Seite 6. Nr. 207.
Wiesbadener Tagblatt
Montag, 8. September 1338.
Fragen Les deutschen Einzelhandels.
Der Preisaushang und seine Bedeutung.
Schon vor geraumer Zeit ist es den Geschäftsinhabern zur Pflicht gemacht worden, ihre einzelnen Waren mit Preisschildern zu versehen, wobei es den Ladenbesjtzern ausdrücklich zur Pflicht gemacht wurde, den Preisaushang an sichtbarer Stelle anzubringen und so zu beschriften, daß keine Zweifel über den Wert einer Ware bei dem kaufenden Publikum auftreten können. Die Preisschilder sind aber zugleich ein wichtiges Vehelfsmittel für die Preisüberwachungsstellen, die die einzelnen Geschäftsleute daraufhin zu kontrollieren haben, daß die jeweiligen Höchst- oder Richtpreise auch eingehalten werden.
Immer aber trifft man noch Geschäfte an, die den Preisaushang in seiner Bedeutung entweder nicht erkannt haben oder nicht erkennen wollen. Der Berliner Polizeipräsident hat jetzt sogar Stellung genommen gegen Täuschungsmanöver, die vermittels zweiseitiger Preisschilder durchgeführt werden. Es ist festgestellt worden, datz Preisschilder für Lebensmittel auf beiden Seiten mit verschiedenen Preisen beschriftet worden seien. Bei einer Preiskontrolle sei dann die Seite des Preisschildes nach vorn gebracht worden, auf der der richtige Preis verzeichnet gewesen sei, während vor und nach der Kontrolle das Preisschild umgedreht und der darauf verzeichnete Preis den Käufern abverlangt worden sei. Um dies« Täuschungsmanöver zu unterbinden. hat der Polizeipräsident als Preisüberwachungsstelle die Verwendung von zweiseitig beschrifteten Preisschildern verboten. ,
Die Geschäftsleute sind sich vielfach nicht darüber im klaren, welche Folgen ihnen aus einer mangelhaften oder täuschenden Beschriftung der Preisschilder erwachsen können. Hierzu gehört auch die Unsitte, die Preise mit weißer Kreide auf Tüten oder Tafeln zu schreiben und sie je nach Bedarf wieder auszulöschen und zu ändern. Vielfach fehlt auch die in Verbindung mit dem Preis erforderliche Gewichtsangabe, so daß dem Käufer Zweifel kommen müsien, ob der angegebene Preis für ein Kilo oder ein halbes Kilo errechnet rst. Hohe Geldstrafen, Geschäftsschließungen und Konzesiions- verluste sind bereits die Folgen jener Handluntzsweise gewesen, weshalb allen Geschäftsleuten die eindringliche Warnung zuteil wird, nur einseitige, sichtbare und klare Preisschilder zu verwenden, die nach keiner Seite hin Zweifel
darüber zulassen, daß der vorgeschriebene Höchstpreis der Waren nicht überschritten worden ist.
Fachschulen für Einzelhändler.
Im Jahre 1936 wurde der erste Versuch mit einer Fachschule für Einzelhandelskaufleute gemacht, und zwar für den Nahrungs- und Genußmittel-Einzelhandel in Neuwied. Angesichts der guten Erfolge ist die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel inzwischen um den Aufbau weiterer ähnlicher Einrichtungen besorgt gewesen. Im letzten Frühjahr konnte die Fachschule des Möbel-Einzelhandels in Fürstenwalde eröffnet werden, und am 1. Oktober wird eine Fachschule des Textil- und Bekleidungs-Einzelhandels in München- Gladbach eröffnet. Ferner sind die Vorbereitungen für eine Fachschule des Eisenwaren- und Hausrat-Einzelhandels getroffen. Der Unterrichtsplan dieser Fachschulen enthält eine abgerundete Warenkunde, eine Betriebslehre des Einzelhandels mit praktischen Übungen und eine allgemeine Wirtschaftslehre. Für den Besuch sind eine abgeschlossene erfolgreiche Kaufmannslehre, ausreichende praktische Eehilfen- tätigkeii und Befürwortung durch die zuständige Gliederung der Wirtschaftsgruppe Voraussetzung.
