Wiesbadener Taablatt
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Nr. 263.
Mittwoch, 9. November 1938.
86. Jahrgang.
„Was ihr ersehnt habt, ist nun erfüllt!"
Die Rede des Führers auf dem historischen Appell im Bürgerbrüukeller.
Die Toten siegten!
Von Heinrich Karl Kunz.
Der Marsch in die deutsche Zukunft schien, noch ehe er recht begonnen hatte, im Eewehrfeuer zu zerbrechen. Sechzehn Tote bedeckten die Marschstraße. Sechzehn Männer, die vier ^ahre hindurch einem übermächtigen Feind getrotzt hatten, die nur eine Pflicht kannten: Deutschland! Die aber, die hinter den Gewehren standen, glaubten eine Episode beendet.
Eine Weile schwieg der Marschtritt. In der Stille, unter harmlosen Namen, hinter verschlossenen Türen sammelten sich die versprengten Bataillone und als ihr Führer aus der Festungshaft entlassen und frei war, betraten sie von neuem die Straße. Sie setzten den Marsch fort, dem der Tod ein jähes Halt geboten hatte. Ihr harter Schritt pochte an die Türen, an die Herzen. Die Spießer sahen über sie hinweg, die Parteien suchten sie totzuschweigen. Aus Bataillonen aber wurden Brigaden, unabsehbar die Länge der braunen Kolonnen. Die Luft füllte sich mit ihren Fahnen, die Straßen hallten wider von ihrem Gesang. An der Spitze die Toten. Da schlossen die Spießer ihre Türen zu und hie verhetzten Gegner wollten die Lieder des Glaubens niederschreien, die geschlossenen Reihen sprengen. Der Vortrupp der a.oten wuchs. Aus sechzehn wurden Hunderte. Unbeirrbar aber der Befehl, in dessen Erfüllung die Toten starben und die Lebenden marschierten, vor ihnen, wie damals in München vor den Gewehren, der Führer. Unter ihrem Marsch- tritt zersplitterte der letzte Widerstand. Und die Fahne, die an jenem 9. November die ersten Toten des deutschen Aufbruchs deckte, wehte sieghaft auf der Reichskanzlei. Der Führer und seine Marschierer nahmen das Schicksal der Nation in ihre Hände. Die Toten bezogen die Ewige Wache. So eroberten sie die Macht!
*
Der Führer und seine Getreuen gingen unter das Volk, aus dem sie gekommen waren. Sie lehrten ihm die Gemeinschaft. Nicht der einzelne hatte an jenem 90. Ianuar a e s i egt, nicht eine körperlose Idee, noch die Gewalt der Waffen, sondern einzig die Gemeinschaft, die eiserne Geschlossenheit der braunen Marscbkolcnnen, in denen Wort und Wille des Führers leben. Zersplitterung und Zerrissenheit, in Stämme, in Konfessionen und in Weltanschauungen — der Führer bewies es an dem traurigen Beispiel der Gegenwart und mit den Zeugnissen der Geschichte — zerstörten die deutsche Kraft. Wo aber einzelne, Hunderte, Tausende, Millionen lich zusammenschließen — dafür sprach der Sieg der nationalsozialistischen Bewegung — bricht eine Macht auf, die das Recht in seinen Schutz nehmen und die allgemeine Wohlfahrt, die verloren gegangen war, aufbauen und sichern kann. Und euer Kastengeist und Standesdünkel? Der Führer wies auf feine braunen Bataillone, auf die Toten von München, auf die vielen, die ihnen folgten. Waren es nicht Arbeiter, Bauern, Offiziere und Adlige. Söhne alter Geschlechter und namenloser Familien? Was bedeutete das! Daß sie Deutsche, daß sie Männer waren, die ihre Heimat und ihr Volk liebten, ihm Recht und Lebensraum erkämpfen wolllen, das umschloß sie mit einem eisernen Band, machte sie zu Kameraden. Und jeder opferte nach dem Maß seines Besitzes und jeder half und es gab keine Not, gegen die sich nicht em Mittel gefunden hätte. Die Toten, die die Wahrheit dieser Erkenntnis mit der Hingabe ihres Lebens belegt hatten, traten wieder an die Spitze der Marschkolonnen, in. die sich das ganze Volk eingliederte, in denen es oeglückt die Kameradschaft erlebte und die Gemeinschaft der Deutschen vollendete.
