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Gamsta- Sonntag, 17. 18. Dezember 1938.

Wiesbadener Tagblatt

Zweites Blatt. Rr. 295.

gemeinsamer Arbeit erstellt wurde. Eine Zierde rm Urwald, die im Innern ungemein behagliches Heim bietet.

Arbeit baben die beiden genug, die Frau tn Haus. Küche. Garten. Hübnerhof, der Mann beim ständigen Denken an Verbesserungen: z. Z. wird an Stelle des nicht immer Strom liefernden Windrades in das neben dem Hause berabfliehende Bächlein ein Wasserrad eingebaut, damit stets. Licht vor­handen ist und durch das Radio immer die Verbindung mit der fernen Heimat aufrechterhalten, werden kann.

Auswärtigen Naturforschern dient Robinson II. manch­mal als Führer auf der Insel weiter draußen. mas a fuera. Sie ist unbewohnt. Von früherer Zeit her treiben sich dort noch einige Esel darauf herum, am Strande eine seltenere Robbenart. Weber schrieb mir: ,,Diese Tiere kamen herber und wollten uns buchstäblich die Hände küssen und sahen neu­gierig zu. als wir einigen ihrer Kameraden das dell av- streiften." ,

Den lieben Freunden habe ich wiederholt Zeitungen nach ihrem Eiland geschickt, deren Inhalt ihnen höchste Über­raschungen b reitete. Sie erfuhren da Dinge über rh.r dor­tiges Leben und überbauet über die Insel, von denen sre dort keine Ahnung hatten! Ihre Lachmuskeln wurden auf das Äußerste gereizt als sie lasen, daß jede Woche riesige Luxus- damvier vom destlande der ie 2000 Besucher zur Besichtigung der Insel heranschaffen. das Prachtbotels im Bau sind, daß geübte Fremdenführer die Gäste zu den schönsten Punkten geleiten und man sich am Strande in wohlgevilegten Anlagen ergehen könne. Das alles mußten Webers, denen das Gute doch so nabe liegt, gar nicht. Durch ihre Briefe wußte ich längst daß nur ein einziges Mal im Jahr von England

emmai im aahce kommi Der Tourmeudammer.

Das englische Schiff bat durchschnittlich 1000 Passagiere an Bord. . _ , _.

(3 Photos Hugo Weber, K.)

her der TuristendamvferReina bei Pacifico" höchstens 1000 Reisende zur Insel bringt. Also 103 000 wurden von den wohl kurzsichtig gewordenen Einsiedlern überleben die auch gar nichts davon wissen, daß sie sich, um sich den Scharen der Zudringlichen zu erwehren, eine hohe Pallrsadenlchutzwano um ibr Anwesen errichtet haben! Völlig unbekannt ist ihnen auch, daß sie. um solchen Belästigungen zu entgehen. Haus. Hof und Garten Billig verkaufen wollen!

Diese Meldungen, die durch die Weltpresse liefen und auch in Deutschland in gutem Glauben an ihre Richtigkeit nachgedruckt wurden, haben die von der Welt Abgeschlossenen höchst überrascht und Frau Johanna Weber schrieb mir. dem alten Onkel:Es ist alles noch so unverändert, wie ich es vor Jahren antraf! Dr. K. B.

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Ein Mann, über den viel geschrieben wurde

Die Wahrheit über die Robinson-Insel.

DasWiesbadener Tagblatt" ist heute in der Lage, seinem Leserkreis über dasRobinsonleben' eines deutschen Landsmannes auf der chilenischen Insel mas a tierra (Juan Fernandez) einen authen­tischen Tatsachenbericht zu liefern, der eine Richtig­stellung ähnlicher in lefcter Zeit zahlreich durch die Presse gegangener Artikel ermöglicht. Der Verfasser nachfolgender Ausführungen stellt beute noch in Brief­wechsel mit Hugo Weber und seiner Gattin, die übrigens eine Zeitlang in Wiesbaden als Avothekerin tätig war. Wenn also dasWies­badener Tagblatt" über die wirklichen Verhältnisse auf der Robinfoninsel berichtet, so freuen wir uns, damit gleichzeitig Anknüvfungsvunkte von der Welt­kurstadt über Ozeane hinaus mit den beiden Be­wohnern eines weltverlassenen Eilands im Pazifik ge­sunden und zu einem Geplaudervon Haus zu Haus verbunden zu haben. Die Schriftleitung.

