Einzelbild herunterladen
 

Lamstag/Somrtag, 27./L8. August 1938,

Wiesbadener Tagblatr

Drittes Blatt. Nr. 200.

Deutsche JuAerrö.

Hoiiiflstaaten unter Polizeiaufsicht

Heimkehr von der Weide.

(Fritz Röhes — Deike-M.)

Vereinigungen jene Männer, die als ..Seuchenwarte" besonders in der jetzigen Zeit der Bienenwanderung etn wichtiges Amt haben. Mit einem von ihnen haben wir gesprochen . . .

15 Holzkönfe und ein Reisekoffer.

„Kleines Theater" zwischen Schloten und Förderttirmen.

..Denneborg (Puppenspieler)" steht auf der Tafel in der Lünstlersiedlung valfmannshoi" zwischen den Namen von Malern. Bildhauern und Kunsthandwerkern. Salfsmannshof ilt ein alter Bauern-und Herrensitz.nahe dem Weichbild von Gelsenkirchen. Vor einem haben Dutzend Jahren noch dem Verfall vreisgegeben. von einem Maler in letzter Stunde gerettet, von Künstlern und Fürsorgearbeitern aus- und aus- gebaut. regieren jetzt hier die Musen nahe jener Stadt, die als „Chicago der Kohle" zwischen lohenden Feuern Staub und Gedröhn der schweren Arbeit nur ein Ausschnitt jenes Weltstadtpanoramas ist. das am der Achse Duisburg—Dort­mund in weniger als einer Stunde am Auge des Durch­reisenden vorüberfliegt.

Faulbrut stört den Bienenfleiß.

Die von den Bienenhaltern am meisten, gemrchtete Krankheit der Bienenvölker ist auch heute noch die bösartige Faulbrut", eine Seuche, die durch einen von Matron Lleaue schon vor 1880 entdeckten „Bazillus alvei erregt und über­tragen wird. Da kann es vorkommen, daß mitten m der herr­lichsten Blüte die Bienen, deren Fleiß ja sonst sprichwörtlich ist. faul und flugmüde werden. Das ist das erste. Alarmsignal Der Seuchenmari wird gerufen. Ern Blick genügt mentt um festzustellen, daß sich die Waben..,n denen vorher die Larven der Bienen eingebettet.waren, in eine fadenziehende. schlei­mige und klebrige Masse mit iauligem Geruch verwandel,, haben. Ist der Faulbrutrall leicht, genügt es ost schon, durch künstlich herbeigeführte Schwärmung die Tiere zur Übersied­lung zu veranlassen,. und der..Stock wird mit bei Lötlampe ausgebrannt. In schlimmen Fallen muh das ganze Volk ver­nichtet werden, um nicht die Nachbarbestande.zu verseuchen, übrigens leidet der schon angesammelte Honig nicht etwa unter der Krankheit: durch langes Kochen wird er vollkommen entseucht

Durch diese Kontrolle der Faulbrut ist es gelungen, die Zahl der Erkrankungen sehr berabzusetzen,. Und letzt. do- an den Rändern der Städte allenthalben die Siedlungen als Vor­posten ins Land hinauswachsen. ist diese Arbeit der Bienen­polizei nötiger denn ie. Denn mit der Zunahme der Sied­lungen — ein Blick in die Statistik beweist es — vermurt sich die Zahl der Bienenhalter. Ihre. Trere frei von Seuchen zu halten, ist die zweckvolle und wichtige Ausgabe, die der Polizeiaufsicht" über die vielen tausend Bienenitaaten zu- ällt. 3-

siuinaintien im - ietttnmgen sind da­

bei zustande gekommen. „Morgen", lagt er, „fahre ich. nach S. Morgen, um diese Stunde, Heist das. werden in einer aus» geräumten Fabrikhalle tausend Kumpels aus dem Revier Kut-el-Kulub und die Fürstin Zubaida. aus Denneborgs ..Kaufmann von Damaskus" vor der kleinen Szenerie des Theaters der hölzernen Stars leben, kämpfen und leiden sehen. Denn C. M. Denneborg ist einer der zwei Dutzend Puppen- spielet von Namen, die es heute ,n Deutschland noch gibt, und, der einzige im Ruhrgebiet. Im ganzen Reich aber ist er b^ kannt als einer der. jungen und unverdrossenen Vorkämpfer einer alten Volkskunst. „ . — . t

