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V Donnerstag, 6. Oktober 1938. ■__

Wiesbadener Tagblatk

Zweites Blatt. Nr. 234.

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ver Arzt als Heiter 179 Wiesbadener Tagblatt

Blutvergiftung.

Dringen Krankheitserreger durch eine Wunde in den Körper ein, so kommt es zu einer Infektion. Normalerweise sind in den der Wunde benachbarten Lymphdrüsen der Infektion Schranken gesetzt. Ist die Infektion zu heftig oder sind die Lymphdrüsen qN schwach, so kommt es zu einem Uebertritt der Infektionserreger in das Blut, wir haben eine richtige Blutvergiftung, d. h. also eine Allgemeininfektion des Körpers.

Im allgemeinen versteht man unter Blutvergiftung im Volks- mund schon die Borstufe dieser Allgemeininfektion, wenn nämlich von einer infizierten Wunde aus die Lymphbahnen anschwellen und als entzündete rote Stränge deutlich stchlbar sind Die benachbarten Lymphdrüsen sind vergrößert, hart und druck­empfindlich.

Behandlung: In solchen Fällen ist unbedingt Ruhiq. stellung des verletzten Gliedes nötig, am besten mit Schienen- verband. Dazu macht man Umschläge nut essigsaurer Tonerde oder mit 70prozentigem Alkohol. Auf diese Art gelingt es ge­wöhnlich, die schwere Allgemeininfektion aufzuhalten.

Anzeichen für die Allgememinfektion, also für die richtige Blutvergistung, sind Schüttelfröste und Fieber mit sehr starken Schwankungen, mit jähem An- und steilem Abstieg. Die ursprüng- liche Wunde kann längst geschlossen fetn, dafür aber kommt an allen möglichen Körperfüllen zu Eiterungen. Auch Blutungen in Gelenkhöhlen werden beobachtet. Je mehr Bakterien im Blute kreisen, desto schverer ist die Blutvergiftung. Aber auch ohne daß Bakterien im Blute kreisen, kommt es zu einer Blutvergiftung zu einer Allgemeininfektion. Die Erscheinungen werden dann berDot' gerufen durch die Elfte, die „Toxine", der Bakterien. Demnach unterscheidet man eine „bakterielle" und eine „toxische" Allgemein- Infektion. Die „bakterielle" Allgemeininfektion läßt sich einteilen in eine Bluwergiftung durch Eitererreger, durch Fäulniserreger und in eine solche nut sog. spezifischen Bakterien, wie Tuberkulose und ähnlichen Krankheiten. Die „toxische" Allgemeininfektion kann ent­fielen durch tierische Gifte wie z. B. durch Schlangengifte, dann durch Gifte der Bakterien und durch Gifte aus den zerfallenen Geweben. Nicht immer ist eine einzige Ursache bestimmend für eine Bluwergiftung, oft entsteht sie durch mehrere Bakterien. Man spricht dann von einer Mischinfektion.

Behandlung: Besserung hat man vielfach beobachtet nach ausgiebigen Bluttransfufionen. Daneben werden natürlich desinsi- zierende Mittel zum inneren Gebrauch verordnet. Bei der Schwere der Erkrankung ist oftmals Krankenhauspflege erforderlich.

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