Wiesbadener Tagblatt
Erscheinungszeit:
86. Jahrgang
Montag, 15. August 1938
Nr. 189,
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UnterhaltnngSberlage.
Wie am Schnürchen.
Der Retter Ungarns.
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Condor wieder in Berlin
Die kühnsten Erwartungen übertroffen
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Von Fritz Günther.
Eine der ragenden Gestalten politischer Staatskunsi, di« als wahre Führer eines Volkes mit soldatischem Pslicht- bewutzisein, Gerechtigkeit und. Willensstärke regieren, die ihr Land vom Joche der zerstörenden Elemente des Bolschewismus befreiten und ein Volk wieder zu geschlossener, von velbstver- trauen beseelter Einheit zusammengeschweißt haben, ist Ungarns Reichsverweser Nikolaus Horthy von Nagy- Ha nv. In ihm, der in den nächsten Tagen aus Einladung des Führers und Reichskanzlers Deutschland besucht, verkörpert sich heute die Idee der ungarischen Stephanskrone, die Königtum und Nation vereinigt und als deren erster verantwortlicher Hüter sich der Reichsverweser selbst bezeichnete.
New York—Berlin in 19 Stunden.
Begleitung zahlreicher hoher Offiziere der Luftwaffe, unter ihnen der Chef des Eeneralstabes der Luftwaffe Generalleutnant Stumpff, General der Flieger Witzendorff, der Chef des Technischen Amtes Generalmajor Übet, den Vizepräsident des Reichsluftschutzbundes Generalleutnant von Schröder, den Präsident des Aero-Elubs von Deutschland, von Gronau, den Reichssportführer von Tschammer und Osten, den Berliner Oberbürgermeister Stadtpräsident Dr. Lippert u. a.
Nur mit Mühe konnte man für die offiziellen Persönlichkeiten einen schmalen Durchgang schaffen. Als um 9.57 Uhr die „Condor"-Maschine unmittelbar über dem Vegrutzungs- vodium kreuzte, brandete ihr ein Sturm der Begeisterung entgegen. Das grosse Flugzeug, das Flugzeugkavitan S e n k e steuerte, landete mühelos und glatt. Allgememe Heiterkeit erregte es, als die Leiter angelegt und laut Vorschrift der Zollbeamte auf der Leiter zum Flugzeug kletterte, um, sich von den Ozeanfliegern bestätigen zu lassen, bah ne nichts Zollpflichtiges mitgebracht batten. Vollkommen frisch rasiert und in ibren schmucken Fliegerdreh entstiegen Alfred de/nte, Hauptmann Rudolf von Moreau. Oberfunkermaschinist Paul V i e r b e r g und Oberslugzeugfunker Master Kober der Maschine. Brausende Seilrufe begrühten he. Den Angehörigen der Flieger hatte man den ersten Willkommens- gruh überlassen. Darauf wurden Flieger und ihre Angehörigen zur offiziellen Begrühung auf das Podium geleitet. Im Auftrag des Reichsministers der Luftfahrt. Eeneral- feldmarschall Göring betonte Staatssekretär Milch da« dieser Ohnehaltflug eine erstmalige Leistung in der Geschichte der Luftfahrt darstelle, die um so höher bewertet werden müsse, als sie mit einem im Flugfernverkebr eingesetzten normalen Flugzeug durchgeführt worden sei. Der Eiyenart der Männer und deutscher Gründlichkeit zu Folge sei der Flug still vorbereitet und nicht gross angekundigt worden. Ursprünglich sei zwar ein Flug um die Welt geplant gewesen, aber nachdem der Amerikaner Hughes diesen eher, ausgeführt habe, habe man den Ohnehaltflug Berlin—New York, New York—Berlin an seine Stelle gesetzt.. Fast auf die Minute genau sei der Flug gelungen. Er.se.i ein hohes Lied auf die Kameradschaft zwischen der militärischen und der zivilen Luftfahrt: denn drei der Manner entstammten der Deutschen Lustbansa. einer der Luftwaffe. Die Aufnahme der deutschen Flieger in den Vereinigten Staaten, die Unterstützung und die Anerkennung der Leistung durch die amerikanischen Behörden seien vorbildlich. Er bat den anwesenden amerikanischen Botschafter Wilson für seme Anwesenheit bei dem heutigen Empsang und vor allem für die kameradschaftliche Unterstützung durch die amerikanischen Flieger den herzlichen Dank entgegenzunehmen. Zum Schlüsse verlas (Fortsetzung auf Seite 3).
drucksvoller, als man über den Flug bis zur letzten Mnute vollkommenes Stillschweigen bewahrt habe, schreibt „Paris Soir". Die gesamte polnische Presse berichtet in ausführlichen Meldungen über alle Einzelheiten des Fluges. Die Kopenhagener Presse bringt bebilderte Telegramme mit erläuternden Darstellungen. „Nationaltidende" schreibt, bass selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen worden seien. Mit Stolz könnten die Flieger und die deutsche Luftfahrt die Huldigung der ganzen Welt als wohlverdiente Anerkennung der Männer und der Maschine hinnehmen. „Verlinske Tidende" bemerkt, der erste Routen- flug Berlin—New York—Berlin sei eine phantastische Leistung, die ein grosses neues Kapitel in der Geschichte der Eroberung der Lust emleite. In Amerika hat der Rundfunk seine Hörer von dem Flugverlaus und der glücklichen Landung der „Condor"-Maschine in Kenntnis gesetzt. Der begeisterte Empfang der Flieger wurde eingehend beschrieben.
