wortkarg, ging nachdenklich, ohne auf Medardcs Fragen zu antworten, neben ihr her.
Abends bei der Mahlzeit sprach er kaum, las, ging beizeiten auf fein Zimmer.
Beim Gntenachtfagen um faßte er Klara zärtlich, liebkoste fie und sprach ein paar gute Worte — die die Schwester oft mit einer impulsiven, leidenschaftlichen Umarmung beantwortete. Es war wie ein Abschiednehmen zwischen den beiden Geschwistern und eine bange Angst vor der Einsamkeit in jedem von ihnen.
Eine Weite blieb es still im Zimmer, wenn Eosram gegangen war. Klara stand lauschend da, bis sie seine Zimnier- tür sich schließen hörte. — Mit raschen Handgriffen räumte sie allerhand beiseite, legte die Zeitung zusammen, und Die- darbe konnte beobachten, das; sie alles, was ihr Bruder benutzt hatte, mit besonderer Sorgfalt in die Hand nahm. Weich eine Zärtlichkeit lag darin.
Die beiden Mädchen sahen dann noch ein, zwei Stunden allein zusammen. Medarde hatte eine feine, stille Art, Klara nach den Tagesereignissen zu fragen, sich vieles erklären lassend. Das löste die Spannung. Medarde begriff längst, wie sehr Klara für das Werk lebte. Das verstand Medarde. Auch sie empfand den Segen der Arbeit. Zuletzt sprach Klara auch von Sorgen, die auf dem zu kleinen Unternehmen lasteten.
„Schulden haben Sie nicht?" fragte Medarde.
„Nein, lieber sparsam hausen. Schulden haben — dann ist der Boden, über den Sie gehen, nicht mehr Ihr Eigentum. Radingas Trost für mich heißt immer: schuldenfrei he itzt sorgenfrei."
„Wie zutreffend seine Wort« sind." Medarde schaute vor sich hin. „Schulden sind untragbare Lasten, besonders wenn es menschliche Schulden sind."
„Was meinen Sie damit? Wollen Sie damit sagen — wenn jemand einem anderen etwas getan hat?" —
„Ja." Medarde hielt den Blick aus, diesen forschenden, fast angstvollen Blick. Er zeigte, daß Klara von ihr glaubte, ihr eigenes Leben sei von einer Schuld verdüstert, und sie wäre vielleicht aus diesem Grund Tänzerin geworden, weil sie vergessen wollte. Medarde mutzte unwillkürlich lächeln — sie griff nach einer silbernen Kette, di« sie täglich trug, deren Amethysten ein dunkles, sattes Lila hatten. Die kühlen Steine wurden warm in ihrer Hand — es schien, als ob sie lebten und atmeten und anklagten. —
Der Ring, zu dem diese Kette gehörte, lag imLinumer Bruch versunken.
Medarde sah aus — sie sah in Klaras Augen noch immer dieses Forschen und Fragen. „Ich dachte an jemand", sagte sie.
„Ihr Gesicht hat sich ganz verändert."
„Ja, ich dachte an meinen Bruder Wettmar."
„Lebt er nicht mehr?"
„Er lebt und mutz leben bleiben, denn er mutz leben, um —“ Rasch lietz Medarde die Kette in den Kleiderausschnitt gleiten.
Klara fragte nicht weiter. Sie hatte erfahren. was sie wissen wollte. Hier war kein anderer Mann im Spiel, sondern der Bruder tat etwas — vielleicht waren es Spielschulden, denn Medarde sprach ja davon, datz er leben müsse, um — wahrscheinlich lebte er im Ausland, und Medarde sprach nicht gern von den Familiensorgen. Das konnte Klara ihr nachfühlen. Sie wollte nur verhindern, datz Walter mit Medarde eine Enttäuschung erlebte.
*
Heute früh sollte Holzoersteigerung im Gemeindewald sein. Gosram bat Medarde, ihn wenigstens bis auf die Höhe zu begleiten. „Ich weiß einen schönen Weg, er ist etwas weiter, aber dafür wird man entschädigt. Kommen Sie!" Er sprach lebhaft, fast fordernd. Bielleicht fatt'o er heute das richtige Wort zur rechten Zeit.
