Wiesbadener TaMatt
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6 Ausgaben
Unterhaltungsbeilage.
Nr. 276.
Freitag, 25. November 1938.
86. Jahrgang.
Zusammenarbeit Achse-Entente.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Paris ohne Sensation.
as. Berlin, 25. Nov. Die offiziellen B e - svrechungeu zwischen den englischen und französischen Staatsmckmiern in Paris find gestern bereits beendet worden. Heute vormittag haben die englischen Gäste die französische Hauptstadt wieder verlassen. Die amtliche Meldung über das Ergebnis der Aussprache ist nicht sehr aufschlußreich. sie bestätigt, daß alle Fragen, die die beiden Regierungen interessieren, behandelt wurden und sie bestätigt weiterhin, daß eine völlige Überein st immung bestand. Es kann auch nicht überraschen, daß in der amtlichen Meldung besonders auf die Fragen der Landesverteidigung verwiesen wird, denn es stand ja von vorne- herein fest, daß dieses Thema in Paris eine sehr wichtige Rolle spielen würde. Hinsichtlich der Übereinstimmung, die sich ergab, ist man auf die Kombinationen der französischen Presie angewiesen. Danach ist in der spanischen Frage eine endgültige Entscheidung darüber, ob General Franco die Rolle einer kriegführenden Partei zugestanden werden soll, noch nicht getroffen, vielmehr soll diese Frage durch den Nichteinmischungsausschuß entschieden werden. Um aber das nationale Spanien zu beschwichtigen, so sagen französische Blätter, sei die Entsendung eines offiziösen Vertreters vorgesehen worden. In bezug auf den Fernen Osten scheint man sich imt der Feststellung begnügt zu haben, daß eine Vermittlungsaktion zur Zeit keine Erfolgsaussichten bietet. Französische, Blätter wollen weiterhin wissen, daß auch die Frage der jüdischen Flüchtlinge gestreift worden sei, daß aber mit diesem Problem der seinerzeit auf der sogenannten Flüchtlingskonferenz in E v i a n eingesetzte Ausschuß befaßt werden soll.
Bor einer deutsch-französischen Erklärung.
Wenn nicht später noch besondere Einzelheiten bekannt werden sollten, so wird man sagen können, daß Paris keine Sensationen gebracht, daß es aber erneut die Entente bestätigt hat. Wichtiger als dieses Pariser Ergebnis erscheint deshalb auch vielen französischen und englischen Blättern die Meldung von der bevor st ehenden deutsch-französischen Erklärung. Es ist damit erneut bestätigt, daß Achse und Entente zusanimen zu arbeiten vermögen. Das wieder heißt, daß diese Vereinbarung keine Gefährdung des englisch-französischen Verhältnisses darstellt, was schon daraus hervorgeht, daß Chamberlain gestern in einer Rundfunkansprache seine besondere Genugtuung über dic deutsch-französische Erklärung zum Ausdruck gebracht hat. Auf der anderen Seite ist es ebenso selbstverständlich, daß dadurch nicht die Achse Berlin — Rom berührt wird und daß Deutschland ebenso Italien über diese Verhandlungen mit Frankreich auf dem laufenden gehalten hat, was die italienische Presse hervorhebt, wie die Franzosen die Engländer unterrichteten, was wiederum von den englischen Blättern betont wird.
Ausdruck des beiderseitigen guten Willens.