Tabakwarenhandel kündigt Kartellvertrag mit der Zigarettenindustrie.
Der Reichsverband des deutschen Einzelhandels mit Tabakwaren, E. V., hat den seinerzeit mit der Wirtschaftlichen Vereinigung der Zigarettenindustrie abgeschlossenen Kartellvertrag fristgemäß zum 31. Dezember 1938 gekündigt. Der Kartellvertrag des Reichsverbandes der Tabakwaren- Eroßhändler, E. V.. mit der Zigarettenindustrie läuft damit gleichfalls zum 31. Dezember d. I. ab. Die Kündigung ist ausgesprochen worden, weil sich bei der mit dem Vertragswerk erstrebten Bereinigung des Zigarettenhandels Schwierigkeiten (besonders auf kartellrechtlichem Gebiet) ergeben hatten. Von den beteiligten Gruppen sind deshalb bereits seit einiger Zeit die Arbeiten ausgenommen worden, um die mit der Marktordnung verfolgten wirtschaftspolitischen Ziele in anderer Form zu erreichen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, daß die bisher geleistete Arbeit für die Lenkung und Ordnung des Warenweges und der Marktverhältnisie zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen kann. Es besteht daher kein Grund zu der Auf- fasiung, daß etwa nach dem 31. Dezember 1938 ein vertragsloser Zustand eintreten könnte.
„Gut Stubb" im Hochbetrieb.
Wettbewerbsentscheid der Winzergruppen.
Nach einigen Tagen der Ruhe öffnete der „M a i n z e r Weinmarkt" am Samstag noch einmal für drei Tage seine Pforte und auch die zweite Auflage dieses seit nunmehr sieben Jahren durchgeführten Festes war genau so gefragt wie die Eröffnungstage vor Wochenfrist. Eine frohgestimmte Menge schob sich wieder durch die Budenstraße vor der Stadt- Halle mit all ihren Eenüffen eines rechten „Rummels". In der „gut Stubb" selbst schlug die Stimmung in den Abendstunden des Samstags und Sonntags hohe Wogen. Das Schunkeln riß nicht ab und die schmucken Winzerinnen und freundlichen Küfer in den eityelnen Ständen der bekanntesten Weinbaugemeinden Rheinhessen und des Rheingaues hatten alle Hände voll zu tun, den Wünschen der Genießer der guten Tröpfchen entsprechen zu können. Es gab Besucher, die sich still in ein Eckchen zurückzogen und ihrer Leibmarke huldigten, viele andere wanderten von Stand zu Stand und probierten hier und schlürften dort. Beide Kategorien kamen auf ihre Kosten. Aber erst die 300 Feinschmecker, die sich am Sonntag- vormittag im „Rheingoldsaal" zur „Großen Spitzenweinprobe" eingesunden hatten! Die Probe hatte es in sich mit ihren 24 Nummern, unter denen sich nicht weniger als 9 Auslesen, 3 Beerenauslesen und 2 Trockenbeerauslesen befanden. Der Rheingau war mit 11 Qualitätsmeinen vertreten, die übrigen wuchsen in den Wingerten des rhein- hesiischen Gebietes.
Neben dem Weinmarkt hatten auch die übrigen Veranstaltungen im Rahmen des Rhein-Mainischen Winzertages einen starken Besuch zu verzeichnen. Auf dem „Brand" erfreuten sich die Zuschauer an der Wiederholung von Webers Freilichtspiel „Holzappel" und bei der Ausscheidung im Preiswettbewerb der Winzer- Tanz- und Singgruppen waren die Besucher ebenfalls fröhlichster Stimmung. Von den 13 Gruppen, die sich an dem Wettbewerb beteiligten, waren 5 in engere Wahl gekommen und am Sonntagnachmittag verkündete Landesobmann Weintz von der Landesbauernschaft Hessen-Nasiau das Ergebnis wie folgt: den 1. Preis erhielt die Tanzgruppe Oberlahnstein, der 2. wurde zwischen Oppenheim und Ober- Olm, und der 3. zwischen Wöllstein und Rüdesheim geteilt. Die Preise bestanden für Mädels in Armspangen und für die Burschen in Anhängern.
