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Wiesbadner Tagblatt

Erscheinungszeit:

Nr. 195.

Montag, 22. August 1938,

86. Jahrgang

Symbol der deutsch-ungarischen Freundschaft.

Fast alle Einheiten der deutschen Kriegsmarine im Kieler Hafen versammelt

Vuillemin wieder in Paris

der

Prinz Eugen.

(Weltbild, K.)

der

Das Reich als Träger der gesamtdeutschen Geschichte

Wöchentlich

mit einer täglichen

Die Stationsjacht „Nixe" machte an der Anlegebrücke der Eermania-Werft fest. Der Reichsverweser mit seiner Gattin und der Führer und Reichskanzler betraten das Werft- aelände. Der Kommandant der Befestigungen der westlichen Ostsee, Konteradmiral Mewis, erstattete Meldung.

Dr. Krupp von Bohlen und Halbach meldete dem Reichsverweser und dem Führer den Neubau Kreuzer „I“ fertig zum Stapellauf. Jetzt trat Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart vor das Mikrophon, um dem deutschen Schiffe die Weiherede zu halten. In diesem Augenblick schlug eine WogederBegeisterungüberallenKöpfen zusammen. Minutenlange Stürme des Jubels und der Verehrung branden zum Reichsoerweser und zum Führer hinauf, bis Dr. Seyß-Jnquart das Wort nehmen kann.

Nachdem Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart geendet hatte, trat Frau von Horthn vor und spricht die Worte: „Ich taufe dich auf den Namen „Prinz Engen".

Das Klirren der am Bug des jüngsten Schiffes der Kriegsmarine zerschellenden Flasche vereinte sich mit den Jubelrufen der Zehntaufende. Die Haltevorrichtunaen lösten sich. Begeistert stimmten alle in das dreifache Siegheil ein.

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und den hohen Wert ihrer Besatzung. Wir wünschen, daß sich die Bande der Freundschaft, die durch General Milch bei seinem Besuch in Paris geknüpft und durch unseren Aufent­halt in Deutschland verstärkt worden ist, erhalten i n d e r Atmosphäre guter Nachbarschaft unserer Völker.

Am Samstag hatte General Vuillemin mit seiner Be­gleitung die Werke der Deutschen Luftfahrtindustrie in Oranienburg besichtigt. Dabei machte er mit Generalmajor Übet zusammen einen Flug im „Fieseler Störch". Den Abschluß der Besichtigung bildete das Vorfliegen des Jagdeinsitzers „H 100“, jenes Rekordflugzeuges, mit dem Generalmajor Übet die als Weltbestleistung anerkannte Durchschnittsgeschwindigkeit von 634,3 über 100 Kilometer er­reichte.

Deutsche Wehrkraft zur See.

Kiel, 22. Aug. (Funkmeldung.) Auf der Eermania-Werft in Kiel-Gaarden erfolgte am Monragvormittag in Gegenwart des Führers und des Reichsverwesers des König­reiches Ungarn, Admiral von Horthy, der Stapellauf des neuen Kreuzers „I“ der deutschen Kriegsmarine. Die Tauf­rede hielt Reichsstatthalter Dr. Seyß-Jnquart. Die Gattin des Reichsverwesers, Frau von Horthy, taufte den Kreuzer auf den Namen „Prinz Eugen". Rach dem feier­liche» Taufakt lief das Schiff unter dem Jubel der Menge glatt von Stapel.

Die Kieler Förde bot am Montagmorgen in strahlendem Licht der von wolkenlos blauem Himmel leuchtenden Sonne ein stolzes Bild: Fast die gesamte deutsche Kriegs­flotte lag im Kriegshafen vor Anker, verkörpertes Sinn­bild deutschen Wehrwillens zur See. Von den großen Ein­beiten waren vertreten das Schlachtschiff „Eneisenau“, die Panzerschiffe „Deutschland", „Admiral Graf Spee", und „Admiral Scheer", ferner die Kadetten-Schulschiffe „Schlesien" unh „Schleswig-Holstein", die Kreuzer „Nürnberg", „Leipzig", „Köln", „Königsberg". Man sah weiter die schlanken Schiffs­körper zahlreicher Zerstörer, Torpedoboote und Hilfsschiffe. Strahlend weiß hob sich der Aviso „Grille" von dem Grau her Eroßkampfschiffe, der Zerstörer unh Tordepoboote ab. Male­risch der Anblick der drei Segelschulschiffe der Kriegsmarine „Horst Wessel", „Eorch Fock" und „Albert Leo Schlageter"^ Räumboote, Schnellboote, Floltenbegleiter vervollständigten das eindrucksvolle Bild deutscher Wehrkraft zur See.

Eine erwartungsfrohe Menge.