Die französische Presse, bis auf einige ganz wenige Ausnahmen auf der äußersten Linken — besonders sind es natürlich wieder die Kommunisten, die sich ganz wild gebärden , begrüßt den angekündigten Besuch des Reichsaußenministers von Ribbentrop in Paris und sieht in
der kommenden deutsch-französischen Erklärung eine logische Folge von München. Der „Temvs" stellt dazu fest, daß es sich nicht um einen Nichtangriffspakt handele, auch nicht um einen zweiseitigen Vertrag, der eine bestimmte Frage regeln solle, sondern vielmehr um eine Erklärung des gegenseitigen guten Willens und der guten Absichten, und von gleicher moralischer Bedeutung sei, wie die gemeinsame Erklärung Hitlers und Chamberlains mit dem Zusatz bezüglich der Unveränderlichkeit der be st ehenden deutsch-französischen Grenze. Daß das aber nicht eine Herabminderung des Wertes der Erklärung bedeutet, bringt der „Matin" mit folgenden Worten klar zum Ausdruck: „Wenn zwei Länder ihre Unterschrift unter eine Erklärung setzen und es sich hierbei um Deutschland und Frankreich handelt, io hat das den gleichen Wert, als wenn sie einen Vertrag unterzeichnen. Und wenn die beiden Länder, die sich im Laufe der Jahrzehnte ihre Grenzen so oft streitig gemacht haben, diese in feierlicher Form als unberührbar und endgültig bezeichnen, so hat das mehr Wert, als alle ideologischen Sicherheit.spalte. Diesmal steht man der Wirklichkeit gegenüber und befindet sich nicht in den Wolken. Diesmal befindet man sich Männern gegenüber, die befugt sind, im Namen ihrer Völker zu sprechen und deren Wille in die Tat umzujetzen. Dic deutsch-französische Erklärung wird darum als ein wichtiges Datum in die Weltgeschichte eingehen. Sie schafft eine neue Atmosphäre und wirs den Kriegslustigen drinnen und draußen einen neuen Schlag versetzen."
Reise Ribbentrops nach Paris.
Übereinkommen im Geiste von München.
Berlin, 24. Nov. Zu der Frage M deutsch-französischen Beziehungen erführt DNB. von unterrichteter Seite:
Der Führer und Reichskanzler hat in den letzten Jahren oft Gelegenheit genommen zu erklären, daß zwischen Frankreich und Deutschland keine Probleme bestehe«, die einem freundschaftlich-nachbarlichen Verhältnis grundsätzlich entgegenstehen. Nach dem Münchener Abkommen haben sich die Wünsche getroffen, dem Streben nach einem solchen Verhältnis konkreten Ausdruck zu verleihen. Die Bedingungen für ein Übereinkommen zwischen Deutschland und Frankreich im Sinne der in München getroffenen Vereinbarung zwischen Deutschland und England haben sich in den letzten Wochen als außerordentlich günstig gezeigt.
Die deutsche und die französische Regierung prüfen deshalb gegenseitig eine gemeinsam vorbereitete Erklärung betreffend das nachbarliche Verhältnis der beiden Staaten zueinander, und es steht zu erwarten, daß sich der Reichsminister des Auswärtigen, v. Ribbentrop, in den nächsten Tagen nach Paris begibt, um mit dem französischen Außenminister George Bonnet zu einem Abschluß dieser vorbereiteten Erklärung zu gelangen.
Kulturabkommen mit Japan.
Bon Botschafter Ott und Außenminister Arita unterzeichnet.
Tokio, 25. Nov. (Funkmeldung.) Heute, am zweiten Jahrestag des deutsch-japanischen Antikomintern-Abkom- mens, ist in Tokio durch den deutschen Botschafter Ott und den japanischen Außenminister Arita ein deutsch-japanisches Kulturabkommen unterzeichnet worden. Das Abkommen sieht eine enge Zusammenarbeit und planmäßig« Förderung der Beziehungen auf den verschiedensten Gebieten des kulturellen Lebens vor.
tag angesetzte Präsidentenwahl wegen unvorhergesehener politischer Schwierigkeiten verschöben wird. Die Kandidatur Dr. Hachas gelte aber als fest.
Ministerpräsident Dr. Tiso, Minister Durcansky, Abgeordneter S i d o r und Senator M e d e r l y sind Donnerstagabend zu dringenden Beratungen nach Prag abgereist.
Benesch außer Kurs.
Mit dem 1. Dezember werden alle tschecho-slowakischen 50-Heller-Marken, die das Bildnis Dr. Beneschs zeigen, außer Kurs gesetzt.
Berlin-Tokio-Rom.
Zwei Jahre Antikomintern-Abkommen.
