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Nr. 277.
Samstag/Sonntag, 26/27. November 1938.
86. Jahrgang.
Erfolge der Zusammenarbeit.
Von Fritz Günther.
Mseits vom Geschrei und der Hetze, mit bei das Welt« judentum und die mit ihm verbündete liberalistisch-marxistische Front der Unbelehrdaren in Presse und Parlament des demokratischen Auslandes auf die gerechten Siihnemagnahmen reagierte, mit denen das nationalsozialistische Deutschland die feige Mordtat des Juden Grünspan beantwortete, haben in der abgelaufenen Woche eine Reihe von erfolgversprechenden diplomatischen Zusammenkünften stakkgesunden und die Unterzeichnung bedeutungsvoller Abkommen hat die zwischenstaatlichen Beziehungen für die Zukunft festgelegt und dem Willen zu enger Zusammenarbeit auf politischem und kulturellem Gebiet Ausdruck gegeben. An dem Zustandekommen solcher Abkommen ist die deutsche Diplomatie in hervorragendem Mage beteiligt, und wenn durch fie auf zahlreichen Gebieten des internationalen Zusammenlebens Fortschritte und Entspannungen erzielt werden konnten, so ist das ein Beweis für den Friedenswillen d,es nationalsozialistischen Deutschlands, das sich auch durch die infame Hetze gewisser Auslandskreise nicht beirren läßt und konsequent und sicher seinen Weg verfolgt, mit dem Ziele, die allzulange schon vom Hag der jüdisch-bolschewistischen Elemente vergiftete politische Atmosphäre zu reinigen und eine Stabilität'in Europa zu schaffen, die im friedlichen Zusammenleben der Völker ihre stärkste Stütze hat.
So haben die Verträge, die in dieser Woche zwischen der Berliner und der Prager Regierung abgeschlosfen wurden, die Erenzverhältnisse zwischen Deutschland und der Tschecho-Slowakei jetzt endgültig geregelt. Die mit der Befreiung der sudetendeutschen Gebiete vor zwei Monaten einsetzende territoriale Reugestalturm im mitteleuropäischen Raum, die durch das Münchener Abkommen sanktioniert wurde, ist damit zum Abschluß gekommen. Zwischen dem Deutschen Reiche und der Tschecho-Slowakei Heftchen künftig keinerlei Erenzstreitigkeiten mehr und es ist erfreulich, daß der gute Wille, miteinander zu einer Einigung zu kommen, sich auch über gewisse politische Hemmungen hinwegsehen konnte, wenn es galt, die gegenseitigen Interessen miteinander in Einklang zu bringen. Das Werk der Befriedung ist aber mit der militärischen Besetzung der befreiten Gebiete und dem Wechsel der Verwaltungsorgane nicht erschöpft. Darüber hinaus haben vielmehr noch besondere Abmachungen Uber den Zugverkehr sowie den Bau einer exterritorialen Autchahn quer durch tschecho-slowakisches Gebiet, als Verbindung zwischen Schlesien und der Ostmark, zu Ergebnisien geführt, die bisher wohl ohne Beispiel in der Geschichte sind. Es handelt sich dabei um Projekte von weitgehender politischer und wirtschaftlicher Bedeutung, die den natürlichen Gegebenheiten durchaus entsprechen und für beide Teile von gleichem Nutzen sind. Auch die Verträge über die Option und den Austausch der Staatsangehörigen sind erfüllt von dem gleichen Geist und dem Willen zur Verständigung, der die Voraussetzung für ein freundnachbarliches Verhältnis und ein friedliches Einvernehmen ist und bleiben wird. Der neue Staat der Tschechen und der Slowaken sowie der Karpacho-Ukrainer, die gleichberechtigt nebeneinander leben wollen, hat sich inzwischen soweit konsolidiert, daß sich die drei Regierungen bereits auf einen gemeinsamen Staatspräsidenten geeinigt haben; die Wahl des hierfür vorgeschlagenen Dr. Hacha dürfte bereits in der nächsten Wocke erfolgen.
