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Samstag Sonntag, 24-/25. Dezember 1938.

Wiesbadener Tagblatt

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Viele von ihren Fahrern verlassene Autos warten dort einen Witterungsumschwung ab. Infolge der schlechten Ver- kehrsoerhältnisse stocken die Lieferungen von Kohle, Milch und Gemüse nach der Sauvtstadt, so baß Preissteigerungen befürchtet werden.

Starke Schneefälle in Norditalien und Jugoslawien. Autobus abgerutscht. Drei Tote.

Mailand, 24. Dez. (Funkmeldung.) Die reichlichen Schneefälle der letzten Tage haben sich in Oberitalien in der vergangenen Nacht weiter fortgesetzt. Der meiste Schnee ist in den östlichen Teilen der norditalienrschen^ Trefebene, vor allem in Venetien, gefallen, aber die Schneefalle gingen so­gar bis in die Gegend von Florenz. An einigen Stellen des Apennin erreicht die Schneehöhe mehr als 1 m. Die

Straße von Piacenza nach Genua ist vollkommen für den Verkehr unterbrochen. . ,,

In der Nähe von Cessna ereignete sich ein schwerer Unfall. Ein Autobus stürzte infolge des glatten Schnees über einen etwa 15 m hohen Abhang, vier.be! verloren drei Personen ihr Leben, während fünf schwer verletzt wurden, davon einige lebensgefährlich. .

Belgrad, 24. Dez. (Funkmeldung.) Aus den westlichen Teilen Jugoslawiens werden neue starke Schneefalle ge­meldet. die den Eisenbahnverkehr empfindlich hemmen. An der dalmatinischen Küste tobt seit zwei Tagen ern schwerer Stur in. Der gesamte Küstenverkebr mutzte eingestellt werden. Die meisten Adria-Inseln sind ohne Ver­bindung mit dem Festland. Verschiedene Küstenboote wörden mit ihren Besatzungen vermißt.

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Venedig in Eis und Schnee.

Auch Venedig hat den plötzlichen Kälteeinbruch zu spüren bekommen. Im Schnee biete die LaEen^dt eine» ungewöhnlichen Anblick. (Wel.bild-Wagenborg-M.)

Ehrung für den Arzt und für den Blutspender des Ge- sandtschastsrates vom Rath. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Herzog von Loburg hat mit Zustimmung des Führers und Reichskanzlers dem Vertrauensarzt der Deut­schen Botschaft in Paris Dr. Albert C la atz, der dem ermor­deten Gesandtschaftsrat vom Rath die erst« ärztliche Hilfe ge­leistet hat, das Verdienstkreuz des Ehrenzeichens des Deutschen Roten Kreuzes und dem französischen Staatsangehörigen Armand Thomas, der innerhalb anderthalb Tagen drei­mal sich als Blutspender für den Gesandtschaftsrat vom Rath zur Verfügung gestellt hat, das Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes 2. Klasse verliehen.

Zugunfall im Sudetenlaud. Auf der Strecke Marien- badKarlsbad stietz zwischen den Bahnhöfen Wilkonntz und Marienbad ein Personenzug mit einer aus Marienbad kommen­

Sfarke Frostverschärfung in U)Ostdeutschland.

Rheinschiffabrt wegen Treibeis eingestellt.

Essen, 23. Dezi (Funkmeldung.) Im Ruhrgebiet ist in her Nackt zum Freitag wieder eine erhebliche Verschärfung der Kalte eingetreten, wobei der wolkenlose Himmel die nächtliche Ausstrahlung begünstigte. So wurden dem Reicks- setterdienst in Essen aus Dortmund als tiefste Temperatur des Bezirks minus 21 Grad gemeldet.

r Infolge des weiter anhaltenden Frostes, der sich in der ergangenen Nackt nock erheblick versckärft hat. kann der geringe Rückgang des Treibeises auf dem Rhein nickt von weiterer Dauer fein. Am Donnerstagabend wurde daher offiziell von der Rheinstrombauoerwaltung die Rbeinsckiff- sahrt als eingestellt verfügt. Das Saumeis auf der für einen Eisstand sehr gefährlichen Eebirgsstrecke des Rheines ,wi!cken St. Goarshausen und Oberwesel hat ssch von etwa 50 Meter aus 65 Meter zur Mitte des Stromes hin oer- Heitert. An der Rheinkrümmung oberhalb der Lorelei ist äack wie vor ein Eisbrecher tätig, um eine Eisstauung zu ^meiden und das Treibeis in Fluß zu halten. Auch wird s in den Rhein ragende Saumeis hier von dem Eisbrecher ick und nach abgestotzen. Vorläufig ist die Gefahr eines «ftandes auf dem Rhein nicht gegeben.