Zweimal den Ozean überquert. —
wt. Das Focke-Wulf-Flugzeug „Condor" überflog aus seinem Rückflug New York—Berlin am Sonntag- vormittag um 9.57 Uhr den Berliner Flughafen Tempelhof und landete kurz darauf glatt. Der Rückflug erfolgte in der neuen Rekordzeit von 19 Stunden 54 Minuten.
In liebenswürdigster Fürsorglichkeit batten die Amerikaner unseren Fliegern Vorräte mitgegeben, die für die fünffache Zeit gereicht hätten. Wegen der hohen Belastung flog das Flugzeug zunächst drei Stunden lang in 2000 Meter Höhe, ging dann auf 3000 Meter und später aut 4000 Meter, weil dort günstigere Winde angetroffen wurden.
Auf dem Rückflug wurde die südliche, also längere Route gewählt. Die 6600 Kilometer wurden in der Rekordzeit von 19 Stunden 54 Minuten zurückgelegt, d. h. mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 335 Kilometer. Auch auf dem Rückflug war das Wetter grösstenteils gut. über Irland kam das Flugzeug in der Höbe von 4000 Meter in eine Vereisungszone hinein und muhte daher tiefer gehen, um das Eis los zu werden. Der europäische Kontinent wurde bei Irland am Sonntag früh 4.45 Uhr erreicht, und um 8 Uhr wurde die holländische Küste angeflogen.
An den Motoren brauchte nicht einmal eine Kerze ausgewechselt zu werden. Niemals kam auch nur ein Gefühl der Unsicherheit darüber auf, dass man in einem Landflugzeug den Ozean überquerte. Die Gewissheit des Gelingens des doppelten Ozeanfluges war so gross, dass man es nicht einmal für erforderlich gehalten hatte, das Flugzeug zu versichern.
Alles klappte wie am Schnürchen. In regelmässigen Zeitabschnitten trafen in der Reichshauvtstadt die Standord- melbungen ein.
Berlin empfängt die Flieger.
Die Kunde von der Ankunft der Flieger, die man so rasch nicht erwartet hatte, verbreitete sich mit Windeseile tn der Reichshauvtstadt. Trotzdem es um 8 Uhr tüchtig regnete, fanden sich auf dem Flughafen und auf feinen Zufahrtsstrassen lOOOOe begeisterte Berliner ein und die Straßen, durch die die Fahrt der Flieger vom Flughafen zum Hause der Flieger geben sollte, wimmelten von Menschen und trugen reichen Flaggenschmuck. Auf. dem mit. den deutschen und amerikanischen Flaggen festlich geschmückten Flugplatz erschienen gegen 9.30 Uhr die Vertreter der Partei, des Staates, der Wehrmacht und andere führende Männer .aus der Fliegerei. Man sah als Vertreter des Reichsministers der Luftfahrt Generalfeldmarschall Göring den Staatssekretär tm Reichsluftfahrtministerium General der Flieger Milch in
Ehrliche Bewunderung des Auslandes.
wt. Der erfolgreiche Rückflug des deutschen Focke- Wulf-Fluazeuges „Conbor" wird als hervorragende Leistuna der deutschen Luftfahrt auch von oer ausländischen Presse eingehend gewürdigt. Die Londoner Morgenpresse spendet dem Rekordflug des „Condor" von New York nach Berlin uneingeschränktes Lob und größte Bewunderung. Die Blätter widmen der großartigen Leistung des Flugzeuges einen breiten Raum und schildern, durch Bilder illustriert, den begeisterten Empfang der den Luft- hekden in Berlin bereitet wurde. Sie heben dabei hervor, daß der Rekordflug Wiley Posts im Jahre 1933 vorn ..Condor" um sechs Stunden unterboten wurde. Auch die Par i s e r Blatter widmen dem Atlantikflug der „Condor"-Maschine eingehend« Aufmerksamkeit und unterstreichen besonders die hoye Geschwindigkeit auf dem Rückfluge. Diese neue Bekundung der» Fortschritte her deutschen Verkehrsluftsahit sei um|o ein-
Der ungarische Reichsverweser Admiral Nikolaus vo« Horthq.
(Weltbild — Ä.)
Die ungarische Nation mit neuem Leben und einem neuen geistigen Inhalt erfüllt zu haben, der es ihr möglich machte, sich allen Gewalten zum Trotz durchzusetzen, ist [ein besonderes Verdienst. Seiner unbeirrbar zielbewussten Führung und seiner klugen weitausschauenden Politik verdankt Ungarn den Wiederaufbau nach dem vollständigen Zusammenbruch beim unglücklichen Ausgang des Weltkrieges. t <.
Das Diktat von Trianon raubte mit der Zerstückelung der Donaumonarchie Ungarn zwei Drittel seines urfprüngliwen Besitzes. Siebenbürgen, die Bukowina und das Banat wurden ihm entrissen und Millionen von Volksgenossen als nationale Minderheit den Nachbarstaaten unterstellt. Die Moskauer Kommunistenhorden unter der Führung des Juden Bela Khun hatten das ganze Land fast an den Rand des Abgrunds gebracht, als die ungarische Nationalregierung im Jahre 1920 den Admiral Horthy zum Reichsverweser berief, nachdem die Alliierten die Habsburger von der Regierung aus- geschlossen hatten. Als österreichischer Seeoffizier _ und Kreuzerkommandant wurde er bei Kriegsende zum Chef bet österreichisch-ungarischen Kriegsmarine ernannt. Der Sieget in ber Seeschlacht bei Otranto, leitete im Mai 1917 vom Deck seines zusammengeschossenen Schlachtkreuzers „Novara" aus
^ttlnltaetmetfter3 unb Stadloräiident Dr.^Livvert. Generalmajor Übet, Generalleutnant Stumpff, Wolfgang von Gronau. (We.
