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Nr. 1.
Montag, 2. Januar 1939.
87. Jahrgang.
Alte Probleme im neuen Jahr
Lösunq durch den Endsieg Francos in Frage kommen kör.chendest a m l i ch die JBoIittf. Deut sch land nrede r z u-
Eine andere Stellungnahme Italiens konnte niemand et:
Presse vermeidet es -^anz allgemein, auf solche
deutschen Frage feststellt, da« bei ihrer Lösung etwas ganz bestimmtes vernichtet worden sei., etwas schlechtes:
die an die Gespräche italienische Kombina
tionen irgendwie einzugehen. Sie lägt aber erkennen, daß man in Italien die Entwicklung sehr aufmerksam verfolgt. Wenn man sich freilich in Frankreich und auch in gewissen englischen Kreisen der Hoffnung hingeben sollte, man könnte Italien für den Gedanken eines Waffen st ill st andes in Spanien gewinnen und auf diese Weise zu einer Zweiteilung Spaniens gelangen, so weist man in maggeben- den römischen Kreisen solche Spekulationen nachdrücklich zurück. Man denkt in Rom gar nicht daran, auf diese
Stunde der Selbstbesinnung.
Kz. Der Jahreswechsel veranlaßt die Politiker und Journalisten sämtlicher Länder, eine Bilanz zu ziehen und aus ihr Folgerungen für das neue Jahr abzuleiten. Nicht alle Staaten befinden sich, wie wir, in der glücklichen Lage, 1938 als ein gesegnetes und erfolgreiches Jahr zu bezeichnen. Chamberlain nannte es in einer Neujahrsansprache ein „unangenehmes Jahr" und ein englischer Publizist verschärft diesen Ausdruck noch und bezeichnet es als das „unangenehmste" seit dem Kriegsende. Immerhin rechnete er ihm als Erfolg zugute, daß ein Krieg vermieden werden konnte. Die Einsicht in eine Wahrheit mag unangenehm sein. Sie schafft aber doch Voraussetzungen für eine glücklichere Weiterentwicklung. Das mutz auch der Korresvondent des ..Observer" zugeben, der bei der rückblickenden Besprechung der österreichischen und sudeten-
Weisc an der Rettung der spanischen Bolschewisten mitzuwirken, sondern betont vielmehr, datz nur eine „integrale Lösung" der spanischen Frage, d. h. nur eine
Wie „Sunday Dispatch" in großer Aufmachung meldet, soll England in Kürze seinen Handelsvertrag mit Sowjetrußland kündigen, der dann mit sechsmonatiger Frist zu Ende gehe. Sowjetrußland habe den Vertrag zwar dem Buchstaben nach, aber nicht seinem Geiste nach gehalten. Die sowjetrussische Ausfuhr nach England sei dabei dauernd gestiegen, während die englischen Ausfuhren nach Sowjetrußland ständig niedergehalten seien. Während der sechsmonatigen Kündigungsfrist werde versucht werden, einen neuen Handelsvertrag abzuschließen.
Paris, 2. Jan. (Funkmeldung.) Kurz vor 21 llhr Pariser Zeit hat gestern die Kammer, nach einer schier end? losen Debatte, in der die Marxisten alles versuchten, Daladier zu Fall zu bringen, die vierte Lesung des Haushalts beendet, nachdem die Regierung gegen einen Antrag eines kommunistischen Abgeordneten wieder einmal hatte die Vertrauensfrage stellen müffen, die ihr 3 4 »gegen 246 Stimmen einbrachte.
Die Haushaltsvovlage ist nunmehr zur vierten Lesung an den Senat zurückgegangen, der um 22 Uhr zu- sammcntreten sollte. Der Senat fand sich jedoch zur vierten Lesung des Haushalts erst nach Mitternacht zusammen und nahm nach dem Bericht des Senators Abel Gardeys ohne Abänderung den von der Kammer verabschiedeten Text nt i t 281 gegen 16 Stimmen an.
Kurz vor 1 llhr nachts konnte der stellvertretende Ministerpräsident Ehautemps das Schlußdekret int Senat verlesen.
