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Wiesbadener Tagblaü

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Erscheinungszeit:

Nr. 239.

Mittwoch, 12. Oktober 1938

86. Jahrgang

Reichsmark im Sudetenland

Japanische Offensive gegen Südchina

Wöchentli

mit einer täglichen

Bahnlinie verlaufene große Verkehrsstraße von Hankau über Sran nach Sowjetrußland bedroht. Von entscheidender Be­deutung ist schließlich di« Tatsache, daß nunmehr ein direkter Angriff auf Hankau unternommen werden kann, da auf Grund der geographischen Ver­hältnisse die Stadt nur von Norden und Nordosten her bezwungen werden kann.

angeigntptdle: Lin Millimeter Höhe der 22 Millimeter breiten Spalte im Anzeigenteil Grund- preis 7 Rpf., der 85 Millimeter breiten Spalte im TertteU 60 Rpf., sonst laut Preisliste Nr. 6, Nachlatzstaffel B. Für die Aufnahme oon Anzeigen an bestimmten Tagen und Plätzen unrd keine Gewähr übernommen. Schlich der Anzeigen-Annahme 9'/« Uhr vormittags. Grötzere Anzeigen müssen spätestens einen Tag not dem Erschemungstage aufgegeben werden.

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Eine Tschechenkrone = 12 Reichspfennig.

Berlin, 11. Okt. Der Beauftragte für den Bierjahres­plan, Eeneralfeldmarschall Göring, hat über die Einfüh­rung der Reichsmarkwährung in den sudeten­deutscheu Gebieten am 10. Oktober 1938 folgende Verordnung erlassen:

§ 1- Gesetzliches Zahlungsmittel in den sudetendeutscheu Gebieten ist neben der tschecho-slowakischen Krone die Reichsmark. Eine tschecho-slowakische Krone ist gleich 12 Reichspfennig.

§ 2. Der Reichswirtschaftsminister erläßt die zur Er­gänzung und Durchfiihrung dieser Verordnung erforderlichen Vorschriften.

§ 3. Diese Verordnung tritt am 11. Oktober 1938 in Kraft.

Gesunde Wirtschaftsgrundlage.

Der Umrechnungskurs ist abweichend vom Devisenkurs, der rund 8,7 Pf. für die Krone beträgt, auf 12 Pf. für die Krone festgesetzt worden. Die Festsetzung ist nach eingehender Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der Absicht erfolgt, die sudetendeutsche Wirtschaft auf einer gesunden Grundlage in das Reich eiuzuglieder». Durch das gewählte llmtauschoerhältnis sollen Preis­steigerungen in den sudetendeutschen Gebieten ver­mieden werden. Die Kaufkraft der Lohn- und Gehalts­empfänger soll damit gewahrt und der Sparer von einer Ent­wertung seines Sparkopitals geschützt werden. Die rasche und reibungslose Durchführung des Anschlusses der sudeten- dcutschen Wirtschaft an die Wirtschaft Großdeutschlands wird dadurch erleichtert.

Hexenkessel Palästina

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Der rote Bluff.

Londoner Sowjetbotschaster protestiert gegen Auslassungen Lord Wintertons.

London, 11. Okt. Lord Winterton, der Kabinetts­mitglied ist, erklärte gestern abend in einer Rede, daß Sowjetrußland in der tschechischen Krise keine Hilfe angeboten habe, sondern daß esangesichts seiner militärischen Lage nur sehr vage Versprechungen gemacht hat." Diese Erklärung nahm heute der Sowjetbotschafter zum Anlaß, um bei Außenminister Lord Halifax dagegen zu protestieren.

etn<L$liU06ietlon 2 Wochen 94 Rpf.. fflr einen Monat RM. X- ein- Post bezogen RM. 2.35. zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld Einzel, nummern 10 Rpf. Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausaabestellen die ?ufä8tfltfmhiUnne «nftQlten- 7 $ie ^-Hinderung der Lieferung rechlfertigt keinen AMvruch -ui Rückzahlung des Bezugspreises.

3tt den Bierjahresplan einbezogen.

2m Reichsgesetzblatt wird eine Verordnung des Beauf­tragten für den Vierjahresplan, Generalfeldmarschall Göring, über die Durchführung des Vierjahresplanes in den sudelen­deutschen Gebieten veröffentlicht. Danach ist die Verordnung zur Durchführung des Vierjahresplanes vom 18. Oktober 1936 in den sudetendeutschen Gebieten sinnge­mäß anzuwenden.

