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Wiesbadener Taablatt

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Dienstag, 8. November 1938.

Nr. 262.

86. Jahrgang.

Mordanschlag auf einen deutschen Botschaftsbeamten in Paris.

Lin neues verbrechen des weltjudentums.

Polnischer Jude schießt Legationssekretär vom Rath in seinem Amtszimmer nieder. — Der Zustand des Verletzten ist sehr ernst. — Der Mordbube festgenommen. — Strengste Untersuchung verlangt und zugesagt. Anteilnahme Daladiers und der gesamten französischen Regierung.

Tiefe Empörung in Paris.

Kz. Der Mordanschlag in der deutschen Botschaft bildet das Thema der heutigen Pariser Morgenpresse. 2n allen Zeitungen zeigt sich, die marxistischen ausgenommen, eure tiefe Empörung über das gemeine südliche Verbrechen. 2n fast allen Blättern wird die Forderung erhoben, durch verschärfte Maßnahmen gegen die in Frankreich lebenden Ausländer, vor allem gegen unerwünschte Auslands­juden, die Wiederholung eines derartigen feigen Überfalls zu verhindern. Der „Matin" schreibt u. a., man habe in den Kulturländern die Bären und die Wölfe ausgerottet, minde­stens ebenso wichtig aber sei es, die Banditen auszu» rotten, die als richtige wilde Bestien in Frank­reich, wie im Dschungel herumliefen. Es sei sehr schön, so meint die „Action sranvaise", daß Frankreich als „gast- fteundliches Land" bekannt sei. Aber gerade aus diesem Grund« dürfe es nicht weiter Tummelplatz aller verborgenen und verworfenen 2ndividuen Europas und der ganzen Welt bleiben. Es sei ein unerträglicher Zustand, daß ein auslän­discher Diplomat, der sich ordnungsgemäß in Paris aufhalte, von solchen ausländischen Banditen einfach niedergeknallt werden könne. Der „2our" macht in eindeutiger Weise auf die Hintergründe des Mordanschlages aufmerk­sam. „Vielleicht", so schreibt das Blatt, „wurde der Mörder durch die Agitation der deutschen Emigranten zum Verbrechen getrieben. Diese Emigranten geben in Frankreich eine umfangreiche Literatur, Zeitungen, Zeit­schriften usw. heraus, die st ändigAn griffe gegenden Führer und die führenden Persönlichkeiten des Dritten Reiches, sowie gegen das heutige Regime in Deutschland ent­halten und die' so Haß- und Rachegeist provozieren." Dabei vergaß das Blatt noch zu erwähnen, daß diese Emigranten sich auch heute noch als Sprecher des französischen Rundfunks betätigen und von hier aus die Atmosphäre vergiften können. Rach dem Mordanschlag, dem der jugosla­wische König zum Opfer fiel, nach dem auch heute noch nicht völlig geklärten Verschwinden verschiedener russischer Emi- grantensichrer, scheint es uns wirklich an der Zeit zu sein, datz die französische Regierung eine schärfere. Überwachung des Ausländerzustromes durchführt. Sie gerät sonst in die Ge­fahr, daß die jüdisch-bolschewistischen Terrorbanden, ihre Groß­zügigkeit ausnutzen und Frankreich zu einem Schauplatz ihrer blutigen Leidenschaften herabwürdigen. Ein Zustand, der mit der Ehre des französischen Volkes unvereinbar ist. Daß man die Rolle, die dabei den Juden zufällt, zu erkennen beginnt, zeigt das radikalsoziale „Oeuvre", das in seinem Leitartikel den numerus clausus für französische und ausländische 2uden in allen Berufen fordert.

Auch die englischen Morgenblätter berichten ausführlich über den Mordanschlag, den ste als „gemeinen Racheakt" kennzeichnen. „Rews Chronicle" berichtet aus Paris, daß man hinter dem feigen Überfall politische Motive vermute und daß die 2dee, einen deutschen Diplomaten niederzuschietzen, aus gewissen Kreisen stamme, die daran interessiert seien, einen deutsch-franzö­sischen Zwischenfall zu konstruieren.