So eroberten sie dasVolk! +
Vier Jahre war der Führer, als einer der Millionen unbekannten Frontsoldaten, ein Stein gewesen in der granitenen
wf. Am Dienstag erlebte die Hauptstadt der Bewegung jutn erstenmal das Bild einer marschierenden SA. - Kolonne mit geschultertem Gewehr. Ein Sturm der «Standarte ..Feldherrnballe" marschierte durch die Stadt zur Dienststelle der Obersten SA.-Führung, wo die Wachablösung stattfand. Die Truppe, die einen vorzüglichen Eindruck machte, wurde von der Bevölkerung überall fr endig begrüßt.
In den trüben Nachmittagsstunden fand im Festsaal des Münchener Künstlerhauses ein Empfang der in- und ausländischen Presse statt, auf der Reichsbauvt- amtsleiter Dr. D r e s l e r und der Oberbürgermeister von München Fiehler das Wort ergriffen. Die Vertreter der in- und ausländischen Presse folgten mit gespanntem Interesse den leidenschaftlich bewegten Worten des Oberbürgermeisters. des alten Mitkämpfers Adolf Hitlers, der über den Sinn und die Bedeutung des 9. Novembers sprach.
Der Abend brachte die große Stunde fürdie alte Garde. Im einfachen Braunhemd, ohne jedes Rangabreichen. versammelten Re sich im Bürgerbräukeller. Da saßen sie nebeneinander, nicht mehr Gauleiter. Eruvoen- iührer, Minister oder Blockwarte, sondern einzig politische Soldaten, treue Gefolgsmänner Adolf Hitlers. Groß ist die Zahl der Offiziere und Soldaten der Wehrmacht und der voliiet, die aus der Bewegung kamen. Sie tragen auf dem
Mauer, die die Heimat schützte. Einer in den stürmenden grauen Wellen, einer von denen, die in zerfe^en Erdlöchern, hinter den Gewehren kauernd, den Sturm aus Feuer und Eisen über sich ergehen ließen. Dort erlebte er die stolze Kraft des deutschen Volkes, seine, jedes geschichtliche Beispiel überschattende Einsatz- und Opferbereitschaft. Und diesem Volk tat man ein Versailles an! Für bte deutsche Gemeinschaft und gegen die Schmach des Friedens- d i k t a t e s marschierte der Führer und seine Getreuen, die Toten an der Spitze. Und das erwachte Volk trat hinter ihn und seine Forderung nach Austilgung dieses Unrechts. Der Führer, der an dem innerdeutschen Schicksal erleb: hatte, daß nur die Macht Recht zu schaffen vermag, ging mit unerhörter Energie an die Wiederherstellung der Wehrkraft heran. Mit ihm das ganze Volk, das sein Ehrgefühl wiedergefunden hatte.
Die Rede des Führers im Bürgerbräukeller hat folgenden Wortlaut:
Meine Parteigenossen und Parteigenossinnen!
Das Treffen in den Tagen des 8. und 9. November zu München bedeutet für uns, die wir den geschichtlichen Weg der nationalsozialistischen Bewegung und damit Deutschlands gestalteten, unendlich viel! Heute feiern wir die Erinnerung an diese Zeit des Jahres 1923 mit besonderer Ergriffenheit. Das Jahr 1938 wird in die Geschichte eingehen als ein Jahr großer h i stbri sch e r Geschehnisse und großer geschichtlicher Erfolge. Vor 20 Jahren vollendete sich tn diesen Tagen die deutsche Katastrophe! Vor 15 Jahren haben wir zum ersten Male versucht, sie zu wenden!
Das Schicksalsjahr 1918.
Wesentlich für den Zusammenvruch im Jahre 1918 war der innere Verfall des deutschen Volkes und seine klassenmäßige Aufspaltung in Proletariat und Bürgertum. Schon viele Jahrzehnte vor dieser Zeit wurden besondere soziale Momente von bett in das deutsche
Noch keine Besserung.
Kommunique über das Befinden des Legationssekretärs vom Rath.
