Donnerstag, 20. Oktober 1938.
Wiesbadener Tagblatt
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Rr. 246. Seite 13.
^cuesaus cdUclOM.
Der Trick des Zauberkünstlers.
Mord durch Diebstahl aufgeklärt — Eine Soiree mit peinlichem Abschluß.
In einem Vorort von La Plata war der Kaufmann Gomez Martinez ermordet aufgefunden worden. Dem Toten fehlten nicht nur die Ausweispapiere, sondern auch der Ebering und eine grohe goldene Taschenuhr, die er immer bei sich trug. Ein besonderes Kennzeichen der Uhr war die Gravierung auf dem Jnnendeckel gewesen, die aus den zwei lateinischen Worten „Vae otctis“ bestand.
Drei Wochen später fand im Hause des Salas S e - 9 u e st a, eines der reichsten und bekanntesten Eroßindu- strrellen von La Plata ein prunkvolles Fest statt, dellen Höhe- ounft das Auftreten des berühmten Zauberkünstlers Jsturiz sein sollte. Kurz vor Mitternacht erschien auch ein Don Jsturiz, nur daß es nicht der echte, sondern ein falscher war. Als der wirkliche Jsturiz nach Beendigung seiner Vor- iuhrungen rm VarietS zur Villa seines Gastgebers fahren wollte, wurde sein Wagen unterwegs von drei bewaffneten Mannern angehalten, die ihm erklärten, dah er aus be- 'timmten Gründen die Nacht über festgehalten werden mülle. An ierner stelle stieg ein arbeitsloser mexikanischer Zauberkünstler, der ihm in der Statur ähnelte, in den Wagen, legte eme schwarze.Maske an und erklärte gleich beim Betreten der. Villa, dah seine Vermummung zur Durchführung des grogen Coups, mit dem er die Gesellschaft überraschen wolle, unentbehrlich sei. Der „grohe Coup" sollte darin bestehen, dah er mit emer Anzahl Gäste ein kurzes Gespräch führen und hch dabei redes Mal irgendeines Gegenstandes bemächtigen werde. Die „Zauberei" hatte sich auch ganz programmgemäß abgewickelt, aber als der Augenblick gekommen war, die Objekte wieder den Vesitzern zurückzugeben, erlosch plötzlich das Licht. Eine allgemeine Verwirrung ent- stand, und als es wieder bell wurde, sah man, dah der „Jsturiz und mit ihm die „verzauberten" Gegenstände verschwunden waren.
Nach erfolgloser Fahndung wurde die Polizei eines Tages davon benachrichtigt, dah es dem Grenzüberwachungs- drenst gelungen sei, eine Kiste mit offensichtlichem Diebesgut sicherzustellen, die ms Ausland geschmuggelt werden sollte. Unter den Wertsachen befand sich auch eine goldene Uhr, auf deren Jnnendeckel die beiden Worte „Vae victis" eingraviert waren. An Hand eines Verzeichnilles konnte man feststellen, dag die Kiste überdies einige Sachen enthielt, die seiner Zeit den Gasten im Hause Sequesta gestohlen worden waren, so- dah die Möglichkeit bestand, dah auch der Mörder des Gomez Martinez an der Festlichkeit teilgenommen hatte und das Opfer des Zaubererdiebes geworden war. Der Zynismus, der den Mörder bewogen hatte, die Uhr des Toten nicht zu veräußern, sondern ruhig weiterzutragen, sollte ihm zum Verhängnis werden, denn die Polizei schloh daraus, dah es ihm auf die Uhr als solche ankam und er sich nach dem Verlust des Stückes wohl ein entsprechendes Ersatzobjekt zügelest haben mochte.
Man setzte sich mit einer ganzen Reihe von Juwelier- geichaften.in Verbindung und auf Grund wochenlanger i Kleinarbeit gelang es den Behörden, einem Kaufmann I Charles Neranda auf die Spur zu kommen, der nach langem Leugnen gestand, Martinez ermordet zu haben, um einen 1
unerwünschten geschäftlichen Konkurrenten aus dem Wege zu schaffen. Die Uhr des Toten habe er bei besonderer Gelegenheit getragen, um einen gewissen Wohlstand vorzutäuschen, den Ehering und die Dokumente habe er nur mitgenommen, mn die Behörden auf eine falsche Spur zulenken. Der Mörder wurde letzt vom Schwurgericht von La Plata zum -tobe verurteilt.
französische Zigarettenfabrik niederqebrannt.
Paris, 19. Okt. Die Tabakmanufaktur von Chateau- t.° u Mjt in der letzten Nacht durch einen Brand vollständig elngeaschert worden. Mit dem dreistöckigen Hauptgebäude, das 110 Meter lang und 30 Meter breit war, fielen 600 To. Tabak und eine Reihe. Maschinen zur Zigarettenherstellung den Flammen zum Opfer. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Nach einer, ersten Schatzung beläuft sich der schaden am 30 Millionen Franken.
„Nordstern" in elf Stunden 53 Minuten von New Bork nach Sotto. Den bisher schnellsten Flug über den Nordatlantik führte Mittwoch das Blohm-L-Voh-Flugzeug „Nordstern" der Deutschen Lufthansa von New Port nach Horta aus Um 0 00 Uhr verlieh die Besatzung Mayr, Wilhelm, Mischur und Gruber Amerika, um bereits nach 11 Stunden 53. Minuten in Horta zu landen. Die auf diesem Flug entwickelte Reisegeschwindigkeit beträgt 3 2 5 Stundenkilometer; sie ist die kürzeste Reisezeit, die bisher aut dieser Strecke erreicht werden konnte Nach dem Abschluh des diesiahrigen Nordatlantik-Luftverkehrs wird „Nordstern" gleich im Südatlantik-Luftverkehr eingesetzt werden, während „Nordwind" nzch Deutschland zurückkehren wird.