Sie schritten rasch aus, den Pfad ain Rain hinauf, umgeben von harzheitz duftender Sonnenstille. Tief unten liegt der löwenzahnaelbe Wiesengrund. Der Wechsel sich überschneidender Waldberge beginnt. Im Höhersteigen verändert stch vor ihnen unablässig das Spiel der Berglinien — hoch hinauf führte der steile, grasige Pfad zum sonnenflammenden Bevgkamm.
Hier rastetet«» sie etwas.
über dem Kamm schatten stahlfarbene Wolken. —
„Als wir von Hause fortzzingen, war der Himmel wolken- los und so bvennendblau, datz man zu vergehen meinte, wenn man hinaufsoh in dieses blaue Schweigen —", sagte Medarde leise, seltsam berührt von dieser Morgenstille.
„Lassen Sie uns erst auf dem Gipfel sein, wo der Wind freien Lauf hat. Es sind kaum hundert Schritte —"
— Oben tat sich eine Fernsicht von merkwürdiger Klarheit auf. —
Walter Gosram nannte ihr einzelne Punkte. Man konnte den Kulm hinter Lehesten sehen — Burg Ranis —, das Hügelland nach Südosten dehnte sich unter einem Himmel voll ungeheurer, scheinbar stillstehender Wolkenbänke. Der Blick schweifte von der blauduftigen Weite des Frankenwaldes bis zu den Schleizer Forsten — man sah die Reutzifchen Berge und weit in das Bogtland hinein. Der Süden lag licht mit seinen silbrigen Hugelwellen — Main und Franken zerflossen im Sonnenfeuer!
Medarde sagte nun: „Dieser letzte Tag ist herrlich gewesen — ein berauschter erster Frühlingstag."
Gosram verstand nicht ganz, was sie eigentlich damit meinte, aber er begriff Medarde und fragte zögernd, jedes Wort bedächtig formend, datz ihm die Stimme nicht zittern sollte: „Wie meinen Sie das?"
„In den nächsten Tagen fahre ich wieder fort."
„Fort?!" Eosram war ganz verstört, „warum wollen Sie denn fort?"
„Es wird Zeit - "
„Sie haben beruflich? Verpflichtungen."
„Ich löste alle Verpflichtungen, ehe ich mit Ihnen hier- herfuhr, denn ich wollte einmal das uferlos Jneinander- flietzende aller Tage genießen — um mich in Stille und Ruhe zu konzentrieren, indem ich mich von allem befreite."
„Das ist Ihnen gelungen?"
,.2a. Walter Eosram. Ich fühle keine Vergangenheit und fürchte keine Zukunft, ich lebe in der Gegenwart —“ ihr hinreißendes Lächeln sprach zu ihm.
—- „Und nun wollen Sie fort?"
„Weil ich mich sonst verliere."
„Verlieren, sagen Sie — sind dies denn für Sie verlorene Tage gewesen?" Walter Eosram sah Hoffnungslosigkeit für sich.
„Nein, aber es kann eine verlorene Zeit werden, und dann gibt es keine Zukunft mehr."
Walter Gosram war wie betäubt, so stürmt« das über ihn hin. „Ich mutz jetzt zur Versteigerung, aber —", er reichte ihr die Hand.
Medarde sah ihn an, ohne zu sprechen, seine Hand einen einzigen Augenblick fest umfassend.
Atedarde Frederloh stand noch lange da und schaute. Ihre Augen tranken diese Fernsicht, als sollten sie morgen im Dunkel erlöschen.
--— Fort! Sie wollte fort — nein, sie sollte bleiben, sie sollte nie, niemals wieder von ihm fortgchen. Gosram stöhnte laut. Hier draußen in der Waldeinsamkeit hörte ihn niemand. Er war allein mit diesem qualvollen, unerträglichen Schmerz.--
Die Katzen schlafen still, seidenweich auf den Diwankissen. Dazwischen liegen Wächter und Treff, gern gesehen, leben sie unter den Menschen in dieser heiteren Mittagsstunde. Puck schmiegt schmeichelnd ihr seidiges Fell an die Hand, wenn man sie lockt. — Wie scheint das Leben hier froh und gut.
