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Wiesbadener Tagblatt

Freiütg, 14. Oktober 1938.

Zweites Blatt. Rr. 241.

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Konzert. 13.00 Zeit, Nachrichten, Wetter. 13.15 Konzert. 14.00 Zeit, Nachrichten. 14.10 Heitrer Sang — froher Klang. 15.00 Der letzte Über­lebende vom Kreuzer Köln" erzählt. 15.30 „Frisch bläst der Wind vom Land, juchhe!"

16.00 Sing-Sang und Eeigenklang. 18.00 Bühne und Film im Rundfunk. 18.30 Blasmusik. 19.15 Tages­spiegel. 19.30 Der fröhliche Lautsprecher. 20.00 Zeit, Nachrichten, Wetter, Sonderwetterdienst für die Landwirtschaft, Erenzecho.

$115 Unterhaltungskonzert. 22.00 Zeit, Nachrichten. 22.10 Nachrichten. Wetter, Sport. 22.30 Unterhaltungs­musik. 24.00 Klingende Welt des Films.

Samstag, 15. Oktober 1938.

Fuge — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30 Konzert. 7:00 Nachrichten. 8.00 Zeit, Wasserstand. 8.05 Wetter. 8.10 Gymnastik.

Froher Klang zur Werkpausc. 9.30 Eaunachrichten. 9.40 Deutschland — Kinderland. 10.00 Schulfunk 11.45 Ruf ins Land, Programm, Wirtschaft, Wetter.

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Sette, dre Wiesenbaude, ist am 1. Oktober in Flammen auf­gegangen. Es ist bezeichnend für die augenblickliche Stille tm Eebirge. daß von dieser Tatsache erst nach einer Woche Kenntnis gegeben werden konnte. Die Wiesenbaude hat über 300 Jahre bestanden. Sie war zunächst nur ein Unter­kunftshaus mr.die auf dem Koppenvlan arbeitenden Hirten. Knechte und Magde. Erst 1833 wurde Re für den Fremden­verkehr nutzbar gemacht. Schon 1778 hatte Joseph II. das primitive Haus einmal besucht. In den letzten Jahren prä­sentierte es sich als riesenhaftes Hotel mit drei Stockwerken und mit über 100 Gastzimmern. Aber in den kritischen Jah­ren blieb es meist leer, weil die Tschechen diese Baude mie­den und die Deutschen sehr schwer über die Grenze kommen konnten.

Es lägt sich kaum beschreiben, wie freudig die Gebirgler gestimmt imd über die Wende ihres Schicksals, und wie groß die Erwartung der Schlesier ist, inLukunft ins „grenzenlose" Rlesengebirge hmemzukommen. Wo die Konkurrenzver­hältnisse und die Grenzsperre Doppelbauden entstehen ließen lauf der Koppe auf dem Koppenvlan, am Schmiedeberger Patz am <iuge der Schwarzen Koppe), wird nun bald der Konkurrenzkampf zu Ende sein. Jetzt gibt es im Riesen- und Jiergebirge keine Grenzsperre mehr, Das Land ist frei, und wer einmal auf der Eoldhöhe oherhalb der Schüstelbauden gestanden .bat und von dort fast das ganze Gebirge übersehen konnte, wird angesichts von so viel Schönheit den Jubel der befreiten Bevölkerung ermeßen können. P. H.

verwendet wird, auch für Schnürriemen, Gardinenkordeln, Einfagband u. a. Hier sehen wir Spulen mit Manilahanf, der durch ein Seifenbad geleitet, dann mit einem zweiten Faden gezwirnt und schließlich mit Zellophan maschinell um­wickelt wird. Die Einlage aus Baumwolle, Hanf oder auch Papier gibt der Borte den Halt und den Ansatz sozusagen für die Umflechtung mit Zellophan. Da siebt man die Schränke gefüllt mit sehr reizvollen Borten von K Zentimeter Breite bis zu Bahnen, die 15 Zentimeter und mehr breit sind, in braun, marineblau, schwarz. Der Export geht vor allem nach England und von dort aus in die Dominions, außerdem nach Lateinamerika. In England waren die Borten im vorigen Jahr ganz große Mode, und in Wuppertal wurden die Krönungsfarben: Königsblau und Purpurrot in den ver­schiedensten Bindungen und Breiten hergestellt.