Puppenspiel" — sagt Denneborg —- „soll Zwar em Spiel der Kindheit und vor Kindern sein, aber das schlieht. Nicht aus, dah es auch Erwachsene zu begeistern vermag. Es..ist em - alter Irrtum, durch die Entwicklung des Theaters verständlich aber nicht entschuldbar, das das Puppenspiel seiner Natur nach eine Angelegenheit von Kinderstube und. Schulzimmer bleiben müsse. Im Gegenteil! Mit ihm muh eine allzulange vernachlässigte Kunst wieder m jenen Rang gehoben werden, der dem nach künstlerischen Gesichtspunkten gewählten und geleiteten Puppenspiel unbestritten zukommt. Und es ist geradezu ein sichtbares Zeichen der Besinnung, wenn, vor wenigen Wochen erst, das Kulturamt der Reichsiugendfiihrunp sich zusammen mit der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude . dem Deutschen Eemeindetag. und der Reichstheaterkammer zur Gründung eines „Reichs-Instituts iurPuvvenhtele mStutb & entschlossen hat. Gegenwärtig gibt es m Deutschland vi^l- noch knapp 30 Puppenspiel.. Jede Puppenbuhne. di-m Zukunft vor „KdF. spielen will, muh mindestens einen Monat int Jahr diese neue Einrichtung besuchen, um neue Svielvläne einzustudieren. Vier große Gattungen des Huvpen- sviels sollen hier besonders gepflegt werden, das Marchen- tpiel das Sagenspiel, das Volksspiel und die politische Sattre. In Kurzkursen werden auch begabte Laienspieler ausgebildet, um im Lager, auf Seimieiern und Dorfgememschaftsabenden dem Puppenspiel einen steigenden Einfluß auf jede Seiet» 11 C",*aneUbick Bemühungen.das Spiel mit Puppen, das nun in oer Sitler-Jugenb beispielhaft gefordert wird, auch in bet so nüchternen Welt der Hochofen und Forderturme heimischer machen werden, davon bin ich überzeugt — meint Denneborg. „Zu den vielen Irrtümern über Menschen und Seele des Ruhrgebiets hat von jeher die Vorstellung gehört, als sei in bteter nach den Maßen einet Kolonie zusammen» gewachsenen Wirtschaftsprovinz legliche Bmdung an Tradi­tion und Herkommen, zu Brauch und Sitte ausgeloscht worden. Jeder, der sich innerhalb dielet Wett des „Kohlenpotts um» gesehen hat, weih, wie falsch diese Meinung ist.und wie ober» flachlich. Die vielen Jahre, die ich jetzt hier, tm Ruhrgebiet als Puppenspieler lebe, haben mich gelehrt, bau diese Menschen in Gruben, vor Hochöfen und an Walzenstraß.en auch in diesem Betracht besser sind als ihr Ruf, Von den Kmdern bis zu den Erwachsenen gibt es kaum Zuhörer und Zuschauer, die zu den ganz einfachen, derben und realistischen Dingen einer Puppen- bühne einen so natürlichen Kontakt haben rote sie. . . .

Es ist aber nicht nur die Tradition, das Gefühl, letzter und selten gewordener Nachfahr eines hier 500 Jahre boden­ständig gewesenen Hndwerks zu sein, die den jungen Tomer inmitten der kleinen Kötter unb Bauern seßhaft werben liehen. Die ©emeinbelettung selbst, von bem Wunsche beseelt, die Vergangenheit ihrer (öemeinbe an einem recht augen­fälligen Beispiel zu zeigen, hat ihn. sehr unterstützt. Die Dörfler selbst nehmen Anteil an semer Arbeit Wenn sie auch, zuerst, ben Fremden mit einem gewissen Mißtrauen beob­achteten: wenn der Brand tm Öfen ist, halt es die Euihel- rnischen nicht mehr vor der eigenen Haustür.fest. Diese Anteil­nahme ist erklärlich, denn hier werden keine künstlich ho^ gezüchteten Formen gedrechselt und getüftelt. Das Ziel auch dieses Tövfernachfahrs ist es, altes Handwerksgut neuen Zielen dienstbar zu machen, v . s.

