Feldstraße.
Zwischen Römerberg und Kellerstraße zieht sich die Feld- stratze hin, deren Anlage im Jahre 1864 begonnen wurde. Hier siedelten sich die Fuhrleute an und die letzten Wiesbadener Bauern. In diese nicht sehr große Straße kommt ein rechtes Leben, wenn die Feldsträßer ihre Kerb feiern und an den Tagen vor Weihnachten, wenn über dem Gelände der ehemaligen Enderschen Brauerei ein riesiger Lichterbaum sich erhebt. Daß die Feldsträßer seit 40 Jahren ihre Kerb feiern, hat seine Berechtigung, denn hier hat sich der Vierreche mit Ballonmütze und blauem Kittel sein Domizil geschaffen.
Es war im Jahre 1898 am Stammtisch in der Wirtschaft M Fetter, als man beschloß, alljährlich ein Volksfest abzuhalten. Heinrich Schneider, der „Haubekopp", ein aebürtiger Niersteiner, gab seine Rasenbleiche her. War Petrus gutgelaunt, so hing eines Sonntags im Sommer seine rotweitze Hessenfahne heraus, dann flatterten schnell aus jedem Haus die Nasiauer Farben und Willßvmmschilder hingen über Tür und Tor und Straße. Doch der „Haubekopp" konnte sich — er hatte am Tag vorher tüchtig dem „Dauborner" zugesprochen — den Lärm gar nicht recht erklärens aber das Fahnentuch knallte im Wind, Pflöcke wurden in die Erde geschlagen, die Mauerdielen vom nahen Bau herbeigeschleppt und auch das Bier angerollt. „Macht mer nor mei Bleich nit kaputt. . rief er aus dem Fenster, während sich die jungen Burschen eins ins Fäustchen lachten; sie waren natürlich in aller Herrgottsfrühe über den Zaun geklettert und hatten den „Haubekopp" überrumpelt. Heimlich war schon alles vorbereitet. Doch da sagte die „Dotzemer Musik" ab; nun, so tanzte man eben j zu den Klängen eines stelzbeinigen Drehorgelmannes. Das , , Kettenkarussell drehte sich, und die Kinder drängten sich um die aufgeschlagene Zuckerbude. Abseits aber lag Haube- kopps großer bisiiger Hund „Sultan" und knurrte. Das ging | , so Jahr um Jahr, bis der Krieg ausbrach. Es kam vor, daß ein Gewitter niederging und die Kerb alsdann im Saal ihren Fortgang nahm.
Es trug sich auch folgendes zu: Einmal saß einer an der Kaste, der dafür kein Verständnis hatte, daß der bei dem Volksfeste anfallende Uberschuß redlich geteilt wurde. Immer wieder sagte er: „Ich muß noch emol haam". Als er es schließlich zum fünften Male sagte, so zwischen Abend und Nacht, da wurden die anderen denn doch mißtrauisch, einer hielt ihn am obersten Knopf seiner Jacke fest und schrie ihn an: „Hier bleiwste . . .! — Doch da war das Unglück schon geschehen. Man verzieh ihm jedoch großmütig. In diesem I | Jahr hatte der Überschuß eben „die Katz' gefreste". Anzeigen wollten sie ihn nicht. „Er war ja auch sonst en ganz L patenter Barsch."
Nach dem Kriege wurde die Feldsträßer Kerb auf dem f Atzelberg und " in der Inflationszeit gar auf der ;■ Nonnentrift gefeiert. „Bis mer haam käme, wars f .Geld nix mehr wert . . .", erklärte mir einer der Mitglieder. ' „Un mer hatte uns doch so abgeschleppt, ganze Mahne voll Papiergeld hatte mer ..." — Schließlich verlegte man dann die Kerb auf den Platz „Unter den Eichen". — Die Kerbegesellschaft „Feldstraße" besteht aus 50 Mann; wenn einer durch Sterbefall ausfällt, wird ein neuer gewählt, Beiträge werden keine erhoben, die Kosten werden durch freiwillige Spenden hereingebracht. Maurermeister Hengst I schuf den „Feldsträßern" das charakteristische Kerbezeichen, >ie Gans, denn früher liefen diese schnatternden weißen oder gefleckten Laufvögel auf der Feldstraße frei herum. Aber am drolligsten war wohl der Gansert. Er soll schlimmer als ein Hund gewesen sein, und machte seine Ausflüge bis zum Kurhaus und nach dem Bierstadter Berg hinauf.