Mit dem heutigen Tage geht der Mainzer Weinmarkt zu Ende, ein Volksfest, das sich von Jahr zu Jahr nicht nur
bei den Mainzern, sondern auch bei den Volksgenosien aus der weiteren Umgebung größter Beliebtheit erfreut. Wir Wiesbadener begehen unser „Rheingauer W e i n f e st" Ende des Monats und wir wollen hoffen, daß dann ebenso viel Mainzer bei uns zu East sind, wie umgekehrt Wiesbadener die Stadthalle beim Mainzer Weinmarkt besucht haben. P.
Marschblock Hessen-Nassau in Nürnberg.
Das Samellager der Marscheinheiten des Adolf- Hitler-Marsches befindet sich wie auch in früheren Jahren vor den Toren der Stadt der Reichsparteitage in Fürth. Am Freitag gegen 17 Uhr traf der Marschblock des Gebietes Hessen-Nassau mit seinen 76 Teilnehmern in ebenso vorbildlicherHaltung ein, wie die Jungen am ersten Tage des Marsches aus dem Gau abmarschiert waren. In einem kleinen Wiesengrund ist eine besondere Zeltstadt entstanden, wo die Hitler-Jungen aus dem Rhein-Main-Gebiet sieben Rundzelte inne haben. In der Mitte des großen Rasenplatzes stehen die Bannfahnen aus allen Gebieten Deutschlands, unter ihnen auch die 22 Fahnen aus Hessen- Nassau, als ein Zeichen des Einsatzes, der Opferbereitschaft und Treue der jüngsten Kämpfer des Führers. Hier im Lager sollen sie sich zunächst einmal etwas von den Strapazen und
DAF. Kreis Wiesbaden, Lulsenstr. 41, Fernspr.-Sammel-Nr. 59641
Sprechstunden des Kreisobmanns: Dienstags u. Freltagsv.1o-ioühr
Rückgabe der Reichsberufswettkampfarbeiten.
Am Dienstag, den 6. September d. I.. werden in der Gewerblichen Berufsschule. Wiesbaden, Wellritzstraße 44, in der Zeit von 20—22 Uhr die Arbeiten der nachfolgenden Berufsgruppen zurückgegeben. Im ,, ,
Raum 1: Kesselschmiede, Metallformer. Galva
niseure. Goldschmiede. Gürtler, Holz- Blasinstrumentenmacher.
Raum 2: Orthopädie-Mechaniker, Optiker, Schleifer. Fotografen, Hilfsarbeiter.
Raum 3: vausgehilfen.
Raum 4: Gesundheit.
Raum 5: Friseure (männlich und werblich).
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Albrecht-Dürer-Platz und Albrecht-DLrer-
Straße.
Fünf Jahre vor Ausbruch des Großen Krieges erwarb die Stadt durch Ankauf den größten Teil des Dochnabl- 16en Grundstücks und erschloß so die bis dahin noch unbebaute Albrecht -Dürer-Straße, die von dem Platz gleichen Namens aus zu den in den Jahren 1910 bis 1912 hergerichteten Adamstal-Anlagen führt, die heute Walkmühltal -Anlage» heißen, im Volksmund aber Älbrecht-Dürer-Anlagen genannt werden. 1857 errichtete der Schreiner Dochnahl an der damals im Bau be- beiindlichen Aarstraße eine Dampfschneidemühle: bald darauf entstand etwas weiter hinaus die „Wirtschaft zur Schleifmühle" mit Ausspann und Schmiede.