Kammer konnte dann ebenfalls zu ihrer Schlußsitzung zusammentreten, wo Finanzminister Paul R e y n a u d das Schlußdekret zur Kenntnis brachte und die zweite außerordentliche Sitzung des Parlaments des Jahres 1938 damit in der Nacht nach Neujahr ihren Abschluß fand.
as. Berlin, 2. Jan. In den Neujahrsbetrachtungen der internationalen Preffe ist vielfach darauf verwiesen worden, daß in der großen Politik drei Probleme von ganz besonderer Bedeutung in das neue Jahr übernommen wurden, nämlich der Konflikt im Fernen Osten, der französisch-italienische Gegensatz und schließlich die Sp an i c n f r a g e. Was zunächst den Konflikt im Fernen Osten anlangt, so ist im Augenblick die Lage wirklich recht undurchsichtig. Niemand vermag zu sagen, was sich von all den Kombinationen halten läßt, die sich an die Reise des früheren chinesischen Ministerpräsidenten Wang nach Honkong knüpfen und die diese Reise zum Teil als Flucht vor Tschiangkaischek, zum Teil als Friedensvermittlung kennzeichnet. Wohl hat sich in der Tat Wang für den Frieden mit Japan ausgesprochen. Wenn er dabei aber als Voraussetzung die Räumung Chinas von japanischen Truppen bezeichnet, so weiß jedermann, daß die Japaner auf eine solche Bedingung nicht eingehen können und werden. Es sieht also im Augenblick kaum so ans, als ob das Hernostproblem schon vor seiner Lösung steht, zumal die Meinungsverschiedenheiten in dieser Frage zwischen Großbritannien und Amerika aus der etneft-unö Japan auf der anderen Seite ebenfalls unverändert anhatten.
Was die Europa näher liegenden Probleme der großen Politik anlangt, so werden zur bevorstehenden R o m r e i (e Chamberlains naturgemäß mancherlei Vermutungen laut. Die amtlichen französischen Stellen haben deshalb unmittelbar bevor Ministerpräsident Daladier gestern seine Korsika- und Tunisreise antrat, es für erforderlich gehalten, nochmals festzushr-Leu,-daß eine englische Vermittlung "zw't'fchen Italien und Frankreich nicht in Frage kommt. Die französische Regierung wünscht vielmehr die jetzt aufgeworfenen Probleme wie Französisch-Somalilattd, das Tunis-Statut. Verwaltung des Suezkanals ufw. allein mit Italien zu regeln, da es sich hier nicht um internationale Fragen handelt, die einer Vermittlung oder einer Konferenz bedürfen.
Damit scheidet ein Teil der Kombinationen, aill 4Lx^ie[es Monats beginnenden römischen ChamberlarnZ anknüpfen, bereits aus. Die
Die Verabschiedung des französischen Etats
Vertrauen für Daladier: 345 zu 246 Stimmen in der Kammer, 281 zu 16 im Senat.
zöfischen Regierung in den Augen der anderen Nationen herabzusetzen.
Verspätete Abreise nach Korsika.
Ministerpräsident Daladier hat die endgültige Verabschiedung des Haushalts nicht mehr abgewartet und ist am Sonntag gegen 12 Uhr (10 Uhr war vorgesehen gewesen) nach Marseille bzw. Toulon abgereist. Er begnügte sich mit der Tatsache, daß die Kammer in ihrer Mehrheit ihm das Vertrauen ausgesprochen hatte.
..alten. Diest Politik hätte, so schreibt das englische Blatt weiter, früher oder später zu einem europäischen Kriege führen müssen. Eine Erkenntnis, die, wie wir glauben möchten, das ..Unangenehme" bei weitem aufwiegt. Gibt sie doch den Weg frei für eine vernünftige Zusammenarbeit. Sic schiebt die Gefahr eines Krieges, wie die meisten englischen Blätter betonen, tn eine weitere Ferne, als es zu Beginn des vergangenen Jahres möglich erschien. „Bisher habe Deutschland", so heißt es im ..Observer". ..nicht den Wunsch gezeigt, über irgend ein anderes Volk außer sich selbst zu herrschen, und der beste Grund daß es diesen Wunsch auch niemals haben werde, liege in der nationalsozialistischen Rassentüeorie. Zwischen der Politik des Nationalsozialismus und den Hoffnungen auf europäische Befriedung, die der Führer in seiner Neuiahrsbot- schaft zum Ausdruck bringe brauche also keinerlei Mißverhältnis zu bestehen". Wir wollen hoffen, daß sich diese Umfassung, in schäft zum Ausdruck bringe, brauche also keinerlei Mitzverhalt- Atmoiohäre vergiftenden Hetze beiträgt. ~
Das Europa von 1918 ist, so schreibt Claude Seantet in der Pariser „Liberte" endgültig zusammengebrochen. Er kommt also bei seinen Überlegungen zu dem selben Resultat, wie fein englischer Kollege. Als Grund für den Zusammenbruch bezeichnet er das Erstarken Deutschlands. (?.* siebt sich gezwungen, offen die llnlogik in der Haltung -de r
warten und sie kann mithin auch für die Franzosen keine Überraschung bedeuten. Franco selbst bleibt weiterhin bemüht, seine Position vor den römischen Gesprächen nach Möglichkeit zu stärken. Das geht auch aus dem neuesten nationalspanischen Heeresbericht hervor, nach dem Franco nui^nehr auch an der Valenciafront zu Offensiv- Vo^stößcn übergegangen ist. Weitergehende Schlüffe wird man hieraus allerdings nicht ziehen dürsen. Die weitere Entwicklung der militärischen Aktionen muß abgewartet werden. Das gilt allerdings ebenso auch für die Kämpfe an der Barcelona-Front.
