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Wiesbadener Tagblatt

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Unterhaltungsbeilage.

Nr. 285.

Dienstag, 6. Dezember 1938.

86. Jahrgang.

Zelea Codreanu.

Schüsse werden zum Signal.

* Im Frühnebel des 30. November wurden unweit Ploesti aus der Straße RimnikSarel, Richtung Bukarest, in einem Wäldchen 14 Männer von Gendarmen erschossen. 14 führende Anhänger der Eisernen Garde, unter ihnen Zelea Codreanu. Das ist die kurze, blutige Tatsache. Bekanntlich spricht der amtliche Bericht davon, daß die 14 Männer aus der Flucht erschossen worden seien, nachdem Unbekannte versucht hätten, einen Überfall aus den Transport zu verüben. Nun, Spuren eines Überfalles wurden laut ausländischen Presse­stimmen nicht sestgeftellt. Die Gendarmen, so, sagt zum Bei­spiel die ungarische Presse, die denÜberfall abgewehrt haben", seien wohl die ausgesuchtesten Schützen der Welt, denn nicht ein einziger der flüchtenden Männer der Eisernen Garde sei von der tödlichen Kugel verschont geblieben, während andererseits weder einer der Angreifer, noch einer der Gen­darmen auch nur die geringste Verletzung erhalten habe. Dunkle Dinge also, die sich im Frühnebel des 30. November abgespielt haben. Am Tage daraus aber sprach das Regie­rungsblattRomania" von der Notwendigkeit einer blitz­artigen Unterdrückung der gesährlichen Bewegung der Eisernen Garde und einer Ausrottung des legionären Unruheherdes. Zwei Tage danach sind wiederum drei Männer der Eisernen Gardeaus der Flucht" erschossen worden. Man fräst sich, wer Interesse am Tode dieser Männer, vor allem Codreanus hatte. Die Geschichte des politischen Kammes der Eisernen Garde und die kämpfe­rische Persönlichkeit Codreanus selbst geben aus diese Frage die Antwort. 39 Jahre alt ist Codreanu ge­worden. Er war der Führer der nationalen Jugend Rumäniens und ihre Hoffnung. Sein Kamps, der schon 1922 begann, galt der grundsätzlichen nationalen und moralischen Erneuerung seines Vaterlandes. Schon als Student kämpste er gegen das Judentum und die jüdische Überfremdung Rumäniens. In einem Buche Codreanus. das demnächst im Brunnenverlag in Berlin erscheint, sagi er:Wir haben politische Parteien, die von Rumänen gesührt werden, durch die aber das Judentum spricht. Wir haben rumänische Zeitungen, die von Rumänen geschrieben werden, aus denen aber der Jude mit seinen Interessen spricht. Wir haben rumänische Redner, und rumänische Schriftsteller, die mit rumänischen Worten wdisch denken, schreiben und sprechen. Wir erkannten", sagt Codreanu.aus der Arbeit des Verbandes juristischer Studenten (dessen Vorsitzender er war), daß das rumänische Volk in der Geschichte mit einem Volk in Berührung gekommen war, das als arteigene Waffe Hinterlist und Falschheit ein­setzte." Codreanu studierte in Grenoble, später in Berlin und Jena. In dem erwähnten Buch äußert sich der Führer der Eisernen Garde auch über das Deutschland des Jahres 1922. Die Wunden, die der kaum beendete Weltkrieg geschlagen jjatte, sagt er.bluteten: wirtschaftliches Elend lag über Berlin und dem ganzen Lande. Es mangelte an Brot, es mangelte an Arbeit. Hunderte von Kindern irrten durch die Straßen und flehten die Vorübergehenden um Hilfe an. Der Sturz der Mark stieß alle in das gleiche Elend. Leute, die Geld und Gut besessen hatten, waren in wenigen Tagen zu Bettlern geworden. Das jüdische Kapital des In- und Aus­landes aber machte Bombengeschäfte. Mit einigen Hundert Dollar wurde der Jude Eigentümer von riesigen Häuserblocks. Auf allen Straßen wimmelte es von jüdischen Maklern, die niederträchtige Geschäfte machten." Das deutsche Volk charakte­risiert Codreanu in seinem Buche kurz mit folgenden Worten: Es ist ein kraftvolles, gesundes Volk, und ich sah, daß cs nicht gewillt war. sich zu Boden schlagen zu lasten, sondern daß es trotz aller Schwierigkeiten, die wie Felsen aus ihm lasteten, mit ungeahnten Kräften zu neuem Leden auserstehen würde."