Schon viele Stunden vor dem Stapellauf füllte stch das Gelände der Eermania-Werft mit einer erwartungs­frohen Menge. Zu beiden Seiten des stolzen Neubaues, dessen schmissiger Bug Girlanden umwanden, hatten Offiziers- abordnungen der Kriegsmarine, Ehrenformationen her Par­tei, Kriegsopfer und Opfer der Arbeit Aufstellung genommen. Dahinter drängten sich viele Tausende, unter denen man vor allem auch die Gefolgfchaftsmitglieder der Bauwerft sah. Von einem der hohen Hellinggerüste leuchtete das Hoheitsabzeichen des Reiches. 40 Meter weit breitete der goldene Reichsadler seine Schwingen, symbolhaft den Sinn dieses Neubaues der deutschen Kriegsmarine kündend: Schuh und Wehr zu sein für Deutschland und seine friedliche Aufbauarbeit.

Viel zu klein ist das Werftgelände, um die Massen auf­zunehmen. So waren denn auch die Uferstraßen gegenüber der Bauwerft dicht gefüllt. Eine Ehrenkompanie der 3. Marinelehrabteikung mit Musik- und Spielmannszug war am Bug des Neubaues aufmarschiert. Längs der Backbord­seite hatten je eine Kompanie der 1. Marine-Artillerie-Abtei- lung, der 1. Schiffs-Stamm-Abteilung, der 3. Schiffs-Stamm- Abteilung und des Luftkommandos See, dahinter eine Kom­panie des Sperrversuchskommandos und zwei Kompanien der Schiffs-Artillerie-Schule Aufstellung genommen. Ehren­formationen aller Gliederungen der Bewegung füllten den Raum längs der Steuerbordseite.

Triumphfahrt durch die Strahen Kiels.

Als kurz nach 9 Uhr die auf der ganzen Länge vom Hauptbahn Hof bis zur Bellevue-Brücke aufge­stellten zahllosen Lautsprecher die Ankunft des Führers und bald darauf das Eintreffen feiner hohen Gäste ankündeten, bemächtigte sich bei Zehntaufenbe in ben Durchfahrtsstraßen gespannte Erwartung. Die Fahrt des Reichsverwesers und des Führers durch die Straßen der Kriegsmarine-Stadt, ent­lang an dem mit überwältigender Schönheit ausgeschmückten Hindenburg-Ufer, gestaltete sich zu einer ‘ wahren Triumphfahrt, zu einem symbolhaften Bekenntnis der aufrichtigen Freundschaft zweier den Frieden der Achtung und der Ehre erstrebenden Völker. Ununterbrochen hallten Heil­rufe dem Reichsverweser und seiner Gemahlin und dem Führer entgegen. Mit diesen freudigen Kundgebungen kam das tiefverankerte Freundschaftsgefühl des gesamten deutschen Volkes zur ungarischen Nation zum Ausdruck.

Ehrensalut der Kriegsflotte.

An der Bellevue-Brücke bestiegen der Reichsverweser und seine Gattin und der Führer und Reichskanzler mit Beglei­tung die Statio^isjacht „Nixe". In diesem Augenblick gingen auf der „Nixe" und gleichzeitig auf dem Aviso „Grille" die Standarten des Re'ichsverwefers und des Führers loch. 21 Schuß Salut der deutschen Kriegsflotte donnerten über di« Wasser der Förde. Während die Be­satzungen Paradeaufstellung genommen hatten, fuhr die Stationsjacht „Nixe" mit dem Reichsverweser und dem Führer an Bord, an den im Hafen liegenden Kriegsschiffen vorbei und nahm dann Kurs auf die Anlegebrücke der Eermania-Werft.

Zehntausende verfolgten an beiden Ufern der Förde das erhebende Geschehen, das Zeugnis ableat von der zwingen­den Stärke und Harmonie, die das nationalsozia­listisch« Deutschland mit der ungarischen Nation verbindet.

Taufrede Dr. Seyh-Jnquarts.

Anläßlich des Stapellaufes des neuen Kriegsschiffes hielt Reichsstatthalter Dr. Seys-Jnquart folgende Rede:

Als im März dieses Jahres durch Ihren Entschluß und durch den von Ihnen aufgerusenen einigen Willen der Nation das tausendjährige Wollen des deutschen Volkes zur Wirklich­keit wurde und das größere Deutschland geschaffen war, be­schlossen Sie, dem heute vom Stapel laufenden Kreuzer einen Namen aus der gesamtdeutschen Geschichte zu geben. Ihre Wahl traf „Prinz E u g e n".

Mein Führer, mit diesem Ramendes Reichsfeldmarschalls rufen Sie jene deutsche Vergangenheit als Zeugen für das Werk der Gegenwart auf, in der es Deutschland in seiner Ge­samtheit war, das den Vernichtung bedeutenden Ansturm des Ostens gegen das Abendland endgültig abwehrte, zugleich aber seine die christliche Kultur schützende Existenz gegen die An­griffe eines allerchristlichen Königs verteidigen mußte. Es waren die gutgesinnten Staaten Mitteleuropas, die in richtiger Erkenntnis ihrer unlösbaren Schicksalsgemeinschaft mit dem Deutschen Reich gingen zum eigenen Wohl und zur Befreiung der Donauoölker, auf daß diese in diesen Gemeinschaftskreis eintreten konnten.

