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^woch, 12. August 1914.

Morgen» ktusgabe.

Für dieLIusnahmc von Anzeige» an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen

Ne. 371. 62. Jahrgang.

^v voxgEschichte des Krieges.

j|, General der Infanterie v. d. Boeck.

Würfel sind gefallen, Mars regiert die Stunde Stkj Lroße, seit Jahren befürchtete, nicht zuletzt .durch j>o| c Friedensliebe immer noch hinausgeschobene H» eJhlkerringen auf dem europäischen Kontinent A^bginnen. Nach der großen Aufregung der letz- «tj®. ivird man gut tun, sich kurz nochmals die Ast^ichichte dieses alle seine Vorgänger an Aus- lf ait Un ^ Zahl der Streiter überragenden Krieges Ltz Zachen.

lenes fluchwürdige Attentat in Serajewo ^ ^Ungarn seines Dhronfolgers beraubte, da Recht angenommen, daß dieses beklagens- Ä xz Eignis nicht ohne ernste Folgen bleiben könnte. ; °®.den unmittelbaren Anlaß zu einem großen inj e fl bilden würde, das hat Wohl damals niemand

S nn* 0 ^' welche die österreichisch-ungarische Regie- ? °illa, e * ner in der Attentats-Angelegenheit geführ- s>k sehenden Untersuchung an Serbien richtete, war J°ie r T/ aber gerecht. Hätte Serbien den in dieser werten berechtigten Forderungen Österreichs ^ v,^. en ' wozu es anfänglich bereit gewesen sein soll.

damit der Streitfall erledigt gewesen. Aber stz,g^ußland auf den Plan, um sich als slawische T. des kleinen serbischen Bruders anzunehmen. Ae,

^in ^brzu vertragsmäßig verpflichtet war, ist noch Äi gestellt worden. Selbst wenn das der Fall ge- - Qr e, würde es durch das Verhalten Serbiens

Vertragspflicht entbunden gewesen sein, '! ^ autoritativer Auslegung des Völkerrechts ver- ^rsf ^iaat, der unerhörte Verbrechen gegen einen geflissentlich unterstützt, nicht nur jeden gen Anspruch ans Unterstützung gegen den angegriffenen Staat, sondern seine Helfer Politischen Mord verteidigen. Auf m hj Mrrechtlichen Standpunkt hat sich Rußland zu erheben vermocht und sich dadurch zum ,der Königsmörder gemacht.

?!>, w setzten nach diesem unbegreiflichen Der- M;.-?hiands alsbald die Bemühungen der anderen P Um \ Grohnlächte, in erster Linie Deutschlands, D pU österreichisch-serbischen Streitfall zu lokali- >«o^°r allem hat der deutsche Kaiser in dem auf- /bestreben, Europa die Schrecken eines großen ,, A ersparen, sein wichtiges Wort für den Fri-e- Wagschale geworfen. Dabei wurde er von A A,und anscheinend auch von Frankreich unter- 8 bxj crsteren mag das ehrlich gewesen sein, ob » Merem, ist höchst zweiselhaft. Seit langen ^iIp Frankreich zur Befriedigung seiner Wftc zum Kriege gegen Deutschland gehetzt K Io ^ russischen Verbündeten finanziell nur des- Klin switch unterstützt, damit er seine militärische « .dkrbesstrn konnte. Wohl mag Frankreich an- M wpflft bestürzt gewesen sein, als die Erfüllung P üe>Mhrigen Hoffnungen plötzlich in so greifbare ph jp* war, zumal die Enthüllungen über die IstxP^rhältnisse seines Heeres nicht gerade ver-

ö ^end waren. Daraus und aus dem Wunsch

erklärt sich seine anfänglich schwan-

Österreich-Ungarn stand diesen Lokalisierungs- bestrebungen keineswegs grundsätzlich ablehnend gegen­über, forderte aber mit Recht, daß seine im Gange be­findlichen Vorbereitungen zu einer Straisexpedition gegen Serbien dadurch nicht aufgehalten werden -dürsten.

Es war zu diesein Verhalten um so mehr berech­tigt, als es fest auf die Bundestreue Deutschlands rech­nen konnte. Wäre dieses Bündnis nicht durch die weise Voraussicht Bismarcks im Jahre 1879 geschlossen wor­den, so hätte es jetzt geschlossen werden müssen, denn Deutschland kann in seinem ureigensten Interesse Österreichs Großmachtstellung nicht vernichten lassen.