Aus feiner Einstellung heraus u>ar Codreanu auch der Feind aller jener politischen Tendenzen, die vom Judentum abhängig oder mit ihm verbündet sind. Er kämpfte gegen dir Verbrüderungspolitrk eines Titulescu mit dem Bolschewis­mus, er predigte desgleichen den Kampf gegen die mächtige Kamarilla der parlamentarischen Parteiführer. 1927 grün­dete er die OrganisationErzengel Michael", die der Grund­stock der späterenE i f e r n e n G a r d e" wurde. Das Haupt-

Ribbentrop nach Paris abgereist.

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Unterzeichnung der deutsch-französischen Erklärung.

Berlin, 5. Dez. Aus Einladung der französischen Regie­rung begab sich der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop am Montagabend um 21.25 Uhr mit dem Nordexpreß zu einem kurzen Aufenthalt nach Paris, um dort wie bereits gemeldet eine die deutsch-französischen Be­ziehungen betreffende gemeinsame Erklärung zu unterzeichnen. Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop ist begleitet von einigen Herren des Aus­wärtigen Amtes und den Herren seines persönlichen Stabes.

*

äs. In Paris werden heute Dienstagnachmittag um 3 Uhr Reichsauhenminister von Ribbentrop und der französische Außenminister Bonnet die schon angekündigte deutsch-französische Erklärung unterzeich­nen. Französische Blätter bezeichnen diesen Tag als ein historisches Datum. Tatsächlich wird ja der Schlußstrich unter eine Epoche gezogen, in der beide Völker ihre soldatische Tüchtigkeit auf den Schlachtfeldern im Kampf gegeneinander bewiesen und es wird an die Stelle dieses Kampfes durch die gemeinsame Erklärung die Grundlage für eine Politik des Vertrauens und dergut nachbar­lich en Zusammenarbeit gelegt. Es ist aber klar, daß man diese deutsch-französische Erklärung nicht als einen Vorgang für sich betrachten kann, sondern daß sie ein Glied der großen zusammenhängenden Freiheits­und F riedenspolitik des Führers ist. Das Rück­grat dieser Freiheits- und Friedenspolitik aber ist und bleibt die Achse Berlin Rom. Ja man wird sagen können, daß diese Achse es überhaupt erst ermöglichte, jetzt auf dem Weg der europäischen Entspannung durch die deutsch-franzö­sische Erklärung einen Schritt weiter zu gehen. Auch diese neue Erklärung baut ja auf München auf, auf München, das ohne die gemeinsame deutsch-italienische Poli­tik, ohne die Achse, undenkbar gewesen wäre. Das wird man sich auch in Paris stets vor Augen halten müssen. Wenn man in irgend welchen französischen Kreisen glauben sollte, Deutschland und Italien auseinander manövrieren zu können, so wäre das ein verhängnisvoller Irrtum. Die Erkenntnis von der Festigkeit der Achse BerlinRom scheint sich aber auch in Paris mehr und mehr durchzusetzen. Es gibt zwar in Frankreich nach Kreise, denen der Besuch des Reichs­außenministers nicht recht paßt und die für das Werk der Vernunft, das jetzt geschaffen wird, kein Verständnis haben. Aber die große Mehrzahl der Franzosen erkennt durchaus die Bedeutung der Stunde. Cs ist dabei recht bemerkenswert, daß in diesem Zusammenhang in Frankreich auch vielfach das französisch-sowjetrussische Verhältnis erörtert wird. Gerade der letzte Kampf Moskaus gegen die Regierung D a l a d i e r, die Streikversuche und die Feindschaft der Kommunisten gegen das Pariser Auswärtige Amt. hgben den Franzosen erneut gezeigt, welche Gefahren

Frankreich von einem Zusammengehen mit Moskau drohen. So nimmt derMatin" Gelegenheit nochmals auf die Er­fahrungen hinzuweisen, die Frankreich mit dem Sowietpakt gemacht habe. Die Sowjetunion habe ungeachtet ihres Freundschafts- und Beistandspaktes keine Gelegenheit vor­über gehen lassen, ohne sichschamlos in die inneren Angelegenheiten Frankreichs ernzumischen, Zwietracht in seine Reihen zu säen und es zum Bürgerkrieg zu treiben". Ein anderes Blatt, derParis sovr meint es dürste nicht schwierig sein zu beweisen, daß man bei einer Be­friedung mit Deutschland kein Bündnis mrt Sowiet- rußland mehr brauche.

