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Nr. 193.
Freitag, 19. August 1938.
86. Jahrgang.
Lord Runciman bei Henlein.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
teilung über die Unterredung auf Schlag Rotenhaus: „über den Inhalt der Aussprache wird strengstes Stillschweigen bewahrt, so daß alle darüber geäußerten Vermutungen nur haltlose Kombinationen darstellen können." Man wird also wohl besser tun, nähere Nachrichten aus völlig einwandfreier amtlicher Quelle abzuwarten.
Vorschläge Lord Runcimans.
Rotenhaus und Brür.
08.-Auf dem Besitz des Fürsten Max Egon Hohenlohe auf Schloß Rotenhaus hat gestern eine entscheidungs- völle 1Z4stündige Unterredung zwischen Konrad H e n l e in und Lord Runciman stattgefunden. Am gleichen Tage ist es in unmittelbarer Nähe des Schlosses, in Brüx, zu den sch w e rsten tschechischen Ausschreitungen gegen Sudetendeutsche seit langer Zeit gekommen. Sprechchöre „Es lebe Moskau" und „Uns schützt Moskau" gaben das Relief zu dieser „würdigen" Kundgebung des tschechischen kommunistischen Pöbels. Das Echo dieser beschämenden Vorfälle ist auch bis Schloß Rotenhaus gedrungen, denn während die englischen Herren mit den deutschen Vertretern konferierten, erschienen drei Abgesandte der deutschen Bevölkerung in Brüx auf Schloß Rotenhaus. Sie wurden von den Begleitern Lord Runcimans empfangen und konnten aus ihrem eigenen unmittelbaren Erleben heraus eine Darstellung der Lage der deutschen Bevölkerung in Brüx geben, die auf die englischen Politiker starken Eindruck gemacht haben soll. Die Vorfälle in der Nähe von Schloß Rotenhaus in Brüx sind symbolisch dafür, wie haft sich auf engem Raum die eh r l i ch e n Wünsche um eine vernünftige und friedliche Lösung des tschechischen Nationalitäten-Problems mit den Äußerungen einer hoffnungslosen, verbohrten Unnachgiebigkeit berühren. ‘ Aber man hat aus allen einlaufenden Berichten den deutlichen Eindruck, daß das tschechische Problem jetzt wirklich seiner Entscheidung ent- aegengeht. Dabei ist von Seiten der Sudetendeutschen alles Notwendige bereits gesagt worden. Durch ihre disziplinierte Haltung, durch das maßvolle ihrer Forderungen — die Polen und die Ungarn in der Tschecho-Slowakei nehmen bekanntlich einen weit schärferen Standpunkt ein — können sie auf wichtige politische Voraussetzungen Hinweisen, denen die Tschechen nunmehr erst einmal etwas gleichwertiges gegenüberstellen müssen. Es würde nur den berechtigten deutschen Erwartungen entsprechen, wenn dieser Eindruck auch das Ergebnis der" bisherigen Feststellungen Lord Runcimans wäre. Eine amerikanische Nachrichtenagentur verbreitet bereits aus angeblich gut unterrichteter Prager Quelle die Meldung, Lord Runciman solle nach der ersten großen Konferenz mit Konrad Henlein der Auffassung sein, daß ein Kompromiß zwischen den Forderungen der sudetendeutschen Partei und den Zugeständnissen der Prager Regierung nur gefunden werden könnte, wenn die Prager Regierung wesentlich über die Konzessionen hinausgehe, welche sie in den bisherigen Entwürfen den Sudetendeutschen einräumen will. Schließlich soll Lord Runciman die Absicht haben, bereits heute in diesem Sinne dem tschechischen Ministerpräsidenten Bericht zu erstatten. Anderseits schreibt das Hauptorgan der Sudetendeutschen Partei „Die Zeit" am Schluß ihrer Mit-
Prag, 18. Aug. Über die Zusammenkunft zwischen Konrad Henlein und Lord Runciman auf Schloß Rotenhaus wurde von der Kanzlei Lord Runcimans folgende Mitteilung ausgegeben:
„Heute, den 18. August, früh, fuhr Lord Runiciman begleitet von Lady Runciman und Mr. Peto und Ashton Ewatkin, nach Schloß Rotenhaus bei ELrkau, dem Sitz des Prinzen Max von Hohenlohe-Langenburg, wo er mit Konrad Henlein und den SDP.-Abgeordneten Frank und Kundt zu- fammentraf. Es wird erwartet, daß Lord und Lady Runciman heute abend nach Prag zurückkehren werden, um an dem Diner in der britischen Gesandtschaft teilzunehmen."