» Und nun nächstens zur F i ch t e n st r a ß e.
Zunächst häufiger aufheiternd und mild, später kälter.
Die vergangene Woche war vorwiegend trüb, vielfach regnerisch und zuletzt für die Jahreszeit auch sehr mild — ein Wltterungszustand, an den der Begriff des Novemberwetters x geknüpft ist und der wegen seiner bedrückenden Wirkung bei vielen zu Melancholie neigenden Menschen in einem wenig ; guten Ruf steht. Mit Ausnahme vereinzelter unwirksamer Auflockerungen der Bewölkung am Montag und Donnerstag, kam es nur am Mittwoch zu länger anhaltenden Aufheiterungen. Die Wochendauer des Sonnenscheins betrug daher mit 3f/2 bis 4 Stunden nur 25 Prozent der normalerweise zu erwartenden und 6 Prozent der möglichen Dauer. Die Nieder- ichlagstätigkeit, die vor acht Tagen wieder eingesetzt hatte, steigerte sich dabei zunächst so sehr, daß am vorigen Samstag und in der Nacht zum Sonntag überall in unserem Gebiet Mengen von mehr als 10 Liter auf 1 Quadratmeter gemessen wurden. Der Sonntag brachte nur vereinzelte leichte Regen- sälle und am Montag war es sogar vorwiegend trocken. Später traten erneut Niederschläge auf. die sich am Dienstag und Mittwoch hauptsächlich auf die Abendstunden beschränkten, die aber dann am Donnerstag schon häufiger und am Freitag mit nur kurzen Unterbrechungen bis in die Nacht zum Samstag hinein fielen. Die Temperaturen, die in der vorausgegangenen Woche nachts vielfach unter Null gesunken waren und am Tage kaum 5 Grad erreicht hatten, stiegen am Wochenende an und lagen zunächst mit nur geringer Schwankung zwischen Tag und Nacht durchschnittlich bei 7 Grad. Vorübergehend kam es am Dienstag zu einem Rückgang der Nachttemperatur, doch traten . Nachtfröste in der Rhein-Main-Ebene nur ganz vereinzelt auf. Am Mittwoch setzte alsdann unter dem Einfluß der Zufuhr milderer Meeresluft eine stärkere Erwärmung ein, die die -Temperaturen der zweiten Wochenhälfte auf mehr als 10 Grad und bis zu 3 Grad über die für die Jahreszeit normale Werte ansteigen ließ. Die Erwärmung nahm noch zu, als wir Freitag i ’n den Bereich subtropischer Warmluft gelangten. Heute -amstag gingen daher im Stadtgebiet selbst die Nachttemperaturen nicht unter 10 Grad herab und schon am Vormittag wurde ein seit vierzehn Tagen nicht erreichter Stand des Thermometers von 14 Grad beobachtet.
Eine wesentliche Änderung des herrschenden milden Wetters ist zunächst noch nicht zu erwarten. Es ist jedoch an= Zunehmen, daß im Bereich des Warmlustkörpers bei stärkerem Druckanstieg jetzt häufiger Aufheiterung eintritt, iodaß wir am Wochenende und auch zu Beginn der nächsten Woche mit überwiegend stenndlichem und auch meist trockenem Wetter rechnen können. Mitte der nächsten Woche kommen wir voraussichtlich unter den Einfluß einer stärkeren Störung, die vermutlich nochmals zu Trübung und ergiebigen Niederschlägen Anlaß geben wird. Sehr wahrscheinlich tritt aber dann noch in der zweiten Wochenhälfte mit dem Einbruch arftischer Kaltlust ein Lust- maffenwechsel ein, der für längere Zeit von nachhaltiger Wirkung werden kann. A. S.
Deutsche Jungen! Deutsche Mädels!
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Samstag/Sonntag, 5./6. November 1938. Nr. 260. Seite 5.
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