Fürstengeschlechter und Staaten wurden damals zum Werk­zeug des Schicksals; doch durch ihre eigenen Interessen begrenzt und solcher Art in immer neue innere und äußere Gegensätze geworfen, gelang es ihnen nicht, aus bei Enge ihrerZielsetzung das Werk zu vollenben; ihre Bestimmung blieb, Wegbereiter für die Zukunft zu sein. Das Volksdeutsche Reich, aufgebaut auf den Willen jedes einzelnen Volksgenossen, eingewurzelt als erste und heiligste Aufgabe in das Herz jedes Deutschen, zu­gleich Hort der Ehre, der Freiheit und des inneren und äußeren Friedens der Nation, ist Ihre Tat, mein Führer, als Einiger und Vollender des Reiches.

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wt. General Vuillemin ist ant Sonntagmittgg wie- in Paris eingetroffen. Der deutsche Botschafter und mehrere höhere französische Offiziere empfingen ihn auf dem Flugplatz. In einem Telegramm an Generalfeld­marschall Hermann Göring sprach er seinen Dank für die herzliche Gastfreundschaft und seine Bewunderung für die Lei st ungen der deutschen Luftwaffe'aus. Bor dem Verlässen der Reichshauptstadt äußerte er einem Vertreter der „Essener Nationalzeitung" gegenüber, daß er es als eine große Ehre empfunden habe, vom Reichskanzler Adolf Hitler empfangen worden zu sein. Die Stunden in Karinhall seien für ihn eine unvergeßliche Erinnerung. „Wir", so sagte er, „bewundern die Luftwaffe des Reiches

Mein Führer:Die Ostmark dankt Ihnen für diese Wahl. Denn Prinz Eugen ist der Schlachtruf jenes Österreich gewesen, das in voller Erfassung seiner gesamtdeut­schen Ausgabe damals Bannerträger des Reiches war und sein Heldenzeitalter erlebte.

Der aus dem Hause Savoyen Entsprossene und in deutsches Wesen eingegangene Feldherr und, Staatsmann war aber nicht nur deutsches Schicksal, er war Wegbereiter bei europäischen Mitte. Zu tiefst überzeugt von bei un- trennbaien Schicksalsgemeinschaft bie|es Raumes, ahnte er bas letbvolle Schicksal der Zerwürfnisse und versuchte die ordnenden Linien für die gemeinsame Zukunft zu ziehen.

Wir sind in diesem Raume zusammengedrängt und müssen uns, so wie einst zu Prinz Eugens Zeiten, ebenso der über­lebten Führungsansprüche älterer Staatsgebilde auf geistigem, wie politischem Gebiet erwehren, wie wir gleichzeitig die bas Abendlanb mit Vernichtung bebrohenben Angriffe des Ostens abzuwehren haben. Wir alle wollen, daß die Nationen dieses Raumes ihr Schicksal eigenständig bestimmen und in gemein­samer Arbeit ihr Dasein gestalten in Ordnung des gegebenen Lebensraumes und in gegenseitiger Achtung des Volkstums.

Mit dem Namen des Reichsfeldmarschalls grüßen wir eine Vergangenheit gemeinsamen Stolzes und grüßt uns die Heldenzeit gemeinsamen nationalen Wollens.

Darum sind wir glücklich, daß gerade in dieser feierlichen Stunde Seine Durchlaucht der Reichsverweser des Königreiches Ungarn mit Ihrer Durchlaucht Frau vonHorthyin unserer Mitte weilt.

Wir grüßen Seine Durchlaucht als den ruhmvollen Flottenchefder k. u. k. österreichifch-ungarischen Flotte, in der Schiffe mit dem Namen „Prinz Eugen" ehrenvoll gekämpft haben.

Der Kreuzer gleite in sein Element, ein Symbol bef Stärke, zugleich ein Hort bet Ehre unb bes Friedens, für all«, die guten Willens sind.

ß Werktäglich nachmittags.

v Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Soun. u. Feiertags.

Unterhaltungsbeilage. ®etIina $nt0: B-rstn-Wumer-d-m.

wt. Prinz Eugen von Savoyen, auf dessen Namen neue deutsche Kreuzer in Kiel getauft wurde, ist als Feldherr berühmt geworden durch seine Siege Über die Türken beim Entsätze Mens, in den Schlachten bei Zenta, Peter- wardein und Belgrad um die Wende vom 17. zum 18. Jahr­hundert. Die Erinnerung an den österreichischen Feldmarschall lebt besonders in dem bekannten Volksliede „Prinz Eugen, der edle Ritter" fort. 1703 übernahm er das Präsidium bes Hofkriegsrates, war bis 1724 Statthalter der österreichischen Niederlande unb erster Ratgeber des Kaisers. Seine Tatkraft und sein politischer Scharfblick machten ihn zu einem bet her- vorragenbsten Staatsmänner. In einer Zeit der politischen unb kulturellen Abhängigkeit von Frankreich ist ber kriegs­erprobte Held jederzeit für ein beutsches Nationalbewußsein unb seine Geltendmachung in ber europäischen Politik ein- getreten. Die 200jährige Wieberkehr seines Todestages vor 2 Jahren bot bereits Gelegenheit seiner besonderen Verdienste in dieser Hinsicht zu gedenken.