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Nr. 5. Freitag, 6. Januar 1939. 87. Jahrgang.
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Moskauer Vereidigungserlasse die Folge einer Revolte
Oberst Beck beim Führer.
Zweitägiger Aufenthalt in München.
Berchtesgaden, 5. Jan. Der Führer und Reichskanzler empfing am Donnerstagnachmittag um 15 Uhr auf dem Berghof in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen, v. Ribbentrop, den polnischen Außenminister Beck, der auf seiner Rückreise von Monte Carlo nach Warschau einen zweitägigen Aufenthalt in München genommen hat.
Warschau, 5. Jan. Eine der Hauptsensationen in der polnischen Presse bilden am Donnerstag die Meldungen über drei Erlasse des Vorsitzenden des Obersten Rates in der Sowjetunion, Kalinin, über die erneute Vereidigung der gesamten Roten Armee und der Roten Kriegsmarine. Teilweise wird die Bedeutung dieser Anordnung ausführlich erörtert. In einer Agenturmeldung aus Moskau wird darauf hingewiesen, daß bekanntlich sofort nach der Beseitigung des Marschalls Blücher im sowjetischen Offizierskorps Kundgebungen des Unwillens wahrzunehmen gewesen seien. Darauf seien in den einzelnen Militärbezirken maßgebliche-Armeeführer ihrer Posten enthoben
„Verstärkung der Einheit der Nation."
Ministerpräsident Hiranuma über seine Politik.
Tokio, 5. Jan. (Ostasiendienst des DRV.) Ministerpräsident Baron Hiranuma gab bald nach dem Vekannt- werden der Zusammensetzung des neuen japanischen Kabinetts eine Erklärung ab, in der er seststellte, sein Kabinett sei entschlossen, die unveränderliche Politik zur Beendigung des Chinakonfliktcs durchzuführen, die vom vorhergegangenen Kabinett mit Billigung des Tenno festgelegt worden sei. Die japanische Station sehe sich einer bisher noch nicht dagewesenen Lage gegenüber, und es werde nicht leicht sein, diese zu überwinden. Wenn jedoch die Regierung und das Volk zusammenständen, dann werde auch die schwierigste Lage überwunden werden. Es sei daher an der Zeit, daß die Einheit der Station verstärkt werde. Baron Hiranuma stellte schließlich seine Entschlossenheit fest, alle Schwierigkeiten zu beseitigen, die der Vollendung des Werkes seiner Vorgänger im Wege ständen.
Kriegsminister Jtagaki gab eine Erklärung ab, derzu- folge die Armee alles daransetzen werde, um hinsichtlich des Chinakonfliktes das große Ziel gemäß den vom Kaiser gebilligten unveränderlichen Richtlinien zu erreichen.
Die Erfolge der Franco-Truppen.
100 Kilometer von Barcelona. — Rote Entlastungsofsensivc an der Cordoba-Front zusammengebrochen. — 23 884 Gefangene in dreizehn Tagen. — Zunehmende Demoralisierung der Bolschewisten. — Zwei Jahrgänge eingezogen.
Der korsische Dolch und das Symbol von ©fax
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner S ch r i f t l e i t u n g.)
Die Greuel in Borjas Blancas.
Bilbao, 6. Jan. (Funkmeldung.) Der nationalspanische Heeresbericht meldet, daß die Franco-Truvven weiter siegreich vordringen, ^m Sudabschmtt wurden folgende Orte erobert: Sudanell. Sune. Arteia de Lerida. Torres de Scgre und SJiontoliu. die sämtlich auf dem linken Segre-Uscr südlich von Lerida liegen. Ferner wurde der Ort Joneda an der Hauptstraße Lerida — Borias Biancas besetzt. Weitere Truppenverbände des Südabschnittes drangen in östlicher Richtung, von Albages ausgehend, vor und eroberten die Orte Cervia und Albi. Die Natronalen betniden sich nunmehr 100 Kilometer westlich von Barcelona. Es konnten wieder 1200 Gefangene gemacht werden. Unter der reichen Beute befindet stch auch ein Panzerwagen.,
Die Roten versuchten, ihre in Katalonien überall wankenden Stellungen durch eine Offensive an der Cor d ob a- Front zu entlasten. Alle Angriffe, die das Ziel hatten, die nationalspanischen Stellungen zu durchbrechen, wurden redvch verlustreich abgewiesen. ..
Die nationalspanische Lufiwane grin wieder. Barce- Iona an und belegte den Hafen und dre militärischen Bauten der Stadt mit Bomben. Es konnten starke Brande beobachtet werden. Ein rotes Jagdflugzeug wurde im Luit- tampr abgeschossen. .
