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Unterhaltungsbetlage. ______________

Mittwoch, 31. August 1938.

Nr. 203.

. 86. Jahrgang.

Tradition des Hasses.

Von Heiurich Karl Kunz.

Wo wir auch die Bücher tschechischer Vergangenheit auf- blättern, überall finden wir den Haß, der heute mit der Maß- und Zügellosigkeit, die eine Charaktereigen- art dieses Volkes ist, gegen das Deutschtum wütet. Phantastische und wirklichkeitsfremde Übersteigerung eines Ideals, gepaart mit schwer zu bändigenden, zerstörenden Trieben, die sich gegen das jeweils Bestehende richten. Ein Fluch, lastet dieser Wesens­zug auf der Geschichte der Tschechen. Wie ihnen in ftüheren Jahrhunderten ein bindendes Mittelglied zwischen Reich und Arm, nach beiden Seiten ausgleichend, fehlte, so geht, ihnen auch heute noch dieses Gefühl für die Mitte, für das Mögliche, das Vertretbare und Beständige völlig ab. Die Extreme, das Chaos, sind die Merksteine, die die Stadien ihres Werdens bezeichnen. Eine Vchauptung, die wir mit einer beispielhaften Parallele aus der deutschen und der tschechischen Entwicklung belegen wollen. Luther und Hus, zwei Reformatoren. Luther, getragen von einer heiligen Überzeugung, begabt mit dem Blick für das Erreichbare, schuf die Protestantische Kirche, die einen Dreißigjährigen Krieg Überstand, eine geschichtliche Notwendigkeit erfüllte, in die nordische Welt ausstrahlte und ihr ein religiöses Eigenleben gab. Der Tscheche Hus entfesselte mit seinen Reformgedanken, in denen religiöse, völkische und soziologische Elemente eine unklare Vermischung eingingen, einen verheerenden Krieg, aus dessen Erinnerungen Ziska und Prokop wie Gespenster des Grauens zu uns herübergreifen. Ein Haß, der sich jeder Begrenzung entledigt hatte, der Hag gegen die Fremden, die Deutschen, der Haß gegen die Besitzen­den gegen die Andersdenkenden. Ein, allen sittlichen Banden entsprungenes Untermenschentum tobte sich in unnennbaren Greueln aus, zerschlug und zerstörte, ein verzehrendes Feuer, das Städte und Landstriche in Asche legte. Übrig blieben Ruinen. Und der Erfolg? Die alten Herren traten die welt­liche Gewalt wieder an, die alte Kirche gewann ihre Macht zurück und wenn wir heute im Atlas nachschlagen: 75 Prozent der Einwohnerschaft der Tschecho-Slowakei sind römisch- katholisch. Von 8 Prozent Protestanten abgesehen, zersplittert der Rest in kleine Sekten, die auf das völkische Leben keinen Einfluß zu gewinnen vermochten. Die kulturbildende Kraft, die den Deutschen auf allen Lebensgebieten auszeichnet, fehlt den Tschechen. Das Schicksal, das ihrer großen religiösen Bewegung widerfuhr, scheint sich auch an ihrem Rationalismus zu erfüllen, verschuldet durch denselben Haß, dieselbe Maß­losigkeit, die das Empfinden für beständige, organisch gewachsene und sittlich begründete Werte vermissen lassen.

Die Staatsgründung 1918/19, in der sich der tschechische Rationalismus zu erfüllen schien, ist durch diese Charakter­fehler gebraudmarkt. Mit dem Hatz gegen die Donaumonarchie, gegen das Deutschtum, begann sie. Die Zügellosigkeit seiner Soldateska überdunkelt ihren ftühen Weg. In der Maßlosig­keit ihrer Politiker, die die Grenzen, ungeachtet der eigenen völkischen Kraft, willkürlich nach den Seiten des geringsten Widerstandes vorschoben, vollendete sie sich. Es ist, da die Tschechen den traurigen Mut gezeigt haben, die Ehre unsrer stolzen, alten Armee zu besudeln, an der Zeit, auch einmal auf diese Dinge einzugehen.