Die neue Verordnung, die bereits am 10. Oktober, dem Tag ihrer Verkündung, in Kraft getreten ist, läßt erkennen, daß der Wirtschaftsausbau in den sudetendeurschen Gebieten nach denselben Grundsätzen und Methoden und mit der gleichen Tatkraft wie alle bisherigen Aufgaben der Wirtschaftspolitik und Wirtschaftslenkung im nationalsozialistischen Deutschland in Angriff genommen wird. Das alles andere beherrschende Problem der Wirtschaftskenkung ist im Altreich der Vier- jahresplan; durch die neue Bestimmung wird die rechtliche Grundlage für eine entsprechende Ordnung im Sudetenland geschaffen. Die neue Verordnung ist das Fundament für den gesamten wirtschaftlichen Aufbau und zugleich auch die recht­liche Untermauerung der Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Sudetenland. Eine entscheidende wirt­schaftliche Maßnahme wurde hier bekanntlich bereits getroffen, und zwar der beschleunigte Einsatz arbeitsloser Sudetendeutscher, vor allem bei volkswirtschaftlich und staatspolitisch wichtigen Arbeiten des Vierjahresplanes.

Die neue Verordnung ist ein Zeichen dafür, daß plan- mäßig sofort alles getan wird, um der Not der Sudetendeut­schen ein Ende zu bereiten. Die Verordnung schasst die Grund­lage für eine wirtschaftliche Entwicklung 'des Sudetenlandes nach nationalsozialistischen Wirtschafts- und sozialpolitischen Grundsätzen für eine Erschließung der natürlichen Reichtümer des Landes und für eine Ausnutzung aller Produktionsanlagen und Arbeitsmöglichkeiten zum Wohle der gesamten sudeten­deutschen Bevölkerung.

werden Verstärkungen herangezogen, so daß in Kürze die militärische Macht Englands in Palästina etwa dreimal so stark sein wird wie in normalen Zeiten. Der Ober­kommissar, der morgen von London nach Palästina zurück- kehrt, soll weitgehende Vollmachten mitnehmen, um die üra bische Revolution, denn von einer solchen muß man heute schm sprechen, niederzuschlagen. Es fragt sich nur, ob die mili tärischen Maßnchmen zum Ziele führen, da die Hauptstelle de: arabischen Widerstandes wohl gar nicht in Palästina selbst zi suchen sein dürfte. So wird auch berichtet, daß der aus Palä stina verbannte Großmufti von. Jerusalem, der stch jetz: in dem unter französischer Oberhoheit stehenden Libanongebiet aufhält, nach wie vor in dem Kampf gegen die englische Mandatsmacht eine große Rolle spielt. Aber selbst wenn ee gelingen sollte, die Unruhen einzudämmen, so muß man doch nach einer Lösung suchen, die eine Wiederholung des jetzigen Chaos unmöglich macht und dem schwer geprüften Land Ruhe verschafft. Daß diese Lösung in dem ursprünglichen Drei­teilungsplan gesucht werden wird, ist wohl sicher. Ob aber der vom Außenminister des Irak stammende Vermittlungs­vorschlag eines national-arabischen Staates, in dem die jüdi­schen Gemeinden Selbstverwaltung erhalten sollen. Aussicht auf Erfolg hat, läßt sich noch nicht sagen. Es wäre übrigens auch wohl denkbar, daß die Palästina-Frage sich auf die gesamtpoli­tische Situation auswirkt. Sie beschäftigt die englische Regie­rung stark, so daß Spanien, das jetzt ja in den Vorder­grund getreten war, für London dadurch zum mindesten vor- übergchend wieder etwas an Jnterese verlieren dürfte.

Die Mandatsregierung machtlos.

