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Donnerstag, 1. September 1938.

Nr. 204.

86. Jahrgang.

Die Wahrheit hat das Wort.

Fröhliche Wettkurstadt.

Bon Willi Pempel.

Gauleiter Bürckel über die Aufbauarbeit in der deutschen Ostmark.

Völkische Dynamik.

Kz. ©filierter Bürckel lieg in seiner Rede, die er auf der Tagung der Auslandsorganisation in Stutt­gart hielt. die Tatsachen gegen die in der Auslandsprisse immer wieder ausgewärmten Lügen­meldungen über die Ostmark sprechen. Für jeden Ein­sichtigen wer es von vornherein klar, daß die Eingliederung Österreichs Schwierigkeiten mit sich bringen müsse. Das ist, wir Gauleiter Bürckel sagte, nicht unsere Schuld. Wie der Nationalsozialismus im Reich die Sünden einer jahrzehnte­langen Sylemherrschaft zu liquidieren hatte, so ist ihm auch in O st erreich ein außerordentlich schweres Erbe zugesallen. Nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig, Ungehindert floß der Emigrantenstrom in die Ostmark hinein uüd die aus Deutschland geflohenen Juden und Marxisten verhetzten unter Duldung und Begünstigung Schujchnigzs die verelendete Arbeiterschaft. Die dem Dritten Reich übelgesinnten klerikalen Einflüsse wirkten sich hemmungs­los aus. Wieviel falsche Vorstellungen und Vorurteile, die das Bild des Nationalsozialismus zu trüben suchten, müssen berichtigt und ausgemerzt werden. Wir brauchen uns nur an den Besuch der österreichischen Arbeiterkameraden, kurz nach dem Anschluß, in Wiesbaden zu erinnern. Ein, bei einem hiesigen (unwohner untergebrachter Ostmärker erklärte auf die Frage seines Gastgebers, warum er bei den Mahlzeiten nicht ordentli- zufasse: er wolle ihm nicht zuviel Opfer aufbürden, da wir lU Altreich doch selbst kaum satt zu essen hätten. Die in die £:tne der einfachen Menschen eingehämmerten irrigen Meinungen und Auffassungen, lasten sich nicht an einem Tage auslöschen. Eine Zeit der Erziehung, der Auf­klärung ist notwendig. Die Greuelmeldungen von der Ver­haftung Ü.rerreichischer Arbeiter aber werden in der Ostmark ,elbst cpt meisten belacht. Der Nationalsozialismus hat es nicht nötig, dieErziehungsmethoden" Schuschniggs anzu­wenden. Die Tat ist das beste Diittel, um zu über­zeugen. Unermüdlich ist die Partei und der national« sozialistische Staat in der Ostmark an der Arbeit. Der ungarische Ministerpräsident sprach nach seiner Deutschlandreise ein Wm t, das für die Ostmark besondere Gültigkeit hat. Er sagte, b<!5 neue Deutschland verkündet nicht nur große Pläne, es führt sie auch aus. Trotzdem wird eine Zeit darüber hingehen, bis bei Lebensstandard des österreichischen Arbeiters dem im Altreich völlig angeglichen ist. Viel übernommenes Elend muß Noch beseitigt werden. Die Bewegung und das Reich werden aber nicht eher rasten, bis in der Ostmark die letzten Auswirkungen der verheerenden Schuschnigg-Zeit getilgt sind

Chauvinismus, die das dominierende Merkmal der tschechischen Politik sind, liegen uns Deutschen völlig fern. Wir wissen, daß unterdrückte Zwangs bürg er nur eine Be­lastung für den Staat bilden. Eine Einsicht, gegen die sich die Tschechen mit allen Mitteln sperren. Frankreich stärkt in seiner Sorge, die letzte Position, die seinen Hegemonieplänen restlos zur Verfügung steht, zu verlieren, Prag in seinem Widerstand. Aber auch diese äußere, an die gegenwärtige politische Konstellation gebundene Hilfe, wird der natürlichen Wirksamkeit der völkischen Dynamik auf die Dauer keinen Ab­bruch tun. Die Autonomie-Forderung der Sudetendeutschen, das Verlangen nach einer kulturellen und verwaltungsmäßigen Selbständigkeit im Rahmen der Tjchecho-Slowakei, .hat alle natürlichen Voraussetzungen und alle sittlichen Kräfte für sich Ihre Verwirklichung ist unaufhaltbar. Daran werden auch zwischenstaatliche Bindungen und Rücksichtnahmen nichts ändern können.

