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Mittwoch, 5. Oktober 1938.

Wiesbadener Tagblatt_______________ Zweites Blatt. Nr. 233.

Egerland am Broadway."

Als Friedrich Teinzer die Treppe des Subwayschachtes emporstieg schlug ihm die heiße Luft eines New Barker Septembertages entgegen. Beinahe willenlos foulte ihn der Menschenstrom auf den Broadway, auf dem sich Menschen. Auws und wieder Autos meist in langsamem Tempo entlang schoben. Die nervöse, Stimmung und das undefinierbare Brodeln, das, immer über dieser bedeutendsten Berkehrsstraße New Yorks liegt, schien heute eine Nuance gespannter, einen Grad erregter, zu sein, als sonst. Auch Friedrich Teinzer war außergewöhnlich erregt. Kein Wunder, denn noch vor wenigen Minuten hatte er über den Kurzwellensender die Kongreßschlußrede des Führers angehört, in welcher klipp und klar das baldige Ende der tschechischen Fremdherrschaft im Sudetenlande angekündigt wurde . . .

Während Friedrich Teinzer durch Lärm und Staub zwischen den Hauserschluchten des Broadway entlang ging, wanderten seme Gedanken zurück, sie übersprangen zwei lange Jahrzehnte. 20 lange Jahre, erfüllt mit Not, Heimweh und Bitterkeit, 20 Jahre, in denen Friedrich Teinzer ein alter, vorzeitig gealterter Mann geworden war.

~ . 1918: Balkanfront. Der Egerländer Friedrich

^.ernzer, der, in das böhmische Regiment als Kriegs­freiwilliger emgetreten war, bemerkt schon seit Tagen, daß seine tschechiichen Kameraden vor ihm Geheimnisse haben.

tschechische Sprache als Erenzlanddeutscher gut versteht, kommt er dahinter, daß das meist aus tschechischen Solboten bestehende Regiment seinen Treueid brechen und zum rrernde überlaufen will.

- Wenige Tage später. Teinzer hat den Verrat ge- meldet. Doch konnte der tschechische Treubruch nicht mehr verhindert werden. Teinzer kann nur mit Mühe und Not der Rache der tschechischen Deserteure entkommen.

16. Avril 1919 Die tschechische Regierung, bestehend aus Deserteuren und Hochverrätern, hat ein sogenanntes Gesetz herausgebracht, wonach Personen,die während des Krieges eine feindliche Haltung gegen das tschechische Volk einge­nommen haben, ohne Entschädigung enteignet werden können . . .

, Februar 1920 Der sudetendeutschc Jungbauer Friedrich Haus und Hof verjagt. Als Feind des tschechischen Volkes ein Feind deshalb, weil er nicht, wie ole T,chechen. zum yeind desertiert war. wurde er ohne

U1XB .enteignet. Auf seinem Hofe sitzt nun ein tschechischer Legionär, der mit vollen Kisten gestohlenen Gutes aus Sibirien gekommen war: daß er dort mitgeholfen hatte, seineslavischen Brüder" um Koltschak an die Roten zu verraten, focht den beutelüsterncnSoldaten Schweijk" der sibirischen tschechischen Legion nicht weiter an. Kein Wunder, denn als Belohnung für seine Heldentaten schenkte ihm derStaat desPräsidenten Masaryk" den Bauernhof des Egerländer Deutschen Friedrich Teinzer . . .

,1924 in New York: Wie vielen Sudetendeutschen blieb auch Friedrich Teinzer nur die Wahl zwischen Selbstmord oder Auswanderung. Viele alte Menschen, die wegen ihres oohen Alters den Kampf ums Dasein nicht mehr von vorn anfangen konnten, griffen im Sudetenland zum letzten ver­zweifelten Mittel, und verhalfen dem tschechoslowakischen Staat zum traurigen Ruhm, einer der selbstmordreichsten vtaaren Europas zu iein. Friedrich Teinzer aber war noch tuns und kräftig und wagte in denStaaten" den neuen Anfang aus dem Nichts.

Schwer, sehr schwer wurde für den Egerländer Bauern- whn der neue Anfang in dem Weltstadtungetüm New York. Mehrmals war er der Verzweiflung nahe. Ein Sprung in den olglanzenden, die Lichter des nächtlichen Manhattan wiederspregelnden Hudson schien oft der einzige Ausweg zu ihm dann die Kameradschaft seiner sudeten- deutschen Leidensgefährten, die mit ihm verdammt waren, in diesem Hexenkessel von Mammutbauten und kläglichem

Schmutz, von weltumspannender Tatkraft und üblem jüdischen Parasitismus ihr Dasein zu fristen. Damals taten sie sich zusammen und gründeten ihr HeimEgerland am Broadway", das zwar nicht ganz am Broadway lag, sondern m einer stillen Nebenstraße des Broadway, soweit man in New York überhaupt vonstill" reden kann.