Die ischechischeLegion, ein anspruchsvoller Name, der eine verkommene Räuberbande tarnte. 50 000 Deserteure der k. und k. Armee, die sich in Rußland zu einer selbständigen militärischen Einheit organisierten. Von den zaristischen Generalen, die in den Verrätern von gestern, die Verräter von morgen witterten, nie geachtet. Ein einziges Mal stand die Legion den kampferprobten deutschen Regimentern gegen­über, bei Zborow, wo sie kläglich versagte. Von Anbruch der bolschewistischen Revolution an, neigten die Tschechen ihr innerlich zu. Hier wie dort die gleichen destruktiven Tendenzen, derselbe wurzellose Zerstörungstrieb. Massaryk aber hatte der Legion eine andere Rolle zugedacht. Es ging ihm darum, bei den Friedensverhandlungen auf den Anteil, den die Tschechen an der Niederwerfung der Mittelmächte gehabt haben wollen, Hinweisen zu können. Die Legion opponierte deshalb gegen die von Lenin verfügte Einstellung der Feindseligkeiten und ihr Führer,General" G a i d a, ein Feldscher der sich betrügerisch selbst in den Rang eines Offiziers erhoben hatte, rief zum Widerstand gegen die bolschewistische Politik auf. Die weißen Armeen, deren Anfangsaussichten nicht hoffnungslos waren, da die Sowjets über zahlreiche Anhänger in den großen Städten, aber noch nicht über genügend militärische Formationen ver- fügten, begannen unter Führung des Admirals Koltschak den Kampf. Über die Haltung der Tschechen, die rechtzeitig die Transibirische Bahn in ihre Gewalt gebracht und damit ihren Fluchtweg gesichert hatten, schreibt der letzte Befehls­haber der weißen Truppen in Sibirien, General Sakkarow, in seinen Erinnerungen: Während die Weiße Armee standhaft die Uralfront hielt, faulenzten die gut bewaffneten Tschechen in der Etappe, schacherten und spekulierten. Sie handelten nicht nur mit (den eigenen Bundesgenossen!) geraubtem Gut,

Krisenstimmung abgeblasen.

(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

Fortsetzung der Bermittlungsaktion.

as. Berlin, 31. Slug. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß die englische Presse und nicht nur diese, sondern auch die französischen Zeitungen sich in allerlei Kombina­tionen über die gestrige Sitzung des englischen Kabinetts ergehen. Aus der amtlichen Verlautbarung ergibt sich ledig­lich, daß die Politik Chamberlains die Zustimmung der an der Beratung beteiligten Minister fand. Da diese Zustimmung sich nicht nur auf die Vergangenheit beziehen kann, sondern naturgemäß auch die weitere Haltung Englands betrifft, so wird auch von einem Chamberlain-Plan gesprochen, was man jedoch wohl als überspitzte Formulierung wird kennzeichnen können. Die weitere Politik ist, das kann man aus den Londoner Meldungen ohne weiteres schließen, wie bisher darauf gerichtet, ein Kompromiß zwischen der tschechischen Regierung und den Sudetendeutschen zustande zu bringen. Aus diesem Grunde wird man auch wohl gut tun, die Nachricht, daß der Berliner Botschafter Sir Neville Henderson, der gestern an der Kabinettssitzung in London teilnahm und der heute nach Berlin zurückkehren soll, neue Instruktionen nach Berlin bringe, nicht zu dramatisieren. Es ist selbstverständlich, daß die englische Regierung die Reichsregierung unterrichtet, genau wie gestern in London der amerikanische Bot­schafter unterrichtet wurde, woraus man hier und dort auf ein stärkeres Interesse Roosevelts an den europäischen Vorgängen glaubt schließen zu können. Ebenso ist auch der tschechische Gesandte in London unterrichtet worden. Im ganzen besteht in London die Neigung, die Dinge jetzt etwas ruhiger zu betrachten, nachdem die Krisen-, m a ch e, in der sich gewisse englische Zeitungen gefielen, sich als wirkungslos erwies, das heißt, sowohl in Deutsch­land, als auch bei den Sudetendeutschen an der Vernunft und ruhigen Besonnenheit aller Beteiligten wirkungslos abprallte. So wird jetzt auch in London betont, daß keineSofort- M a ß n a h m e n'^ der englischen Regierung geplant seien und daß eine neue Beratung des Kabinetts nicht in Aussicht ge­nommen ist.