In der Cumberlandbucht der chilenischen Insel mas a Herta, d. i. die zur Inselgruppe Juan Fernandez ge­hörende Robinfoninsel. liegt der deutsche KreuzerDresden . Der mörderischen Seeschlacht bei den Falklandinseln entkom­men. von den Engländern verfolgt, gejagt, gesucht und doch

»Knusperhäuschen" auf der Robinson-Insel.

Hier wohnen die Webers. Das kleine Holzhäuschen . ist die Küche.

nicht gefunden, wird er schlichlich hier überrascht und von drei Kriegsschiffen beschossen. Neutralität der Gewässer wird vom Gegner nicht geachtet. Gegenwehr aussichtslos! Der Kommandant läßt das Schiff, in das fortwährend Granaten einschlagen, versenken. Unter denen, die das schützende Ufer schwimmend erreichen, befindet sich auch der Deckoffiziet Hugo Weber. Er benutzt die vier Tage Aufenthalt, um sich nach Robinsons Spuren uinzusehen, windet -sich durch enge Schluckten, erklettert steile Hänge, gerät aus Urwalds Dunkel plötzlich auf eine ebene baumlose Lichtung, bleibt ganz über­rascht lange steben sich das wundersame Bild tief ernprägend.

..Dieses Plätzchen gefällt mir", spricht er für sich und erfährt nach dem Abstieg, daß er auf der plazuela del Bunaue war Punaue Ambos, der flachen Abdachung wegen so ge­

heißen. ist hier mit 900 Meter die höchste vulkanische Er­hebung.

Die ganzeDresden"-Vesatzung wird nach der Jnfel Quiriauina übergeführt und muß dort, wenig scharf bewacht, bis Kriegsende verbleiben. Einzelne können entfliehen, schlagen sich sogar bis zur deutschen Front durch und kämpfen dort weiter. Irrtümlich wird verbreitet, Weber sei auch unter den Flüchtlingen gewesen. Erst nach Friedensschluß kommt er in die Heimat. Lange hält es ihn hier nicht. Wanderlust. Forschungstrieb. Sagbeiter spornen ihn an. Er

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Standesamtliche Trauung durch den Snbdelegado.

Von links nach rechts: Frau Weber, der Standesbeamte. Hugo Weber.

landet in Buenos Aires, fährt von da nach, Punta Arenas, der südlichsten Stabt Südamerikas. Dort wrrbt er Eenoisen. mit denen er sich einige Jahre als Sager und Fallensteller Ottern sind das begehrte Pelzwild tn den unwirtlichen fanalartigen Gewässern des Feuerlandes herumtreibt. Außer über 1000 Ottervelzen ist die Frucht ein tm Scherl-Verlag erschienenes Buch:Als Pelziäger in iveuerlanb . Hugo Weber, wieder nach Deutschland zurückgekehtt. liebt stch tm Wachen und im Träumen zu Füßen des xlunaue auf der Plazuela. wo er bald auch tatsächlich die Axt ichwtngt. mit dem Spaten gräbt und. ganz auf fick allein angewiesen, unter viel Mühe eine Blockhütte baut. Alle erforderlichen Roh­stoffe werden dabei der nächsten Umgebung entnommen: bte Nahrung müssen Früchte, Beeren liefern und die wilden Ziegen, die Weber an unzugänglichen Klüften im Gebiete des Dunaue erlegt. Fische werden gegen Fleisch von den Jnju- lanern. mit denen gute Freundschaft gehalten mtrb, etn- getauscht.

Bald aber zieht auch eine liebende Gattin ein. ohne daß man sich vorher näher tennengelernt hätte. Nach, einem längeren Briefwechsel auf Grund eines Inserats, dessen Er­folg. wie wir hier sehen, durchschlagend war, holte Hugo Weber auf einem in Valparaiso angekommenen Dampfer seine Braut, eine früher auch in Wiesbaden tätig ge- wesene Apothekerin, ab. Vor dem «ubdelegado. dem Standesbeamten von a mas a tierra. fand bann bie Trauung statt. Diekleinste Hütte" war bald nur noch ein als Küche bienender Anhang an einer fernenVilla , bte tn

Sensationelle Teststellung in der Tlew Vorher Befrugsafiäre.