Abschluß der Flotten-Besprechunqen
Die britischen Vertreter nach London zurückgekehrt.
Berlin, 1. Jan. Hi« am 29. Dezember in Berlin einge= tröffe neu Verlierer iiej bri' i sch en Admiralität haben Sie vorgesehenen Bespre:f.h>rgen über Fragen vor deutsch-englischen Flottenabkommen oom 18. Juni 1935 und 17. Juli 1937 mit Vertretern der deutschen Marine a-b g e h a l t e n. Die Aussprache sand in einem sehr freund schaftlichen Gei sie statt. Die Vertreter der zwei Regierungen legten die gegenseitigen Erfahrungen über die in Rede stehenden Punkte dar. Eine abschließende Mitteilung der deutschen Regievung wird der britischen Regierung auf schriftlichem Wege zugeleitet werden.
Die britischen Vertreter sind heute nach London zuriick- ge reift.
französischen Presse in den vergangenen Jabren aufzudecken. Immer wieder habe man behauptet, der Nationalsozialismus stoße im deutschen Volk auf die stärkste Opposition. Immer wieder habe man fein baldiges Ende prophezeit. Wie hätte aber ein innerlich zerrissenes Reich, eine so starke und erfolgreiche Politik führen können? Wenn man diesem Unsinn entgegengetreten sei und den Versuch gemacht habe, die Macht des Nationalsozialismus objektiv darzu- ftellen. leine Organisation, seine Zielbewußtheit und Jeine Mittel zu schildern, bann sei man als Hitlerianer verschrien worden. Es sei höchste Zeit, die aus ideologischen und weitaus (baulichen Erwägungen geborene Polemik auf außenpolitischem Gebiet aus- z u s ch a l t e n. Damit bricht ein Märchen, dem Bolschewismus und Judentum immer wieder neues Leben einzubauchen versuchten, zusammen. Neben der Erkenntnis über die Notwendigkeit der deutschen Gleichberechtigung, sollte auch die von der inneren Stärke des im Nationalsozialismus geeinten Reiches ein Faktor sein, dem in der Außenpolitik Frankreichs eine entscheidende Bedeutung zukommt.
Es gibt heute schon zahlreiche Franzosen, die gewillt sind, aus den Tatsachen, die das Jahr 1938 schuf, die Konsequenzen zu ziehen. Die Stimmen, die eine Annulie - rung des sowjetrussischen Paktes verlangen, mehren sich. Die Silvesternummer der „Revue de Paris" bringt einen mit drei Sternen gekennzeichneten Artikel zur europäischen Lage, der zweifellos aus der Feder eines französischen Militärs stammt. Der Verfaffer kommt zu dem Urteil. daß der Sowjetvertrag in militärischer Hinsicht eine schwere Gefahr für Frankreich bilde, da er dem tranzonschen Volk Verpflichtungen auferlege, obne ihm Gegenleistungen zu bieten. Der Pakt, der bis zum 2. Mai 1940 Gültigkeit bat. müsse im Frübiabr dieses Jahres unter allen Umständen gekündigt werden. Eine Auffassung, deren Realinerung einen schwerwiegenden Beitrag zur Befriedung Europas darstellen würde. Gerade bei den gestern vormittag abgeschloffenen Etatberatungen in der französischen Kammer bat sich wieder einmal die destruktive Haltung des Bolschewismus und des mit ihm verschwisterten Marxismus gezeigt. Frankreich hat das Bündnis mit Sonnetrujyanb nicht nur mit einer Gefährdung feiner äußeren Sicherheit, sondern auch mit einer tiefgreifenden Zersetzung .der inneren Verhältnisse bezahlen muffen. Durch die Einführung der Sowjets in die europäische
Drei Brennpunkte der Politik
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Sieg über die marxistischen „Verschwörer".