Zu Beginn seiner großen Rede sprach Gauleiter Bürckel davon, daß er als der Beauftragte des Führers in zwei ent­scheidenden Grenzgebieten im Osten und Westen seine Pflicht erfüllen dürfe. Es sei das Schicksal jedes Grenzlandes, daß an der Grenze die unmittelbaren Folgen großer innen­politischer Auseinandersetzungen stets stärker in Erscheinung traten, als im Herzen der Nation. Jahrhunderte hindurch bis in die Zeit von Versailles immer habe die Hand des äußeren Feindes das Erenzland getroffen, wenn innere Schwäche das Volk zermürbte.

Gauleiter Bürckel erinnerte an die Parole derRhein- linie", die lolange in der Diskussion stand, als im Reiche von der M a i n I i n i e gesprochen wurde. Er ries den Kampf um die Saar in Erinnerung, in dem damit gerechnet wurde, daß 18 Jahre gi .rügen würden, um all d.e alten Geister des Marxismus, des politischen Konfessionalismus und des ehr­losen käuflichen Egoismus wachzurufen.Demgegenüber", so rief der Gauleiter aus,verkündete ein Widersacher gegen all die Jahrhunderte innerer Schwächen, e i n Mann, der Träger einer neuen Volks- und Staatsidee, den Appell an das deutsche Blut einen Appell nicht mehr der klugen Berechnung, der Übervorteilung: gegen den fpeku- lativen Verstand in der Geschichte trat jetzt entscheidend das deutsche Herz auf! Und mit diesem Augenblick hat die europäische Geschichte ihren Wendepunkt erfahren."

Gauleiter Bürckel sprach weiter in eindringlichen Worten von den beiden Welten, die in der Geschichte der Deut-

(Fortsetzung auf Seite 3).

Wiesbaden zählt von jeher das Frühjahr und den Herbst zu den Höhepunkten des Kurlebens. Begünstigt durch ein Klima, wie es nur wenige Gebiete Deutschlands aufweisen können, kehrt schon recht frühzeitig der Frühling bei uns ein, und wenn in anderen Teilen unseres schönen Vaterlandes der Herbst bereits seinem Nachfolger die Hand reicht, erleben wir bei uns noch Tage spätsommerlichen Glanzes und nur die frühen Abende gemahnen uns, daß mir die hohe Zeit des Jahres weit überschritten haben. Aber solche Gedanken drängen sich dem East bei uns nicht auf. Alles was uns eine gütige Natur in überreicher Fülle spendet, findet sinngemäße Ergänzung durch Menschenhand. In den Anlagen unserer Stadt und den nahegelegenen Taunuswäldern beginnt in diesen Tagen langsam der Wandel vom sommerlichen Grün zur Farbenpracht des Herbstes. Es gibt viele Menschen, die gerade diese Wochen, in der sich die Natur langsam anschickt, Vorbereitungen für den Winterschlaf zu treffen, mit Miß­mut und als eine sterbende Zeit empfinden. Sie vergessen aber meist das Schöne im Gefolge des Herbstes: die Reife und gerade bei uns in Wiesbaden, dem Tor zum Rheingau" die Reife einer Frucht, die von dem Schöpfer dazu ausersehen wurde, dem Menschen Fröhlichkeit zu spenden. Der Wein erfreut des Menschen Herz. Wer in das Loblied auf ein gutes Tröpfchen edlen Reben­saftes nicht einzustimmen vermag, bringt sich um ein Erlebnis schönster Art. Blumen und Wein spendet uns die Natur in diesem Jahre wieder in reichstem Maße. Erfreuen wir uns an diesen schönsten Gottesgaben, danken wir den Menschen dem Gärtner und dem Winzer, die in harter Arbeit uns ihren Genuß erst ermöglichen. Die meisterliche Kunst des Blumenbinders erleben mir gerade in diesen Tagen in den Räumen unseres herrlichen Kurhauses und dem zweiten Freudenspender, dem Wein, werden mit in nicht allzu langer Zeit in den Räumen des P a u l i n e n s ch l ö ß- chens huldigen köinen. Die Tage bis dahin sind ausgefüllt mit Genüssen, die uns das Kunstleben unserer Stadt ver­mittelt.

Dieser Dreiklang aus Blumen, Kunst und Wein wird die festlichen Tage vonWiesbadens Herbst- machen" Begleiten. In einer früheren Zeit hatte Wiesbaden auch feine Festwochen, im Vorkriegsdeutschland, die in der ganzen Welt berühmt gewordenen Maifestspiele, die dann allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen nach dem Kriege wiederauflebten, ohne daß sie jedoch größeren Widerhall gefunden hätten. Dazu fehlte doch mancherlei. Wirtschaftliche Not und seelische Zerrissenheit und gerade mir in Wiesbaden haben diese Depresiionen in schärfster Form zu spüren bekommen hielten viele Menschen dem festlichen Treiben fern, das zumeist auch im Äußerlichen stecken blieb.

