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Wiesbadener Tagblatt

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NnterhalimlgSbeilage. $eritna Berlm-WUm-rsdor».

Nr. 198.

Donnerstag, 25. August 1938.

86. Jahrgang.

Ein stolzes Bild deutscher Wehrkraft.

Die Parade vor Admiral von Horthy und dem Führer, die größte, die Deutschland seit Kriegsende sah.

2m Zeichen herzlicher Freundschaft.

as. In den Trinksprüchen, die bei der gestrigen Abendtafel im Haus des Reichspräsidenten zwischen dem ungarischen Reichsverweser von Horthy und dem Führer gewechselt wurden, ist besonders der engen Verbundenheit Deutschlands und Ungarns, sowie der Freundschaft beider Völker zu Italien gedacht worden. Diese enge deutsch­ungarische Verbundenheit fand ihren Niederschlag auch in dem überaus herzlichen und freudigen Empfang, den die Reichshauptstadt gestern den ungarischen Gästen be­reitete und der ihnen bewies, daß die deutsch-ungarischen Beziehungen kein Geheimnis der Diplomatie, sondern eine vom ganzen Volk getragene Ange­legenheit gemeinsamer Erinnerungen und gemeinsamer Hoffnungen sind. Der heutige Tag nun bringt wohl den Höhepunkt dieses Staatsbesuches, mit der großen, zu Ehren der ungarischen Gäste veranstalteten Parade. Admiral von Horthy, der bereits unsere Kriegsmarine kennengelernt hat und der, wie er es ausdrückte wieder den Odem der See geatmet und das Erzittern der Kommandobrücke verspürt" hat, wird heute einen starken Eindruck von unserem Heer und unserer Luftwaffe

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gewinnen, einen Eindruck, der das Bild von dem gewal­tigen Aufbauwerk des Nationalsozialismus vervollständigt. Es braucht kaum besonders gesagt zu werden, daß auch dieses

Reichsoerweser von Horthy in der Reichshauptstadt.

Links: An der Seite des Führers fährt der Reichsverweser vom Lehrter Bahnhof zum Haus des Reichspräsidenten.

Rechts: Die Fahrt der beiden Staatsoberhäupter durch das Brandenburger Tor. (Weltbild, K.)

große militärische Schauspiel, zu dem die beteiligten Truppen zum großen Teil schon nachts aufgebrochen waren, sich unter der stärksten und fteudigsten Anteilnahme der Berliner voll­zieht, die damit ihrer engen Verbundenheit mit unserer Wehr­macht und der herzlichen Freundschaft mit Ungarn Ausdruck verleihen.

Die große Truppenparade zu Ehren des ungarischen Reichsverwesers Admiral von Horthy ist die größte W ehr machtsschau mit Soldaten, Fahrzeugen und Geschützen, die Deutschland nach dem Weltkrieg bisher gesehen hat.

Auf der Charlottenburger Chaussee, deren Verbreiterung im Zuge der Ost-West-Achse entsprechend der Neugestaltung der Reichshauptstadt vor kurzem vollendet wor­den ist, und in den anliegenden Straßen sind die zum Vorbei­marsch befohlenen Truppen bereits um 6 Uhr früh einge­troffen. Sie stehen zu beiden Seiten der Straße; vom Hinden­burg-Platz vor dem Brandenburger Tor bis über den Bahnhof Tiergarten hinaus, in der Hermann-Eöring-Straße und ent­lang der Stadtbahn an der Klopstockstraße. Truppen aller Waffengattungen, Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Panzer­wagen, Kraftradschützen, Flaks und Pioniere haben hier ihre Ausgangsstellung zur Parade bezogen.

Vor der Technischen Hochschule sind wieder, wie bei früheren Paraden, zu beiden Seiten der Fahrstraße breite, hohe Tri­bünen errichtet. In der Mitte der Nord-Tribüne steht, etwas vorgevaut, mit einem silbernen Baldachin überdacht, die F ü h r e r t r i b ü n e, die mit roten Läufern ausgelegt ist. Von hier nehmen der Reichsverweser und der Führer den Vorbei­marsch ab.

Eintreffen der Ehrengäste.