Werden durch das Abkommen Deutschlands mit der neuen Tschecho-Slowakei die politischen und wirtschaftlichen Vechäjj- nisie zwischen den Leiden Staaten völlig neu geregelt, so bedeutet das am Mittwoch in Rom unterzeichnete deutsch- italienische Kulturabkommen eine Ergänzung der politischen Achse Berlin—Rom, deren Fundament damit eine kulturelle Untermauerung erfährt, die der Zusammenarbeit des nationalsozialistischen Deutschlands und des faschistischen Italiens auf kulturellem Gebiete von außerordentlichem Nutzen sein wird. Neben der Bildung eines ständigen gemeinsamen Kulturausschusies, der paritätisch besetzt
Daladiers Machtprobe.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Generalstreik proklamiert.
ns. Berlin, 26. Nov. In Frankreich haben sich die Dinge unmittelbar nach dem Besuch der englischen Staatsmänner bedenklich zugespitzt. Die Streikbewegung hat einen bedrohlichen Umfang angenommen, so daß man, ohne zu übertreiben, schon von einem Streikaufruhr sprechen kann. Nicht genug damit, ist der allgemeine Gewerkschaftsbund durch Kommunisten und Marxisten soweit vorgetrieben worden, daß für Mittwoch, den 30. d. M., der allgemeine Generalstreik beschlossen worden ist. Ob er allerdings zur Durchführung gelangt, läßt sich zur Zeit noch nicht übersehen. Die mehrtägige Frist bis zum Einsetzen des Generalstreiks läßt immerhin den Schluß zu, daß den Gewerkschaften selbst bei diesem Gedanken nicht wohl ist und daß man Zeit für Verhandlungen zu gewinnen wünscht. Zum anderen lassen die Maßnahmen Daladiers erkennen, daß er die Gefahren, die ihm und seiner Regierung, darüber hinaus aber auch ganz Frankreich drohen, nicht unterschätzt und daß er entschlossen ist, nicht vor der jüdisch-kommunistischen und marxistischen Front zu kapitulieren. Diesen Hetzern geht es heute gar nicht mehr darum, einige Bestimmungen der Daladier- jchen Notverordnungen abzuandern und zu mildern, sondern ihnen geht es darum, das gesamte Aufbauwerkdes Ministerpräsidenten zu unterhöhlen, um so die Regierung Daladier zu stürzen und damit zugleich auch die aus Verständigung und Zusammenarbeit mit den anderen Völkern gerichtete Außenpolitik Bonnets zunichte zu machen und an ihre Stelle eine Außenpolitik zu setzen, die Moskau genehm ist und die damit auch die Unterstützung Rotspaniens sichert. Hatte es noch eines Beweises für die Notwendigkeit des Anti-Komintern-Paktes bedurft, desien wir gerade gestern zum 2. Jahrestag seiner Unterzeichnung besonders gedachten? Die jetzigen Vorgänge in Frankreich würden diesen Beweis erbringen, denn auch hier sind es wieder die Kräfte der Unordnung, der jüdischen Bolschewisten, die sich gegen das innere Auf
bauwerk der Regierung und gegen eine vernünftige Außenpolitik wenden und in diesem Kampf Marxisten und Ee- werkschasten für seine Ziele einzuspannen versteht.
Daladier hat schon bisher gezeigt, daß er gewillt ist, den Fehdehandschuh aufzunehmen, den ihm die Kommunisten hingeworfen haben. Er hat auf die Generwlstreikdrohung mit schwerem Geschütz geantwortet. Für die von ihm dabei in Aussicht genommene Verhängung des Militärrechts über gewisse Arbeitergruppen gibt es ein Beispiel in der französischen Geschichte. B r i a n d gebrauchte dieses Mittet bei einem Generalstreik y or dem Kriege gegenüber den Eisenbahnern. DarüLer- hinaus aber spricht man auch von der Möglichkeit der V e r - Hängung des Belagerungszustandes. Mder- stände, die gegen seine Aufbaupolitik seinerzeit im Kabinett selbst fühlbar wurden, hat Daladier mit seiner Rücktrrtts- drohung erfolgreich bekämpft Widerstände, die sich im Parlaments-Ausschuß zeigten, kämpfte er vor wenigen Tagen nieder, indem er drohte, in der allerletzten Minute den englischen Staatsbesuch abzusagen. So btieb er bisher Sieger. Er sieht sich jetzt aber einer noch schwierigeren Situation gegenüber. Es geht, um es nochmals zu betonen, nicht mehr in erster Linie um die Finanz- und Wirtschaftspläne, über die schließlich auch Daladier mit sich reden lasten würde — denn es ist weniger wichtig auf welchem Wege saniert wird, als daß überhaupt saniert wird, und die Folgen der marxistischen Mißwirtschaft endlich überwunden werden — sondern es geht um di e Staatsautorität. Der Ausgang dieser Kraftprobe wird über die Grenzen Frankreichs hinaus erhebliche Bedeutung erlangen.