Rach einer amtlichen Zahlung wurden bisher rm Verlaufe von 13 Tagen der Katalonren-Otfensive 23 884 Bolschewisten gefangen genommen. In dieser Zahl kommen nicht nur die starken Erfolge der nationalspanischen Truppen zum Ausdruck. sondern es zeigt sich immer mehr, wie stark die überall zurückflutenden Roten, die alle Ortschaften. hinter stch in Flammen aufgehen lassen, schon durch die Enolge der Franco- Truvven demoralisiert worden sind. , m ,
Der Frontberichterstatter des Deutschen Nachrichtenbüros besichtigte die eroberte Stadt B o r j a s B l a n c a.s. deren rote Verteidiger nach ihrer Flucht neue Stellungen in 1 Klm. Entfernung von der Stadtgrenze längs des Urgel-Kanals bezogen haben. Die nationalen Verbände drangen zunächst mit Panzerwagen durch die Hauptstraßen bis zum Zentrum vor. Rachdringende Truppen säuberten dann nach deftigem «tragen- kamps die Stadt von Franktireuren und zurückgebliebenen roten Milizen. Hierbei wurden innerhalb des Ortes über 500 Gefangene gemacht. Die Stadt bietet heute einen t r ost - losen Anblick. Richt ein einziger Bewohner ist.zurückgeblieben. da alle gezwungen wurden, mrt den Roten die Flucht zu ergreifen. Vermutlich halten sich zahlreiche Einwohner noch in den umliegenden Bergen versteckt, um den endgültigen
Opfer der 6000 Italiener erinnert, die in den Argvnnen und an anderen Schlachtorten unter eben dieser Fahne für Frankreich starben. _ Die Tunis- Italiener erneuerten im Anschluß daran ihr stolzes, unerschütterliches Bekenntnis zur italienischen Station, zum König und zum Duce. Das ist eine würdige Antwort der Tunis-Italiener auf die Ausschreitungen des Straßenpöbels. Die italienische Presse ihrerseits läßt seinen Zweifel daran, daß ganz Italien hjnter den Tunis-Italienern steht. Zugleich erklärt die italienische Presse, datz es einfach lächerlich sei. wenn auch jetzt wieder einige französische Blätter Zweifel an der Festigkeit der Achse zum Ausdruck brächten. Die „Iribuna“ sieht in solchen französischen Pressebetrachtunaen nur den Ausfluß der hochgradigen französischen Nervosität gegenüber einer unantastbaren politischen Einheit. Insgesamt wird man feststellen können, daß sich die Situation weiter verschärft hat. datz aber Italien die aufgeregten Schimpfkommentare der französischen Presse — wer schimpft hat immer Unrecht — und die Ausschreitungen des Straßenpöbels mit klaren, energischen und überzeugenden Worten beantwortet.
worden. So sei der politische Kommissar des Kiewer Militärbezirks Pollakow, und der Kommandant der Kiewer Garnison/ Kalinin, der aber mit dem Vorfitzenden des Obersten Rates der Sowjetunion nicht oermanbt sei, spurlos verschwunden. Der Versuch, ditz Unzufriedenheit in den Reihen der Sloten Armee, besonders im Fermn Osten, durch Massenverleihung von hohen Orden zu.de- sänstigen, sei offenbar mißlungen. ..Erpreß Poranny yety aus der erneuten Vereidigung die Schlußfolgerung, datz von einer Revolte in der Roten Armee gesprochen werden könne. Selbst Woroschilow müsse ine oppositionellen Stro- mutigen unterstützen, da die Erlasse nicht von ihm untee» zeichnet seien.