Die Pariser Frühpresse vom Montag, insbesondere die Blätter der Rechten, sparen nicht mit scharfen Worten an die Adresse der Zweiten und Dritten Internationale. So schreibt u. a. das ..Journal", dieses Jahr habe in der Kammer eine regelrechte Verschwörung der Sozialdemokraten und Kommunisten gegen eine Regierung gebracht, die die Fehler ihrer Vorgänger'wieder gutzumachen suche und das Land daran hindern wolle, von Tag zu Tag tiefer .n den Sumpf des Niederganges ab gleiten zu lassen. Ministerpräsident Daladier habe über diese Verschwörer einen neuen Sieg davongetragen. Fünfmal habe sich die sozialbemokrattfch-kommunistische Demagogie beugen müssen, fünfmal habe eine massive Mehrheit den schlechten Hirten des französischen Voltes gezeigt, daß die Zeiten vorüber sind, wo sie eine Rolle spielten. Die Angriffe der Zwetten und Dritten Internationale seien um so ne'r. lammens werter gewesen, als sie zum Ziel 1 stteli, ine Abreise des Regierungschefs zu verzögern und auf diese Weise im Ausland den Eindruck zu erwecken, daß das Kabinett nur kurzen Bestand und ungenügende Autorität habe. Hier zeige sich erneut die paradoxe Haltung oiastr Kreist, die auf der einen Seite das Land in eine kriegerische und abenteuerliche Außenpolitik stürzen wollten und sich gleichzeitig bemühten, das Ansehen der fron-
Die Kraft der Franco-Offensive ungebrochen.
Die nationalivanischen Truppen dringen weiter siegreich vor. — 12 884 Gefangene. — 639 rote Flugzeuge abgeschossen.
Bilbao, 2. Jan. (Funkmeldung.) Auch am ersten Tage des neuen Jahres wurde die Offensive in Katalonien fortgesetzt. Obwohl der linke Flügel der nationalspanischen Armee infolge der ungünstigen Witterung nicht zur vollen Entfaltung kommen konnte, betrug gegen Abend die Vormarschtiefe vier Kilometer. Der rechte Flügel, gebildet von den Navarra-Brigaden, unter General S o l ch a g a, in der Provinz Tarragona, konnte bei günstigerem Wetter den Vormarsch in Richtung der Straße Tarragona—Eandia kräftig vorantreiben. Die national- spanischen Truppen, die gestern Palma erobetten, stießen südlich vor, während von Asco aus weitere Truppen den Ebro überquerten, die feindliche Front durchbrachen und den Ort V i n e b r o eroberten.
Das gesamte linke Ebroufer bis Asco befindet sich nunmehr in nationalfpanifchem Besitz. Das linke Ufer des Flusses ist lediglich auf der Strecke Asco—Tarragona noch in den Händen der Roten.
Gegend Abend befanden sich die nalionalipanijchen Truppen noch 14 Kilometer östlich von Falfet entfernt.
Durch diese Operation ist das rote Dreieck Mora del Ebro— Torkosa—Hospitalet in eine kritische Lage geraten und in die Gefahr gekommen, abgeschnitten zu werden. Eine Kolonne des Generals Solchaga besetzte den Ort Marga- l e f an den Hängen des Mont-Sant-Eebirges, das sich noch in den Händen der Bolschewisten befindet.
Ander Front von Madrid konnten, wie aus dem . Heeresbericht oom conntag hervorgeht, im Abschnitt von La Maranos die nationalen Stellungen vorverlegt werden.
Eine besondere Bedeutung hat auch der Angriff der nationalen.-truppen an der Valencia-Front, wo ebenfalls die lerndlichen Limen durchbrochen werden konnten, ll a wurde die Burg Voll de llxo erobert, die etwa 20 Kilometer norbhÄ non Sagunt liegt. Auch bei diesen Kämpfen wurden zahlreiche Eeiangene gemacht.
mur°e,n1 j" der letzten Offensive von den nationalen Truppen 12 884 Gefangene gemacht und 27 Dorier von der roten yerrschaft befreit.
Nach einer amtlichen Mitteilung des nationalsvanischen Oberkommandos der Lmtwaffe wurden im Jahre 1938 639 tctnöltdK dheger absercho-len und weitere 185 Nugzeuge rnabr» uyemnty aus der Lutt heruntergetzolt.
