alle Holzknechte hatten die Bartstoppeln die ganje Woche im Gesicht — er auch. Und nicht einmal ein sauberes Taschentuch hatte er — es war zum Verzweifeln! Verstohlen wischte er sich die Finger, die vom Speck fettig ge­worden waren, am hinteren Teil der Lederhose ab. Dann stand er ruhig und hoffte im Innersten seines Herzens, nicht bemerkt zu werden.

Indes der Oberförster von Adam den Bericht entgegen­nahm, sah sich dieses Mädel die prächtigen Burschen — einen nach dem andern — mit unverhohlener Neugier an. Genau musterte sie die Männer — den Toner!, den Franzi, den Wasil, den Sellpl — dem Adam schenkte sie nur einen flüch­tigen Blick — und bann wanderten ihre Augen zu Matthias, der abseits stand und sich am liebsten unter die Äste ver­krochen hätte ... „Ah —!" sagte das Mädel.

Der Adam führte indessen leine Partie dem Herrn Ober­förster vor. „Kommt's, Burschen!"

Der Oberförster, der die Leute schon alle kannte, gab leoeni die Hand, fragte nach der Arbeit, und ob es richtig vor- wärtsgehe.

„Schon — schon —", antworteten die Männer. Da ein Weibsbild zugegen war, und noch dazu ein verteufelt hübsches, war die Aufmerksamkeit geteilt. Der Tonerl ver­gas; das Bild oberhalb seiner Schlafpritsche und verdrehte die Augen wie ein kranker Gamsbock.

Matthias sah es genau und ärgerte sich.

Das Mädel hatte aufter diesem einen bedeutungsvollen »Ab" nichts mehr gesagt. Es stand da, tippte mit dem Fuß auf den Boden und lächelte.

„He, Matthias, komm her!" schrie der Adam. „Der Herr Obaförsta möcht' di kennen lernen!"

Schwerfällig schob sich Matthias — die Beine wollten nicht' recht — nach vorn.

„Dös is der Matthias Ortner — ntei Freund!" stellte der Adam vor. „Aus Wenn — der probiert a wenderl, wia dö Holzarbeit geht."

„So, so?" Der Oberförster sah den Matthis forschend an. „Aus Wien ... Hm: Urlaub? Nicht?"

„Jawohl!" stotterte Matthias und stand ft ramm.

Das Mädel war inzwischen zu dem Block getreten, von dem Matthias gerade aufgestanden war. Da lagen noch sein Taschenmesser, sein Speck und das Brot; er hatte das alles liegen lasten, als der Wagen vorfuhr. Sie letzte sich nieder, nahm ihre gelbe Handtasche mit Zippverschluß auf die Knie, öffnete und wühlte drin herum. Zuerst kam ein winziges Taschentuch zum Vorschein; sie wischte sich die Nase damit ab. Dann erschien jene Puderdose, die Matthias schon genau kannte; sie wurde aufgeklappt, und das Mädchen Eva guckte ernsthaft hinein, nahm mit spitzen Fingern einen Puderfleck und begann damit im Gesicht ümherzufahren. Das dauerte eine Weile.

Der Matthias stand wie ein Stock und rührte sich nicht. Aus dem Winkel feines rechten Auges aber sah er alle diese Vorgänge sehr gut.

Jetzt schien sie mit der 'Verschönerung fertig zu sein. Eme Weile sah sie noch prüfend in das winzige Spie gelegen, dann schloß sie die Dose, hob den Kopf und blickte Matthias an. Und plötzlich rollte dieses verteufelte silberne Ding, wie von Zauberhand getrieben, aus den Händen des Fräuleins über den Schoß herab und in den Straßengraben. Dort blieb es liegen. Es blinkte boshaft im Sonnenlicht... Das Mäd­chen Eva sah noch immer herüber — jetzt lächelte sie plötzlich ein weiches, sanftes Lächeln.

(Fortsetzung folgt.)