Em energischer Stoß seines Nebenmannes weckte Friedrich Teinzer auf. Donnerwetter, er mußte aufpasfen: denn er befand sich auf der berühmtesten Verkehrsstraße der Welt und nicht im stillen Egerländer Dorf seiner Heimat. Da. vor ihm staute sich der Fußgängerstrom. Die Menge umlagerte einen Zeitungsboy, der die noch druckfeuchten Zeitungen rasend schnell loswurde. Es war die Rede des Führers über die sudetendeutsche Frage, die hier in der Achtmillionenstadt dieses Aufsehen erregte. Auch Friedrich Teinzer nahm ein Exemplar derNew York Times" und las mit Stolz die Rede, die er vor kurzer Zeit durch den

Schaum fliegt vom Rhein zur Ostsee

Luftreise mit seltsamer Fracht.

Von D. A. Ruble.

Obwohl das Interesse in allen Kreisen an der deutschen Luftfahrt äußerst rege ist. wissen doch nur wenige Menschen, wie vielseitig in den letzten Jahren der Luft-Frachtverkehr geworden ist. Wer einmal zusehen konnte, wie die großen Frachtmaschinen der Lufthansa beladen werden, was für mögliche und unmögliche Dinge im Laderaum verstaut wer­den, kennt die Bedeutung des Luft-Frachtverkebrs. Außer der Kleidung gehören in erster Linie Blumen, Früchte, Film- kovien, Pressephotos und Maschinenteile zu den häufigsten Frachtstücken. Für Blumen gibt cs sogar ein Sonderflug­zeug. das täglich zwischen Amsterdam und Berlin verkehrt. Ein Teil der Blumen wird nach Warschau weiterverladen.

Kaum glaublich klingt es, daß ein Flugzeug von Stutt­gart in jedem Jahr den deutschen Frühling blütenfrisch nach Portugal bringt. Aber tatsächlich wird jedes Frühjahr eine ganze Flugzeugladung Flieder nach Portugal verschickt, ob­wohl man meinen sollte, daß in dieser südlichen Breite Frühlingsblumen viel eher blühen. Selbst die gefiederten Konkurrenten" in den Lüften nimmt das Flugzeug gern in den Schub seiner metallenen Fittiche. Es ist ja bekannt, daß vielfach im Herbst Schwalben, die den Anschluß für ihre Reise nach dem Süden verpaßten, im Flugzeug über die Alpen in wärmere Landstriche befördert und so vor der Gefahr des Er­frierens bewahrt wurden. AuchBrieftauben"-Flugzeuge gibt es. Zu den bekannten Brieftauben-Luftrennen werden die Tauben vielfach auf dem Hinweg mit dem Flugzeug transportiert. 900 bis 1500 gefiederteBriefboten" werden in einem Flugzeug befördert.

Für Transporte von Tieren wird der Luftweg in steigen­dem Maße gewählt, weil die Insassen durch die Schnellig­keit der Beförderung am wenigsten nervös werden. Von der Boa Constrictor. der Riesenschlange, bis zum russischen Baren geht die Pasiagierliste aus dem Tierreich bei der Luft­hansa.Können Sie uns nicht ein Frühstück für zwei junge Kängurubs beschaffen, die nur aus der Durchreise sind?" Mit diesen Worten wurde ein Inspektor des Berliner Zoos vor einiger Zeit um fünf llbr morgens aus dem Schlaf ge­klingelt. Die Kängurubs kamen von London mit der plan­mäßigen Postmaschine und sollten weiter nach Wien. Und wirklich eine Stunde später kam schon im Auto ein exquisites Frühstück la Professor Heck" angerollt. . . Das sind Komplikationen, die beim Tiertransport zuweilen auftreten, die aber die Männer von der Lufthansa in Zusammenarbeit mit dem Berliner Zoo zu lösen wissen.

Auch Fische vertauschen manchmal ihr feuchtes Element mit den Lüften . . . Wertvolle Fische werden, vor allem in der beißen Jahreszeit, in besonderen Frischwasserbehältern auf dem Luftweg befördert. Ein berühmtes französisches

Verkehrsunfälle überall.

