WiesbaiknerTagblatt
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Unterhaltungsbeilage. $eritner Mro: Berlin-Wilmersdorf.
Nr. 187.
Freitag, 12. August 1938.
86. Jahrgang.
Berlin-New York.
Friedliche Landeroberung.
Von Heinz Lenhardt.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Rekordflug des „Condor".
ns. Berlin, 12. Slug. Die Ohnehaltiiberfliegung der schwierigsten transatlantischen Strecke der Erde durch das deutsche viermotorige Focke-Wulf-Flug- zeua FW. 2 0 0 „Condor" in der Zeit von etwa 2 5 Stunden auf der Strecke Berlin — New 2)ork ist eine neue fliegerische Großtat, die in der ganzen Welt berechtigtes Aufsehen erregt. Schon die Spannung, mit der man in den Vereinigten Staaten dem Flugzeug entgegensah, und die Begeisterung, mit der man es begrüßte, war ein Beweis dafür, daß man diese Leistung richtig einzuschätzen weiß. Langsamer als auf anderen Flugstrecken der Erde ist hier die Entwicklung vorwärtsgeschritten. Am 22. Juli 1929 erfolgte 400 Kilometer vor New York der erste Schleuderstart von der „Bremen" aus. Das war der Beginn. Der jetzige erste durchgehende Nordatlantikflug von Deutschland nach Nordamerika durch eine Landmaschine, die sich keinerlei Hilfsmittel durch Katapultieren oder Zwischenlandungen bediente, beendet die erste große Etappe in der Erschließung des Atlantischen Ozeans durch das Flugzeug und leitet zu ‘ einem neuen Abschnitt über. Bisher waren, abgesehen von den Zeppelinfahrten, Flugboote die einzigen Träger des Nordatlantik- Verkehrs, die auch voraussichtlich noch längere Zeit die Hauptarbeiten werden leisten müssen. Bei all dem ist festzuhalten, daß es sich vorläufig bei dem Flugverkehr über den Atlantik ja nur um die Beförderung von Post handelt — der Flug Hans Bertrams bildete in dieser Hinsicht eine Ausnahme. Seit 1936 ist es der Deutschen Lufthansa gelungen, mit ständig verkürzten Zeiten diese schwierige Strecke zu fliegen. Damals brauchte die Maschine allein für die Entfernung zwischen den Azoren und New York zwischen 17 und 22 Stunden — heute hat die FW. 200 eine fast doppelt solange Strecke mit einer kaum größeren Flugdauer zurückgelegt. Der gewaltige Fortschritt, der darin zum Ausdruck kommt, ist das Ergebnis unermüdlicher Arbeit und eines hohen fliegerischen Wagemutes. Die neuesten Seeflugzeuge im Nordatlantik-Verkehr sind die seit 1937 in Betrieb befindlichen U.-a-139-Maschinen „Nordmeer" und „Nordwind", in diesem Jahr wird ein drittes Flugzeug derselben, inzwischen aber weiterentwickelten Type herauskommen und schließlich ist für Ende dieses Jahres mit dem Einsatz eines neuen viermotorigen Musters von Dornier zu rechnen. Von fachmännischer Seite ist vor einiger Zeit festgestellt worden, daß damit voraussichtlich die Entwicklung der katapult- 'ähigen Flugzeuge für den Noroatlantikdienst einst
weilen beendet sein dürfte. Das erklärt sich einfach daraus, daß die Anwendung von Katapultstarts bei zunehmender Größe der Flugzeuge einmal eine Grenze finden muß, dann nämlich, wenn wegen der Größe der Flugzeuge die heute vorhandenen Schiffe mit ihren Katapult-Einrichtungen nicht mehr ausreichen. Auch ergäben sich neue Schwierigkeiten, wenn man von der Post- zur allgemeinen Passagierbeförderung übergehen wollte. An diesem Punkt der Entwicklung hat nun die großartige Tat der FW. 200 neue Möglichkeiten aufgezeigt. Die Zuverlässigkeit solcher ganz besonders schwerer mehrmotoriger Flugzeuge, sowie die beträchtlich gestiegenen Geschwindigkeiten — die Flugzeuge von der Type H. a. 139 fliegen mit einer Reisegeschwindigkeit von 235 Kilometer, die WF. 200 hat einen Durchschnitt von 350 Kilometer —, haben das Risiko eines solchen Fluges auf ein Minimum verringert. Ein Passagierverkehr mit Landflugzeugen über den Ozean wird freilich erst in einer fernen Zukunft regelmäßig durchgeführt werden können. In diesem Fall stellt aber der jetzt gelungene Flug Berlin — New York eine Pionierleistung dar, auf deren Erfahrungen — ebenso wie die jetzige Leistung auf früheren Flügen —, jede weitere Arbeit in der Überwindung des Flug- raumes zwischen Europa und Amerika wird aufbauen müssen.