* Entscheidungen von weltpolitischer Bedeutung bedürfen eines weltpolitischen Hintergrundes, um ihre innere Notwendigkeit und ihren tiefsten Sinn zu enthüllen. Wer heute zurückblickt in jene Stunden, da vor zwei Jahren zum ersten Male das deutsch-javanische Antikomintern- Abkommen an das Licht der Öffentlichkeit trat, erlebt in feiner eigenen Erinnerung den Umschwung einer Zeit, der spätere Geschlechter nicht nur Europas, sondern auch Ostasiens den Ehrennamen einer großen und umstürzend wichtigen beilegen werden. Wie viel hat sich allein in dem Kartenbild der Kontinente seit dem 25. November 1936 verändert! Aus dem italienischen Königreich ist das neue römische Imperium geworden, das im Mittelmeer seine Weltmachtstellung bezog und politische Auswirkungen tief nach Afrika und Klein-Asten hineinstrahlt. In der Mitte Europas führt der Flug des deutschen Adlers heute über weite deutsche Gebiete, ine noch vor kurzem fremder Staatsoberhoheit unterstanden und tu verzweifeltem Abwehrkampf die ewigen Rechte ihres Volkstums gegen den zerbröckelnden Machtspruch einer alternden Welt verfochten. In Osteuropa ist eine innere Neuordnung und Umformung vieler kleineren Nationen im Dange, die stch bis tief in den Balkan hinein immer mehr von dem Blendwerk der westeuropäischen demokratischen Staatsdoktrin zu lafen beginnen, die ihrem eigenen Wesen nicht gemäß ist. Uno ein ähnlich gewaltiger Umschwung hat sich auch in den Riewn- gebieten des Fernen Ostens vollzogen. DieEndauseinandersetzung zwischen Japan und China hat sämtliche Grenzen und politische Einflußzonen der ostasiatischen Welt durcheinandergeworfen. Die Truppen Japans stehen siegreich in den vauvt- zentren des chinesischen Widerstandes und unter ihrem Schuß vollzieht sich eine Neuordnung des Ostens, die der Neuordnung in Mitteleuropa rn vielem verwandt ist und die mit der gleichen Energie und der ovierireudigei, Staatsgesinnung weitergetrieben wird, die auch das deutiche uNd das italienische Volk beseelen. .
Ein solcher Umschwung der Weltlage stellt die Machte, die ihn verursachen, mehr denn je in eine volltische und geistige Nachbarschaft. Noch vor zwei Jahren schien die Freundschaft zwischen Deutschland, Italien und Japan, die inzwischen zu einem Ordnungsblock der drei Groß. Mächte geworden ist, vielen westlichen Politikern ein Experiment zu sein, das allzu kühn über Riesenentfernungen hinweggrisf. Damals spottete man in England über die Politik Adolf Hitlers, die eine angebliche Isolierung tn Europa durch ein Abkommen mit dem fernöstlichen Japan zu durchbrechen suchte. Inzwischen ist dieses Lächeln dem westlichen Europa sehr bitter vergangen. Die Kriegskrise, die im letzten Augenblick durch das Münchener Abkommen fleitoppt wurde, zeigte deutlich, daß das deutsche 80-Millionen-Volk die ewigen Rechte, die ihm zustehen, keineswegs schwachmütig aus den Händen geben wird. Die Entschlossenheit und der Ernst der nationalsozialistischen Politik sind heute kein Kntder- märchen mehr, sondern unantastbare politische Wirklichkeit. Und ebenso bestand die A ch s e B e r l i n — R o m iene Probe für Jahrhunderte, gegen die sich die Lügenhetze des Westens kläglich genug ausnimmt. Aber auch das japanische Volk hat gezeigt, daß es für die Verteidigung der Macht und Ehre auch die größten Opfer nicht scheut, wenn sie gebracht werden müssen. Im Dreieck Berlin —Rom — Tokio ist mit nichts so sehr Schluß gemacht worden, wie mit feiger Schwäche. Un- entichlosienheit und einer durchaus unangebrachten Minderbewertung der eigenen nationalen Größe. Heute halten in diesem Raum die drei Ordnungsmächte, der Welt oder, wenn man es klarer hören will, die Großmächte der neuen Weltordnung, die Ordnung aufrecht. Und was jenseits dieser Front steht, muß erst erweisen, daß es bei sich selbst Ordnung machen kann. Mit einer nur konservativen Erhaltung von Vergangenheitsstandpunkten löst man nicht die Aufgaben der Zukunft, die heute jeder großen Nation im, eigenen Hause und gegenüber den anderen Mächten gestellt sind.