Kennzeichnend für die Lage ist auch ein Artikel des Temp s", in dem festgestellt wird, daß, die Zeit der Einkreisung Deutschlands vorüber sei. Um so mehr aber muffe auch Frankreich Wert darauf legen nun nicht selbst eingekreist zu werden. DerTemps weist in diesem Zusammenhang auf Spanien und das Mrttelmeer hin und fügt hinzu, daß im Mittelmeer der Status quo asto die gegenwärtige Machtoerteilung und die gegenwärtige Ab­grenzung unter allen Umständen aufrecht erhalten werden müßte. Auch das zeigt, daß die Hauptrichtung der französischen Politik künftig nach Süden und nicht mehr nach Osten weist.

Die Pariier Presse widmet dem Reichsaußenminister ausführliche Artikel und schildert seinen Werdegang und ferne Persönlichkeit. Sie sieht die Bedeutung des Besuches nicht nur in der Unterzeichnung der Erklärung, die das Ver­sprechen enthalte, daß kerne Grenzänderung »oraenommen werde, sondern vor allem auch in den politischen Be- sp r e ch u n g e n, bei denen es sich um einen allgemeinen poli­tischen Rundblick handeln werd»'.

DerReichsautzeumimsterinParis eingetroffen

Paris, 6. Dez. (Letzte Funkmeldung.) Reichsminister des Auswärtigen, von Ribbentrop, ist am Dienstag um 11.10 Uhr (französischer Zeit) aus dem Jnvalidenbahnhof in Paris eingetrofsen. .

Der Führer beim Heer.

Teilnahme an Truppenübungen in Sudetenschlesien.

Erulich, 5. Dez. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht weilte heute int sudetendeutschen Gebiet, nm an Truppenübungen des Heeres in Sudetenschlesien teil» zunehmen. 3n seiner Begleitung befanden sich n. a. der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, der Chef des Oberkommandos der Wehr­macht, Generaloberst Keitel, ferner von der Lnstwafse u. a. Generaloberst Milch.

Der Führer wurde von der sudetendeutschen Bevölke­rung überall b e g e i st c r t begrüßt und mit stürmischem Jubel empfangen.

41 fudeteudeutsche Abgeordnete im Reichstag.

wt. Das vorläufige amtliche Endergebnis der Sudetenwahl bringt gegenüber den Zahlen, die wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe veröffentlichten, kaum nennenswerte Verschiebungen. Die gemeldeten Prozentziffern von 98,90 Ja-Stimmen und 1,10 Nein- Stimmen bleiben davon unberührt. Die Zahl dcr Reichstagssitze vermehrt sich durch diese Ergänzungs­wahl um 41.

Das überwältigende Ergebnis dieser Wahl hat im Sudetenland selbst vielleicht die größte Freude ausgelöst. Sie findet in zahlreichen Telegrammen, die an den Führer gerichtet sind, ihren Ausdruck. Der Bürge^ meister von Oberplan drahtete:Mein Führer, ich melde aus Adalbert Stifters Geburtsort 100 Prozent Wahl­beteiligung und 100 Prozent Ia. Wir danken unserem Führer!" Ein anderes Telegramm hatte die Fassung: Künigsberga. Eger, (Egerland), dankt dem Führer mit abgegebenen Stimmen 3566. Ja stimmten 3566, keine Nein- Stimmen, Wahlberechtigte 3566.