Aber alle Bestrebungen, den österreichisch-serbischen Streitfall zu lokalisieren, scheiterten und mußten schei­tern an dem Verhalten Rußlands, das sich wie jetzt nicht mehr zweifelhaft sein .kann nur deshalb an diesen Bestrebungen beteiligte, weil es Zeit für seine im Gange befindlichen milstärischen Vorbereitungen treffen wollte, denn Rußland wollte den Krieg. Daß sich bei diesem schmachvollen Ränkespiel selbst der Zar von der russischen Kriegspartei mißbrauchen ließ irnd seinen deutschen Freund, den deutschen Kaiser, wieder­holt zur Fortsetzung der Vermittlungsbestrebungen direkt aufforderte, das wird ewig ein trauriges Watt in der Vorgeschichte dieses Krieges bleiben. Während also die deutsche Regierung auf Ersuchen Rußlands vermittelte, machte Rußland zunächst einen Teil, dann ober seine gesamten Streitkräfte mobil und brachte die Sicherheit des Deutschen Reiches, von dem bis zu jener Stunde noch keinerlei außergewöhnliche militärische Maßnahmen ergriffen waren, in ernste Gefahr. Um dieser noch rechtzeitig zu begegnen, wurde nun auch in Deutschland die Mobilmachung besohlen und sodann an Rußland der Krieg erklärt.

So ist, nicht von Deutschland herbeigeführt, vielmehr wider den durch die Tat bewährten Willen Deutschlands der Augenblick gekommen, da die gesamte Wehrmacht Deutschlands ans den Plan tritt.

Nachdem Deutschland, durch militärische Maßnahmen Frankreichs gezwungen, offen erklärt hatte, Zeitweise die Neutralität Belgiens verletzen zu müssen, hat auch England an Deutschland deri Krieg erklärt.

Die kleineren europäischen Staaten dürsten zunächst Neutralität beivahren, sie haben zu diesem Zweck fast alle entsprechende militärische Vorkehrungen getroffen. Daß sie aus dieser berechtigten Reserve nur heraustreten werden, wenn ihre Neutralität bedroht ist, Lars ange­nommen werden.

So kann man mit Recht sagen, ganz Europa bildet ein -einziges großes Kviegslager. Schon in der aller­nächsten Zeit wird der Vorhang vor einem Drama aus­gerollt werden, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Über die eigentliche militärische Lage sich heute schon in Betrachtungen einzulassen, erscheint nicht angebracht. Auf beiden Seiten sind -die Streitkräfte noch in der Mobilinachung begriffen, -deren Abschluß verständiger- weise überall abgewartet werden ' dürfte, -bevor die großen Operationen ihren Anfang nehmen.

Jedenfalls ist das eine sicher, daß Österreich-Ungarn und Deutschland eng verbündet einen schweren Kampf um ihre Existenz zu führen haben werden. Aber sie kämpfen für eine gerechte Sache, und wenn es überhaupt noch Gerechtigkeit in dieser Welt gibt, dann werden, dann müssen sie siegen.

kZoch die Armee !

Bon Dr. Müller-Meiningen, M. d. M.

Parteistreit, konfessionelle und politische Gegensätze: alles schwieg und soll auch weiter schweigen! Wir haben politischen Gottesfriöden proklamiert, wir wollen nun endlich iind wirklichein einig Volk von Brüdern" sein. Wer auf Parteizwist rechnet, wird sehen, daß unsere Zeit allüberall das Augenmaß besitzt für das, was auf dem Spiele steht. Nord und Süd, Ost und West ein großes Ganzes! Junker und Bürger, Stadt und Land ein Herz und eine Seele! Wer gestern noch um die größten kulturellen und politischen Probleme leiben- schaftlich kämpfte, reicht heute dem Gegner die Hand zum Frieden. Das alles hat m o s k o w i t i s ch e s Weltverbrechertum getan! Und es soll bleiben, bis der freche Weltenstörer gezüchtigt zu Boden liegt. Dieses friedliebende deutsche Volk, das vor wenigen Tagen noch denWeltkrieg" für unmög­lich, für undenkbar schrecklich hielt, hat sich heute vrit überraschender Schnelligkeit an -den Gedanken gewöhnt, daß dieser Krieg kommen mußt e, und daß es b esse r sei, diesem Schrecken ohne Ende eine Ende mit Schrecken zu -bereiten. Das hat moskowitischer Frevel­mut und. moskowitische Tücke überrascht zuwege ge­bracht. Die endliche Verkündigung der Mobilisierung löste -einen Inbel -bei dem Volke ans, das an Fr ie- densliebe nicht übertrofsen werden konnte, das in seiner erdrückenden Mehrheit den Chauvinismus für die verderblichste internationale Krankheit hielt und danach handelte.