Die aus Palästina kommenden Nachrichten lasten klar er­kennen. daß das gesamte britische Mandats­gebiet heut seinem Hexenkessel gleicht.Das Publikum kann sich den Ernst in Palästina nur schwer vor­stellen", so sagt üer Jerusalemer Vertreter desDaily Tele­graph", und fügt hinzu,ich habe 20 Jahre im nahen Osten gelebt, aber n i em als eine derartige Gefährdung der Autorität gesehen." Tatsächlich ist die Regie­rungsgewalt heute mit Ausnahme von einigen Garnison­städten auf Tel Aviv und Haifa beschränkt. Dir Schwie­rigkeit liegt pir die Engländer vor allem darin, daß sie sich heute einer geschlossenen arabischen Front gegen­über sehen. Charakteristisch dafür sind die Forderungen des in Kairo tagenden Pan-islamischen Kongresses, der alle, Teilungspläne für Palästina verwarf und das sofor­tige Wstoppen der Judeneinwanderung fordert. Das zeigt, daß die Araber heute nicht mehr geneigt sind, sich auf irgendwelche Kompromisse einzulassen. Die Hohe Mandatsverwaltung sieht sich somit vor die schwierige Frage gestellt, wie den arabischen Forderungen Genüge getan werden kann, bei deren Nichtbeachtung schwere revolutionäre Er­schütterungen in der weiten islamischen Welt zu befürchten sind. Es rächt sich eben heute bitter, daß England, um sich die Hilfe beider Teile zu sichern, den Juden als auch den Arabern weitgehende Zusicherungen hinsichtlich Palästina im Welikrieg machte. Zunächst scheinen die Engländer entschlossen zu fein, die Ruhe wiederherzustellen. Von Ägypten, von Malta nsw.

Rettung der sudetendeutschen Wirtschaft.

Von Willi Pempel.

Daß ein Land, wie die Tschecho-Slowakei, zusammengefügt aus verschiedenartigen Volkskörpern, die in 20 Jahren ihre wertvolle Kraft für ihr völkisches und kul­turelles Recht erfolglos vergeuden mußten, auch wirtschaft­lich nur schwer zu einer Einheit zusammengeschweißt hätte werden können, ist allmählich aller Welt klar geworden. Wir wollen hier keine Betrachtung des wirtschaftlichen Schaffens der tschecho-slowakischen Republik anstellen, aber wir wollen einmal sehen auf welcher wirtschaftlichen Grund­lage die Sudetendeutschen, die jetzt endlich heim ins Reich gekehrt sind, ihr Leben gestaltet haben. Es ist ein wahrhafter Leidensweg, den die sudetendeutsche Wirtschaft in den zwei Jahrzehnten ihrer Zugehörigkeit zur Tschecho-Slowakei zurückgelegt hat, ein Weg, der seinen Anfang nahm am Ende eines Krieges, der die Industrien des sudetendeutschen Grenzlandes auf Hochtouren laufen ließ. Die Erzeugungs­möglichkeiten waren bis zum letzten ausgenutzt, den dringend notwendig gewordenen Erneuerungsarbeiten setzten sich aber, nachdem der Friede" endlich eingekehrt war, unüber­windliche Hindernisse entgegen. Rein wirtschaftlich gesehen, hätten diese Schwierigkeiten in irgendeiner Form einer Lösung cntgegengeführt werden können, wenn der Staat die notwendige Unterstützung eingesetzt hätte. Aber diesem ging es ja nun nicht darum, einer einst blühenden Industrie, Land- und Hauswirtschaft die notwendigen Lebensgrund­lagen zu sichern, vielmehr tat er alles, um einem wirtschaft­lichen Gesundungsprozeß Hemmnisse zu bereiten. Und warum dies« Politik der Kurzsichtigkeit? Nur weil man glaubte, die sudetendeutsche Bevölkerung durch wirtschaftlichen Druck zwingen zu können, ihren völkischen und kulturellen Selbst- behauptungswillen aufzugeben. Als der Mißerfolg dieser Aktionen sichtbar wurde, ließ Prag stärkeres Geschütz auffahren. Mit Schikanen schlimm st er Art mit Hilfe von nur gegen das Sudetendeutschtum gerichteten Gesetzen und Verordnungen wurde die sudetendeut­sche Wirtschaft systematisch unterhöhlt, ihre Lebensmöglichkeiten wurden immer mehr beschnitten. Den tschechischen Einfluß galt es auch im Grenzgebiet zu ver­stärken. Um zu diesem Ziel zu kommen, war der Prager Regierung jedes Mittel recht. Wir erinnern nur an die Ent­eignung rein deutschen Bodens. So wurden zum Beispiel in der B r L x e r Gegend weit über 500 000 Hektar deutschen Landbesitzes abgetrennt. Das war ein Eingriff, wie er brutaler nicht vorgenommen werden konnte, zumal die Tschechen natürlich nur solchen Grundbesitz enteigneten, der reichen Ertrag versprach. Der karge Grund und Boden ver­blieb den Sudetendeutschen. Dieser tschechische Landraub ist einer der dunkelsten Punkte in der Geschichte dieses Staaten- mißgebildes von Versailles Gnaden. Innerhalb zweier Jahr­zehnte verlor das Sudetendeutschtum ein Drittel 1,1 Mill. Hektar seiner Fläche; das überschreitet den Eesamtflächen- inhalt Sachsens. Auch vor dem kostbaren Waldbesitz machten die Tschechen nicht halt. Auch hier waren sie ganz groß in der Beschlagnahme.