Medarde warb nicht um Klara. Ein feines Gefühl sagte ihr, das muhte sich mit der Zeit von selbst ergeben, datz sie sich nähertraten. Jetzt hätte das gewollt ausgesehen, ohne datz ein Grund vorhanden war. — Sie empfand es wohltuend, als sie Klara bei ihrer Heimkehr nicht im Wohnzimmer fand. Medarde suchte Alleinsein und Ruhe. Dies« Worte vorhin erschütterten sie tief, die kommende Stunde verlangte Klarheit und Stärke.
Dann kam Walter Gosram nach Hause. Er hatte auf dem Heimweg von der Holzversteigerung das Gleichgewicht wiedergefunden, um das entscheidende Wort zu sprechen. Er sah jetzt erst vorher noch die Post im Arbeitszimmer durch und beantwortete gleich das Notwendigste. Nun merkte er, daß er ermüdet war, nicht nur körperlich. Gerade dieses Müdesein, dieser Wunsch nach Ruhe, lietz ihn Medardcs Anwesenheit intensiv empfinden. Er fand Entspannung in ihrer Gegenwart. Erfreut, sie zu Haus« zu finden, trat er in das Wohnzimmer,
Sie ruhte auf dem Wanddiwan, Eosram entgegensehend, ohne den Kopf zu heben. Ihre Hand umfaßte die schwarze Katze, die mit leise atmendem Körperchen neben ihr hinge- schiniegt lag. Walter Gosram beugte sich über die Ruhend« — „Sind st« gern hier?"
„2a -"
Er liebkoste das Tier — umfaßte dabei Medardcs Hand — „Wollen Sie immer hierbloiben?"
(Fortsetzung folgt.)
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Herbstinelodie.
Auf welke Blätter tropft der Regen leis', und mit gedämpfter Geige spielt der Wind, fegt fort das Laub und wirbelt es im Kreis zum tiefen Tal. wo feuchte Nebel sind.
Er rüttelt am Gezweig erbarmungslos, ob auch das schwache Bäumlein widerstrebt, ob schwankend zittert die verblaßte Ros;
er wächst zum Sturm, der brausend sich erhebt. —
So weht dahin der letzt« Frühlingstraum!
Nur eine fehle, müde Stimme zieht.
sobald der Wind schweigt, durch des Waldes Raum, der herbe Klang von einem Scheidelied.
I. E. E ii n t h e r.
Die Abrechnung.
Eine Geschichte von Franz Friedrich Oberhäuser.
Einer der tüchtigsten Führer in die Dschungel war Simon. In allen Kampongs kannte man ihn, und wenn eine Jagdgesellschaft in den Urwald wollte, dann holte man Simon, denn keinem war das geheimnisvolle Leben auf Sumatra so vertraut wie ihm.
Antje Krög sah ihn schweigend vor seiner Hütte sitzen. Seit drei Tagen wartete die kleine Jagdgruppe aus den Ausbruch. Aber Simon zögerte. Er war immer wieder nach einer kurzen Ausschau zurückgekehrt und hatte die Jagd aus den nächsten Tag verschoben. Es war unangenehm,, aber die Leute verlietzeen sich auf den Führer. Keiner sprach mit ihm. Seit Jahren umgab ihn etwas wie ein Geheimnis. Niemand wußte zu sagen, woher er kam. Er war eines Tages da. Allein. Er streifte durch die Dschungel, brachte das Wild, säuberte die Wälder rings um die Plantagen von den wilden Elefanten und vertrieb di« Tiger, wenn sie übermütig wurden. Man lud ihn oft ein, in die Sozietät zu kommen und an den geselligen Runden teilzunehmen. Er schüttelte nur den Kopf.
„Ich will allein sein", sagte er, „seien Sie mir nicht böse deswegen!" Und er ging in die Wälder.