2n Rom wird die hinterlistige jüdische Bluttat auf das tiefste bedauert und verurteilt. Man erinnert dabei an die zahlreichen faschistischen Märtyrer, die im Laufe der 2ahre, vor allem auf französischem Boden, für ihren politischen Glauben gefallen sind.

Ein zweiter Fall Frankfurter.

Auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris, vom Rath, wurde am Montagmorgen in seinem Dienstzimmer ein Reoolverattentat verübt. Als Täter wurde später der jüdische pol­nische Staatsangehörige Herschel Seibel Erynszpan festgestellt.

ns. Berlin, 8. Rov. Die Nachricht von dem feigen Mord­anschlag des 2uden G r y n s z p a n auf das Mitglied der deutschen Botschaft in Paris, Legationssekretär vom Rath, weckt erneut die Erinnerung an den Mord, den der 2ude Frankfurter am 4. Februar 1936 in Davos an dem Landesgruppenleiter der NSDAP., Wilhelm Gustloff, be­ging. Es ist die gleiche feige Meuchelmethode an einem wahllos ausgesuchten, wehr- und waffen­losen Opfer, die beide Anschläge kennzeichnet. Die Über- einstimmung geht aber noch wesentlich weiter, denn in beiden Fällen handelt es sich nicht um die Tat eines einzelnen, sondern in beiden Fällen hat der Verbrecher den Auf­trag 5um Mord von den Organisationen des Weltjudentums erhalten. Das wird ausdrücklich auch von französischen Blättern festgestellt. Erklärt doch beispiels­weise der „Petit Parisien", daß Grynszpan nicht aus eigener 2nitiative gehandelt habe, sondern zu dieser außerordentlich bedauerlichen Tat von interessierten jüdischen Kreisen angestiftet worden sei. Es wird also der internationalen 2udenpreffe gar nichts nutzen, wenn sie — wie bei dem Mordanschlag Frankfurters — mit der Lüge hausieren geht, daß es sich um die Tat eines „unzurechnungs- fÄhigen Menschen" oder eines „krankhaft schwärmerischen Fanatikers" handele. Dem steht die Aussage des feigen Ver­brechers Grynszpan entgegen, der ausdrücklich erklärte, er habe das Attentat verübt, „um feine jüdischen Rassegenossen zu rächen". Damit ist das Motiv der politischen Rache, als deren Vollstrecker sich Grynszpan selbst bezeichnet, ganz klar herausgestellt. Ebenso klar ist damit aber auch der Kreis der Mit- und Hauptverantwortlichen umrissen, eben jener Kreis des Weltjudentums, dessen Terror-Organisation die „Weltliga zur Abwehr des Nationalsozialismus" ist, deren

amtliches Organ seinerzeit den jüdischen Meuchelmörder Frank­furter als Helden und Vorbild des Weltjudentums feierte.