Wie sah es nun auf industriellem Gebiet aus? Keines­wegs bester. Auch hier hatte die Machtpolitik des tschechischen Staates in unverantwortlichster Weise Schädigungen über Schädigungen herbeigeführt. Die Sudetengebiete weisen eine starke Industrialisierung auf. Die Glas-, Papier- und Textil­industrie Böhmens und Mährisch-Schlesiens haben mehr Deutsche beschäftigt als alle andere Nationalitäten des Staates zusammen. Diese Industrien wurden ein Hauptopfer der tschechischen Währungs- und Finanzpolitik, denn da sie

Tokio, 12. Okt. (Ostasiendienst des DRV.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß die japanische Armee und die Marine militärische Operationen gegen S iid - china entlang der Küste der Provinz K wantung begonnen haben. In politischen Kreisen Tokios nimmt man an, daß damit der seit langer Zeit geplante Angriff aus Kanton begonnen habe.

Die ersten Truppen in der Bias-Bucht gelandet

Hongkong, 12. Okt. (Funkmeldung.) Mittwochfrüh um 4.30 Uhr wurden, wie hier bekannt wird, die ersten japa­nischen Abteilungen in der Bias-Bucht ge­landet. Dort liegen etwa 60 japanische Transportschiffe mit Truppen. Das nächste Ziel ist anscheinend die Unter­brechung der HongkongKanton-Bahn. Die Behörden in Hongkong rechnen mit einem starken Zustrom chinesischer Flüchtlinge. Sie verstärkten daher den militärischen Schutz an der Rordgrenze des britischen Territoriums.

Tschiangkaischeks Bersorgungsweg bedroht.

Tokio, 12. Okt. (Funkmeldung.) Über die begonnenen japanischen Operationen in Südchina gab der Sprecher des Außenamtes eine Erklärung. Er unterstrich, daß die japanischen Maßnahmen rein militärischer Natur seien und die Unterbrechung des Hauptweges für die chinesische Waffen- und Munitionsversorgung bezweckten. Nach Be­setzung Kantons würde nämlich die militärische Versorgung Tschiangkaischeks ausschließlich auf die beschwerliche und un­sichere Zufuhr aus Indo-China, Burma und Sowjetrußland angewiesen fein. Die bisher von der japanischen Regierung verfolgte Politik, die Rechte und die Interessen dritter Mächte zu achten, bleibe unverändert. Obwohl japanischerseits alles daran gesetzt werde, um jeden Schaden für dritte Mächte in­folge der gegenwärtigen Operationen zu vermeiden, bringe die Regierung in Tokio gleichzeitig die Hoffnung zum Ausdruck, daß die Mächte die wirklichen Absichten Japans verstehen und an den Bemühungen der japanischen Militärs Mitarbeiten möchten, um so unerwünschte Zwischenfälle zu vermeiden.

Der Weg nach Hankau frei.

Tokio, 12. Okt. (Funkmeldung, Ostasiendienst des DNB.) In größter Aufmachung berichtet die japanische Preste heute ausflihrlich über den Fall Sinyangs an der außer­ordentlich wichtigen Hankau-Peking-Bahn. Die Blätter feiern di« Einnahme der Stadt, die 130 Kilometer nördlich von Hankau liegt, als den wichtigsten japanischen vieg, der in den letzten Wochen gegen starke chinesische Streitkräfte erkämpft werden konnte. Der Fall Sinyangs ist von erheblicher Bedeutung für alle weiteren Operationen, die sich auf den Fall Hankaus konzentrieren.

Auch die Vertreter der Armee mesten der Eroberung dieser Stadt große Bedeutung bei, da nunmehr die Bahn­verbindung der Verteidiger Hankaus mit den chinesischen Truppen am Gelben Fluß zwischen Tungwan und Tschentschau unterbrochen ist. Ebenso wird die westlich der

R SBerttagUd) nachmittags.

u ** UPyuuvli Geschäftszeit: 8 Uhr morgens dis 7 Uhr abends. auherSonn-u. Feiertags.

Unterhaltungsbeilage. 8etiiner ®üro: B-rl«.Wum°rsd°n.