Auf der Mosel hat ssch der an verschiedenen Stellen be- kts am Donnerstag gezeigte Eisstand weiter verstärkt.

Züge blieben stecken.

Kopenhagen. 24. Dezember. Durch neue Schneestürme» ,d in allen Teilen Dänemarks weitere ernste Störungen tstanden. Ein Teil der Privatbahnen bat den Betrieb ein« lien tnüfidn. Der Fahrplan der Staatsbahnen ist durch hneeverwebungen auf vielen Strecken in völlige Verwir- ng gekommen. Das gilt auch für die amtlichen Fähren vom roväischen Festlande und aus Skandinavien. 100 Fahrgäste 5 Schnellzuges, der aus Struer am Limfjord über Esbjer ch Kopenhagen fährt, mußten die Nacht zum Freitag über ihren Abteilen bleiben, weil die Lokomotive int Schnee ' zefahren war. Das gleiche Schicksal erlitten 26 Insassen >s Autobusses, der mit 5 anderen Kraftwagen in den neeweben aus einer Landstraße in Seeland stecken ge­ben war.

Schweres Autobusunglück in England.

London, 24. Dez. Ein schweres Verkehrsunglück ereignete am Freitagabend in N e w F e r r y in der Nähe von kenhead (Eheshlre). Ein Omnibus, der mit Leuten voll­st war, die von ihren Weihnacktseinkäufen heim- sten, kam auf der vereisten Straße ins Gleiten, stieß da­mit einem Lastkraftwagen und einem Pferdefuhrwerk zu- men und stürzte um. Ein dem ersten folgender zweiter nibus konnte nickt mehr recktzeitig bremsen und rannte den umgestürzten Wagen, als herbeieilende Anwohner Unglücksstelle ssch bereits anschickten, die Fahrgäste des mgluckten Omnibusses. zu retten. Soweit bis jetzt- be­ll ist. wurden dabei eine Person getötet und schwerverletzt.

Wenn auch bis jetzt keine weiteren durch das auch in |onb herrschende winterliche Wetter verursachten Ver- mnfälle bekannt find, hat doch der für den Süden Eng- s und insbesondere für London ungewöhnliche Kälteein- > und Schneefall mancherlei Störungen im Stratzen- Eisenbahnverkebr mit sich gebracht. Zahlreiche Züge n mit großen Verspätungen in London ein. und wenn noch keine genauen Angaben darüber vorliegen, schätzt den bien englischen Eisenbahngesellschaften unb bei »oitet Verkehrsyesellschaft bis jetzt burch Frost unb .eewetter zugefügten Schaben auf mehr als % Mil- n Pfunb. Eine Reihe Hauptverkehrsstraßen im süblichen jlattb ist von Schneemassen blockiert unb unbefahrbar.

Weihnachten unterm Kreuz des Südens.

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Traum auf einer Kaffeehausterrasse.

r»n unserem Südamerikakorresponbenten.)

-S. Buenos Aires, Weihnachten 1938.

Es fängt wieder an, unerträglich warm zu werden, s ist das sicherste Zeichen dafür, daß Weihnachten vor der ir steht. Ja. das ist eine verkehrte Welt, auf diesem Erd- il ist alles anders alsdrüben", im Juli ist es kalt, um eihnachten ist es warm. Der Johannistag ist der kürzeste, r 21. Dezember aber, in meiner Heimat nur als derfaule iomas" bekannt (so nennt man die Spätaufsteher, weil es diesem Tage so spät hell und so frühe wieder dunkel rb) der längste Tag bes fiibamerikanischen Jahres. Um ittag steht bie Sonne int Narben, nach Silben kommt sie \ nach Norden gehen heißt: in die Hitze gehen, nach Süden ndern aber hetßt: der Kälte zu. _

Heute morgen verkündete der Sprecher int Rundmnk. ! wir gestern den bisher heißesten Tag der warmen hreszeit hatten, 35 Grad int Schatten und sehr feuchte ie dazu (man hat es bemerkt). Im nördlicher gelegenen rdoba zählte man sogar 45. in Catamarca, noch weiter cdlich, 47 Grad im Schatten. Wenn es hierzulande so warm . beginnt man festzustellen, daß esdieses Jahr aber schön sei". Die ersten Hitzeunfälle waren zu verzeichnen, ein olizist, der an einer schattenlosen Straßenecke Dienst hatte, utbe ohnmächtig, desgleichen ein Fußgänger. Aber zum -liick waren es leichte Fälle, kaltes Wasser brachte sie so­gleich wieder zur Vefinnung ... Es wird warm, das Weih- »aKtsfest rückt heran ...