Das Gelände auf der linken Seite der Albrecht-Dürer- Straße zur Aarstraße hinüber, das vom Kes! elback durchflossen wird, hat sich seit dieser Zeit kaum gewandelt und auf der anderen Straßenseite, wo die Häuserzeile der Walk- mühlstraße aus dem lockeren Grün leuchtet, ist die Bebauung zufällig und lückenhaft geblieben bis auf den heutigen Tag. Schrebergärten und Bleichplätze, ragende Pappeln und schmale Grünflächen geben der Straße einen freundlichen, beinahe ländlich anmutenden Rahmen, und Über einem herbstlich dunkelroten Blumenbeet in der Weite erhebt stch wie eine Krone gelbe Blüte neben gelber Blüte. Vier Häuser stehen hinter Zäunen, Über den Zaun einer Gärtnerei, deren Gewächshaus bis zur Straße reicht und desien mit einer Holzgalerie etwas abenteuerlich umbaute Hausveranda zwischen Blumen und Grün hervorschaut, erhebt llck ein Baum mit lanzettförmigen und regelmäßig angeordneten Blättern, die an die Blätter der Akazie erinnern, jedoch bedeutend größer sind und auch nicht so zart. Es ist ein Götterbaum. Die Gärtnerei besteht seit etwa 50 Jahren.
Auch der Albrecht-Dürer-Platz mit seinem drei
eckigen grünen Mittelpunkt, den kettenumgürteten Bürgersteigen, den Verkehrsschildern und den Laternen der Autobushaltestellen entstand erst zwischen 1900 und 1910. Verhältnismäßig lange lag dieses Gelände zwischen Walkmühlweg und Lahnstraße, der dann hier abzweigenden Aarstraße, unbebaut da, das heute eine der verkehrsreichsten Stellen unserer Stadt sein dürfte. Hier halten die Autobulle der blauen (3) und der grünen (4) Linie, erstere bis zur Schützenstrage oder „Unter die Eichen", letztere teilweise bis zur „Fasanerre- straße fahrend: außerdem haben hier die blauen Kuromni- busse auf ihrem Weg zur Fischzucht und zur Platte eine Haltestelle. Dauernd aber brandet der Verkehr über die beiden Taunusstraßen oder auch zur Platter Straße hinüber, tn die Stadt oder nach Schlangenbad und Schwalbach. nach Limburg und zur Hübnerstraße hinüber, übersichtliche Anordnung des Straßensterns und zeitweiliger Einsatz eines Ver- kehrspostens sorgen dafür, daß Unfälle möglichst ausgeschaltet bleiben.
Albrecht Dürer, nach dem Platz und Straße benannt wurden, darf wohl als besonders hervorragendes Beispiel eines deutschen kämvferischen Menschen gelten: er war ein Zeitgenosse Luthers, „ein Ritter zwischen Tod und Teufel". Zeit seines Lebens verbrachte er in Nürnberg, ^n seinen jungen Jahren lenkte er seine Schritte nach Colmar und Basel. Nach seiner Verheiratung am Jahre 1494 unternahm er zwei Jtalienreisen und sväter eine Reise mit seiner Frau in die Niederlande, deren Verlauf uis in einem Tagebuch und einem Skizzenbuch lebendig blieb. Daraus gebt hervor, daß er zwar nicht in Wiesbaden, aber doch im naben Mainz gewesen ist. wo ihm „Peter Goldschmidt, ihr Wardein (Münzvrüfer) zwo Flaschen Wein geschenkt. So hat mich Veitb Farnvübler geladen, aber sein Wirt wollt kein Zahlung von ihm nehmen. sondern selbst mein Wirt sein. Und Re beweisen mir viel Ehr. Also schied ich von Menz, do der Mayn in Rein lauft, und es war am Montag nach Magdalenae" (23. Juli). — Albrecht Dürer war das zweite Kind von achtzehn eines aus Ungarn eingewanderten Goldschmieds: seine Geschwister starben bis auf zwei an der Pest.
Mühen des langen Marsches erholen. Dann werden sie am Dienstag voll Stolz und Freude ihre Fahnen am Führer vorbeitragen. Nach dieser Krönung ihres Marsches ziehen sie in das allgemeine Zeltlager der HI. in Langwasier ein.