„Wir machen alles. lagt der Topfet zum Abschied, „die einfachsten Trinkgeschirre, Milchschüffeln. Brotkorbe. Kannen, aber auch grohe Schmuckteller mit Bemalungen und Verzie­rungen. Altes Mustergut ist unser großer Lehrmeister. Wenn der Brand gut geraten und der Absatz zufriedenstellend ist. hoffen wir. das Handwerk in diesem 500ja6rtgen. Tovterdorf wieder zu Leben und Ansehen zu bringen. Das wünschen nicht nur wir uns. weil es uns Brot gibt, das wünschen auch alle, die der alten Volkskunst freundlich gesinnt sind. Es werden mehr, von Tag zu Tag . . ." es-

Märchenspiele — in Fabrikhallen.

„Von der Reise zurück'" sagt lachend der Puppenspieler Denneborg. und setzt den Sandkofior am der Öbstwiese ab deren roerhgespritzte Baume den Blick auf die fernen und grauen Silhouetten von Zechenbauten .und Fordetturmen rahmen. Unb während er, am Boden kniend seine 15 Dar­steller aus der Quadratmeterenge des Reiserofters befreit, ist et schon bei der Schilderung seiner letzten Rundfunkarbeit, die ihn für Wochen nach Königsberg geführt hat, Drei ober »ter Aufnahmen für mehrstündige Pupvenspielsi

Von vterzio blieb einer

3m Dorf mit der SOOiährigen Töpfertradition.

Das Dorf Schermbeck, unweit ber niederrheinischen Festnngsstabt Wesel, ist eine geographische Kuriosität: es liegt auf ber Scheibe zwischen ber Rheinptooinz unb Westfalen, und bic „Grenz linie schneibet bte Eemeinbe in zwei Teile. Auch seine Umgebung ist ungewöhnlich. Es sinb weitläufige Ion» selber unb Ziegeleien, beten brennenbes Rot sofort in die Äugen sticht. Ziegel werden hier hergestellt, die besonders an ber salzhaltigen Nordsee gefragt sind, weil sie Leuchtkraft unb Haltbarkeit nicht verlieren. Neun Millionen Stück etwa werben hier jährlich aus bem Schermbecker Ton gebrannt. Was bte Fachleute ihm nachrühmen, sinb gute Farbe, ausgezeichnete Mobellierfähigkeit unb schöne Bewährung im Brennprozeß. Diese Eigenichaften sinb nicht etwa erst heute entdeckt worben. Sie sind seit 500 Jahren bekannt, unb viele Geschlechter haben von ihnen gelebt. Die „Pöttkesmaker" von Schermbeck hatten einen Ruf. Vierzig Haustöpfereien zählte man noch vor 25 Jahren. Aber von vierzig Töpfern blieb nur einer.

Elafurgeheimnis bis ins Grab.

Zwei Schritte über bte Goffe treten mir durch bas Toi in bie Töpferwerkstatt. Sie ist so alt, baß sie kürzlich unter Denkmalsschutz gestellt würbe. Die Balken an nieberer Decke braun-schwarz, rissig, burchgebogen. bas Gemäuer bimpanbtg, oft gesprungen, geflickt unb abgestützt. Unb eine Hitze.. . . „Wir haben bis gestern gebrannt“, sagte ber junge -töpfer. Die rote Flamme züngelt unb leckt aus ber „Muffel an ber Öfenmanb hoch. Kleine, weiße Äugeln, bie nach Mottenpulver riechen, ein Stück alter Gummi mit einer Packung geheimnis­voller Zutaten, alles wandert in den Dien. „Alles für bte Glasur" — bekennt ber Töpfer, ber bie Werkstatt des letzten Schermbecker Meisters weiterführt. „Es ist ein altes Geheim­nis um bie Glasur. Hier habe ich einen Topf zur Untersuchung geschickt bekommen. Seit Wochen versuchen wir. bie Glasur herauszubekommen. Leiber vergebens. Die letzten Topfet, be­wahren ihr Geheimnis hartnäckig. Kürzlich starb hier einer, ber hatte auch solch ein altes Rezept. Der Sanbrat, ber Bürger­meister, seine Frau, bie Freunde, sogar bei Pfarrer baten ihn in seinen letzten Tagen, das Elasurrezevt herauszugeben. Et tat's nicht, nicht ums Sterben!" , ,