Welch mächtiger Sinn für Recht und poli­tische Imponderabilien liegt doch in einem Volke, das der Kulturgüter -unserer Zeit teilhaftig ge­worden ist! Es hieße, an der ewigen Gerechtigkeit und an dem Wert aller Kultur verztoeiseln, wenn solchem Sinn eines moralisch und kulturell hochstehenden Volkes nicht der Sieg würde über eine in seinen Massen ver­tiertes, in seiner Leitung verderbtes, mit Falschheit und Verschlagenheit in weltgeschichtlichen Momenten klein­liche Vorteile erschleichendes Volk. Das deutsche 2ME, wivd und muß siegen. Wer, wie ich, im entferntesten' Alpeudorf Süd-bayerns, an -der Tiroler Grenze, dieses Maß von Begeisterung, von ruhigem, selbstbewußten Heldentum des. einfachsten Mannes, der sich von Weib und Kind losriß, mitmachte, wer sah, wie in wenigen Stunden das Volk sich von -der unbedingten Notwendig­keit überzeugt hatte, daß alles so kommen -mußt e, wer miterlebte, wie dieses Volk mit Schmerz im Herzen, mit Lachen im Antlitz -den Abschied nahm, wer beob­achtete, mit welch.verblüffender Ruhe und Gelassenheit das ganze Mobilisterungsgeschäst vor sich gegangen ist: der kann bei aller Hochschätzung französischer militäri­scher Tüchtigkeit und bei aller Zurückhaltung in der Einschätzung der russischen Riesenarmee an einem Schlußerfolg unserer Waffen nicht Aweifeln.

Die ganze Ausrüstung des Soldaten hat auf die weitesten Volkskreise den allerbesten Eindruck ge­macht. Beglückt kamen die Massen, die ihre Brüder besucht hatten, aus den Kasernen:.Fetzt wissen wir doch, warum wir fürs Militär soviel Geld -haben zahlen müssen!" -Sie alle aber werden ihre Schuldigkeit tun bis in den Tod: Soldaten und Offiziere! Wir, denen es das Schicksal neidisch nrißgönnt, selbst noch

vmbardement von Belgrad.

Von Paul Schwedcr.

Semlin, 20. Juli, 8 Uhr abends, a,., (Obwohl die telegraphischen Nachrichten in schon von dem Verlaut der Beschießung Astg-rads erzählt haben, glauben wir schon aus ^ltonschem Interesse heraus den nachfolgenden ^lsfuhrlichen Bericht noch wi-edergeben zu sollen, ?um<rl darin noch nicht b-ekmrnte Einzelheiten über *5*8 Bombardement mitgeteilt werden, das die ! rwe größere Beschießung einer Festung in dem 'e 5 j ® e scnniih:tisen Kriege darstellt. Die Red.)

-iijj p ivar schwül und der vom Wein, der Zigeuner- S i tc e a n et! Tschardaschtänzen lustiger Honved- und Marine- nh' 1 c §'s te -®* e ®' nn verlangte nach ruhigeren Eindrücken, ftili Üftiu ^ gemeinsam mit einem Leipziger Kollegen & 'erriacht noch den etlva halbstündigen Weg zum ib^^b'chnhof antrat, um den soeben fertiggestellten § Semliner Lagerleben in den Bahnhofsbrief- e n et öen Frühzug nach Budapest auch

E>>i>chr?'chie. Um diese Zeit war keine Seele mehr aus jv Q,n Donauufer, dann durch dichten Wald füh- M lgz zu sehen. Nur drüben am Bahnhofsgeleise A, lex Scharren eines Rossehufs und der feste

^sch^npatrouille. Der Mond stand im -ersten °tle pr von einer aus Westen heranziehenden Ge- '1^ \ ^evdeckt. Als wir kurz vor dem Bahnhofsge-