Oberst Lindbergh besichtigte die Messerschmitt-Werke. Oberst Lindbergh, der zur Zeit anläßlich der Hauptversammlung der Lilienthal-Eesellschaft für Luftfahrtforschung in Deutschland weilt, besuchte am Mittwoch die Mesjerschmitt- AK. in Augsburg. Oberst Lindbergh, der von dem Militär- aitachö der Vereinigten Staaten, Colonel Vanaman, begleitet wurde, besichtigte eingehend den Betrieb, in dem eine 'Reihe der neuzeitlichsten deutschen Flugzeuge entstehen.
Groh-Innsbruck wird Wirklichkeit. Das Problem der Eingemeindung der Innsbrucker Vororte Hötting, Mühlau und Amras, um das im verflossenen System lange gestritten wurde, ist jetzt vom Dritten Reich rasch gelöst worden. Wenige Tage nach dem Umbruch war die Vereinigung bereits eine beschlossen« Sache, und seit dem 1. Oktober ist die Eingemeindung, nachdem der Reichsstatthalter seine Zustimmung gegeben hat, nun auch formell vollzogen. Damit ist die Einwohnerzahl der Stadt Innsbruck um rund 18 000 auf nahezu 80 000 erhöbt worden.
Drei Arbeitet dutch Explosion getötet. Am Mittwochnachmittag explodierte aus bisher noch unbekannter Ursache in einem Kölner Werk ein Azetonbehälter. Drei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, ein vierter erlitt schwere Vrandverletzungen. Die Feuerwehr konnte den durch die Explosion entstandenen Brand, der auf einen Nebenraum übergegriffen hatte, in kurzer Zeit löschen.
Schwere Strafen wegen Überschreitung der Weinrichtpreise.
_ „= Frankfurt a. M., 19. Okt. Vom Weinwirtschaftsverband Heßen-Nastau, Frankfurt a. M., wird mitgeteilt: Trotzdem wiederholt und eindringlich auf die Folgen hingewiesen wurde, die denjenigen treffen, der die bekannten Richtpreise für Weine der 1937er Ernte überschreitet, haben in den letzten Monaten Erzeuger und Verteiler in größerer Zahl dazu verleiten lasten, Überpreise zu nehmen bzw. zu zahlen. Die Preisüberwachungsstelle in Darmstadt sah sich daher gezwungen, in den letzten Wochen gegen nicht weniger als 86 Winzer und Weinverteiler empfindliche Ordnungsstrafen im Gesamtbeträge von rund 66 000 RM. zu verhängen. Darunter befinden sich Strafen bis zu 10 000 RM. im Einzelfalle. Eine Anzahl weiterer Bestrafungen steht noch aus.
Diese Fälle sollten für alle Erzeuger und Verteiler eine Warnung sein, sich irgendwelcher Verstöße gegen di« Weinpreisvorschriften schuldig zu machen. Die Preise für die 1938er Ernte sind so hoch festgesetzt worden, daß jeder Winzer damit zufrieden sein kann, und daß kein verantwortungsbewußter Weinverteiler im Hinblick auf die Verbraucherschaft mehr anlegen kann. Es wird darum auch seitens der Preisüberwachungsstelle gegen Überschreitungen der für di« 1938er Ernte genehmigten Preise noch schärfer vorgegangen werden, als dies bisher der Fall war.
Unterschleife im Slowakischen Nationaltheater. Nach einer Meldung des „Slowak" wurde der Direktor des Slowakischen Nationaltheaters in Preßburg, Anton D r a s a r, verhaftet. Grund zur Verhaftung sollen Mißstände in der Verwaltung des Slowakischen Nationaltheaters sein. Der Besitz des Direktors Drafar wurde polizeilich beschlagnahmt.
Selbstmord und Selbstmordversuch in der Betrugsaffäre Fianu. Der frühere rumänische Ministerialdirektor F i a n u. der wegen großer Betrügereien während seiner Amtszeit verhaftet worden war. versuchte in einem unbewachten Augenblick im Gerichtsgebäude Selbstmord zu begehen. — 2n derselben Angelegenheit hat ein Richter aus Bessarabien bereits vor einigen Tagen Selbstmord begangen, als er nach Bukarest zur Vernehmung geladen worden war. Er warf sich vor einen Zug und wurde getötet.
Eine Tochter in fünfhundert Jahren. Das ist wahrlich ein erstaunliches Naturereignis, das sich in der Familie Kinnersley zugetragen hat. Die Familie lebt schon seit Generationen auf der Insel G u e r n s e y und kann ihren Stammbaum fünfhundert Jahre zurück verfolgen. Innerhalb dieser fünfhundert Jahre hat die Familie immer nur Söhne hervorgebracht. In diesen Tagen ist ihr zum ersten Male eine Tochter geboren worden.
Wetterberich
Frankfurt a.M.
Witterungsaussichten bis Freitagabend:
Stellenweise Frühnebel sonst meist heiter und trocken, nachts sehr frisch, tagsüber wieder etwas wärmer, schwache veränderliche Winde.
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