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Wiesbadener Tagblatt
Mittwoch, 12. Oktober 1938.
Vermischtes.
Der Schatz im Sarge. Heute ijt der Bauer, der sein Geld lieber in den Strumpf steckt, anstatt es der Sparkasse anzuvertrauen, eine Seltenheit geworden. In alten Zeiten aber war es durchaus nichts Ungewöhnliches, sein bares Geld im Hause bei sich zu haben und, vor Erfindung der diebessicheren Eeldschränke, die seltsamsten Verstecke dafür zu suchen oder in Kriegszeiten gar cs in die Erde zu vergraben. Den alten afrikanischen Farmern waren Kredit und bargeloloser Zahlungsverkehr unbekannte Begriffe. Ihre Ersparnisse hatten sie in barer Münze bei sich, und sie zahlten auch bar. So gingen beim Verkauf von Dich oder von Farmen manchmal Tausende von Goldstücken aus einer Hand in die andere. Um sich aber vor Diebstählen der Eingeborenen zu schützen, wurde das Geld nicht selten in die Erde vergraben, an einer Stelle, die nur der Besitzer kannte. Nun kam es aber vor, daß der Mann unerwartet starb, ohne sein Gcheimnis seinen Erben
anvertrauen zu können, die vergeblich die ganze Farm durchsuchten. Noch heute taucht ab und zu so ein vor Generationen in die Erde versenkter Schatz durch Zufall wieder auf, int allgemeinen aber ruht er für alle Zeiten in der Erde, aus der das Gold gekommen ist. Ein solcher Farmer, der ein geschickter Zimmermann und ein reicher Mann war, erfand für sein Vermögen ein Versteck, das allerdings bei dem Aberglauben der Eingeborenen als ganz sicher vor ihnen gelten durfte. (Er zimmerte sich einen prächtigen Sarg, einen der prächtigsten und schönsten seiner Zeit und stellte ihn in seiner „guten Stube" auf. Der Sarg aber hatte einen doppelten Boden und unter diesem ruhte das Gold des Farmers. Nicht einmal seine Frau und seine Kinder mußten davon. Eines Tages nun verunglückte der Mann auf einem Ritt und wurde als Toter in sein Haus getragen. Seine Familie wußte, daß er cm reicher Mann gewesen war, aber umsonst stellte man das ganze Haus auf den Kopf. Nichts fand sich, und seine Angehörigen sahen sich von dem Gespenst vollständiger Armut bedroht. So
kam der Tag der Beerdigung. Die Leiche wurde in Len Prachtsarg gelegt, den sechs Eingeborene zum Hause hinaus trugen. Der Sarg war ungewöhnlich schwer, und die Träger, obwohl man stämmige Kerle ausgesucht hatte, ächzten unter der Last. Das erregte den Verdacht der Witwe. Sie ließ den
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Sarg abstellen, schickte die Träger fort und öffnete in Gegenwart ihrer Söhne den Sargdeckel. Wer erst nach längerem gründlichen Suchen fanden sie den kunstvollen doppelten Boden und damit auch das Gold. Hätten die Eingeborenen nicht so geächzt und gestöhnt, so würde das ganze Vermögen mit sei mm ehemaligen Besitzer zusammen in das Grab gewandert sein, und dort würde es heute noch ruhen. B.
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Andreas-Markt 1938. Vergnügungssteuer.