Die tschechische Presse widmete den Wahlen große Aufmerksamkeit. Die Blätter weisen darauf hin, daß die tschechische Minderheit durch geschloffene Wahl- beteilimins ihre loyale Gesinnung bekundet habe. DasVecerni Zeske Storno hebt hervor, daß fast 100 % aller Wähler für Adolf Hitler gestimmt haben. Auf eine Million Ja-Stimmen, so betont 'das Blatt, entfielen nur 6000 Nein-Stimmen. Die Anzahl der Nein-Stimmen ist so klein, daß sie garnicht der Rede wert ist. In der italienischen Presse kommt große Befriedigung über das überwältigende Bekenntnis des Sudetendeutschtums zum Eroßdeutschen Reich zum Ausdruck. Diese Wahl sei die beste Bestätigung für die innere Berechtigung der deutschen Politik. In Belgrad Betont man, durch das Wahlergebnis nicht überrascht zu sein. Es sei dach heute das selbstverständlichste auf der Welt, daß das gesamte deutsche Volk in Einmütig­keit zu der Arbeit Adolf Hitlers stehe. Ein Vorbild, dem man in Jugoslawen nachstrebe. Das Ergebnis der Wahl bedeute, so schreibt ein polnisches Blatt, nicht nur die Zustimmung der Bevölkerung zu der aufgestellten Liste, sondern auch eine

Zustimmung zu der Änderung der deutsch-tschecho-slowakischen irenze.

Der Führer und Reichskanzler übermittelte dem Generalfeldmarschall v. Mackensen, Falkenwalde bei Stettin, anläßlich seines 8 9. Geburtstages telegraphisch seine herzlichsten Glückwünsche.

DerCondor" zum Rückflug gestartet.

Tokio, 5. Dez. (Ostasiendienst des DRB.) Die Besatzung des FlugzeugesCondor" war heute mittag Gast der japanischen Armee und der Marine. An dem Empfang nahmen auch der deutsche Botschafter und der Wehr­machtsattache teil.

In Anwesenheit fast aller leitenden Offiziere des Generalstabes, des Admiralstabes, des Kriegs- und Maiine- minifteriums wurden Tischreden auf dieCondor-Besatzung und auf die Beziehungen zwischen Deutschland und Japan gehalten. Aus allen Reden kam nicht nur das stärkste Interesse an Bern Rekordflug zum Ausdruck, sondern auch die Leistungen des deutschen Flugwesens fanden eine begeisterte Würdigung. Anschließend daran wurden an die Besatzung durch den Verkehrsminister im Hause des Ministerpräsidenten Ordensauszeichnungen über­reicht.

Später besuchte Prinz C h i ch i b u mit hohen Offizieren des Heeres und der Luftwaffe den Flugplatz Tashikawa, wo er zunächst dieCondor"-Besatzung begrüßte. Kapitän Henke schilderte eingehend in Anwesenheit des deutschen Botschafters und des Wehrmachtsattachss die Einzelheiten des Rekord- kluges, für den Prinz Chichibu durch eingehende Fragen das größte Interesse bewies. Anschließend daran nahm der Prinz eine Besichtigung desCondors vor, an der sich bann

auch zahlreiche Offiziere und Mannschaften der japanischen Fliegertruppen in Tachikawa beteiligten.

Das Focke-Wulf-FIugzeugCondor" DACOR ist am Montag um 21.32 Uhr MEZ. in Tokio zum Rückflug ge­startet. Das Flugzeug befindet sich auf dem Wege nach Manila. Die Entfernung bis zu diesem Zwischen- landevlatz beträgt etwa 3100 Kilometer.

Kurz vor Manila auf dem Wasser medergegangen.

Berlin. 6. Dez. (Funkmeldung.) DasCo»dor"-Flug- zeug D-ACOR.. das am Montagabend von Tokio zum Flug »ach den Philippinen gestartet war. mutzte beute morgen kurz vor Erreichung seines Zieles in der Bucht von Manila infolge eines Schadens an der Be­triebsstoff,»führung auf dem Waffer niedergeben. Rach dem vorliegenden Fnnksprnck des an dem Flag teil» nebmenden Vorstandsmitgliedes Junge der Focke-Wulf- Werke gelang es der Geschicklichkeit der Besatzung die Maschine glatt auf das Waffer aufzusetzea. Sämtliche I»- sassen d' s Flugzeuges sind woblauf. Nähere Nachrichten über den Hergang und über eine Bergung des Flngrenge» liegen zur Zeit «och nicht vor.