„Gewiß", sagte der junge Töpfer, „mir haben es nicht leicht. Wit motten ja nicht einem alten Kunsthandroetk nach- trauem, mir motten es zu neuem Leben bringen. Hier, in Schermbeck, schien mir. mar der geeignete Ort dafür. Kürz­lich mar ich beim Bürgermeister, bei mir eine Urkunde aus bem Jahre 1450 zeigte. In ihr war lang unb breit von Schermbecker Töpfern bie Rebe: 500 Jahre Hanbwerkstradi- tion hat also bics nieberrheinische Dorf. Wenn wir abenbs hin und roieber mit ben Alten zusammensitzen, zählen sie breißig, vierzig Namen aus bem Hanbgelenk auf. Der Meister, von bem ich bie Werkstatt habe, mar bei letzte von ihnen. Jetzt hat ei sich, aufs 80. Jahr zugehend, von bet Töpfetscheibe zutückgezogen."

Die Gemeinde hilft mit.

„Die Aussichten sind also gut?“ „Man kann, keine Reichtümer ansammeln" lacht ber Töpfer und macht sich mit einem Tonklumven am Walktisch zu schaffen, „aber bas Hand­werk ernährt schon roieber seinen Mann. Das Schöne ist..bie Leute bekommen roieber E-.fallen an bene in» fachen, alten Geschirren. Menschen aus bet Stabt sinb unsere eifrigsten Besuchet: für eine Reihe von Schulklassen aus ter Nachbarschaft brennen mir bte Geschirre, bie in Hanb- arbeitsitunben geformt unb bemalt mürben.“

Afrikanische Skizze.

Jaffa Bim mar - fo berichtet ein alter Äplpnialpionicr. ber ben Aufstieg Deutsch-Ostafrikas mit allen semen entbeh­rungsreichen Strapazen unb ben kleinen heiteren Zwischen­fällen des Alltags mitcrlebte — bas schwarze Gegenstück zu feinen gelben Kollegen, ben Rttschajahrern bes deinen Ostens. Tagaus, tngein hottete et unermüdlich vor feinem kleinen Karren her durch bic Straße bes aufbluhenben Dares­salam in ben kurzen Pausen zwischen zwei. Fuhren boite er vor sich hin. blinzelte in bie Sonne unb träumte ben. Traum aller Reger — ben Traum vom gesellichattttchen Aufstieg.

Als auf einer neugegrünbeten Nebenlinie ber deutschen Bahn Arbeiter gesucht würben, nielbete sich Jassa Bim als einer ber ersten, beim er fühlte sich als Verkehrsiachmann. Er würbe Rangieret — auf Grund ferner reichlichen Erfa^ung mit einheimischen Fahrzeugen. Allerdings unter chieden sich d e rollenden Güterwagen von den leubtrabngen Rtkichas. Jaffa Bim bemerkte icbodi bieten Unterschied ent spater

Wenn die Rangierlokomotive einen. Wagen abgestoßen hatte und ihn über die Gleise rollen ließ, mußte Blm auf- fviingen unb die Bremsen tm rechten Augenblick amlehem Diesen ihm zu anstrengenden Arbeitsgang nun wollte et sich eines Tages ersparen: er bremste einen.Eutetroagen. rote er es von feiner Rikscha gewohnt wat. nämlich indem et ein ^EDamtt'hatte^Jasia %ims weiterer .Aufstieg begonnen Sechs Monate lang wurden schneeiges Linnen, zarter Mull unb aufopfernde Pflege ber meinen Krankenschwestern am ihn verschwendet. Sein Krankenzimmer wurde, als sich, sein Gluck heturngefprochen hatte, zum Wallfahrtsort seines Seitnatdon.es. Mit der Entlassung aus bem Sospttak bekam Jassa Bim Sleich-