Wenn freilich dieses Weltjudentum glauben sollte, durch solche feigen Mordanschläge die Position des Nationalsozia- kismus erschüttern zu können, so irrt es gewaltig. Wenn es meinen sollte, dadurch, daß das Verbrechen in der französischen Hauptstadt begangen wurde, etwa Zwietracht zwischen Deutschland und Frankreich säen zu können, so irrt es nicht minder und beweist damit nur erneut, wie sehr es jede Politik der Annäherung und Verständi- aung bekämpft. Das kam übrigens auch schon sehr deut­lich in der Enttäuschung zum Ausdruck, mit der das Welt­judentum den „Frieden von München" aufnahm. Gelang es damals dem veArecherischen Weltjudentum nicht einen Krieg zu entfesseln, so sollte jetzt offenbar erneut der Versuch ge­macht werden, Verwicklungen zu schaffen. Das liegt voll­kommen auf der Linie der Politik des Weltjudentums. Hat doch auch der „Präsident der Weltliga zur Abwehr des Natio­nalsozialismus" in den letzten Nummern seines Blattes immer wieder den vorbeugenden Krieg gegen Deutschland gefordert. Dieses Spiel hat das Weltjudentum verloren. Einen Erfolg wird der feige Mordanschlag Grynszpans allerdings haben. Er wird der Wett weiter v ie Augen öffnen, welche Gefahren für den Weltfrieden das Weltjudentum bildet, wenn man es frei schalten und walten läßt. Er wird der Welt erneut zeigen, daß der Politik der Annäherung und der Ver­ständigung nur das internationale 2udentum int Wege steht. Dann aber werden auch Rückwirkungen in Deutsch­land nicht ausbleiben können. So schreibt auch heute der „Völkische Beobachter" u. a.: „Es ist ein unmöglicher Zu­stand, daß in unseren Grenzen Hunderttausende von 2uden noch ganze Ladenstraßen beherrschen, Vergnügungsstätten be­suchen und als „ausländische" Hausbesitzer das Gelo deutscher Mieter einstecken, während ihre Rassegenosien draußen zum Kriege gegen Deutschland auffordern und deutsche Beamte niedersch'ieyen." Diese Worte zeigen klar, daß der Schuß in Paris zwar nicht den Weltfrieden gefährdete, wohl aber nach hinten losging und nunmehr eine Wirkung zeitigen wird, mit der das sich selbst so klug gebärdende 2ud'entum am wenigsten rechnete.

Der Führer entsandte sofort zwei deutsche Arzte.

Der Führer hat unmittelbar nach Empfang der Nachricht von dem jüdischen Mordanschlag auf Legationssekretär vom Rath veranlaßt, daß sich sein Begleitarzt Dr. Brandt und der Leiter der Chirurgischen Universitätsklinik in München Prof. Dr. Magnus auf dem schnellsten Wege zur Konsultation und zur direkten Berichter st attung nach Paris begeben.

Uber die Verletzungen, die Legationssekretär vom Rath erlitt, erfahren wir von zuständiger Stelle folgende Einzel- heiten:

Eine der beiden Kugeln, die der 2ub« Grynszpan auf den deutschen Legationssekretär abschoß, streifte die Haut und drang in die Schulter ein. Die dadurch hervorgerufene Ver­letzung ist nicht gefährlich. Die zweite Kugel dagegen drang in die Seite ein und d u r ch s ch l u g die M i l z, weiter ver­letzte sie die Magcnwand an zwei Stellen. Glück­licherweise ist die Wirbelsäule nicht getroffen worden.

Die sofort vorgenommene Operation, die Professor Baumgartner von der Klinik d'Alma durchfuhrte, dauerte bis kurz vor 14 Uhr. Es erwies sich als notwendig, die Milzzuentfernen. Die Verwundungen am Magen wurden genäht. Die Operation war infolge der Art und Stellen der Verletzungen außerordentlich schwie­rig, ste ist jedoch gut verlaufen. Der Zustand des Verletzten bleibt, ohne zu unmittelbaren Befürchtungen Anlaß ,zu geben, sehr ernst.

Legationssekretär vom Rach hat, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, am späten Nachtnittag das Bewußt­sein wiedererlangt, nachdem eine Bluttransfusion vorgenommen worden war. Außenminister Bonnet har am Montagnachmittag dem deutschen Botschafter, Graf von Welzek. im Namen des französischen Ministerpräsidenten wie auch im eigenen Namen anläßlich des Anschlags auf Legationssekretär vom Rath sein Mitgefühl und die Sym­pathie für den Attache der deutschen Botschaft zum Ausdruck gebracht.

Dr. Magnus und Dr. Brandt eingetroffen.