Wir halten ein Stückchen von der Strohborte in der Hand, das wie eine Rollgardine aussieht. Es knistert wie Stroh, glänzt wie Seide und läßt sich in Falten und Wellen nach jeder Richtung legen. Gegen das Licht gesehen, erkennt man das seine Geflecht, das den „Zug" darstellt. Die Wiß­begier läßt es uns auseinandernehmen: wie aus Roßhaar­geflecht steht die schmale Borte aus, die von einem dünnen, aber ziemlich zähen,, durchsichtigen Zellophanband umwickelt ist. Gewicht fast gleich Rull. Idealer Schutz vor sengenden Sonnenstrahlen! E. o. M.

Nein - ich sagte 3 3 !

Das „grenzenlose" Riesengebirge:

Neues Leben in alten Bauden. — Bergstraßen und Pässe.

(Von unserem Mitarbeiter in Hirschberg.)

Sagten Sie sedis?

der sog. Paßkretscham, die tn diesem Jahre 450 Jahre lang in Betrieb ist und wohl als die älteste Baude im Riesengebirge angesprochen werden kann. Die Paßstraße von Hain nach der Svmdlerbaude war zwar schon seit Jahren geplant ist aber über ein Anfangsstück nicht hinausgekommen. Große Bedeu- tung hatte vielleicht einmal die im vorigen Jahre fertig- gestellte Sudeten st rage von Flinsburg nach Schreiber- hau gewonnen, die ihren Ausgangspunkt in Görlitz hat Sie erschließt einen prächtigen Teil des Jfer- und Riesengebirges und war in diesem Jahre zweifellos die verkehrsreichste Autostraße tn diesem ganzen Gebirgszug. Die Tschechen er­warteten immer einen etwaigen Einbruch beim Paß an der Grenze von Morchenstern (im Bezirk Gablonz). Hier errich­teten sie alles, was möglich war. um den deutschen Truppen den Einmarsch zu verlegen. Heute gehört Morchenstern samt Befestigungsanlagen zu Deutschland! Die Grenze verläuft weiter nach Süden, und kampflos fiel die „uneinnehmbare Sverre" in unsere Hände.

,r, Die meisten Bauden (auch die Erenzbaude. das tschechische Koppenhaus) waren immer noch in deutschem Be­sitz. Eme der bekanntesten Bauden auf der bisher böhmischen

JLafttö-rocar c5- ein .,unbekanntes Land" geworden, das deutsche Rlesengebirge. seit im Jahre 1919 der eiserne Vor­hang zwischen Deutschland und der Tschecho-Slowakei nieder- glng. Aber das war nicht immer so. Einstmals gab es einen fast hemmungslosen Verkehr zwischen hüben und drüben, kaum oatz ein „Grenzer sich einmal auf den Wanderwegen sehen ließ, geschweige denn, daß er nach Paß oder Paschergut fragte. Das wurde dann aber mit einem Schlage anders. Vorher gab es nur zwei tschechische Bauden im ganzen Ge- birge: die Elbfallbaude und die Martinsbaude im Schatten des Hohen Rades. Deutsche mieden sie, weil sie wußten, daß dort die Sammelpunkte der Tschechen waren. In den letzten

6rieij wurde die Grenze fast hermetisch abge - ! ch l Visen. Selbst die Wosteckerbaude (in der Jnflations- 82 tt n0A oern von Reichsdeutschen besucht, weil es dort stets Schlagsahne gab!) tonnte ihre reichsdeutschen Gäste nicht mehr aufnehmen. Dafür bezogen tschechische Schulen, oft mit grotzen Kosten aus der Zentral-Tschecho-Slowakei heraufge- Mhrt. und tschechische Wandergesellschaften das Gebirge und traten ganz als Herren aui. Wehe, wenn sie auf der tschechi- schen Seite.noch einen Wegweiser mit deutscher Schrift ent- deckten! Die deutichen Gastwirte mußten aus ihren Bauden eine „Bouda' machen. Die Kellner mußten Tschechisch können ufa).