Anläßlich des Bevorstehenden Andreasmarktes (27., 28.. 29. und 30. ÖftoBer 1938) wird darauf hingewiesen, baß nach den Bestimmungen der §§ 4 und 24 der städt. Vergnügungssteuerordnung für die Zahlung der Vergnügungssteuer die Veranstalter der Vergnügungen, sowie der JnbaBer der Benutzten Räume oder Grundstücke gesamtschuldnerisch haften. Diese Bestimmung gilt auch für das vorüBergehende baustermäbige Spielen auf Harfen. Geigen, Harmonikas. Trompeten und bergt Instrumenten, sowie für bas Auftreten von Gymnastikern, Zauber- künstlern. Vauchrebnern unb bergt Wer berartige unversteuerte Vergnügungen in seinen Räumen bulbet. Bat außer ber Nachoeranlagung zu ber hinterzogenen Steuer noch Gelbstrafe zu gewärtigen. Soweit EaststätteninbaBer für bie fraglichen Tage keine tarifmäßige Vergnügungssteuer zahlen, können biefelBen durch Zahlung eines Pauschalsteuersatzes in Höhe von 4 RM. für bie 4 Anbreasmarkttage bie Tarifsteuer ablösen. Die Anmelbung hat bei ber Vergnügungssteuerstelle (Rheinstrahe 22. Zimmer 8) bis spätestens zum 24. Oktober 1938. vormittags, zu erfolgen.
Sm übrigen bleiben die Bestimmungen der Ver- gnügungssteuerordnung unberührt: insbesondere sind Darbietungen fest verpflichteter Kapellen ufw. in diesem Pauschalsteuersatz nicht einbegriffen, sondern vorschriftsmäßig anzumelden und tarifmäßig zu versteuern.
Wiesbaden, den 4. Oktober 1938.
Der Oberbürgermeister — Steueramt.
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Blutgerinnung.
Unter Blutgerinnung versteht man einen Vorgang, der zur Klumpenbilbung im Blute fährt unb dadurch zustande kommt, daß bas Fibrin, der Blutfaserstoff, als geformtes Eiweik aus dem Plasma ausfällt. Das Fibrin hängt gleichsam wie ein Netz zu- summen und kittet in seinem Maschenwerk die zelligen Bestandteile des Blutes fest. Innerhalb der Gefäße kommt es normaler- weise nicht zur Blutgerinnung. Das kann höchstens geschehen, wenn bie Gefäßwand irgendwie verletzt ist: es bildet sich bann ein sog. „Thrombus'. Die Blutgerinnung bilbet eine sehr wertvolle Hilfe der Natur zur Blutstillung bei allen Wunden. Gäbe es keine Blutgerinnung, so könnte man sich aus ber kleinsten Wunde verbluten.
Die Blutgerinnung ist em Vorgang, der mittels Hilfe eines Fermentes geschieht. Das fertige Ferment entsteht aber erst aus feinen im Blut vorhandenen Vorstössen, wenn die Blutgerinnung wirklich notwendig ist. Dieser Vorgang ber Blutgerinnung, den wir hundert- und aber hundertmal beobachten können, steht sehr einfach aus, dennoch ist er recht kompliziert; denn es muß doch Vorsorge getroffen sein, daß es im strömenden Blute nicht zur Gerinnung kommt, baß aber bei Verletzungen die Gerinnung fo rasch wie möglich eintritt.
Das Fibrin, das bei ber Gerinnung ausfällt, ist hn strömenden Blute in feiner „harmlosen" Vorstufe als Fibrinogen enthalten. Die Umwandlung des Fibrinogens in Fibrin wird durch einen anderen Stoff, das Thrombin, bewerkstelligt. Auch dieser Stoff muß erst aus feinen Vorstufen gebildet werden, wenn es nötig ist. Dabei spielen eine große Rolle die Anwesenheit von Kalzium im Blute und ein „Aktivator", die Thrombo- kinose", die von den Blutplättchen, den „Thrombozyten", geliefert wird.
Beobachtet man den Vorgang der Blutgerinnung im Reagenz- glase, so steht man, wie sich allmählich eine gelbliche Flüssigkeit von einer dunkelroten, festen Masse abscheidet. Die gelbliche Flüssigkeit ist das Blufferum, das aus dem Blutkuchen ausgepreßt wird. Durch gewisse elastische Kräfte zieht stch der Blutkuchen zu einem ziemlich festen Klumpen zusammen. Versucht man ihn auseinanber- zuziehen, so steht man das aus dem Fibrin gebildete Netzwerk.
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