Starke Beachtung in Paris und London.
vt. Die englische Presse bringt dem deutschen Ozeanflug großes Jnteresie entgegen. Sämtliche Londoner Morgenblätter veröffentlichen, nach Funkmeldungen von heute, ausführliche Berichte, in denen die Leistungen der deutschen Flieger und Techniker in allen Einzelheiten geschildert werden. „Daily Telegraph" findet anerkennende Worte für die große Schnelligkeit, mit der die Strecke bewältigt wurde. Das Blatt glaubt, daß England über eine ähnlich leistungsfähige Maschine nicht verfüge. Allerdings feien Modelle im Bau, die wohl nicht hinter der deutschen Focke-Wuif-Maschine zurückblieben. — Auch in der Pariser Presse findet der Flug größte Beachtung. Vor allem imponiert, daß er ohne jede R e - Harne ins Werk gesetzt wurde. „Jour" erklärt, diese Leistung stelle den Beginn einer neuen Ära der Transatlantik - Luftfahrt dar. Das „Journal" spricht öon einem Rekordflug, der bestätige, daß die Zeit der wissenschaftlichen Luftfahrt begonnen habe.
Deutschlandreise Horthys.
Berlin, 11. Aug. 3m Lause des August werden Seine Durchlaucht der Reichsverweser des Königreichs Ungarn vitez
ein Besuch der Reichshauptstadt, der Stadt Hamburg und der Stadt der Reichsparteitage vorgesehen. Der erste offizielle Empfang aus deutschem Boden soll in Wien stattsinden.
Im „Werk des Reichsarbeitsdienstes" in den Haushaltsjahren 1935—36, erschienen im Kurt-Voh- winkel-Verlag, Heidelberg-Berlin, hat Eeneralarbeits- fübrer Tholens als Inspekteur für Arbeitsleitung erstmalig einen amtlichen aktiven Rechenschaftsbericht über die Ergebnisse auf allen Baustellen im Reich erstattet, der einer moralischen Bilanz über die wirtschaftlichen und sozialen Erfolge des RÄD. gleichzusetzen ist. Basierend auf den Ist- und Sollstatistiken einer enorm steigerungsfähigen nationalwirtschaftlichen Produktion weist der Verfasser auf die Grundsätzlichkeit einer staatlich gelenkten Planwirtschaft hin. eine Konzeption, die unter besonderen Blickpunkten die volkswirtschaftlichen Kraftreservoire, bei gleichzeitiger Hervorhebung der in 2 Jahren vollbrachten Landeskulturarbeiten des RAD., anvisiert.
„Die Arbeitsdienstpflicht wird den kommenden Geschlechtern ebenso selbstverständlich und unentbehrlich sein wie die Schul- und Wehrpflicht", hat einmal Reichsarbeitsführer Hier! gesagt, als der RAD. noch nicht integrierender Bestandteil des nationalsozialistischen Erziehungswerkes war. Nun. es ist inzwischen soldatisch gehandelt worden. Der Dienst mit dem Spaten wird alljährlich zum Fronterlebnis der Jugend, die längst ein Bekenntnis zum unzerbrechlichen Lebenswillen abgelegt bat. Wer keine Pflichten erfüllt, hat keinen Anspruch auf Rechte. Aus dieser lebensgläubigen Umgestaltung der sittlichen Werte erstand die neue deutsche Lebensform. Der Befehl „Pack an“ zeigte dem Arbeitstod die Faust mit dem Spaten und verwies den Geist auf Lebendiges. In einer siegreichen Gewißheit auf vollgültiges Daseinsrecht gestalten Millionen ihr Schicksal und tragen es gemeinsam wichtigen Entscheidungen entgegen. Als Gebundene unter lauter Verbundenen. Erhärtet durch ein Arbeitsethos stärkster seelischer Bindung. Im Lärm des Neubauprozesses unter Zuruf und Kommando erwuchs die Arbeitsgemeinschaft des RAD. als notwendige Ergänzung der allgemeinen Schul- und Wehrpflicht. Hin- geführt zu einem höheren Lebenswillen lernt die junge Generation den r i ch t i g e n Sinn des „non scholae sed vitae biscimus“. Sie begreift, daß die Kulturhöhe eines Volkes zu allererst von seinem Reichtum an begabten, willenstüchtigen Arbeitsmenschen abhängt, Arbeitern, die bereit sind zu wirken am Mutterboden Vaterland.