Der Kampf ist für Daladier bestimmt nicht leicht, da in Frankreich die idellen Grundlagen fehlen, die dem Geist der Zersetzung entgegen gestellt werden könnten. Die Gerüchte, daß Daladier ein Verbot der Kommunistischen Partei plane, werden als unrichtig gekennzeichnet, was durchaus zutreffend sein dürfte, da dafür, wie die Verhandlungen des Finanzausschusses der Kammer ergaben, nicht einmal die eigene Partei Daladiers zu haben sein würde.
Der Verkauf jüdischen Vermögens.
De« Gauleiter hat nachstehende Anordnung erlösten:
Dem Judentum kann es nicht überlasten bleiben, feine Vermögensstücke planlos oder absichtlich nach besonderen Methoden abzustoßen. Partei und Staat mästen darüber wachen, daß sich jeder Besttzwechsel dieser Art in ordnungsmäßigem Rahmen vollzieht.
Um im Gan Hessen-Nassau, so wie dies zum Teil bereits in anderen Gauen geschehen ist, den Übergang jüdischen Eigentums in deutsche Hände streng nach den Grundsätzen, die der deutschen Wirtschaft dienlich sind, zu vollziehen, ordne ich hierdurch bis zu einer gesetzlichen Regelung folgendes an:
Käufe von bisher jüdischem Eigentum aller Art sind schriftlich zu tätigen. Jeder Kaufvertrag ist mit sofortiger Wirkung vor Kaufabschluß dem zuständigen Kreiswirtschastsberater der NSDAP, einzureiche». Ich betone ausdrücklich, daß für die Begutachtung dieser Kausverträge, wie überhaupt für alle wirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Angelegenheiten innerhalb der Partei einzig und allein die Kreiswirtschaftsberater und der Gauwirtschaftsberater zuständig sind. Zuwiderhandlungen werden strengstens geahndet.
Frauksnrt a. M., 25. November 1938.
Sprenger, Gauleiter.
Englische Presse gegen militärische Bindungen.
nicht noch die Kosten leisten, eine Armee von kontinentalem Umfange auszubilden.
„Daily Expreß" warnt vor einer Verpflichtung hinsichtlich eines englischen Expeditionskorps. Wenn man Frankreich irgend eine militärische Unterstützung verspreche, ganz gleich ob klein oder groß, so stelle man damit die gesamte Jugend Englands für einen Krieg an Frankreichs Grenzen zur Verfügung.
Arbeitsverweigerer kommen vor das Kriegsgericht.
London, 26. Nov. (Funkmeldung.) Nach Abschluß der Pariser Reise des britischen Ministerpräsidenten und des Außenministers ist in der englischen Presse eine starje Ernüchterung unverkennbar, die durch die innere Lage Frankreichs verursacht wird. Die Streits finden in der Morgenpresse starke Beachtung und werden allgemein, soweit die Blatter dazu Stellung nehmen, als Zeichen für die innere Schwäche Frankreichs gewertet. Außerdem aber bemüht sich die Morgen^ preffe, den Eindruck zu verwischen, als habe Chamberlain sich auf militärischem Geriet Frankreich gegenüber zu größeren Zugeständnissen bereit gefunden. Insbesondere verneinen die Blätter, daß England sich für den Kriegsfall verpflichtet habe, Frankreich sofort ein größeres Expeditionskorps für den Kontinent zur Verfügung zu stellen.
„Times" stellt fest, daß Frankreich stark sein müsse zu seiner Sicherheit und zwar nicht nur der Zahl nach, iondern auch in der Rüstung und in den industriellen und finanziellen Quellen, die sie ermöglichten. Es sei gerade in diesem Augenblick besonders bedauerlich,-daß die französischen Gewerkschaften gegen etwas protestierten, was sie als einseitige Opfer in dem Reynaud-Plan auf eben, und daß ihr Protest eine Form annehme, die die Feinde Frankreichs nur mit Befriedigung erfüllen könne.