Diese grundsätzliche Bewährung des eigenen nationalen Geistes, wie sie sich in den letzten beiden Jahren, ergab, ist aber zugleich eine Bestätigung dafür, daß die Kernrichtung des zwischen Deutschland, Italien und Japan vereinbarten Anti- komintern-Abkommens. d. h. die Kriegsansage gegen den Bolschewismus in jeder Form, einer richtigen
Die beiden Regierungen bringen hierdurch ihren Willen zum Ausdruck, im Bereiche des Kulturlebens in engster Ver- bundenheit zu arbeiten und die Weltgefahr des Bolschewismus auch innerhalb dissses bedeutsamen und wichtigen Gebiets zu bekämpfen.
König Carol auf dem Berghof.
Privater Besuch beim Führer und Reichskanzler.
Berchtesgaden, 24. Nov. Seine Majestät König Carol II. von Rumänien stattete heute, begleitet von seinem Sohn, dem Kronprinzen Michael, dem Führer und Reichskanzler auf dem Obersalzberg einen privaten Besuch ab und wellte zum Frühstück auf dem Berghos.
An den Besprechungen und dem Frühstück nahm der Rttchsminifter des Auswärtigen, v. Ribbentrop, teil.
Präsidentenwahl verschoben.
Unvorhergesehene Schwierigkeiten in der Tschecho-Slowakei.
Preßburg, 25. Nov. (Funkmeldung.) Die Ausgabe des „Slomal" vom Freitag berichtet, daß die für kommenden Mon-
Energifches Vorgehen Daladiers gegen die Streikhetzer.
vt. Die Streikbewegung in Frankreich wächst sich zu einer innenpolitischen Gefahr ersten Ranges aus. Die kommunistischen Hetzer benutze» die Mißstimmung gegen die Notverordnungen Daladiers, um einen umfasiende» Streik durchzuführen, dem zweifellos politische Ziele zugrunde liege». In der Presie werden diese von Moskau diktierte» Macheuschaste» geradezu als ei» Attentat gegen das Laad betrachtet. Besonders unangenehm wird es empfunden, daß diese, zur offene» Revolte ausartende Streikbewegung gerade während der Anwesenheit der englischen Minister zum Ausbruch kam. Ma» fürchtet, daß Eagland sei» Vertraue» in Frankreich, das anscheinend nicht in der Lag« sei, seine inneren Verhältnisse zu stabilisieren, verlöre.
Da lädier läßt jedoch keinen Zweifel daran, daß er mit allen Mitteln gegen die bolschewistische« Unruhestifter vorgehen will. Er ist nicht gesonnen, eine Wiederholung der Vorgänge, wie sie sich 1936 unter Leon Blum ereigneten, zuzulasie». Er ließ sich die Besugnisie des Innenministers übertragen und leitet somit selbst den Abwehr- kampf. Gestern abend hatte er eine Aussprach« mit dem
Kommandanten von Paris, General Billotte, woraus man schließt, daß er an den Einsatz von Militär denkt. Außer Nordsrankreich ist der ganze rote Gürtel um Paris der Streikpsqchose erlegen. Die Zahl der Ausständigen wird mit 60 000 angegeben. 2000 Arbeiter besetzten in den späten Abendstunden des Donnerstag die Renault-Werke in Boulogae. 3500 Mobilgardisten und Polizisten wurden zur Ränmung eingesetzt. Die Ordnungstruppen gingen mit Tränengas gegen die Streikenden vor. Um jeden Schraubstock und jede Werkzeugmaschine mußte gekämpft werden. Die Streikenden benutzten die Schrauben, Bolzen und sonstige Eisenstücke als Wurf- geschosie. Drei Polizisten mußten sich einer sofortigen Schädeloperation unterziehen. Im ganzen wurden 20 Polizeibeamte und wie der „Matt«" wisse« will, sogar 80 Mitglieder des Ordnungsdienstes verwundet. 450 Streikende sind verhaftet worden.
Der Minister für öfsentliche Arbeiten de Monzi« er« ließ eine Requirierungsverordnung, auf Grund deren er die nordfranzösische Grubenbahn, die znr belgischen Grenze sührt und völlig stillgelegt worden war, militärisch besetzen ließ.