Jm Morgengrauen knirschen an ber Rodung, bie aussieht, als wäre sie mit bem Rasiermesser in ben Walb geschnitten, bie Bremsen von zwei Lastkraftwagen. Auf bem fahlen Sanb» hoben, bet vorher dichtstehende Tannen trug, von ber Straße burch einen harzenben, frischen Zaun getrennt, wachsen bte Lupinen, blau und gelb. Ihr Dutt zieht schwer und süß mit dem Bodennebel herüber. Ein Gatter wird aufgetlinft. In.den Knien federnd unb behutsamen tragen bic Manner Gehäuse aus Stroh unb Holz, in betten es von taulenb Flügelschlagen summt unb brummt, burch das blühende Feld An feinem Ende, gegen eine dunkle Tannenwand gelehnt, setzen sie bte Körbe auf langen Regalen ab. Die Bienenweibe ist erreicht...

Rach § 30. Absatz 2 . . .

In mancher Sommernacht, bie über dem schlafenden Steinmeer ber großen Stabte sich wölbt, fahren btete Wagen jetzt auf menschenleeren Straßen bem flachen Laub zu. Von Imker zu Imker werben bie Kästen herangereicht und verstaut. Sie alle sind bem Bienenroanberbienst angeschlossen, ber um biete Zeit bie Honigstaaten ber Stabte, in bie hochsommer­lichen Trachtengekstete bes Landes entführt. Je 50 Volker gehen auf einen Lastwagen, ber sie in etn paar nächtlichen Stunben an ihren neuen, blüten- unb futterreichen „Flug- l,Ia$3ntil(=otnmer. bei starker Blüte" — lagt ber Imker, ber den Transport begleitet hat — „lebt bie Ttachibiene. bte bas eigentliche Honiggeschäft besorgt, nicht langer als swet bis brei Wochen. In dieser Zeit hilft sie den Stock sauber hatten, Wachs zu erzeugen unb Waben aufzubauen, bte Brut zu füttern unb vor allem Blütenstaub und Honig von ben flam» mettben Blumen bes Sommers einzutragen. Aber so kurz auch bieies Leben ist. bas Gesetz wacht darüber. Seit 1926 namltcb schon sind nicht nur alle Bienenvölker anmeldepflichtig und. werden in regelmäßigen Abständen auf ihren Gesundheits­zustand untersucht, auch eine besondere „Polizei wacht dar­über. daß jeder Honigstaat. ber tn bte Linden-, Mazten- ober Lupinenblüte wanbert, vor ber Ausreise ein Art Eesundheits- attest beibringt. Nach § 30L Absatz 2 bes Feld- unb dorst- polizeigesetzes kann mit Geldstrafe bis zu 150 Mark ober nut Haft bestraft werben, wer ben SInorbnungen bet Blenenpottzei zuwiberhanoelt. . .

Blick ins „Vienenrecht“. .

Diese gesetzlichen Vorschriften haben in erster .Stute seuchenpolizeilichen Charakter unb gehen weniger baram aus. ben Bestimmungen bes sogenanntmt Aienmrechts Respekt »u verschaffen. Was bte prtvatrechtttchen Grundsätze dieser lonberbaren Rechtsgattung angeht, gibt es ba. etntge bemer­kenswerte Eigentümlichkeiten. Es ist. um etn Beispiel zu nennen. Bienenart. baß in gewissen Zeiträumen wegen ber im Stock erfolgten Aufzucht junger Brut em Bienenhause sich entschließt, auszuwanbern ober eine neue Kolonie zu gründen. Nach ben „Vorschriften über bas Eigentum an wilden Tieren würbe bas Besitzrecht an ben Bienen mit bem Verlassen bes Grundstocks verloren sein. Das „Bienenrecht' erlaubt in diesem Fall, eine Verfolgung auch auf andere, trem.be Grundstücke aus- gubehnen. Schlimmer steht es schon um bte Stgentumstrage.- wenn benachbarte Schwärme sich. was. auch vorkommt, mit» einanber vermischt haben. Auch bafur sieht das .Bienenrecht bestimmte Lösungen vor. Sogar bie infolge nachlässiger Zucht ausziehenben „Bettel- und Sungerschrvarme werben von chm in Obhut genommen. Wenn sie. meist nach heftiger „Schlacht . eine besetzte Bienenwohnung, erobert haben, werben sie rur herrenlos erklärt unb bem Eigentümer bes eroberten Stocks äUBe$ie^bienenr>oli3eiIiihe Fürsorge hingegen ift ber Forst- rolizei unterstellt. Sie gibt nicht.nur die Eesunbheltsatteste aus, bte als Ausreisevisen tn bte Sommerhlute angesehen werken, sie ernennt auch in Zusammenarbeit mit den Imker-

Magier des Herzens. , .