Unser Mutterboden. Was er an unerschlossenen Schätzen durch das Landeskulturwerk herzugeben bereit ist, entspricht in der Mehrerzeugung fast den Erträgen, die einer Fläche wie Bauern und Württemberg zusammengenommen gleichkäme! Das zu lösende Problem ist an sich einfach genug, gilt es doch nichts weniger, als die durch das Versailler Diktat verlorengegangenen unersetzlichen landwirtschaftlich genutzten Flächen (13 % des Eesamtbodens mit 9,5 % der Bevölkerung, Österreich nicht einbezogen) durch erhöhte Jnlandsproduktion zu ersetzen. 14—18 % der Getreideanbaufläche ging seinerzeit an die Sieger- und neutralen Staaten über. Die Lage war nun folgende: 30 Millionen Hektar waren an Kulturboden vorhanden, von denen aber u. a. über 11,5 Millionen Hektar wegen zu großer Feuchtigkeit oder Trockenheit nicht voll ausnutzbar waren, 6 Millionen Hektar unter zu starker Zersplitterung des Grundbesitzes litten.
Mussolini: Keine Illusionen, sondern Vorbereitung
RüShaltlose Bewunderung der amerikanischen Presse
Genfer Vertretung Polens aufgehoben.
wt. Genf muß eine Niederlage nach der anderen einstecken. Man hat sich dort schon daran gewöhnt und niemand regt sich mehr auf, wenn ein südamerikanischer Staat austritt oder europäische Länder sich immer mehr distanzieren. Nun wird aus Warschau bekannt, daß die polnische Regierung beschlossen hat, die ständige Vertretung bei der Liga aufzuheben. „Expreß Poranny" schreibt dazu, früher sei Polen ständiger „Kunde" in Genf gewesen, wo es wichtige Fragen zu erledigen gehabt habe. Diese Zeit sei längst vorbei und käme auch nicht wieder. Zumal die Liga überhaupt an Bedeutung verloren habe und ihr Tätigkeitsbereich immer mehr zusammen schrumpfe. Selbst die Funktionen eines Beobachters seien gegenstandslos geworden, da es nichts mehr zu „beobachten" gebe.
Nikolaus Horthy von Nagybauya und Ihre Durchlaucht Frau von Horthy auf Einladung des Führers und Reichskanzlers mit dem königlich ungarischen Ministerpräsidenten Dr. vitez Bela von 3 m r e d q, dem königlich ungarischen Außenminister Koloman von Kanya und dem königlich ungarischen Honvedminister vitez Eugen von Ratz zu mehrtägigem Aufenthalt in Deutschland eintrefsen. Der Reichsverweser wird auf feiner Reise vom Chef der Kabinettskanzlei Dr. Stephan von U r a y, dem Chef der Militärkanzlei Feldmarschallentnant vitez Gustav von 3any und weiterem Gefolge begleitet fein. Fran von Horthy wird in Kiel die Taufe eines neuen Kreuzers der deutschen Kriegsmarine vollziehen. 3m Reifeprogramm ist auch
1 Million Hektar Überschwemmungen ausgesetzt waren und 2,5 Millionen Hektar aus Moor und Ödland bestanden, sodaß nicht mehr als 63 % des notwendigen Bedarfs in Deutschland gedeckt werden konnten. Die Un- möglichkeit der durch den Raub der Kolonien verschärften Rahrungs- und Rohstoffnot im zu engen Lebens- raum auf den bisher beschrittenen Um- und Auswegen zu steuern, führte zwangsläufig zu den Vierjahresvlänen, um durch volkswirtschaftliche Leistungen erster Ordnung unwiderruflich Verlorenes im Zuge friedlicher Landeroberung innerhalb der Grenzen vollwertig zu ersetzen und zwar — das ist wesentlich — ohne die produzierenden Kräfte der freien Wirtschaft von lebenswichtigen Arbeitszentren fortzulenken.
Seit der gesetzlichen Einführung des RAD. am 26. Juni 1935 wiesen Wesen und Form seiner Struktur wie wirtschaftliche und soziale Gründe in die neue Richtung eines planmäßigen Einsatzes, der durch den Aufmarsch geschlossener Formationen in Arbeitsdienstlagern zugleich als weitblickender erzieherischer Versuch des Wiederanschlusies unserer Jugend an den Urquell völkischer Kraft anzusehen ist. Wenn der Erfolg — materiell gesehen — die Mühe und den Schweiß der Arbeitsdienstmänner in einen landwirtschaftlichen Mebrertrag von jährlich 30 Millionen Mark auf einer neu nutzbar gemachten Fläche von der Größe der Provinz Sachsen (etwa 750 000 Hektar) umsetzt, so muß dabei stets das Primäre im Aufgabenbereich des RAD. gegenwärtig bleiben, nur da einzugreifen, wo keine Arbeitskräfte zur Verfügung stehen,oder wo ein Eingreifen der Arbeitsämter nur mit hohen Kosten oder sozialen Härten verknüpft wäre. Auch soll das Landeskulturwerk keine technischen Schwierigkeiten bieten und daher die Maschine niemals vorherrschend sein. Die Faust einer volksverbundenen, verantwortungsfrohen
Kameraden, habt auch ihr nur den einen Ehrgeiz und das besondere Vorrecht: Die Waffen zur Verteidigung des Vaterlandes zu tragen.