£ Man mutz einmal mittags, um dte Zett des Eeichaits- Imusses. oder um zwei Ubr. ehe die Geschäfte wieder öffnen, »urch bie schmalen, schattenlosen Straßen berCity" gehen, Sanz nahe schleicht man bann an ben Häuserreihen entlang, um wenigstens einen halben Meter Schatten zu erwischen, dann weiß man was sübarnerikanische Hitze um Weihnockllen L Hitze, die lt. Rundfunk 85 Prozent Feuchtigkeit enthält. Dabei sagst du. armer Europäer, leise vor dich hin: Dezem­ber. Ädventszeit, Frostnächte und Weihnachten und denkst sehnsuchtsvoll an Eis und Schnee. Ach. Eis gibt es gegen­wärtig nur in Eisschränken, und in Verbindung mit Lock- Ms und Limonaden, deren Konsum in diesen Tagen ganz beträchtlich steigt. Die Cafes find überfüllt, zu allen. Stunden *s Tages: wer in der Stadt zu tun bat, nutzt rede freie «albe Stunde aus, um sich unter das schützende Markisendack eines Cafes zu retten und fick an einem Eisgetränk zu er­fischen.

Der Kellner hat die eisgekühlte Orangeade vor mick hin- Mellt. ich trinke und schaue eine Weile verloren in das «ewühl ringsum. Zeitungsjungen schreien die letzten Nach- fchten aus. europäische, oftafiatische und südamerikanische Nachrichten Losverkäufer kommen an meinen Tisch und

wollen mir Lose aus den verschiedenen Provinzen dieses ewig Lotterie oder sonst etwas spielenden Landes ver­kaufen. ein Schuhputzer hat sich meiner Füße bemächtigt, und da es zu warm ist und ich deshalb zu müde bin, ihm nein zu sagen, putzt er ununterbrochen meine Stiefel, daß sie glänzen wie nie zuvor. Ist es die Hitze, die so müde macht, oder der ewige Lärm dieser Avenida, oder der in . der Warme doppelt unangenehme Gestank, den die Auspuffrohre zahl­loser Autobusse und Automobile beim Vorbeifahren zurück- lassen? Ich bin in der Tat müde...

O, wie herrlich wäre es jetzt, Tannendutt einzuatmen, über einen Weihnachtsmarkt zu gehen, zwischen verschneiten Tannen und Tännlein sich einen Baum auszusuchen und ihn nach Hause zu tragen. Freilich, einen Weihnachtsmarkt wird man vergeblich suchen, wie sollten es Tannen- und Fichten­bäume bei dieser Hjtze auf offenem Markt lange aushalten? Man ist zufrieden, für teures Geld ein winziges Bäumchen in einem Blumentopf zu laufen, mit schwarzer Erde, die man gut begießen muß. damit das arme Bäumchen nicht doch noch bis zum <zest eintrocknet.

Aber rieche ich da nicht wirklich Tannenduft? Er kommt von dem Adventskranz her, der wahr und wahrhaftig auf meinem Tisch liegt: es ist ein Tisck, der mir seltsam be­kannt vorkommt, der Tisch in meinem Zimmer, das ich vor langer Zeit einmal bewohnt habe. Ja. in diesem Zimmer bin ich jetzt. Auch den Honiggeruch der Wachskerzen rieche ich, sie Brennen schon eine Weile. Ich stehe auf und trete an die Glastür, bie zum Balkon hinausführt. Das ist unser alter, lieber Garten, zwei riesig Hobe Fichten stehen neben bem Tor. sonst aber sinb alle Bäume bes Gartens kahl, es ist ja Winter. Und die Luft ist schwer, sic sieht nach Schnee aus. dicke Wolken hängen an einem grauen Himmel, bald wird es schneien, leise, ganz leise geben die Flocken nieder, sie hüllen die Welt in ein weiches, weißes Tuch. Jemand tritt ins Zimmer. Ich drehe mich nicht um. sehe immerfort in diesen Garten hinaus, den ich so lange, lange nicht ge­sehen habe, auf das winterlich dürre Gras und die beiden hohen ernsten Frchtenbäume. Aber dann höre ich das Rascheln von Paketen. Papier wird knisternd auseinander­gebreitet, der Duft von Lebkuchen erfüllt das Zimmer. Und nun rollt richtig ein großer, runder Lebkuchen hin vor meine Füße, schwer fällt er auf meinen Sckuh . . .