. NA, diese Maßnahmen genügten noch lange nicht. Zu der Paßstraße von Svmdelmühle nach der Svindlerbaude. die ichon vor dem Kriege ausgebaut worden war, kamen andere strafe gl s ch e Str aßen, die von Johannisbad auf «en Kamm führten. An der Geiergucke entstand eine tschechische Kaserne und strategische Straßen führten an der Wlesenbaude vorüber Mit Richtung Reichsgrenze. Lber- haupt die Kaserne aus der Geiergucke! Es war angeblich eme tlchechische Baude,, diedern Verkehrsbedürfnis Rechnung ttagen sollte. Aber tn Wirklichkeit war es eine kleine Erenzbefest t g u n g, die ohne Mühe eine Besatzung von em paar hundert Mann aufnehmen konnte. Man sah dort E.Sommer wie im Winter in der Hauptsache nur tschechisches Militär, das die Gegend nach allen Richtungen bin durch- streifte. 2m Laufe des letzten Jahres kamen dann die „Zoll- bauschen entlang der Grenze von Schreiberhau bis ins Altvatergeblrge. jedermann wußte, was sie für einen Zweck hatten, und wer es trotzdem noch nicht begriffen hatte, merkte es an dem plötzlich einsetzenden starken Verkehr der tschechischen Zöllner, die mit einem Male an der Grenze viel zu tun sanden. Ein Überschreiten war mit Abtransport nach Prag verbunden, wo die Unglücklichen öfter wochenlang auf ihre tyretlaffang.märten durften, weil es den Herren meistens nicht gelang, em.schweres Vergehen zu ermitteln und die UntEuchung natürlich" nur langsam vor sich gehen konnte. , Bon deutscher Seite führte nur eine einzige wirklich nutz­bare Straße über den Schmiedeberger Paß an den Erenz- bauden vorbei nach Auva. An ihr liegt die alte Paßbaude,

Deutsche Strohhüte zur englischen Krönungsfeier.

Künstliches Stroh. — Vielseitige Borten.

Im Winter werden die Sommermoden vorbereitet und im Sommer die Wintersachen. Dieses Gesetz gilt für alles, was mit Kleidung zu tun hat, und deshalb beginnt auch jetzt im Herbst in den Fabriken, die künstliches Stroh Herstellen, der Hochbetrieb. Dieses künstliche Stroh, das in Wuppertal in der Form von Borten erzeugt wird, dient zur Herstellung von Strohhüten. Es ist ein leichter, hübscher, schmiegsamer und vielseitig zu verwendender Stoff, der zugleich ein wich­tiger Ausfuhrartikel ist.

Früher wurden zur Hutherstellung Strohborten aus Ghma eingeführt, aber Stroh bleibt Stroh, und es kam dem Wandlungsbedürfnis der Mode nicht genügend entgegen, während man die künstlichen Strohsorten in geradezu unbe­schränkten Mustern und Bindungen Herstellen kann. Mit drei Grundstoffen arbeitet diese Industrie: Baumwolle, Manila­hanf und Zellulose in der Form von Papier, Kunstseide und Zellophan. Die Baumwolle wird im Strang gefärbt, auf Haspel gelegt und dann gespult. In einem Saal läuft der Baumwollfaden über Walzen mit Bürsten, in Paraffin ge= taucht: so entsteht das „Eisengarn", das z. B. für Stoßborten

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