Samstag Sonntag, 10.711. Dezember 1988.
ABC.
Friedrichstraße.
Fürst Friedrich August, der 1803 seinem Bruder Karl Wilhelm von Nassau-Usingen, der keinen Sohn binter- lasien hatte, in der Regierung gefolgt war. verfügte die all; mähliche Auflassung der Befestigungen der Stadt. Zwei Jahre später, als die Erhebung des Landes »um Herzogtum erfolgt war. wurde Wiesbaden Hauptstadt. Bald klagten namentlich die Beamten über den Marmel an geeigneten Wohnungen. So entstand südlich der Mauer eine neue breite Straße. Bis 1812 erhoben sich auf der Südseite neun Häuser, auf der Nordseite ein Haus. Die Bebauer bekamen den Bauplatz umsonst und außerdem Steuerfreiheit. Goethe schreibt hierüber unter dem 17. Juni 1815 an Christiane: ... . .. Es giebt Straßen, die der größten Stadt Ehre machen würden. Alles greift eins ins andere: was aus den Kellern ausgegraben mtrb, schafft man in Vertiefungen. die ein kleiner Bach verursachte und durchfloß: dadurch entstehen sehr schöne Gärten. Angeregt zu diesem Bauen * werden die Einwohner durch die günstfgsten Umstände. Die Plätze erhalten sie von der Herrschaft, ein ansehnliches ver- hältnrsmäbiges Baudouceur dazu, dagegen sie vorschriftsmäßig bauen müssen . .
Die Siedeluna vor dem Tore führte anfangs den Namen „Südliche Vorstadt", der stch dann bald in den Namen „Friedrichstraße" verwandelte. Friedrich August, dem sie ihren Namxn yerdankt und der, 1738 geboren. 1816 starb, war frühzeitig in österreichische Dienste erngetreten. Er brachte es bis 4um Reichsseldmarschalleutnant, zum kaiserlichen Feldmarschall und Reichswerbedirektor. Im Siebenjährigen Kriege batte er stch verschiedentlich ausgezeichnet, war aber tm Treffen von Strebla (20. 8. 1760) in preußische Gefangenschaft geraten: Im Jahre 1818 war die Friedrichstraße tn ihrer ganzen Länge von der Alleestraße, der späteren Wilbelm- straße. bis zur Schwalbacher Straße beiderseits ausgebaut.
Wiesbadener Taablatt
doch bestand Ecke Friedrichstraße und Kirchgaste noch längere Zeit hindurch eine Baulücke, an der später das Sveifebaus Zinferling entstand. .. r
Durch Menschenalter hm war dre Friedrichstraße. deren Entstehung den Beginn eines neuen Bauabschnittes ankun- dlgte und den Ausstieg eines unbedeutenden Landstadtchens zur Weltkurstadt cinleitete. wohl eine der schönsten Straßen unserer Stadt. Ihre Häuser waren durchweg zweistöckig und besaßen meist breit vorgelagerte Freitreppen, die ihnen im Verein mit schönen Gärten, alten Baumen und der hellen freundlichen Farbe der Häuser einen vornebm-biedermeier- lichen Charakter verlieben haben mögen. Doch di« Freitreppen haben den Erfordernissen des modernen Verkehrs samt und sonders weichen müssen. 1861 bezog die nassauische Polizeidirektion das Haus Nr. 32, zu welchem damals noch als Einfahrt der eigentlich namenlose Kirchenreuel gehörte. Das angrenzende Haus Nr. 30 wurde in den achtziger Jahren aufgestockt. Auch das Haus Nr. 19. ein dreistöckiger, zwischen Marktstraße und De-Laspeestraße gelegener Backsteinbau, ist bemerkenswert: unterhalb der Fensterbrüstungen des ersten Stockes sind als Initialen des damaligen regierenden Hei- zogsvaares zwei gekrönte A eingelassen (Adolf und Adelheid). über dem Eingang befand sich der nastauische Löwe, der 1866 durch den preußischen Äldler ersetzt wurde. Doch auch dieser fiel der Zeit zum Dorer, so daß uns heute ein leeres Wappenschild entgegengähnt. In diesem Hause hatte die Nastauische Astisenkammer (Schwurgericht) ihren Sitz. Einer der Heerführer des Deutsch-Französischen Krieges. General V o i g t - R h e tz . batte in der Friedrichstraße seine Wohnung: auch der „ewige Kandidat" Philivvar hauste hier eine Zeitlang. Außerdem wohnte und starb im Erdgeschoß des Sauses Nr. 35 Jean Pauls Geistesverwandter und Freund Paul Emil Tbieriot. der in den letzten zwölf Jahren seines Lebens am de Laspeeschen Institut als Lehrer der alten Sprachen wirkte.
Fast durch ein ganzes Jahrhundert hin schloß die Straße der steinerne Riegel der Jnianteriekaserne ab.,. In der Mitte der siebziger Jahre waren das Kasinogebäude und der
Zweites Stott. Nr. 389.
„Vorschuß" entstanden, ebenso der ältere Teil der Gebäude der Barmherzigen Schwestern, während der neuere Teil, das Marienhaus. in den Jahren 1906/07 erbaut wurde. Das Polizeidirektionsgebäude wurde in den Jahren 1901—1904 errichtet.
Und nun nächstens zur Fritz-Kalle-Straße.
Jins dem Vereins leb en.
* Der Kameradschaftsabend der Kameradschaft ehern. 166er, Wiesbaden, im RS.-Reichskriegerbund war sehr out besucht. Zur Eröffnung der Tagesordnung begrüßte der Kameradschaftsführer Prinz den Kreisführer, Majo;: a. D. Hesse, und die übrigen Kameraden. Major Seifc hielt einen Vortrag über die militärischen und politischen Aufgaben der Kameraden im RS.-Reichskriegerbund, welcher von den Anwesenden Kameraden und deren Frauen mit großem Beifall ausgenommen wurde. Zum Schluß des geschäftlichen Teiles übergab Major Hesse die Führung der Kameradschaft in die Hände des Kameraden Otto Kaiser, da der langjährige Kameradschaftsführer Prinz aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niederlegen muß.
MM» - _ ■ •■-des Reichswetter-
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