Um 9 Uhr schon sind sämtliche Zuschauertribllnen mit Ausnahme der Regierungstribüne voll besetzt. Aber schon kurz danach treffen auch die führenden Männer des Staates und der Bewegung, Generale und Admirale, die Mitglieder des Diplomatischen Korps, die Militär-, Marine- und Luftfahrtattachss aller auswärtigen Mächte und die vielen anderen Ehrengäste ein. Das Bunt der Uniformen beherrscht das Bild. Vor den Tribünen haben die an der Parade nicht teilnehmenden Offiziere aller drei Wehrmachtsgattungen Aufstellung genommen.

Berlin, 25. Aug. (Funkmeldung.) Am Donnerstagfrüh begab sich der ungarische Reichsverweser Admiral von Horthy mit seinem Gefolge zum Ehrenmal Unter den Linden, um dort für die gefallenen Helden des Weltkrieges einen Kranz niederzulegen. Kurz nach 9 Uhr kündeten laute Heilrufe vom Brandenburger Tor her das Eintreffen der Wagenkolonne mit dem Reichsverweser und seinem Gefolge an. Der Präsentier­marsch klingt auf. Der Kommandant von Berlin, General­leutnant Seifert, meldet Admiral von Horthy das an­getretene Ehrenbataillon. Unter den Klängen der ungarischen Nationalhymne schreitet der Reichsverweser in Begleitung des königlich ungarischen Gesandten Feldmarschalleutnant Dome Sztojai, Feldmarschalleutnant Jany, Oberstleutnant Hardy sowie des weiteren militärischen Gefolges und der Mitglieder des Ehrendienstes die Front ab.

Kurz vor 10 Uhr treffen ein: Der ungarische Gesandte, Feldmarschalleutnant Sztojai, der Feldmarschalleutnant I a n y i, Oberstleutnant Hardy, die von den militärischen Mitgliedern des Ehrendienstes auf ihre Plätze geführt werden. Ferner treffen ein der ungarische Ministerpräsident von I m - redy, Außenminister vonKanya, der ungarische Wehr­minister General von Ratz sowie die weitere Begleitung des Reichsverwesers. Die Mitglieder der Reichs­regie r u n g und des Diplomatischen Korps haben ihre Plätze auf der Süd-Tribüne gegenüber dem Führerpodium. Für die Angehörigen der Berliner ungarischen Kolonie ist ein eigener großer Block der Tribüne reserviert.

General von Witzleben meldet die Paradeaufstellung.

Der F ü h r e r hat jetzt den ungarischen Reichsverweser vom Hause des Reichspräsidenten abgeholt und ist unter dem Jubel der Menge die Linden entlang durch das Brandenburger Tor gefahren. Am Hindenburg-Platz meldet, während die Truppen in der ganzen Front präsentieren, der Kommandierende General des III. Armeekorps, General der Infanterie von W i tz l e b e n, dem Führer und seinem hohen East die P a - radeaufstellung.

Der Führer und sein Gast fahren die Front ab.

Der Reichsverweser und der Führer fahren nun, umbrandet von den Jubelstürmen der Menge, die zu beiden Seiten die Straße einsäumt, langsam die lange FrontderTruppen ab. Die Welle der Heilrufe, in die sich auch die Eljen-Rufe der Ungarn mischen, setzt sich fort bis zu den Tribünen und weit darüber hinaus. Während der ganzen Fahrt erweisen die Truppen die Ehrenbezeigung durch Präsen­tieren, die Musikkorps spielen Präsentiermärsche.

Pünktlich um 10 Uhr trifft die Wagenkolonne auf dem Paradeplatz ein, im ersten Wagen der Führer, rechts von ihm Reichsverweser von Horthy in Admiralsuniform. In einem weiteren Wagen folgen, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Eeneralfeldmarschall Göring, der sich ebenso wie der Ober­befehlshaber der Wehrmacht, Generaloberst v. Brauchitsch,

(Fortsetzung auf Seite 3.)

Nun hört man die getragenen Klänge des Liedes vom guten Kameraden, die Standarten senken sich und die Hände recken sich zum Deutschen Gruß. Admiral von Horthy und seine Begleitung begeben sich zur Kranzniederlegung in das Ehren­mal. Zwei Unteroffiziere des deutschen Heeres tragen den schweren Bronzekranz, der in erhabenen Lettern die Inschrift trägt:Den gefallenen Helden des ruhmreichen deutschen Heeres. Nikolaus von Horthy, Reichsverweser des Königreiches Ungarn". Nach einigen Minuten stillen Gedenkens verläßt der Admiral das Ehrenmal und begrüßt die ange­tretenen kriegsoerletzten Frontkämpfer mit Handschlag.