„Daily Mail", die in ihrem Leitarfikel ebenfalls zunächst die inneren Zustände Frankreichs behandelt und dabei ihre Hoffnungen auf Daladier als den starken Mann setzt, behandelt dann ebenfalls die Frage einer militärischen Unterstützung Frankreichs zu Lande. Selbst wenn, so schreibt das Blatt ü. a., das Volk jetzt wieder bereit fein sollte, eine kontinentale Intervention großen Umfanges ms Auge zu fassen, so würden dem Aufbau einer für diesen Zweck entsprechenden Armee unübersteigbare Hindernisse tm Wege stehen. England wisse heute, daß seine erste Pflicht, stw selbst und dem weitverstreuten englischen Empire gegenüber bie sei, eine große Luftwaffe zu bauen, die Zumindest feder anderen gleich sei. Für diese Arbeit müsse es all seine Hilfsquellen voll einsetzen. Außerdem müsse die Insel zur Oisen- baltung der Seewege eine überlegene Flotte besitzen. Eng- lanL könne sich angesichts dieser beiden drückenden Lasten
Paris, 26. Nov. (Funkmeldung.) Daladier ist, um die Ruhe und Ordnung auzrechtzuerhalten, entschlossen, auf das im Juli beschlossene Gesetz zur „Organisierung der Ratio» in Kriegszeiten" zurückzugreifen, das einen Artikel enthält, der für den Fall von Unruhen die Mobilisierung des gesamten Personals der öffentlichen D i e »st e und der große», für die Landesverteidigung arbeitenden Industrie» ermöglicht. Zwei Erlasse ordnen bereits die Requirierung der Eisenbahn von Anzin und der nordfranzösischen Bergwerke an. Da diese Anordnung keine Wirkung gezeitigt hat — die Arbeiter find zwar an den befohlenen Arbeitsstellen angetreten, haben aber teilweise die Arbeit nicht anfgenommen —, sind am Freitagabend General Doumenec und die Offiziere, die das Kriegsgericht des 1. Armeekorps von Lille bilden, in valenctennes ein getroffen. Dieses Kriegsgericht wird Samstagfrüh tagen, und j e d e r A r b e i t e r, der sich der Requirierungsorder widersetzt, wird sofort verhaftet und vor das Kriegsgericht gestellt werden.
Die Arbeiter der verschiedenen Eisenbahnlinien haben am Freitagnachmittag eine Versammlung abgehalten. Im Anschluß hieran versuchten sie Kundgebungen gegen die Notverordnungen zu organisiere», und zwar in de» Pariser Bahnhöfen, wo gerade in den Abendstunden der größte Ber- kehr herrsckie. Begleitet von verhetzte« Arbeitern nnd Angestellten der Eisenbahagesellschaftea veranstalteten fie in den Bahnhofsvorhallen Umzüge und brachten ie Sprechchöre»
Schmährufe auf Daladier aus. Die Polizei zerstreute die Kundgeber. Etwa 60 von ihnen wurden bisher verhaftet.
Der Streik in der «ordfranzösischen Metallindustrie von Balencienaes und Umgebung ist am Freitagabend vollständig. Auch die gesamten Bergarbeiter des Grubenwerkes von Anzin, die in einen Sympathiestreik für die Metallarbeiter eingetreten sind, befinden sich am Freitagabend im Ausstand. Bon der Streikbewegung find über 40 000 Arbeiter oH c i n in der Gegend von Baleuciennes betroffen.
Bis Freitagabend ist es dem Dnrchgreifen der Polizeibehörden gelungen, in Paris sämtliche bestreikten und besetzten Werke zu räumen. Auch im nardsrauzöstscheu Industriegebiet find bis mittag weitere 16 Werk« geräumt worden. In Kreisen des Innenministeriums gibt man der Hoffnung Ausdruck, daß bis Freitagabend alle augenblicklich besetzten Unternehmungen geräumt sein werden. Auch in Rouen find bereits alle besetzten Werke wieder frei. Anscheinend hat das energische Porgehen der Polizei gegenüber dem kommunistischen Streikterror hter schon Frücht« getragen.
Inzwischen scheint fich allerdings die Streikbewegung auf die Flugzeugindustrie auszudehnen. So besetzten 650 Manu die Flngzeugfabriken von Bloch in Orly. Die Streikenden wurden jedoch bald wieder von dem Arbeitsgelände entfernt Anchin den Flugzeugwerken Breguet in Billacoublay sind 600 Manu der Belegschaft in den Streik getreten.