Für die weitere Entwicklung wird es nach wie vor ent­scheidend bleiben, ob England dort ansetzt, wo von Anfang an der Hebel hätte angesetzt werden müssen, d. h., ob London den nötigen Einfluß auf Prag ausübt. Wir verzeichnen mit Genug­tuung die Tatsache, daß in Reutermeldungen nunmehr die Disziplin der Sudetendeutschen anerkannt und der Freigabe des Notwehrrechtes Verständnis entgegen­gebracht wird. Man geht auch wohl kaum in der Annahme fehl, daß man die neuerdings in einigen tschechischen Blättern auftauchenden Aufforderungen, sich aller Gewalt­akte zu enthalten, auf diese veränderte englische Ein­stellung zurückführt, die auch in der Untersuchung der tschechischen Provokationen in Gabersdorf an Ort und Stelle durch den englischen Sonderbeauftragten Sutton- Brak zum Ausdruck kommt. Inwieweit solche Aufforderungen Erfolg haben werden, ist allerdings eine andere Frage. Zu irgendwelchen Beschlüssen ist es im übrigen in Prag gestern nicht gekommen. Der politische Ministerrat hat eine Sitzung abgehalten, sich aber auf heute vertagt. Viel beachtet wird aber die Tatsache, daß Staatspräsident Benesch gestern zwei

Mitglieder des sudetendeutschen Verhand­lungsausschusses empfing, nämlich den Abgeordneten Kundt und das Mitglied des sudetendeutschen Führerrates Sebekowski.

Auch in P a r i s hat gestern, wie schon angekündigt wurde, das Kabinett getagt. Wenn auch die Beratung.,in erster Linie innenpolitischen Fragen galt, so hat Außenminister Bonnet sich auch ausführlich zu den wichtigen außenpolitischen Problemen geäußert. Der französische Londoner Botschafter, der nach Ablauf seines Urlaubs jetzt wieder, auf seinen Posten zurückkehrt, wird den englischen Außenminister über die Auf­fassungen ÖÄ französischen Regierung unterrichten. Auch in Paris ist man, wie in London, jetzt bemüht, die Lage ruhiger darzu st eilen und neigt im Augenblick einer etwas zuversichtlicheren Auffassung zu.

Wir nehmen das zur Kenntnis, möchten aber nochmals unterstreichen, daß eine Lösung nicht auf dem Wege ge­funden werden kann, daß sich England und die Tschecho- Slowakei auf dem Rücken der Sudetendeutschen einigen. Inwieweit man in London und Paris eingesehen hat, daß jede wirkliche Lösung die Gleichberechtigung der Sudetendeutschen bringen muß, ist eine noch offene Frage. Wir stellen also fest, daß die Bemühungen um eine Lösung des tschechischen Problems fortgesetzt werden. Zu welchem Ergebnis sie führen werden, das bleibt abzuwarten.

Erneuter Protestschrrtt in Prag.

Prag, 30. Slug. Der deutsche Geschäftsträger i n P r a g hat wegen der erneuten unerhörten Beleidigungen des in Mährisch-Östrau erscheinenden HetzblattesMoravs- koslezski Senil über die alte deutsche Armee eine« wei­teren Protestschritt bei der tschechischen Regierung unternommen. Der deutsche Geschäftsträger hat dabei znm Ausdruck gebracht, daß es sich bei den Veröffentlichungen der genannten Zeitung um eine planmäßige Hetz­kampagne gegen das Deutsche Reich handele.

Die Tatsache, daß hier ein auf Lügen und Gehässigkeit ausgebautes System vorliegt, wird auch dadurch belegt, daß die in Olmlltz erscheinende ZeitungPozor" den Hetzartikel desMoravskoslezski Denik vom 13. d. M. wörtlich nachge­druckt hat. Weiterhin muß festgestellt werden, daß die tschechischen Zensurbehörden, deren Wirkungs­möglichleiten überall bestens bekannt sind, auch de« neuen Artikel vom 24. d. M. ohne Beanstandung erscheine» ließe«. Dies ist um so erstaunlicher, als der deutsche Konsul in, Brün« bereits am 17. August, also einer Woche vor dem Erscheinen des zweiten Artikels, die Aufmerksamkeit des höheren Landesamtes in Brünn auf die hetzerische Schreibweise der genannten Zeitung lenkte.

Der deutsche Geschäftsträger hat der Erwartung Ausdruck gegeben, daß seitens der Regierung gegen die Zeitungen Moravskoslezski Denik undPozor unverzüglich mit nachdrücklichen Mitteln eingeschritten und den verantwortlichen Persönlichkeiten eine Fortsetzung ihrer ver­leumderischen und vergiftenden Hetze gegen das Deutschtum unmöglich gemacht wird.

Jmredy über die deutsch-ungarische Zusammenarbeit.

Rumänischer Weizen für England.