New Bork, 16. Dez. Die Untersuchung der Riesenbetrugs­affäre bei bet Drogen - Großbanolung McKeston and Robinson, bei der, wie jetzt festgestellt wurde, 87 Millionen Dollar verschwunden stnd. brachte eine neue sensationelle Wendung. Im Polizeihauvtauartier wurde durch Finger­abdrücke festgestellt, daß der angeklagte Präsident der Drogen-Eroßhandlung, Donald Coster, ent alter Bekannter der Polizei ist. der im Jahre 1913 als Philipp Mustca bet

dem finanziellen Zusammenbruch der United States Statt Company seine Hände im Spiel hatte und der Unter­schlagung von einer Million Dollar beschuldigt war.

Polizeiinspektor Donovan erklärte in diesem Zusammen­hang. daß Musiea damals zwar verurteilt worden sei, daß aber das Urteil nicht vollstreckt worden ist. Aus den Polizei - alten gebe weiter hervor, daß Coster im Jahre 1906 in einer anderen Diebstablaffiire zu einem Jahr Gefängnis und 5000 Dollar Geldstrafe verurteilt worden sei. Der stell­vertretende Justizminister MeHamhon teilte mit. das Justiz­amt in Washington untersuche Spuren, die darauf hin deuteten, daß Coster auch an der Verschiffung von Waffen und Munition nach kriegsfübrenden Ländern beteiligt ist. Das Kriegsmaterial sei in Kisten mit der AufschriftMilkof- Magnesta" versandt worden.

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Rasche Sühne.

Autobandit Heller hingerichtet.

Nürnberg. 17. Dez. Die Justizpressestelle Nürnberg

Der 24 Jahre alte Willi Heller, der am 16. Dezember, nachmittags 17 Uhr, vom Sondergericht Nürnberg wegen eines gemeinschaftlich begangenen Verbrechens gegen das Gesetz gegen den Straßenraub mit Autofallen in Tateinheit mit einem gemeinschaftlich begangenen Verbrechen des ver­suchten Mordes, sowie wegen eines weiteren Verbrechens gegen das Gesetz zur Gewährleistung des Rechtsfriedens zweimal zum Tode verurteilt worden war, wurde am gleichen Tage um 24 Uhr hingerichtet.

Heller hat gemeinschaftlich mit der 21 Jahre alten Anna (nicht, wie früher gemeldet Hanna) Mündel am 13. Dezember 1938 den Taxichausfeur Josef Weidner von Nürnberg in der Nähe von Fischbach in räuberischer Absicht überfallen und durch einen Kopfschuß schwer verletzt. Bei der Verfolgung durch Nürnberger Kriminalbeamte schoß er auf diese und verletzte zwei Beamte durch Handdurchschüsse.

21 Grad Halte in Schlesien.

Breslau, 17. Dez. Bei anhaltender Zufuhr kontinental- arktischer Eisluftmassen aus dem Osten hat stch die Källe in Schlesien wesentlich verschärft. Im nördlichen und östlichen Schlesien sind die Temperaturen bis minus 14 Grad gesunken. In den Kammlagen der schlesischen Gebirge sind sogar 21 Grad Kälte gemessen worden. Die Frostwitterung dauert an.

Warschau, 17. Dez. Die Kältewelle, die Polen seit Frei­tag überfallen hat, hat am Samstag zu einem weiteren Sinken der Temperatur geführt. Aus Wilna werden 28 Grad Kälte gemeldet, während im polnischen Westen 12 Grad gemessen wurden.

Etnflürzendes Ttaus tötet zwei Rinder.