Kanin war die Nacht gekommen, und die kleine Krupps hatte sich in ihre Moskitonetz« gewickelt, um zwischen Schlaf und Traum hängend dem hölzernen Spiel der Palmblätter zuzuhören, dem Spiel einer Hindupfeife, und dem Lärm der erwachenden Zikaden, Insekten, Regenpfeifer und unzähligen Urwaldvögel, da stieg plötzlich ein glühend rotes Licht über den Blätterhütten auf. Antje Krög war die erste, die in der Nacht stand. Sie blickt« hinein in das durchleuchtete, schwere, bange Dunkel. In den nahen Sümpfen brodelte es. Da stieg wieder das Helle, scharfe Licht empor. Die Hindus und die Kulis schrien. Eine schwere Hitze schlug wie eine Sturzwoge über die Hütten hinweg. Irgendwo mußte ein Feuer im Lager der Kuli ausgebrochen jein. Bevor Antje Krög noch etwas tun konnte, fühlte sie die starken Arme eines Mannes. Sic hoben st« hoch und trugen sie fort. Aber nach wenigen Schritten blieb Simon stehen, das Fräulein Krög blickte in das hart«, über- leuchtete Gesicht des Mannes, und sah den großen Blick aus seinen dunklen Augen. Dann stellte Simon das Mädchen langsam zu Boden. Antje Krög empfand den beißenden Geruch eines wilden Tieres. Und als sie ausblickte, sah sic in die glühenden großen Augen eines Tigers, der über die zusammcn- gesallene Hütte seinen Weg in die Dschungel nehmen wollte. Er zuckte zurück. Simon bückte sich. Der Tiger setzte zum Sprunge an. Er hatte den runden, mächtigen Schädel nach unken gedrückt. Simon hielt einen Dolch in der Hand, aber er zückte ihn nicht.
Noch immer wartete der Tiger. Warum sprang er nicht? Antje Krög sah in das Gesicht Simons. Seine Lider waren fast ganz geschlossen. Der Blick hing dann wieder weit an dem Gebiß des Tigers. Die Eckzähne blinkten in einem mächtigen Quadrat. Nur einer der Zähne, links oben, war dunkel, fast blau. Es war, als liefe ein Beben durch den mächtigen Körper Simons. Im nächsten Augenblick erdröhnte ein einzelner Laut, dann verschwand der Tiger nach einer kurzen Wendung hinter den Gebüschen. Eine kurze Weile stand Simon regungslos. Dann wendete er sich an Antje Krög. Er hob das Mädchen wieder hoch und trug es an den Rand der Wasser. Die Hindus hatten inzwischen das Feuer gelöscht. Die dunkle durchlärmte Nacht kehrte wieder.
„Ich kann nicht schlafen", sagte Antje Krög, „ich habe etwas Angst!"
Nach einer Weile Überlegung begann Simon zu reden.
„Fürchten Sie sich nicht, kleines Fräulein. Die Gefahr ist vorbei. Ich halte es für klüger, in das Kampong zuriickzu-
kehren!" Damit nahm Simon seinen Revolver aus der Tasche, prüfte die Patronen. Er steckte den scharfen javanischen Dolch griffbereit, und zog seinen dünnen Lederriemen fester.
„Können wir nun auf die Jagd?" fragte Antje Krög.
„Nein. Er ist da!"
„Wen meinen Sie?"
„Haben Sie es nicht gesehen? Ich verstehe, Sie wissen cs nicht. Ich meine den Tiger mit dem blauen Zahn!"
„Was hat der blaue Zahn . . ."
Er ließ sie nicht ausreden, drängte sie auf einen gefällten Baum und setzte sich neben sie.
„Hören Sie zu! Der Tiger hat mich gesehen. Lächeln Sie nicht. Ich kenne das Gesetz der Dschungel. Er war lange Zeit, viele Jahre fort. Nun ist er wieder da. Sehen Sie?" Er reckte den rechten Arm hoch, er zeigt« auf eine wuchtige Narbe. „Das hier, das kommt von seinem Gebiß. Ich hatte es mir genau gemerkt. Es war ein blauer Zahn darin. Es sind gegen fünfzehn Jahre her. Damals überfiel er das Kampong. Auch damals war ich mit einer Jagdgesellschaft vor dem Aufbruch in die Dschungel. Aber nur als Gast. Mir war eine schöne junge Frau anvertraut. Eine Frau aus meinet fernen Heimat in Europa. Ich war glücklich, denn es war die Frau eines treuen Freundes. Da kam der Tiger. Er überfiel uns. Er schlug die Frau nieder. Ich war schuld daran. Ich war erschrocken. Es war nicht recht. Ich war feige. Er hat mein Leben zerschlagen. Der Freund tröstete mich. Aber niemand vermochte die Wunde zu schließen. Niemand ... nur der Tag . . .der Abrechnung. Ich leite in den Dschungeln. Ich mied die Menschen, die Gesellschaft. Ich suchte . . ihn . . immer wieder ihn. . ich fand ihn nicht . . Nun ist er wieder da. Ich kann sprechen. Ich habe viel gelernt. Ich werde ihn finden. Entschuldigen Sie mld), Fräulein, bei den Herren. Ich bitte, kehren Sie in das Kampong zurück. Bis ich wiederkomme. Es wird schon morgen sein. Und dann wollen wir auf die Jagd!"