"er o . tr } freien Ausblick aus die Donau gewannen, ^^chziger Kollege Plötzlich ganz -elegisch, indem er

meinte:Sollte man es für möglich halten, daß in dieser Idylle der Kriegszustand herrscht und -daß das friedliche Städtchen da drüben vielleicht schon in den nächsten Stunden Blut und Mord -erleben wird?" Da rauschte es plötzlich hinter uns im Wasser, erst leise und dann immer stärker, und -im un­bestimmten Licht der Sommernacht erkannten wir einen Schleppdampfer -der Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft, der mehrere Prähme hinter sich Herzog. Es fiel uns aus, daß der Dampfer unbeleuchtet war und trotz des ergangenen Verbots und der späten Nachtstunde stromabwärts, also geradezu auf Belgrad fuhr. Schnell warf ich meinen Brief in den Post­kasten und eilte auf den in die Donau hin-einragenden Bahn­hofsvorplatz, um dem Schlepper nachzublicken. Der Kollege hat^ inzwischen die Ladung der Prähme auf Kriegsmunition taxiert, die anscheinend in die Stellungen der Österreicher an der mittleren Save bei Sabac geschafft werden sollte. Und richtig, schon biegt der Schlepper nach rechts ab und steuert auf die Savemundung zu, über der sich die 460 Meter lange Msen- bahnbrücke wölbt, die das ungarische mit dem serbischen Ufer verbindet, pn diesem Augenblick blitzt drüben etwas auf, was ich zunächst für ein Lichtstgnal in dem kleinen Belgrader Hafen halte. Aber dann gibt es einen dumpfen Knall, wieder blitzt ain Lichtschein auf, und nun in schneller Folge Blitz und Knall fast ohne Paupe. Kein Zweifel: die Serben schießen auf den Transport und eröffnen damit die Feindseligkeiten gegen die Doppelmonarchie. Im Augenblick sind wir uns beide des wich­tigen historischen Moments bewußt. Schon kommen auch Bahnbeamte mit etwas verschlafenen Gesichtern und fragen, was los ist. Aber nur einen Augenblick, dann sind sie schon zurück ans Statronstelephon, Soldaten von der Feldwache

stürzen herbei, das Gas im Gebäude wird ab-gedreht, so daß im nächsten Augenblick niemand die Hand vor Augen sieht und alles gegeneinander läuft. Inzwischen hat der Schlepper eilig gewendet und ein rotes Lichtsignal ausgesteckt, mit dem er an uns vorüber nach Semlin znrückfährt.

Gott sei Dank, sagt ein schlanker junger Jnfanterieoffizier voii der Feldwache neben mir, das hat lange genug gedauert! Und sein Blick wendet sich nach der Stadt, von woher jetzt im Laufschritt eine Kompagnie der Semliner Garnison mit einem Maschinengewehr anrückt. Vorbei an dem Stationsgebäude sausen sie der Eisenbahnbrücke zu, an dem längst als Wache eine andere Kompagnie tätig war, deren Schüsse nun ebenfalls durch die Nacht dröhnen. Es stellt sich heraus, daß eine grö­ßere serbische Truppenansammlung an dem serbischen Brücken­kopf vorhanden ist, die durch ihre Schüsse dem Schlepper die Weitersahrt unmöglich machte. Schuß auf Schuß wechseln die Gegner, aber im Dunkel der Nacht ist kein Ziel erkennbar. Doch jetzt blitzt es auf dem grauen Donauwasser, weithin sicht­bar, auf, und noch einmal und noch einmal. Drei dunkle Un­getüme, anzusehen wie jene ungefügen Flußbagger, die wir ^ alle schon einmal bei ihrer ächzenden, stöhnenden Arbeit be­obachtet haben, nahen vom Semliner Ufer her, fortwährend die Savebrücke, das Weidengebüsch auf der vor uns liegenden Großen Kriegsinsel" und die Belgrader Befestigungen mit dem Hellen Licht ihrer Scheinlverfer übergießend. Im Nu verlöschen auch alle Lichter in dem bis dahin hell erleuchteten Belgrad, und da nach einem kurzen Rasseln des inzwischen in Tätigkeit gesetzten Dkaschinengewehrs auch der Lärm von der Brücke her schweigt, so entsteht in diesem Moment ein Augen­blick höchster Spannung. Aber nur ein Augenblick,, denn un-