Paris, 9. Nov. (Letzte Funkmeldung.) Die behandelnden Arzte, Prof. Dr. Magnus und Dr. Brandt, haben über das Befinden des Legationssekretärs vom Rath das folgende neue Kommunique veröffentlicht:
Der Zustand des Legationssekretärs vom Rath zeigte während der Nacht keine Besserung. Die Folgen der schweren inneren Verletzungen wirken fich aus. Es wird weiter versucht, die Abwehrkräste des Körpers mit allen Mitteln zu unterstützen.
Dr. Magnus, Dr. Brandt.
Paris, 9. Nov. 1938.
Telegramm des Reichsaußenministers.
Berlin, 8. Nov. Der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop hat an den Legationssekretär vom Rath in Paris folgendes Telegramm gesandt:
„Mit Empörung habe ich gehört, daß Sie das Opfer eines unerhörten Anschlages geworden sind. Ich hoffe, daß Ihre Verwundung keine ernsteren Folgen haben wird und wünsche Ihnen eine baldige völlige Wiederherstellung."
Grau des Uniiormrockes das Band des Blutordens. Neu Etntreffende, die heute an verantwortlichen Stellen des Staates stehen, wurden mit Begeisterung begrüßt. Alte Erinnerungen feierten ihre Auferstehung, schwere Er- innerungen. aber durchleuchtet von dem Glück der Erfüllung. Die Gespräche verstummten, als das heilige Zeichen der Bewegung, die Blutfahne von Erimminger tn den Saal getragen wird. Und nun erreicht die Spannung und Erwartung ihren Höhepunkt. Die Männer stehen auf Stwen und Bänken. Die ersten Klänge des Badenweiler Marsches ertönen und versinken in einem grenzenlosen 5»übel, der dem Führer entgegenschlägt, als er mit Rudolf Heß. Brückner. Julius Schaub und Ulrich Erat den Saal betritt. Erst nach Minuten begeisterter Kuiwgebungen gelingt es Christian Weber, seine Worte zu Gehör zu bringen, in denen er den Gefühlen Ausdruck siot, die alle Anwesenden beseelt. Dann sprach der Führer, immer wieder unterbrochen von dem Beifall seiner Getreuesten, der stch am Schluß der Rede zu einer einzig- jt tilgen Kundgebung der Verehrung, des Glaubens und der Treue verdichtete. Ein Schwur, in dem das ganze deutsche Volk eingeschloffen ist.
.Die Ansprache des Führers wurde in drei weiteren Stoßen Versammlungsräumen Münchens, wo ihr Tausende m atemloser Spannung lauschten, übertragen.
In kurzer Zeit schmiedete es eine Waffe, zu der in der Welt ein gleichwertiges Gegenstück nicht zu finden ist. Als dann die deutschen Brüder in der Ostmark und im Sudetenland, wider ihren Willen und entgegen jeglichem Recht vom Mutterland getrennt, aus ihrem Elend, ihrer Verzweiflung um Hilfe tiefen, gab es für den Führer keine Frage. Auch dann nicht, da das Ausland mit dem Äußersten drohte. Der Führer war bereit, das eben erst geschaffene Schwert zu erproben. Die Toten aber verließen die Gräber. Sie, die -ihr Leben dem Glauben an Deutschland bargebracht hatten, erstanden zu Mahnern in der Stunde der Entscheidung. Und sie waren nicht umsonst gefallen. Das Volk, zum Letzten bereit, rechte sich hinter sie. In dieser Entschloffenheit verlosch die Drohung einer verständnislosen Umwelt.
So eroberten sie Großdeutschland!
Volk cingebrungencn internationalen jüdischen Parasiten in raffiniertester Weise ausgenutzt und ausgewertet. Was fich in den Iahren 1914 bis 1918 abspielte, war nichts anderes als die langsame Auswirkung dieser Riffe im Volkskörper, von Jahr zu Jahr konnte man deutlicher sehen, wie diese Tendenzen, das deutsche Volk immer mehr vom äußeren zu einem inneren Kampf abzuleken, zunahmen, sodaß endlich im Jahre 1918 die Zersplitterung tatsächlich weite Kreise ergriffen hatte.