Inzwischen hat sich das Ehrenbataillon zum Vorbeimarsch formiert, der nun in mustergültiger Disziplin erfolgt. An­schließend besteigt Admiral von Horthy mit Generalleutnant Seifert den Wagen, um unter den Heilrufen der Massen zum Hause des Reichspräsidenten zurückzusahren.

Zwischen den Messen.

Von Willi Pempel.

Die deutschen Messen erfüllen eine wichtige Aufgabe innerhalb der deutschen Volkswirtschaft. Darüber hinaus fördern sie aber auch die wechselseitigen Handelsbeziehungen zwischen den Ländern. Und gerade deshalb ist ihre Auf­gabenstellung in diesem Jahre besonders bedeutungsvoll. Es ist ja nicht unbekannt, daß es immer wieder ausländische Kreise gibt, die uns vorwerfen, durch unsere Wirtschaftspolitik neue Unruhe in die Entwicklung der Weltwirtschaft zu tragen. Erst kürzlich hat der amerikanische Staatssekretär Hüll diese Meinung vertreten und Reichswirtschaftsminister Funk hat in seiner Eröffnungsrede zur 26. Deutschen Ostmcsse in Königsberg ausgesührt, daß die gegebenen Tatsachen diese An­sicht widerlegen. Deutschlands Handelsabkommen der jüngsten Zeit haben ohne Ausnahme eine Erhöhung des Handels­volumens, gebracht und die starke Beteiligung des Auslandes an der Ostmesie beweist ja wohl zur Genüge, daß die Länder, die ihre Waren dort ausstellen, bereit sind, mit uns Handel zu treiben und darüber, hinaus überzeugt sind, daß das für sic auch von Vorteil ist. Diese Staaten haben zum über­wiegenden Teile mit uns Verträge abgeschlossen, durch die eine Erhöhung des gegenseitigen Güteraustausches sicherge­stellt ist. Es ist doch immerhin bezeichnend für die Werbe- kraft der Ostmesse, daß gegenüber nur zwei ausländischen Staaten, die im Jahre 1932 in Königsberg vertreten waren, diesmal 13 Staaten, unter ihnen Norwegen erstmalig, an der Mesie beteiligt waren. Das sollte den ausländischen Kreisen, die immer und immer wieder versuchen, uns auch in wirt­schaftlicher Beziehung Schwierigkeiten zu machen und uns zu diffamieren, doch zu denken geben.

Die 26. Deutsche Ostmesse hat am Mittwoch ihr Ende er­reicht und bereits am Sonntag beginnt dann der Messebetrieb in Leipzig. Es ist die erste großdeutsche Messe, die die Reichsmessestadt sieht und es ist klar, daß die Wieder­vereinigung Österreichs mit dem Reich auch der Leipziger Meße neue Aufgaben stellt. Wien hat ja als Mesieplatz für den Ostraum von jeher eine wichtige Rolle gespielt und es könnte die Frage auftauchen, ob der Platz Leipzig durch die Abhaltung der Wiener Messe, die im September stattfindet, nicht irgendwie beeinträchtigt werden könnte. Das ist iedoch nicht der Fall, wie überhaupt jede Rivalität zwischen den Mesieftädten dadurch beseitigt ist, daß der W e r b e r a t der deutschen Wirtschaft eine Regelung dahingehend ge­troffen hat, daß Leipzig als einzige deutsche W c l t - messe im Vordergrund stöhen bleibt. Die Kölner Messe wird vor allem für den westeuropäischen Raum, die Messe in Königsberg für die Ostseestaaten und Polen von Bedeu­tung sein. In Zukunft wird Breslau im Frühjahr und Wien im Herbst Messen durchführen, so daß auch hier der gesunde Ausgleich gewahrt ist. Eine gewiße Verschiebung im Auslandsbesuch Leipzigs wird in diesem Jahre dadurch fest­zustellen sein, daß die rund 500 österreichischen Aussteller ja letzt Inlandsaussteller geworden sind. Berücksichtigt muß auA werden, daß die rund 900 Aussteller, die aus der Tschecho-skowakei den Leipziger Markt beschicken durch di« wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrem Lande gchandicapt sind. Weiterhin ist natürlich auch zu berücksichtigen, daß die wirt­schaftliche Umstellung in der Ostmark noch in vollem Gange

von Horthy ehrt die gefallenen Helden des deutschen Heeres