Königstein (Taunus), 4. Okt. Auf der Limburger Straße, zwischen Glashütten und demEselseck", stieß der 27jährige Alfred P. aus Frankfurt a. M. auf seinem Motor­rad mit einem älteren Mann zusammen und rannte gegen einen Baum. P. erlitt einen doppelten Schädelbruch und starb kurz darauf im Höchster Krankenhaus. Der Fußgänger, der, wie Zeugen bekunden, stark betrunken gewesen sein soll, erlitt eine Gehirnerschütterung und mußte ins Krankenhaus nach Königstein gebracht werden.

= Sinzig, 4. Okt. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der Landstraße zwischen Sinzig und Niederbreisig. Am so­genannten Tiefpfad kam ein Motorrad nachts auf der nassen Straße ins Schleudern und rannte gegen einen entgegen­kommenden Lastzug. Auf der Maschine saßen zwei junge Geistliche, von denen der Fahrer, ein Kaplan aus Mecken­heim, auf der Stelle getötet wurde. Der Beifahrer erlitt geringfügige Verletzungen,

= Trier, 4. Okt. In der Zurmaienerstraße ereignete sich ein Zusammenstoß zwischen einem Personenauto und einem

Radfahrer, wobei letzterer so schwer verletzt wurde, daß er kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb.

- Seligenstadt a. M., 4. Okt. Auf der Zellhäuser Straße wurde ein Briefträger von einem Motorradfahrer an­gefahren. Der Briefträger erlitt schwere Verletzungen; der Motorradfahrer wurde vom Rad geschleudert und dabei so schwer verletzt, daß er kurz darauf im Krankenhaus starb.

= Plaidt, 4. Okt. Der Kaufmann Peter I. Engelberts wurde vor seinem Hause von einem Auto überfahren. An den erlittenen schweren Verletzungen ist E., der am gleichen Tage sein 74. Lebensjahr vollendet hatte, bald nach dem Unfall gestorben.

= Bad Orb, 4. Okt. An der KurveEiserne Hand", Süschen Bad Orb und Wirtheim, kam es zu einem folgen- weren Zusammenstoß. Revierförster W. aus Lohrhaupten, der sich mit dem Motorrad auf einer Dienstfahrt nach Geln­hausen befand, stieß mit einem Personenauto zusammen. W. war sofort tot, während sein Soziusfahrer, ein Gastwirt aus Lohrhaupten, mit schweren Verletzungen ins Kranken­haus gebracht werden mußte. Die Insassen des Autos, zwei Frauen und ein Mann, wurden leicht verletzt. Beide Fahr- zeuge mußten stark beschädigt abgeschleppt werden.

Äther aus dem Munde des Führers aller Deutschen gehört hatte Er wußte, bald würde auch kür ihn der Tag der Heimkehr kommen. Er steckte die Zeitung in die Rocktasche, und mit energischen Stöben drängte er sich durch die Menschenmassen: denn er sehnte sich nach seinen Kameraden, dre imEgerland" schon auf ihn warteten. Aus dem eben noch in Erinnerungen versunkenen Egerländer war wieder em energischer Mann geworden, der in der harten Schule der Weltstadt nicht untergegangen, sondern nur noch härter geworden war.

Schon seit einem Jahre hat die deutsche Schuljugend durch.dieHllf-mit!"-AktionVolksgemeinschaft Schicksals- gemelnschatt" des NS.-Lehrerbundes auch die Nöte und Kampfe der Sudetendeutschen kennengelernt. Heute erlebt die deutsche Jugend in und außerhalb des Unterrichts die großen Entscheidungen unserer Zeit mit.

Til F e h r e n b e ch.

Rennpferd wurde für ein Rennen in England mit einem Sonderflugzeug über den Kanal transportiert, auf der Strecke von Belgrad nach Sofia war ein einzelner Zuchtesel ein seltsamer Fahrgast. Die seltsamste Tierladung aber hatte einmal ein Flugzeug des Südatlantikdienstes: zwanzig Bienenschwärme mit ihren Königinnen, die von Deutschland nach Südamerika. gebracht wurden. Den Südamerikanern schmeckte ihr Honig nicht mehr, so verschrieben sie sich aus Deutschland zwanzig Schwärme.