Bannführer Garde, der Führer des Bannes 392, Kinzigtal, der den Adolf-Hitler-Marjch des Gebietes 13 leitete, kann mit Recht mit der Haltung und Leistung der 76 Hitler- Jungen zufrieden sein. In 19 Marschtagen wurde die 340 Kilometer lange Strecke unter zum Teil ungünstigen Wetter- bedingunaen zurückgelegt. Die durchschnittliche täglich« Marschleistung Beträgt 30 Kilometer. Natürlich wurden auch Ruhetage eingelegt, an denen sportliche Übungen für das HI.- Leistungsabzeichen abgelegt wurden.
Geschäftliches.
(Slufier Verantwortung der Schrtftleitung.) -
Der Kaufmann und wir haben den Erdal-Preis gesenkt. Dadurch ist jetzt noch besicre, tägliche Erdal-Schuhpflege möglich. Bessere Schuhpflege bedeutet aber Schuhe svaren, denn gut gepflegte Schube ballen länger und bleiben länger schön. Die Rormaldose Erdal kostet jetzt 20 Psg., farbig 25 Psg.
Geisterspuk auf Aardeck.
Das seltsame „Erlebnis" von Meister Seibel.
Nördlich vom Dorfe Holzheim im llnterlahnkreis, zwei Kilometer südlich von Diez auf der westlichen Kuvpe eines steil zur Aar abfallenden Basaltfelsens, erheben sich die noch * erhaltenen TrümnAr der Ruine Äardeck mit einer hoben und schlanken Warte.
Die einst so stolze und kühne Burg wurde um das Jahr 1395. wie uns die Limburger Chronik meldet, von dem Grasen Adolf von Nassau-Diez (aus dem Hause Nassau-Dillenburg) (1384—1420) erbaut und ist im Jahre 1467 den Adeligen von Diez als Erbmarschällen der Grafschaft zu Lehen gegebew worden, von denen sie noch im. 16. Jahrhundert bewohnt worden ist. 1562 wird ein Emm e- richoonDiez.der damals die Gefälle der von den Adeligen von Diez fundierten Burgkapelle an sich zog. und 1570 ein Junker Walter als ihr Bewohner genannt. Für den Marienaltar der vorerwähnten Burgkapelle bestätigte 1493 der Trierer Erzbischof-Kurfürst Johann von Baden II. (1456—1503) eine Schenkung. Zur Zeit des 30jährigen Krieges (1627) war die Bury noch im wehrhaften Zustand, z. Als der Herzog von Longueville im Jahre 1640 mit seinem französisch-weimarischen Heer gegen Limburg zog, hatte er am 7. und 8. Januar des genannten Jahres auf der Burg \ \ Aardeck sein Hauptquartier. Von einer Zerstörung der Burg i l ist nichts Nachweisbares bekannt geworden, sie ist durch den Einfluß der Witterung verfallen, und zwar sehr wabrschein- « lich im 18. Jahrhundert. Von ihr lebt aber noch heute im Volksmunde folgende ergötzliche Geschichte fort. Am Weihnachtsabend des Jahres 1750 kam Meister Anton Seibel,- ein ehrbarer Dieser Bürger, von Steinbach (Amt Hadamar). - wo er Geschäfte besorgt und einige Gläser „über den Durst getrunken hatte. In Limburg konnte er's sich nicht versagen,: noch einige „Korze" zum Schutz gegen die grimmige Kälte zu sich zu nehmen. Als nun die Dunkelheit hereingebrochen war, gedachte er heimzukehren, um an der Seite seiner „besseren Ehehälfte" seinen auf der Fahrt erwischten Rausch zu verschlafen. Er machte sich also auf und wanderte im Zickzackkurs durch das Limburger Stadttor der Heimat zu. Nack einer Weile hörte er hinter sich einen Wagen. Von der Fahrt und noch viel mehr von dem zu sich genommenen Alkohol müde geworden, glaubte unser Meister Anton, es sei die Postkutsche, und da er den Postillon kannte, so rief er: „Halt, Schwager, hier ist ein blinder Passagier!" Die Kutsche hielt, Seibel stieg so gut er noch einigermaßen konnte, auf