as. Berlin, 6. Jan. Der französische Ministerpräsident Daladier hat gestern nachmittag Tunis verlassen und sich nach Algier eingeschifft. 2n Pariser politischen Streifen ist man bemüht, die Reise Daladiers als eine Friedenskundgebung hinznstellen. IIfh das auch nach außen zum Ausdruck zu bringen, hat man sich eine demonstrative Geste ersonnen. 3n der tunesischen Hafenstadt S f a x wurde nämlich Daladier durch den Kaid ein O l i v e n z w e i g a u s m a > s i v e m Silber überreicht. Die französische Presie bezeichnet inejc Übergabe als eine Antwort auf die seinerzeit viel beachtete Überreichung des Schwertes des Islam an Mussolini in Libyen. Die Geste macht gewiß der französischen Organisation alle Ehre. Die Vorgänge in Tunis selbst und ine Kommentare der französischen fresse zur Tunisreise Daladiers lallen freilich diese Geste vollkommen verpuffen. Es zeigt sich vielmehr, daß sich die Kluft zwischen Italien und Frankreich noch weiter vertieft hat. Die sehr schweren Ausschreitungen des tunesischen Pöbels gegen die Italiener werden von der italienischen Presse mit Recht scharf kritisiert, zumal die sranzo,i,chen Behörden nicht gegen den Pöbel vorgingen so daß m Rom der Eindruck entstanden ist. datz dem antifaschistischen Mob von höherer Stelle Aktionsfreiheit gewährt wurde. Hatte man in Italien zunächst die seltsame Dolch-Geste Daladiers in Korsika mit Ironie abgetan und als eine kriegerische Demonstration in Zylinder und Schwalbenschwanz gekennzeichnet, so werden die letzten Vorgänge in Tunis doch in Rom sehr viel ernster genommen. „Alle", so schreibt „Resto del Carlino", „seien daran zu erinnern, daß sich seit dem 28. Oktober 1922 (dem Tage der faschistischen Machtergreifung) noch kein einziger Fall einer Beleidigung Italiens zugetragen hat, der nicht in der richtigen Zeit eine gebührende Antwort erbosten hätte. Die Brüder in Korsika und Tunis mögen willen, daß sich das Vaterland der großen Stunde bewußt sei, die Gott für die Erlösung aller «ohne Roms vorbereitet."
Trotzdem bemüht man sich in Rom, jolange der Chamberlainbesuch noch nicht stattgefunden hat, die Diskussion auf einer Ebene zu halten, die Verhandlung nut Poris nicht ausschließt. Die italienische Disziplin wird jedoch durch einen verfrühtenKarneval- scherz wie in Tunis, wo der Pöbel u. a. „Italien dem Regus" und „An die Wand mit Mussolini rief, auf eine harte Probe gestellt.
In Tunis selbst haben die Vertreter aller italienischen Verbände und Industrien einen feierlichen P r o t e st s ch r i 11 beim italienischen Generalkonsulat unternommen. 2n der würdigsten Form bekräftigen in einer Entschließung die Tunis-Italiener ihre unverletzlichen Rechte und geben ihren Abscheu über die Verbrennung einer italienischen Fahne bekannt, wobei selbst Frankreich an das
Abzug der Roten abzuwarten. Alle Banken der Stadt sind von bolschewistischen Räuberbanden ausgeraubt worden. In den Privatwohnungen haben die Roten alle Möbel ... schlagen. Am Spätnachmittag des Donnerstag eröffnete der Feind auf die Stadt ein Artilleriefeuer.
Die schweren Verluste vor allem bei den letzten Kämmen haben nach einer französischen Meldung die rot- svanischen Machthaber in Barcelona veranlaßt, nunmehr auch die Jahrgänge der 18- und der 37iährigen zu mobilisieren.
Selbsthilfe statt Wohlfahtt
Die Altersversorgung des Deutschen Handwerks.
Von Hans Scharr.
Der Ruf nach einer Altersversorgung des Handwerks, deren gesetzliche Verankerung mit dem 1. Januar wirksam geworden ist. war fast so alt wie die Sozialgesetzgebung in Deutschland überhaupt. Er wurde in den Jahren des wirtschaftlichen Tohuwabohus der Nachkriegszeit immer dringender, wurde darüber hinaus vielfach zum Zankapfel des politischen Parteienstreites. Eines ist gewiß: Die Forderung einer allgemeinen Altersversorgung der selbständigen Handwerksmeister hatte nichts gemein mit dem weitverbreiteten ..Versicherungsfimmel". den die Propagandisten eines die gefunden Energien lähmenden Wohlfahrtsstaates unseligen Angedenkens dem deutschen Volke Jahre hindurch einzuimpfen versuchten. Nimmt doch das Handwerk im Wirtschafts- und Sozialorganismus eine Sonderstellung mit eigenen Voraussetzungen und Bedingtheiten ein. eine Sonderstellung, die im wesentlichen bestimmt wird durch die Art der handwerklichen Produktion und ihren Absatz. Vor kurzem stand in einer bedeutenden Wirtschaftszeitschrift zu lesen, man könne die widerspruchsvoll anmutende Behauptung wagen, daß bestes Handwerkertum und unternehmerischer Erfolg sich bis zu einem gewissen Grade gegensätzlich zueinander verhielten Da? ist zwar reichlich übertrieben, beleuchtet aber schlaglichtartig den Kern des Sozialproblems im Deutschen Handwerk. Vieles, sehr vieles sogar ist in den letzten Jahren getan worden, um die Kluft zwischen dem fachlich-handwerklichen und dem kam- männischen Element im Berufe des Handwerkers zu überbrücken. Handwerksrolle, eine beschrankte. Buchführungsoilicht, Schulung u. a. in. Haden hier eine erfreuliche Reform an- gestrebt. Die Problematik indesien bleibt, die Problematik, die eben in der ganzen Ausbildung und Geisteshaltung der älteren Handwerker ihre Wurzeln hat.