Simon erhob sich. Antje Krög reichte ihm die Hand. „Wie hieß diese Frau? Und wer war Ihr Freund, Simon?" fragte sie. Simon blickte das Mädchen einen Augenblick lang schweigend an. „Wozu fragen Sie? Vielleicht erzähl' ich es Ihnen morgen!"
Ohne weiter ein Wort zu sprechen, verließ er das Mädchen und trat daraus in die tiefe Dunkelheit des Urwaldes, Antje Krög blickte ihm nach, dann kehrte sic zu den Jagdleuten zurück, und bald war man auf dem Rückweg in das Dorf.
Am nächsten Tag brachten einige Plantagenarbeiter den zerschlagenen Körper Simons. Die Menschen rannten aus den Bungalows. „Der Tiger!" riefen sie, „der Tiger!"
In der rechten Hand fand der Doktor den Zahn eines Tigers, er saß tief im Fleisch. Er war dunkelblau. „Ein sonderbarer Zahn, ist es nicht so?" fragte er die Freunde.
„Ich weiß", sagte Antje Krög, die später zur Gruppe kam, „ich weiß, cs ist der Zahn des furchtbaren Tigers Simon hat mit dem Tiger abgerechnet. Es ist derselbe Tigeer, der vor Jahren eine junge Frau niederschlug. Simon wollte mir ihren Namen nicht neunen!“
„Ihren Namen?" sagte da der alte Doktor, indem er ein Zeitungsblalt und eine vergilbte Photographie aus der Tasche der alten Jacke Simons holte. „Hier ist er . . ." Als Antje Krög das Bild erblickte und die kurze Notiz in der Zeitung las, legte sich ein Nebel über die Welt. Die Freunde traten auf das zitternde Mädchen zu. „Was gibt es, Fräulein Krög?"
„Meine Mutter!" sagte Antje Krög langsam. „Er war der beste Freund meines Vaters. Mein Vater hat mir oft davon erzählt. Er hieß nicht Simon. Er hieß van ’t Geer ... er hat abgerechnet mit seinem Schicksal!"
Damit beugte sich Antje Krög über den Mann und löst« den blauen Tigerzahn aus der Hand des Freundes.
Man lacht über inich.
Von Hans-Horst Brachvogel.
.Ich war zu einer Hochzeitsgesellschaft eingeladen. Ich war ein Notbehelf, ein Außenseiter, eine Aushilfe für einen verhinderten Gast. Außerdem war ick der füngste. Beide Gründe zwangen mir eine gewisse Zurückhaltung auf. Aber die mir zugeteilte Tischdame entzückte mich. Sie war begeisternd: ein reizendes Gesichtchen, tiefe, dunkle Augen, weiches Haar . . .
Wir gingen zu Tisch. Es war eine formvollendete, lehr stille und feierliche Tafel. Nicht einmal ein Teller klirrte. Dann wurde die Suppe anfgetragen.
„Schildkrötensuppe", sagte das Mädchen neben mir und hob die Augen zur Decke.
„Wunder—hick—voll'', sagte ich: und so begann es. Ich batte das Schlucken. Ich hielt den Atem an, verkrampfte
LESEMAPPE
11 Zeitschriften von 30 Pfennig an frei Haus FaulbfUnnenstl". 3, L Hof
RHEIN-NAHE-LESEZIRKEL Langga sse 6Ruf 24701