Die geschichts- und staatsphilosophischen Ausführungen in der Rede Bürckels verdienen starke Be- achtunli. Staatsidee und völkische Dynamik, zwei Begriffe, die den Spannungsbezirk, in dem sich die politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte bewegen, umreißen. Die Saarfrage, die österreichische Frage, aber auch das sudeten­deutsche Problem gehören in diesen Bezirk. Die beiden ersten Fragen sind im Sinne des völkischen Gedankens gelüst worden. Um die letztere tobt der Kamps. Das Volk ist die Grundlage jeder Staatlichkeit. Der Staat an sich, mag er dynastischen, klerikalen ober liberaldemokratischen Zielen dienen, hat heute keine verpflichtende Gültigkeit mehr. Diese Erkenntnis gilt nicht für den deutschen Jnteressen-Bereich. Wir brauchen, um die Wahrheit dieser Behauptung aufzuzeigen, nur auf den Frei eitsfampf der Iren hinzuweisen und auf die Autonornie- ford rungen der Flamen. Die Entente zerschlug den öfter» reich-schen Nationalitätenstaat. Sie tat es nicht das wissen wir heute, um dem proklamierten Selbstbestimmungsrecht der Völker damit zu dienen, sondern um die Stellung des Deutschtums zu schwächen. Was sie hier zerstörte, schuf sie in der' Tjchecho-Slowakei in einer verkleinerten Ausgabe aufs ne" Nur daß diesem unglückseligen Gebilde noch die Vor- die der Donau-Monarchie, zum Beispiel in einem großen fähigen Wirtschaftsraum innewohnten, völlig abgehen. Aker Europas, so sagte der Führer einmal, sind heute rt und ihres Wesens so sehr bewußt, daß es unsinnig .eile von ihnen zu unterwerfen und als Unterdrückte eigenen Grenzen einzubeziehen. Imperialismus und

Terror statt Vorschläge.

(Eigener Drahtbericht

Die Verhandlungen in Prag.

as. Berlin, 1. Sept. In der tschechischen Frage ist eine Änderung nicht zu verzeichnen. 3n Prag haben auch gestern die Besprechungen und Beratungen angehalten, ohne daß jedoch über ein greifbares Ergebnis zu berichten wäre. Am bemerkenswertesten von diesen Besprechungen ist wohl eine Zu­sammenkunft, die zwischen dem Berater Lord Runcimans, Ashton Gwatkin und Konrad Henlein in einem Marienbader Hotel stattfand, sowie die Aussprache zwischen Lord Runciman selbst und dem sudetendeutschen Abge­ordneten K u n d t. Nicht uninteressant ist auch die Meldung, daß Ashton Gwatkin längere Zeit in der Prager Schweizer Gesandtschaft weilte, um sich über Schweizer Staats­einrichtungen zu informieren. Andererseits soll sich Hodscha über irische Verfassungen habe unter­richten lassen. Begreiflicherweise gibt das wieder Anlaß zu allen möglichen Kombinationen, auf die einzugehen, wenig Zweck hat. Tatsächlich liegt der sogenannte dritte Plan Prags bisher noch immer nicht vor, was erneut

unserer Berliner Schriftleitung.)

auch von dem poliftschen Ausschuß der Sudetendeutschen Partei festgestellt wird. 3n einer Erklärung wendet sich der Ausschuß nämlich dagegen, daß seit einigen Tagen im In- und Ausland Falschmeldungen dahingehend verbreitet werden, als ob dec Sudetendeutschen Partei der sogenannte dritte Vorschlag von der Regierung unterbreitet, aber von ihr noch nicht beant­wortet märe. Hierzu müsse klargestellt werden, daß der Sudetendeutschen Partei bis fetzt von der Prager Regierung, außer dem bereits bekannten Nationalitätenstatut, kein neuer Vorschlag zur Kenntnis gebracht wurde. Wann Prag nun mit diesem neuen Vorschlag herausrückt, bleibt abzuwarten. Eine Reutermeldung nennt als Termin für die Bekanntgabe des Planes den morgigen Freitag.