den Bock, und ohne viel zu sagen, begann er ein Schläfchen, das sich im eigentümlichen Wackeln seines schon bemoosten Hauptes bemerkbar machte. Endlich rollte das Gefährt über das , holperige Pflaster, der Meister erwachte und befand sich ans einem Orte, den er seines Willens nicht kannte. Vor ihm dehnte sich ein großer Hof aus, im Hintergründe erhob sich ein hell erleuchtetes Schloß. Bediente mit^gepuberfe« Zöpfen, im reichen Kostüm der Rokokozeit stürzten aus dem Portal. Der Wagenschlag wurde geöffnet. Altfränkische Herren stiegen aus und nahmen ihren Weg zum Schloß. Unser Dieser Meister wurde mit stummen Bücklingen aufgefordert, ihnen zu folgen. Voller Erstaunen leistete er dieser Einladung Folge und befand sich bald in einem großen Saale, wo eine seltsame Gesellschaft von Damen und Herren versammelt war. Unter dieser zog besonders ein Herr in feuerfarbigem Kleide, roten Haaren und flammenden Augen die Aufmerksamkeit des Ankömmlings auf sich. Man setzte sich zu Tische: aß, trank und tanzte. Es folgte ein üppiges und wildes Fest Dann schlug es plötzlich ein Uhr. Ein fürchterlicher Donnerschlag erfolgte, die Erde erbebte — der Spuk verschwand.' Am anderen Morgen wurde der ohnmächtige Meister mit zersckundenem Gesicht und lahmen Gliedern im Gesteine der Ruine Aardeck aufgefunden. Man brachte ihn nach Diez, wo er seine merkwürdigen Erlebnisse vor den Schöffen, die sich darob beimlick ins Fäustchen lachten, zu Protokoll gab und sogar noch mit einem Eid bekräftigte.
Doch die Moral von der Eeschicht':
„Trinke zu viel Schoppen nicht!" « »
Ludwig Wüst. I
„Admiral Karpfanger" aufgegeben
60 deutsche Seeleute starben für Deutschlands Seegeltung.
Berlin, 4. Sept. Nachdem das Segelschulschisf „Admiral Karpsanger" nun endgültig als verloren angesehen werden muß, gedenkt die gesamte deutsche Seeschiffahrt in tiefer Bewegung ihrer hierbei ums Leben gekommenen Kameraden. 60 deutsche Seeleute haben in vorbildlicher Pflicht- erfüllung ihr Leben für Deutschlands Seegeltung gegeben. Ihr Andenken wird in unseren Sergen fortleben. Alle deutschen Handelsschiff« flaggen zum Ausdruck tiefster Trauer am Montag, 5. September, Halbmast.
Ölleitung brennt wieder einmal.
Jerusalem, 5. Sept. Nach einem amtlichen Bericht ist cs in der Nähe von Arab el Awadin zwischen englischem Militär . und arabischen Freiheitskämpfern zu einem ernsthaften Zn- ’ sammenstotz gekommen, bei dem angeblich 14 Araber getötet und zwei gefangen genommen worden sind. Unter een Toten soll sich auch der Anführer, Scheich Taha, befinden.; '■ Die englischen Truppen sollen keine Opfer zu verzeichne« haben.
Auch am Sonntag fielen wieder mehrere Araber jüdischen Meuchelmördern zum Opfer. In der Nähe von Akko wurden zwei jüdische Lastkraftwagen beschosien, wo- bei ein jüdischer Wagenführer getötet wurde. Auf der Strecke Lydda—Haifa entgleiste infolge Sabotage, ein Güterzug,! so datz der Verkchr vollkommen unterbrochen wurde. Das Militärgericht in Haifa verurteilte einen mohammedanische« Araber aus Damaskus wegen aktiver Teilnahme am Freiheitskampf zum Tode.
Die öilinie wurde im Bezirk Beisan wiederum beschädigt und das auslaufende Öl in Brand gesetzt. Der Zug Jaffa—Jerusalem hatte mehrere Stunden Verspätung, da die Gleisanlagen auf der Strecke beschädigt worden wäre». Im Dorfe Tuyibn wurde ein Araber erschossen.