Wie verlautet, beabsichtigt Lord Runciman, in absehbarer Zeit sowohl der Prager Regierung als auch der Sudetendeutschen Partei ein Elaborat zu unterbreiten, welches Vorschläge zur Lösung der tschecho-slowakischen Frage auf Grund seiner bisherigen Studien und Erfahrungen zum Gegenstand hat. Wann dos Elaborat, an dem bereits gearbeitet wird, fertiggestellt sein wird, steht noch nicht fest. Auch über den Inhalt ist nichts bekannt.
Das Auslandsecho zur Zusammenkunft.
London, 19. Aug. (Funkmeldung.) Die gestrige Besprechung zwischen Lord Runciman und Konrad Henlein findet in der Londoner Freitagmorgenpresse starke Beachtung. Doch sind die Zeitungen nur auf Vermutungen über den Inhalt der Besprechungen angewiesen. Im übrigen finden die Kommentare der deutschen Presse zum sudetendeutschen Problem große Aufmerksamkeit.
Paris, 19. Aug. (Funkmeldung.) Sämtliche Pariser Morgenblätter veröffentlichen in großer Aufmachung die Meldung von der Zusammenkunft zwischen Konrad Henlein und Lord Runciman. Während di« Londoner Berichterstatter und diejenigen Leitartikler, die ihre Informationen vorwiegend aus England beziehen, bei ihrem Eingehen auf die noch nicht aufgeräumten Schwierigkeiten noch einen gewissen Optimismus an den Tag legen, sind die von Prag her orientierten Auslastungen gewister französischer Blätter absolut pessimistisch.
WM-Mln für WM?
Eine aufsehenerregende Rede Roosevelts.
wt. Wie aus Kingston in Ontario gemeldet wird, hielt Präsident R o o s e v e I t bei der Verleihung des Ehrendoktors durch die Queens-Universität vor den versammelten Fakultäten und in Anwesenheit der höchsten kanadischen Be- amten, darunter der Premierminister Mackenzie, King, eine Rede, die in Kanada und in den USA. gewaltiges Aufsehen erregt, weil sie eine Ausdehnung der Monroe-Doktrin auf das bisher von der panamerikanischen Union abseitsstehende Kanada bedeutet. Präsident Roosevelt, der Kanada der bedingungslosen Freundschaft der Vereinigten Staaten versicherte, führte u. a. aus: USA. und Kanada seien wahre Freunde, da beide Nationen ihre Rechte mit Offenheit wahrten und sich keine von beiden der Schliche der Geheimdiplomatie bediene. Beide Länder legten ihre Streitfragen durch Beratungen bei. — Dabei äußerte sich Roosevelt im Sinne der Ausführungen seines Außenministers Hüll vom Dienstagabend, die wir gestern bereits eingehend würdigten. _ ,
Der Präsident schilderte dann den engen Zusammenhang der Nationen des amerikanischen Erdteils mit den Vorgängen in anderen Ländern., Dor einigen Tagen, so führte er an, sei ein glücklicherweise unwahres Gerücht in die Welt gerast. (Gemeint ist der Schangfen g -K onfl i k t. — Die Schriftleitung.) Es Sde geheißen,'daß Armeen, die sich in bedauerlicher Aufstel- ig gegenüberständen, in Bewegung gesetzt werden sollten. In wenigen Stunden habe sich die Wirkung dieses Gerüchtes in Montreal, New Poft, Ottawa, Washington, San Francisco ufw. bemerkbar gemacht. Kanadische und amerikanische Geschäftsleute hätten es in gleichem Maße gespürt und sich gewundert, inwieweit ihr eigenes Leben betroffen wurde. Dies heweise, daß die amerikanischen Länder nicht mehr ein ferner Kontinent seien, für den die Strudel der Kontroversen jenseits der Meere kein Jntereste hätten oder dem sie nichts anhaben könnten. „Wir sind in den amerikanischen Ländern ein Faktor geworden, mit dem jeder Eeneralstab jenseits der Meere rechnen muß." Roosevelt verwies dabei auf den riesigen Umfang der Naturschätze Amerikas, auf die K r oft seiner Wirtschaft und die Zahl der Bevölkerung. „Dies alles hat die amerikanischen Länder zu lebenswichtigen Faktoren im Weltfrieden gemacht, und zwar, ob wir wollen oder nicht." Das kanadische Dominium sei ein Teil der Schwesternschaft des Britischen Reiches. „Ich gebe Ihne« die Versicherung, daß das Volk der Vereinigten Staaten nicht müßig dabeistehen wird, wenn die Beherrschung kanadischen Bodens durch ein anderes Reich droht." Dieser Erdteil solle eine starke Burg bleiben.