Paris, 8. Nov. (Funkmeldung.) Heute morgen 5 Uhr trafen aus Nürnberg kommend Professor Dr. Magnus- München und der Leibarzt des Führers, Dr. Brandt, mit dem Flugzeug in Paris ein, um sich im Auftrage des Führers mit dem französtichrn Chiruraen Dr. Baumgartner, der die Operation an dem bei dem gestrigen Attentat tn der deutschen Botschaft schwer verletzten Legationssekretär

vom Rath oorgenommen hat, zu beraten. Sie wurden auf dem Flugplatz Le Bourget von Botschaftsrat Dr. Bräuer empfangen und werden Dr. Baumgartner in den ersten Vor­mittagsstunden besuchen.

Das Bulletin der deutschen Ärzte.

Paris, 8. Nov. (Funkmeldung.) Die vom Führer zur Berichterstattung nach Paris entsandten deutschen Ärzte, Professor Dr. Magnus und Dr. B r a n d t, haben nach ihrem ersten Besuch bei Legationssekretär vom Rath und nach Rücksprache mit dem behandelnden französischen Arzt folgendes Bulletin ausgegeben: ..

„Der Zustand des Herrn Legationssekretärs vom Rath ist besonders wegen der Verletzung am Mageneingang ernst zu beurteilen. Der erhebliche Blutverlust durch die Milz- zerreißung und deren Folgen läßt sich voraussichtlich durch weitere Blutübertragungen beherrschen. Die bestmögliche operative Versorgung und bisherige Behandlung durch Dr. Baumgartner-Paris läßt Hoffnungen für den weiteren Verlauf zu. Prof. Dr. Georg Magnus, Dr. Karl Brandt.

Wie der feige Anschlag sich abspielte.

3m einzelnen spielte sich der Vorfall wie folgt ab: Der Täter meldete sich bei einem Amtsgehilfen der Botschaft und verlangte einen der Legationssekretäre zu sprechen. Er wurde daraus zu Legationssekretär vom Rath geführt. Gleich darauf fielen in dem Zimmer des Herrn vom Rath Schüsse, und der soeben erst gemeldete Fremde versuchte zu flüchten. Der Amtsgehilfe der Botschaft veranlaßte darauf­hin die sofortige F e st n a h m e des Täters durch den vor dem Botschaftsgebäude stehenden französischen Polizei- beamten, der den Töter dem nächsten Polizeikommissariat znführte.

Bei der sofort durchgesührte» Vernehmung ertlärte der Täter, er habe das Attentat verübt, umseinejüdischen Rassegenossen zu räch en.

Die Botschaft hat beim französischen Außenministerium strengste Durchführung der Untersuchung ver­langt und zugesagt erhalten.

Legationssekretär vom Rath ist in ein Krankenhaus übergeführt und in ärztliche Pflege genommen worden.

Der feige Anschlag hat in Paris größtes Aussehen erregt. Die Presse berichtet ausführlich über den Anschlag und die Verhaftung des Verbrechers.

Ministerpräsident Daladier hat dem deutschen Bot- schaster seine persönliche Anteilnahme sowie tue Anteilnahme der Regierung übermittelt. Desgleichen haben sich zahlreiche politische Persönlichkeiten auf der Botschaft nach dem Befinden des Legatationssekretärs erknndigt.

51 Todesurteile, 449 Jahre Gefängnis.

Traurige Bilanz der Kriegsgerichte in Palästina.

Jerusalem, 8. Nov. (Funkmelduiw.) Der Unterdrückung des arabischen Freiheitskampjes in Palästina sollten neben anderen scharfen Sonder Maßnahmen die Einsetzung von Kriegsgerichten bienen. Wie aus entern amtlichen Bericht hervorgeht haben diese Gerichte seit ihrer Einführung ins- oefamt 334 Fälle bearbeitet. Sie bestraften mit 449 Jahren Gefängnis. Verurteilten 23 Angeklagte zu lebenslänglichen Strafen und verhängten 51 Todesurteile.