Aus solcher Schau erwuchsen bei der Erörterung einer Altersversorgung des Handwerks eine sanze Reihe schwerwiegender Fragen. Sollte eine genoß enschaitliche oder eine Breitere Basis gelegt werden, erschien eine Zwangsversiche- rung angängig, mußte eine gewiße Wahlfreiheit zwischen oer schiedenen Beisicherungsarten vorgesehen roerben, roaren au® ältere Handwerker (etwa über 60 Jahre) — und ihre Zahl ist wahrhaftig nicht gering —- in die Versorgung wit. emzu- bezieben? Fragen, die in den Parlamenten. und Ausschüßen der Systemzeit in heftigen Redeschlachten viel Staub aufwirbelten und die ihrer Statur nach in dem varlamentarnch- demokratischen Sßuit widerstreitender Interessen unmöglich unter einen Hut gebracht werden konnten. Zumal die Voraussetzung zu ihrer Lösung der nicht nur organisatorische, sondern auch im Prinzip völlige Neuaufbau des Handwerks, war. Zudem hatten sich die Vorschläge tn den letzten wahren dahin verdichtet, daß die Altersversorgung des Handwerks in eine schon bestehende Versicherungssäule eingebaut werden sollte Das konnte aber nur dann geschehen, wenn die gesetzliche Alters- und Jnvaliditätsversicherung auf neuer Grundlage gefestigt war. So erscheint es keineswegs als Zufall, daß genau ein Jahr nach Verkündung des Gesetzes über den Ausbau der Rentenversicherung vom 21. Dezember 1937 oie Altersversorgung für das Deutsche Handwerk Wirklichkeit geworden ist.
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Kennzeichnend für dieses Versorgungsgesetz. das als eines der bedeutendsten Sozialwerke r.n öte Geschichte des Handwerks eingehen wird, ist die Verbindung zwischen dem Grundsatz, der Eigenhilfe und genossenschaftlicher Gemeinhilfe Der Eigenhilfe, die überall dort zur vollen Auswirkung gelangt, wo die Wlrtschaftskrast des einzelnen hinreicht: der.genossenschaftlichen Gemeinhilfe, die in erster Linie bei den alteren Handwerkern, jur die eine Altersversorgung nach verftcherungstechmschen Grundsätzen nicht mehr in Frage kommt, eingrent Beherrschend indessen ist das Prinzip eigener Vorsorge.für den Lebensabend. Wollte man eine generelle Losung erzielen, so war nur der Weg der Z w a n g s v er s ich e r u n g, wie he ja auch bei den Arbeitnehmern besteht, möglich. Zwangsversicherung, deren Höhe sich einmal na® dem leweiligen Ein- kommenfieuerbescheid richtet, aum anderen ^ßa b I r r e i h e 11 zwischen Renten- (Angestelltenversicherung) und Kavitalver- ficherung gestattet. Dabei mürbe aus wohlerwogenen Gründen die versicherungssreie 7200-RM.-Grenze. auigehoben. Ist doch das Einkommen oes Handwerkers zumeist sehr, variabel, sodaß ein vielleicht zufälliges Jahreseinkommen über 7200 RM. keinerlei finanzielle Zukunftsversvektiven ermöglicht.
Auf die tatsächlichen Verhältnisse vieler Handwerksmeister wurde insoferii weitestgehend^Rückstcht genommen, als alte längst erloschene Rechte aus Invaliden- oder Angestelltenoer- sicherung durch Nachtragszahlungen .wieder aufge- irifcht werden können. Sofern die.früheren Belkragszahlungen nicht vor dem 1. Januar 1924 liegen, ist diese Nachzahlung bis zum 31. Dezember 1941 möglich. Zehntausende selbständiger Handwerker, die ehemals alsLebrlinge oder Gesellen geklebt haben, werden von dieser Möglichkeit E^rauch machen und sich dadurch ihre Anwartschaft wesentlich verbessern. Schließlich sieht, worauf wir schon hmdeuteten. das Gesetz vor, daß der Deutsche Handwerks- und Gewerbetammertag zur Sprung der Altersversorgung eine :a6rlt(6e Umlage erj . deren Hohe die Durchführungsverordnung bestimmt. Auch ist eine Sonderregelung, für die Mitglieder solcher handwerklichen Versorgungseinrichtungen in Aussicht genommen.