Es ist Wahnsinn, sich Illusionen hinzugeben ; ein Verbrechen, sich nicht vorzubereiten, während in so vielen Teilen der Welt die Kanonen donnern. Wir machen uns keine Illusionen und bereiten uns v o r.“
Rew York, 12. Aug. (Funkmeldung). Der überraschende Ohne-Halt-Flug Berlin-New York, den das deutsche „Con- dor"-Flugzeug durchführte, bildet als Flugereignis ersten Ranges hierzulande das Tagesgespräch und löst rück - haltlose Bewunderung aus. Ebenso wie die Nach- mittagszeltungen die Ankunft des deutschen Flugzeuges in g a n 3 f A t i g e n Schlagzeilen meldeten, widmet auch die Akorgenpreffe dem Flug mehrspaltige Berichte, die sie ausreichend mit Bildern von der „Condor"-Maschine und ihrer Besatzung und den Ereignissen bei der Landung versieht.
In den Presseberichten wird insbesondere die Bedeutung der Flugleistung hervorgehoben, und es wird auch daraus hingewiesen, dag die Flugzeit des „Eonbor“ um etwa 30 Minuten geringer war, als die Flugzeit, die der »erftorbene amerikanische Flieger Post über den gleichen Kurs in umge-
Nach Schluß der Parade hielt Mussolini folgende Ansprache: „Dfftgiere, Unteroffiziere, Korporale, " Soldaten, Cchwarzhemden! Seine Majestät der König und Kaiser hat mich Beauftragt, euch sein hohes Lob zuzusprechen. Ihr alle, Aktive und Reservisten, habt dieses Lob voll verdient. Während dieser Übungstage habt ihr euere straffe Disziplin, euere Ausdauer und den hohen Stand euerer Ausbildung bewiesen. Es war nicht anders zu erwarten, denn ihr gehört' der neuen im Zeichen des Liktorenbündels eingegliederten italienischen äugend an, die das Jmpaßium erobert hat. Wie euere
Rom, 11. Slug. Den Abschluß der großen taktischen Übungen des römischen Armeekorps bildete am Donnerstag die Abnahme der Parade der Division T o r i n o in ihrer neuen kriegsmäßigen Zusammensetzung durch den König und Kaiser, sowie anschließend durch den Duce in der Nähe von Tivoli. Die beweglicher gewordene neue Division, die sich int Verlauf der Manöver besonders bewährte, setzt sich zusammen aus zwei Infanterie-Regimentern mit vier Bataillonen, einem Divisions-Ersatzbataillon, leichter Feldartillerie und einer Mörserkompanie, aus einem Artillerie^ Regiment, einer Batterie Luftabwehrgeschütze, einer Kompanie Feuerwerker, einer Kompanie Blinker, einer Kompanie Telegraphisten und Radiotelegraphisten, sowie aus dem zugehörigen Train- und Sanitätspersonal. Die besondere Eigenart der Division besteht in einem Autopark von 600 gelänbegängigen Lastwagen, die sämtliche Abteilungen mit ihren verschiedenen Waffen und Tieren aufnehmeit und befördern können.
kehrter Richtung auf seinem Ohne-Halt-Flug New York — Berlin 1933 benötigte. 211 Williams, einer der amerikanischen Flugpioniere, bezeichnet die deutsche Flugleistung als eine der bedeutsamsten in der Entwicklung des Flugwesens. Er betont, daß der Flug in einem Landflugzeug und nicht in einem Wasserflugzeug ober Flugboot unternommen wurde.
Die „New York Times'^ leitet ihren Bericht mit der Erklärung ein, daß mit der Ankunft der „Eondor" einer der bemerkenswertesten Ohne-Halt-Tmnsatlantikflüge in der Geschichte der Luftfahrt beendet worden sei. der mit der tonten= mäßigen Pünktlichkeit eines Verkehrsfluges durchgeführt wurde. Das Blatt unterstreicht weiter, daß dies nicht nur der erste Ohne-Halt-Flug Berlin — New York in westlicher Richtung war, sondern daß durch ihn alle Ohne- Halt-Langstreckenrekorde für die schwierige Atlantikübergue- tung in ost-westlicher Richtung gebrochen wurde».