Ich starre auf meine Schuhe, sie glänzen, frisch geputzt wie nie zuvor, aber es ist kein Lebkuchen, ber schwer barauf niedergelassen ist. sondern die Bürste des Schuhputzers, der mir, gewohnheitsgemäß, mit seinem Handwerkzeug das Zeichen gegeben bat, daß feine Arbeit beendet sei. Ver­schwunden find Adventskranz, das Zimmer und die Glastür zum Balkon, verschwunden der liebe, alte Garten und die beiden hohen Fichten am Tor, nur noch das Kaffeehaus ist da, die eisgekühlte Limonade und der Stiefelputzer, der auf seine zwanzig Centavos wartet. Ja, richtig, ich muß ihn be­zahlen, und dann darf ich nicht vergessen, warum ick über­haupt zu dieser heißen Stunde in die Stadl gefahren bin, morgen ist ja Weihnachten, und ich wollte Weibnachts­einkäufe machen ...

den Hilsslokomotive zusammen. Dabei wurden ein Zug­schaffner unb sechs Reisende verletzt. Em Wagen des Per­sonenzuges entgleiste.

Folgenschwerer Zusammenstob zwischen Autobus und Eisenbahn. Wie die Reichsbahnbirektion Hannover nitteiit, durchbrach am Donnerstagnachmittag bei dem Bahnhof Thiede an der Strecke BerneburgBraunschweig ein Auto­bus die für einen im gleichen Augenblick vorbeifahrenden Personenzug geschlossene Schranke. Der Kraftwagen wurde durch ben Zug zur Seite geschleudert und beschädigt. Von den Insassen des Autobusses sind dreiPersonen getötet, vier schwer und 15 leicht verletzt worden. Die Verletzten wurden Braunschweiger Krankenhäusern zugeführt.

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Sckeuende Pferde verursachen Omnibusunglück. Am Donnerstag gegen Mittag streifte auf der Reichsstraße Nürn­bergErlangen etwa 300 Meter außerhalb Buch ein Per­sonenkraftwagen beim Vorfahren einen mit Pferden be­spannten Leiterwagen, wobei bet neben seinem Wagen gehenbe Kutscher zu Fall kam. Die Pferbe scheuten und stießen bann mit bem stadteinwärts fahrenden, mit 35 Ar­beitern besetzten Omnibus zusammen, dessen reckte Wagen- wand durck bie Wagendeichsel aufgerissen wurde. Durch den Anprall stürzte der Omnibus um. Ein Arbeiter wurde lebensgefährlich verletzt, vier weitere erlitten leichtere Ver­wundungen.

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Eroßieuer durch leichtfertiges Austaueu der Wasser­leitung. Bei einem Bauern in Schönw alde bei Heils­berg brach ein Schadenfeuer aus, bem ein Viehstall, bie Scheune unb ber Schweinestall zum Opfer fielen. In ben Flammen kamen 40 Kühe. 14 Pferbe, 8 Schafe unb 70 Hühner um. Weiter sinb sämtliche lanbwirtschaftlichen Maschinen unb bie Erntevorräte mitverbrannt. Das Feuer ist auf bas leichtfertige Auftauen bet Wasserleitung in dem Viehstall mit offenem <yeuer zurückzuführen.

Bankangestellter erschossen und seiner Geldtasche beraubt. Hütten in Paris übersielen zwei Banditen zwei Angestellte einer großen französischen Bank, erschossen einen von ihnen, und raubten bann eine Geldtasche, mit ber Ne entkamen. Zwei Mannner stellten sich auf offener Straße plötzlich mit vorgehal­tenem Revolver ben beiden Bankangestellten in ben Weg und lorberten sie auf. ihre Geldtaschen, in denen ssch IVz Million tyranfen berauben, herauszugeben. Als ber eine Bankbeamte einen Revolver aus der Tasche ziehen unb Widerstand leisten wollte, wurde er von einem ber Verbrecher erschossen. In der Verwirrung gelang es ben Räubern, bie Geldtasche bes Er­schossenen an ssch zu reißen, unb damit zu entkommen. Von ben Tätern fehlt bisher noch iebe Spur.

Flugzeug des KreuzersManchester" in Indien abge- ttiirzt. Nach einer Reutermeldung aus Bombay stürzte am öieitag ein Flugzeug des britischen KreuzersManchester" in der Nähe von Ernaculam im Staate Travancore (Süd- spitze Vorderindiens) ab. Dabei kamen zwei bet Insassen ums Leben.

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