Mailand, 17. Dez. (Funkmeldung.) In S a l i z z o l e bei Verona stürzte am Freitagabend aus bisher ungeklärter Ursache ein Bauernhaus ein. wobei die vierköpfige Bauern- familie unter den Trümmern begraben wurde. Die Bergung war sehr schwierig, da die Stromleitung zerrissen worden war und die Rettungsarbeiten in völliger Dunkelheit vor sich gehen mußten. Der Bauer und seine Ehefrau tonnten unverletzt geborgen werden, da sie durch einen Balken von den nach- Itürzenden Schuttmassen geschützt worden waren. Die.beiden Kinder des Ehepaares wurden jedoch als Leichen aufgemnden. Da sie keine äußerlich erkennbaren schweren Verletzungen davongetragen haben, nimmt man an. daß sie unter den Trümmern erstickt sind.

Kopenhagener Reeverbahn niedergebrannt. Eine der letzten alten Reeperbahnen (Seilerbahn), die in der dänischen Hauptstadt noch zu finden sind, wurde in der Nacht zum Freitag durch Feuer zerstört. Zugleich mit der 500 Meter langen Holzbahn wurden große Vorräte an Hanf und Flachs, sowie zahlreiche wertvolle Spinnmaschinen vernichtet. Der Sachschaden wird auf zwei Millionen Kronen ge­schätzt. Das Feuer soll an einer Spinnmaschine durch Reibung einiger Drähte, die stch verwickelt hatten, ent­standen sein.

Erdbeben in Nord-Anatolien. Am Freitag um 11 llhr 4 Minuten 17 Sekunden Ortszeit wurde hier ein ziemlich starkes Erdbeben verzeichnet, dessen Mittelpunkt ungetahr 450 Kilometer östlich von Istanbul, also tm nördlichen Anatolien, liegt.

Britisches Rekordflugzeug in Westaustralien notgelandet. Nach einer Meldung aus Port Darvin (Nordaustralien) mußte jetzt einer der britischen Vieckers-Wellesley-Bomber. die kürzlich einen Rekordflug nach Australien durchtuhrten. 150 Kilometer von Derby (Westaustralien) entfernt in einer öden Gegend eine Notlandung vornehmen. Australische Flug­zeuge haben Lebensmittel für die Besatzung abgerootfett.

Der bekannteste Sowjetflieger abgestürzt. Wie eine amt­liche Bekanntmachung der Sowjetregierung besagt, ist der Sowjetflieger Tschkalow tödlich abgestürzt. Tschkalow, der als Fluglehrer mirtte, ist bei dem Einfliegen eines neuen Flugzeuges verunglückt. Tschkalow, der im vergangenen Jahre mehrere Fernflüge ausgeführt hat, war einer der be­kanntesten und gefeiertsten Sowjetflieger. Für seine Flüge wurde er zum Obersten der Roten Armee ernannt.

Zugunfall tm Sudetenland.

Dresden,. 17. Dez. (Funkmeldung.) Am Freitagabend fuhr inWurzmes (Linie Komotau Brüx) ein Durch- gangs-GüteMg auf einen anderen Eüterzug auf. Der Pack­wagen bes Duichgangs-Güterzuges würbe zertrümmert, zwei weitere Wagen entgleisten. Der Zugführer erlitt schwere Verletzungen, ein Zugschaffner würbe getötet. Veibe Hauptgleise der Strecke Komotau Bobenbach sind gesperrt, über die Ursache Hub die Erörterungen noch im Gange.

Würzburg, 17. Dez. (Funkmeldung.) In der Nacht 17. Dezember fuhr im Bahnhof Heidingsfeld-Ost durchfahrenden Schnellzug MünchenHamburg eine teilung eines Nahgüterzuges auf dem Ladegleis heraus in die Flanke. Der Schnellzug kam nach etwa 150 Meter zum Stehen und e n t g l e i st e. Beide Maschinen des Schnell­zuges stürzten um. Einige Wagen des Eüterzuges wurden zertrümmert. Der Führer und der H e i z e r der Güterzug­lokomotive verunglückten tödlich. Drei Reisende des Schnellzuges wurden leicht verletzt und ins Würzburger Krankenhaus geschafft.

Die mit dem Heller wegen eines gemeinschaftlich be­gangenen Verbrechens gegen das Gesetz gegen den Strahen- raub mittels Autofallen in Tateinheit mit einem gemein­schaftlich begangenen Verbrechen des versuchten Mordes Tode oerurteilte Anna Mündl wurde vom Führer