15 Holzköpfe, aus der Enge eines Reitekoffers befreit, liegen im grünen Gras der Obstwiese: 15 „Stars ruhen tn der Mittagsonne hölzern unb bewegungslos Nur auf ihren Gesichtern, bieten so eindrucksvollen, von Äunitleröanb ge­schnitzten Masken, spielen die Reflexe pes Gestirns, das heiß durch die Bäume brennt. Sie liegen einträchtig beieinander, die morgenläirdischen Darsteller eines Marchensptels aus „Tausendundeine Nacht", bie. gespenstisch-realistischen Vertretroc des Bösen, bie Teufel, ber.bunne unb ber dicke Vetter bem Spiel von „Jedermann" in hartes Solz die Zuge, kaittig. und unverwechselbar eingeichnitten, handflachengroß dro Gesichter unb in bunten Flitter getletbet besten stilvolle Einzelheiten eine ebenso große Liebe zu ben. Puppen verraten rote bie zärt­lichen Bewegungen, mit benen ihr Herr bte verknitterten Rocke glattstreicht unb bie zerzausten Schleier auseinanbeigupft. . . .

Tausendmal schon haben sie Augen aufglanzen und ein Ge­lächter aus vielen Kehlen anstimmen Horen, bte hölzernen kleinen Magier des Herzens, geführt von bei Sand eines Mannes, bei ihnen im Spiel mit Stimme unb aSeroeguna jenes höhere Leben verleiht, bem alle Kunst verpflichtet ist. zeitig ein neues, ein künstliches Bein angepaßt bas eigens für ihn au« Europa bestellt worden war. Seine Freunde.besahen und befühlten es und fanden, daß es em schönes Bem war. das schönste vorn Tschadsee bis nach Kapstadt

Da Bim sich im Guter- und Rangierbetrieb nicht langer verwenden ließ, stellte ihn die Eisenbahnverwaltung als Schrankenwärter an. wobei er neben der. tut ihn ungemem interessanten Tätigkeit der Schrankenbedienung hohes An­sehen genoß, allgemein bekannt, beachtet und beliebt war

Auch der Gouverneur, der tn seinem Wagen durch, die offene Schranke zu jagen und Bim keines Blickes zu würdigen pflegte, sollte Jassa Bims Bedeutung und Stellung kennen­lernen. So oft sich der Wagen mit einer Staubwolke m der Ferne ankündigte, schloß Bim die Schranken, und der Gouver­neur wartete brav und geduldig, bis ber 3ua »orbetroar. Meist aber, so mußte ber Gouverneur bald feststellen, waren die Schranken geschlossen, aber weit unbbrett letn Zug zu sehen. Wenn Bim es bann für richtig hielt, bte Schranke rote« ber aufzuziehen, gab es zwar etn -Donnerwetter. Aber 25tm war ja ganz unfajulbig: ob beim bei Herr Gouverneur nicht bie Glocke gehört habe, so baß Brrn dre„Schranke schließen mußte, wie es in seiner Dienstvorschrift stunde? Wenn letn Zug tarne, so sei bas nicht seine Schuld, bei ben Gouveineur müsse bann eigentlich roaiten, bis bei nächste Zug voibet sei. Da dies jedoch voraussichtlich erst am nächsten Morgen ge­schehen würde, so sei Bim nun einmal so freundlich, den Herrn Gouverneur ausnahmsweise durchzulasien. .der Herr.Emtver- neur habe ja sicher auch viel zu tun, er sei ja zwar fein Eiten« bohnbeamtei, aber immerhin doch auch Beamter, unb Beats« müßten einander entgegenkommen.

Seitdem begrüßten sich die beiden „Kollegen immer recht herzlich, und jede Begrüßungsszene stellte einen neuen Gipset auf Jassa Bims Wege zum Erfolg dar. h. e.

k