Von Kingston aus begab sich Roosevelt zur Eröffnungsfeier der internationalen Brücke über die Tausend Inseln des St. Lorenzstromes, wo er sich in kurzer Ansprache für sein Lieblingsprojekt, den Ausbau des St. Lorenzkanals, einsetzte, das von selbstsüchtigen monopolistischen Jnteresten bislang verhindert worden sei.
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Ein Kampfgenosse des Führers.
Julius Schaub 40 Jahre alt.
Berlin, 19. Aug. (Funkmeldung.) Der langjährige treue Begleiter und Adjutant des Führers, Partei- genoste Julius Schaub, vollendet am 20. August sein 40. Lebensjahr.
Julius Schaub gehört seit 1925 zur ständigen BegSeitung des Führers. Bis zum 9. November 1923 setzte er sich in München im Stoßtrupp Adolf Hitler unerschrocken und tatkräftig für die Bewegung ein. Er wurde darauf zu einem Jahr drei Monaten Festung verurteilt und teilte 6 Monate lang mit dem Führer die Festungshaft in Landsberg am Lech.
Julius Schaub hat -wie kaum ein zweiter die deutsche Geschichte der letzten 18 Jahren miterlebt. Er hat Freud und Leid der Zeit des Kampfes und des Sieges mit dem Führer geteilt. Bei allen Wahlkämpfen und Deutschlandflügen des Führers, in den schweren Tagen vor der MachtübernÄfme, in den großen Stunden der Bewegung, und in den stolzesten Augenblicken des nationalsozialistischen Deutschlands, bei der Befreiung von Rhein und Saar und bei der Heimkehr der Ostmark, auf allen Reichsparteitagen und bei allen erhebenden Kundgebungen der letzten Jahre — stets war Julius Schaub an der Seite des Führers mit dabei. So verkörpert er selbst ein Stück Geschichte der NSDAP, und des neuen Deutschlands.
General Vuillemin beim Führer.
Berlin, 18. Aug. Der Führer und Reichskanzler hat heute Mittag den Chef des Generalstabes der französischen Luftwaffe, General Vuillemin, empfangen.
Am Vormittag war General Vuillemin mit General d'Astier und den übrigen Offizieren seiner Begleitung zusammen mit Staatssekretär der Luftfahrt, General der Flieger Milch, dem Chef des Technischen Amtes im Reichslustfahrtmmisterium, Generalmajor Übet, vom Flughafen Tempelhof nach Magdeburg geflogen. Nach einer kurM Rundfahrt durch den Horst der Fliegerschule fand eine Besichtigung vom Junkers-Motorenbau in Magdeburg, der Junkers-Flugzeug- und Motorenwerke- AG. unter Führung von Generaldirektor Koppenberg statt.
In Karinhall.
Berkin, 18. Slug. Der Chef des Generalstabs der franzö- pschen Luftwaffe «Äneral Vuillemin folgte am Donnerstag
mittag mit General d'Astier und den übrigen Herren seiner Begleitung einer Einladung des Eeneralfeldmarschalls Göring nach Karinhall.
Beim Frühstück wechselten Generalfeldmarschall Göring und General Vuillemin herzliche Trinksprüche.
Namens der französischen Luftwaffe überreichte General Vuillemin dem Feldmarschall das französische Militärflieger - Abzeichen. Generalfeldmarschall Göring zeichnete die französischen Gäste durch die Verleihung des deutschen Fliegerabzeichens aus.
Die „Monroe-Doktri n", nach der Botschaft des 5. Präsidenten der Vereinigten Staaten James Monroe vom 2. Dezember 1823 so genannt, verfolgte ursprünglich den Zweck, den europäischen Mächten die weitere Erwerbung amerikanischen Kolomalgebietes und die Einmischung in die inneren Streitigkeiten unabhängiger amerikanischer Staaten nicht mehr zu gestatten. Andererseits wollte auch die Union nicht in die Streitigkeiten Europas eingreifen. Anlaß zu ihrer Verkündung bot der im Jahre 1821 erhobene Anspruch Rußlands auf die Nordwestküste Nordamerikas und die gefürchtete Intervention der Heiligen Alliance zur Wiederunterwerfung der aufständischen spanischen Kolonien in Süd- und Mittelamerika.
Die Stephansseiern in Ungarn.
Der ungarische Reichsverweser, der in Kürze Deutschland besuchen wird, bei seinem Besuch der heiligen Sankt» Stephansburg, des Geburtsortes des ersten ungarischen Königs. (Weltbild, Ä.)
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