,, .Wenn man die Frachtlisten des Südatlantikdienstes der Lufthansa durchblättert, muß man zu dem Eindruck kommen, daß einige Kafseegemeßer in Deutschland sich für ihren Haus- bedari den Kaftee grammweise auf dem Luftweg schicken lassen, um die Bohnen, aus denenArabiens köstlicher Trank" bereitet wird, möglichst frisch zu bekommen. Ein Irrtum! Deutsche Kaisee-Grogimporteure lassen sich in 50-Eramm- Beutelchen Kaifeeproben schicken, an Hand deren sie leicht die Qualität einer Kaffeesorte bestimmen können und entscheiden, ob diese Sorte für. die Einfuhr in Frage kommt, Umgekehrt bat es den Anschein, als ob bei der südamerikanischen Da­menwelt die Mode verbreitet ist. nur e i n e n S ch u h zu tragen. Hier bandelt cs sich nur um Mustersendungen deut­scher Schuhfabriken...

Auch Kohlen können, wenn man sie nickst hat, plötzlich unermeßlichen Wert bekommen. Als vor einigen Jahren wahrend eines außerordentlich strengen Winters die Kohlen ausgerechnet in Schlesien, in Breslau, knapp zu werden be­gannen. scheuten, emige Privatleute nicht die verhältnis­mäßig hohen Luftfrachtkosten, um sich einen Sackschwarzer Diamanten" aus Görlitz kommen zu lassen. Durch die Schnelligkeit des Transports machen sich in vielen Fällen auch die hohen Kosten für ein Sonderflugzeug bezahlt. Vor zwei Jahren blieb ein großer deutscher Vergnügungsdampfer wegen Maschmenhavarie int Roten Meer siegen. Auf funkentelegraohiscüe Anforderung wurde mit einem Sonder­flugzeug ein Maschinenersatzteil nach Kairo transportiert, dort umgeladen, und bereits wenige Tage später setzte das Schiit seine Reife fort.

. In Travemünde entstand in einer Fabrik durch Sefbst- zundung von Kohlen vor einigen Jahren ein großes Feuer, das wirksam nur mit einem Schaumlöschmittel bekämpft werden konnte. Da dieses Schaumlöschmittel aber nicht am Ort der Katastrophe aufzutreiben war, wurden drei Sonder­flugzeuge eingesetzt, die aus der im Rheinland liegenden verstellungstabrik genügendSchaum" heranschafften, um das Feuer zu ersticken.

Auch das. Brandenburger Tor ist schon einmal als Fracht­stück mit einigen hundert Sachen durch die Lüfte gebraust. Allerdings müssen wir ergänzend hinzufügen, daß dieses Brandenburger Tor nur aus Backmaterial bestand und für eine Kochkunstausstellung bestimmt war. Als vor längerer Zeit einmal ein Flugzeug in München startete, das mit nichts anderm als. . . Brötchen beladen war, rührte das nicht daher, daß tn irgendeiner Stadt die Bäcker feierten: der An­laß war vielmehr eine Ausstellung in Breslau, auf der die Besucher dank der Schnelligkeit des Luftfrachtverkehrs die Brötchen genau so knusprig und ofenwarm verzehren konn­ten rote sonst ihre Morgenbrötchen vom Bäcker um die Ecke'

Meteorologische Beobachtungen in Wiesbaden. (Klimastation beim Städt. Forschungsinstitut.)

4. Okt. 1938 Höchste Temperatur: 16.0 Tagesmittel der Temperatur: 12 0.

5. Okt. 1938 Niedrigste Nachttemperatur: 6 2.

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4. Oktober 1938

5. Okt.

Ortszeit

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druck > auf 0" und Normalichwere . . red. 1

Lufttemperatur tCelftus).......

Relative Feuchtigkeit (Prozente)....

Windrichtung und -siärke.......

Niederichlagshöhe (Millimeter) ....

Wetter................

739.0

9.9

89

SO 1

3.3 bedeckt Regen

741.5

15.1

61 SSW 3 5.0 wollig

747.1

11.4

82 SW 3 0.2

heiter

. 748.4

8.9

91 SSW 1

wolkig Dunst

Sonnenichemdauer am 4 Okt. 1938

vormittags Std. - Mn. nachmittags 2 Std. 40 Mm.

LD

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Äpfel, Birnen

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1938.

8.30

12.00

16.00

20.15

Donnerstag, 6. Oktober

6.00 Morgenlied Morgenspruch. Gymnastik. 6.30 Konzert. 7.00 Nachrichten. 8.00 Zeit, Wasserstand. 8.05 Wetter. 8.10 Gymnastik.

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