Es handelte sich nicht mehr um einen Verteidigungskrieg der deutschen Nation, sondern um einen Kampf des Proletariats gegen das Bürgertum und des Bürgertums gegen das Proletariat. Es trat bann der bekannte große Apostel aus Amerika auf, der eine neue Völker- moral mit seinen 14 Punkten predigte. (Stürmische Heiterkeit.)
Trotzdem wäre auch im Jahre 1918 kein Zusammenbruch eingetreten, wenn nicht das deutsche Volk in seiner Verblendung den inneren Bürgerstreit zum Bürgerkrieg hätte ausarten laffen. Ich glaube, ich habe ein Recht darauf, auszusprechen, daß, wenn mich das Schicksal damals an die Spitze gestellt hätte, dieser Zusammenbruch nie gekommen wäre! Einen Zusammenbruch hätte es allerdings damals gegeben: den Zusammenbruch unserer verderblichen Parteien. So wie sie im, Jahre 1933 beseitigt worden sind, hätte ich sie damals schon beseitigt. Und so wie Deutschland seitdem sofort wieder aufgestiegen ist, wäre Deutschland damals gar nicht erst gestürzt.
Das Ausland weiß ganz genau, warum es den demokratischen Ideen nachweint. Wenn heute wieder einmal ein englischer Oppositionsführer erklärt, wir Deutschen sollten doch unsere Welffreundlichkeit dadurch beweisen, daß wir die inhaftierten Staatsfeinde auf freien Fuß setzen, so erkläre ich: Auch ich bin einmal ein inhaftierter Staatsfeind gewesen! Ich habe aber nicht gemerkt, daß die englischen Oppositionsführer auch nur ein einziges Mal für mich das Wort ergriffen hätten. Ich weiß genau, warum sie für diese deutschen Staatsfeinde eintreten: fie waren damals und sie sind heute die Verbündeten des Auslandes! (Stürmische Zustimmung.)
Die Gründe des Zusammenbruches.
Wenn einer der entscheidenden Gründe des Zusammenbruchs das soziale und gesellschaftliche Versagen unseres von Hochmut und Standesdünkel erfüllten Bürgertums war, so war die zweite große Ursache das Versagen der f iih - renden politischen und militärischen Schichten unseres Volkes, gegenüber den Elementen der Destruktion, der Unordnung und des Aufruhrs. Es zeigte sich damals Feigheit, Haltlosigkeit und Halbheit in allen Einschüssen. Es gab sehr viele, die das erkannt hätten und sich dagegen zur Wehr setzen wollten.
Der stärkste dieser Exponenten wurde wenige Wochen vor dem Zusammenbruch von seinem Posten entfernt. Es war der Mann, der dann später in unseren Reihen mitmar - s ch i e r t e. (Die alten Kämpfer brechen bei dieser Feststellung in stürmischen Beifall aus.) Dieses Versagen der gesamten politischen Führung war in ihrer falschen Auslese be- Srünbet. Man hat im Laufe von Jahrzehnten in unserem »genannten Bürgertum wohl eine Art wirtschaftlicher Führung ausgebaut, aber habet ganz vergessen, daß die Fähigkeit zur wirtschaftlichen Führung nicht im geringsten identisch zu sein braucht mit politischem Fuhrertum, ja daß fie zumeist ihm geradezu entgegenftanb. Es ist damals jene Ansicht grotz- gezüchtet worden, daß unter Außerachtlassung der charakterlichen und männlichen Haltung nur das sogenannte vermeintliche Wissen entscheidend sein sollte. Dies« „Führerauslese" von damals hat, das kann wohl nicht bestritten werden, in der kritischen Stunde restlos versagt! (Mi! langanhaltendem Beifall stimmten die alten Kämpfer bem Führer zu.) Das war daher meine grundsätzliche Erkenntnis! Wenn man die Nation überhaupt noch retten wollte, mußt« man bem mühseligen Prozeß des Aufbaues ein ei neuen Führungsauslese in Angriff nehmen.
Die bestehenden Organisationen muhten unbedingt beseitigt werden, und zwar restlos. Die Führungsauslese mußte
Der Führer bei seinen alten Mitkämpfern.
9. November, Beginn der deutschen Auferstehung