Leider hat sich aber auch in anderer Beziehung nichts geändert. Wir müßen nämlich auch heute wieder über uner hörte neue Terrorakte tschechischer Soldaten gegenüber Sudetendeutschen berichten. Kaum waren diese Nachrichten eingegangen, als der feige Anschlag tschechischer Uniformierter gegen einen deutschen Zoll­beamten bekannt wurde. Diese unerhörten Auc-

Schwerer Taifun über Tokio.

Eisenbahnverkehr völlig lahmgelegt.

ikio, 1. Sept. (Funkmeldung^ Das Gebiet "on Tokio Pokohama wurde Donnerstag von einem ten Taifun heimgesucht, der große Verwüstungen nläufia noch nicht absehbare Schäden anrichtete. Der verkehr in den genannten Gebieten ist völlig hrochen. Seit Donnerstagmorgen ist kein Zug

Tokio eingelaufen.

n 2 Uhr morgens erreichte der vorher angekündigte nit einer seit vielen Jahren nicht mehr bekannten ie Städte Tokio und Yokohama und ihre Umgebung, rte Häuser, umgerissene und entwurzelte Säume erflutete Straßen kennzeichnen in beiden den furchtbaren Weg des rasenden Sturmes, der ersten Wolkenbrüchen und Gewittern begleitet ist. ngstigten Einwohner flüchteten auf die Straßen, da kleine Häuser abgedeckt wurden oder eingestürzt hste Verwirrung entstand, als zweimal die Licht- g für längere Zeit unterbrochen wurde. Als erstes vier wurde ein ISjäbriges Mädchen unter einem den Haus in Omori begraben.

K er Tateyama-Bucht bei Pokobama kollidierten

infolge des Taifuns zwei 3400 Tonnen große Fracht- d a m v f e r. Der DamvferHagure Maru mußte sinkend auf Strand gesetzt werden. Ein weiterer Damvfer. der vor Bokusuka auf der Halbinsel Misaki sinkend auf den Strand lief, ist gleichfalls verloren. Seine Besatzung konnte noch nicht gerettet werden. Der 15 000 Tonnen große Damvfer ..Ehitral" der britischen Peninsula Oriental Line riß sich im Hafen von Pokoharna los und wurde hilflos abgetrieben. Später stieß er bann mit einem japanischen Frachtdampfer zusammen. Beibe Schiffe strandeten.

Spärlich einlaufende Meldungen lasten erst allmählich die schweren Schäden des Taifuns in ihrer Gesamtheit über­sehen. Bisher wurden mehr als 2000 Telephon­leitungen als zerstört gemeldet. Es ist noch nicht abzusehen. wann der unterbrochene Eisenbahnverkehr wieder ausgenommen werden kann. Sei Kozu auf der Strecke TokioKobe wurde der Bahnkörper durch Überflutung zer­stört. Die Regenfälle dauern bei tropischer Schwüle noch an.

Nack bisherigen Meldungen sind bei einem Einsturz eines Schornsteines in Tokio 3 Personen getötet und 9 verletzt worden. Mehr als 30 000 Häuser Tokios stehen unter Wasser und etwa 10000 Personen sind obdachlos geworden.

Breitungen sind wieder eine treffende Illustration zu den Dar­stellungen- gewißer 'ausländischer Blätter von den tschechischen Unschuldslämmern und den. angriffslustigen Sudetendeutschen. Jeder Tag beweist das Gegenteil und immer wieder wird es für uns erforderlich, auf tschechische Ausschreitungen und tschechische Terrorakte hinzuweisen. Es ist dabei besonders bemerkenswert, daß an diesen unerhörten Ausschreitungen immer und immer wieder tschechische uniformierte Soldaten, Offiziere, Landjäger und Zollbeamte beteiligt sind, also Ver­treter der tschechischen Staatsgewalt. Das charakterisiert den Geist unddieVerhetzung in den tschechischen Staats­behörden. Man kann daraus nur schließen, daß es die maß­gebenden tschechischen Stellen bis heute unterlaßen haben, gegen solche unerhörten Ausschreitungen vorzugehen, wie denn ja auch kein Fall bekannt geworden ist, in dem etwa an solchen Ausschreitungen beteiligte Soldaten, Offiziere ober Landjäger bestraft worden wären. Die neuen Terrorakte und Aus­schreitungen zeigen aber auch, was von den Londoner Mel­dungen über den angeblichen tschechischen Verständigungswillen zu halten isi. Sie beweisen wiederum, daß Prag sich bis heute noch nicht einmal bemüht Hat, durch energische Anweisungen an seine Uniformierten zu einem einwandfreien Benehmen auch nur die Atmosphäre zu schaffen, die für eine Verständigung erforderlich ist.