London, 31. Aua. DemDaily Telegraph" zufolge ist zwischen einer Organisation, die im Auftrage der rumänischen

Stockholm, 30. Slug.Astonbladet" veröffentlicht am Dienstag eine Unterredung mit dem ungarischen Minister­präsidenten 2 m r e d y und dem ungarischen Außenminister von Kanya über den Besuch des ungarischen Reichs­verwesers von Horthy in Deutschland und die Konferenz der Kleinen Entente in Veldes.

Das Ziel der deutsch-ungarischen Zusammenarbeit sei, wie der Ministerpräsident erklärt, ein gerechter Friede. Ihre Freundschaft sei aufrichtig und tief und brauche durch keinerlei formale Pakte bekräftigt zu werden. Die großen Militär- und Flottenparaden hätten den ungarischen Gästen die Macht und die Handlungsfreiheit des Dritten Reiches be­wiesen. Aber darüber hinaus hätten diese auf allen Gebieten, wie z. B. bei der Reorganisation vdr Armee, dem Wirschafts- leben oder in der Kunst achtunggebietende Ergebnisse gesehen.

Nach dem Anschluß Österreichs habe der deulsch-ungarüche Handel neu geregelt werden müssen. Auch in diesem Punkte sei vollständige Einigkeit erzielt worden. Was die Beziehungen zur Tschecho-Slowakei beträfen, müsse man hoffen, daß Prag die Lage klar erkennen und reden Schritt unterlassen werde, der als Herausforderung auf- gefaßt werden müsse. Es sei auch zu hoffen, daß die Rechte der verschiedenen Volksgruppen in der Tschecho-Slowakei in Wirklichkeit und nicht nur dem Schein nach erweitert würden.

Außenminister von Kanya verneinte in seiner Erklärung jeglichen Zusammenhang zwischen den Abmachungen auf den Konferenzen von Saloniki und Veldes. Ungarn habe stets auf dem Standpunkt gestanden, daß das Recht der Wehrzrei- heit kein Handels ob jekt sein dürfe, sonvern das natürliche Recht eines jeden unabhängigen Staates sein müsse. _____

Regierung handelt, und zwei englischen Firmen ein Kauf­abschluß getätigt worden, auf Grund dessen England 400 000 Tonnen rumänischen Weizens über­nimmt. Die Lieferungen, erstrecken sich über die nächsten acht bis neun Monate. Das Blatt schreibt, England habe somit ein Drittel des rumänischen Weizen- überfchusses übernommen. Die englische Regierung habe sich an diesen Skrfjanblungen direkt nicht beteiligt, wohl aber habe das Handelsamt während der Verhandlungen seine Mitarbeit zur Verfügung gestellt.

Der nalionalspanische Heeresbericht.

Salamanca, 31. Slug. (Funkmeldung.) Nach dem national- spanischen Heeresbericht blieb die Lage an der Estremadura- Front unverändert.: die nationalen Truppen wiesen eine Reihe bolschewistischer Angriffe zurück. Über 1500 gefallene Gegner wurden festgestellt. In Gefangenschaft gerieten ' Die Luftwaffe schoß vier bolschewistische Flugzeuge ab. In der Nacht zum 29. August bewarfen nationale Bomber Kriegsmaterialfabrik in San Feliu mit Bomben.

Vordringen der Japaner

Schanghai, 30. Slug. (Ostasiendienst des DRV.) Am Dienstag kam es zu der ersten größeren Luftschlacht über Kanton. Über 60Flugzeuge waren daran beteiligt. Das Ziel der japanischen Angriffe waren die militärischen Anlagen bei Tschaukwan Nanshuen. Die chinesische Luftflotte der Provinz Kwantung ist in letzter Zeit ,erheblich verstärkt wor­den. Unlängst sollen größere ausländische Flugzeuglieferungen in Kanton eingetroffen sein.

Die japanische Armee in Mittelchina meldet gute Fort­schritte an allen Gefechtsabschnitten. Die Nordgruppe det

an allen Kampfabschnitten.

Armee besetzte am Dienstag Hwoschan. Von dort aus stießen Vortrupps bereits 30 Kilometer westwärts vor. Im Raum der Nordufer des Jangtseflusses setzten die japanischen Truppen von Hwangmei aus zum Angriff gegen die chinesischen Stellun­gen in den südöstlichen Ausläufern des Tatieh-Mossivs an.

Mata« am Südufer des Jangtse ist das Ziel der japanischen Abteilungen, die sich von Juichang aus der Stabt auf drei Anmarschwegen nähern.

Die Schlacht am Luschan-Berg südlich von Kiukiang dauert noch an. Die japanischen Operationen entwickeln sich plan­mäßig.