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Donnerstag, 11. August 1938.

Wiesbadener Tagblatt

Nr. 186. Seite 7.

‘T’Yszzßv aus albiulÜM.

In sieben Stunden von Karlsruhe nach Hamburg.

Eine neue Schnelltriebwagen-Verbindung.

Hamburg, 11. Aus. Am Mittwoch verkehrte zum ersten Male der im Sommerfahrplan der Reichsbahn vorgesehene FDT 77/78 von Karlsruhe über Heidelberg—F r a n k f u r t— Kastel—Hannover nach Hamburg-Altona, der eine ausge­zeichnete Verbindung zwischen der Südwestecke des Reiches und dem Norden herstellt. Der Schnelltriebwagen durchfährt die rund 700 Kilometer lange vtrecke in 7% Stunden. (Karlsruhe ab 6.25 Uhr, Hamburg-Altona an 14.01: Rück­fahrt 17.39 ab Hamburg-Altona. Karlsruhe an 1.20 Uhr).

Die Verbindung wird zunächst von den zweiteiligen Triebwagen bewältigt, die bisher auf der Strecke Karls­ruhe-Berlin eingesetzt waren, bis der neue dreiteilige, noch im Bau befindliche Triebwagenzug fertiggestellt ist. Auch für die Strecke Karlsruhe — Vertin wird in abseh­barer Zeit ein neuer, und zwar vierteiliger FDT mit Speisewagen eingesetzt werden.

Selbstmord eines unglücklichen Lotteriegewinners.

Paris, 11. Slug. (FM.) In Grenoble verübte ein 52 Jahre alter Mann Selbstmord, der vor kaum zwei Jahren bei einer Ziehung der französischen Nationallotterie 500 000 Franken gewonnen hatte. Seither wußte der glückliche Gewinner sein Geld nicht besser anzuwenden, als vor jeder neuen Ziehung gewaltige Mengen an Losen anzukaufen, die jedoch niemals einen Gewinn erzielten.

In einem hinterlassenen Schreiben teilte er mit, daß er bei der letzten Ziehung vor einigen Tagen aus diese Weise den letzten Rest der 500 000 Franken verloren habe. Er habe keine Lust mehr zu arbeiten. Er basse die menschliche Gesell­schaft und zum Beweise dieses Hasses werde er sich eine Kugel in den Kopf jagen.

Die Landkarte des deutschen Marmors. Beim Erweite­rungsbau der Reichskanzlei in Berlin, dessen Richtfest'kürz­lich gefeiert wurde, finden auf Wunsch des Führers fast alle deutschen Marmorarten Verwendung — eine farbenprächtige steinerne Palette dieses edelsten heimischen Baustoffes.

Weichsel-Dampfer gesunken. Der zwischen Danzig und Warschau verkehrende Weichsel-Dampfer „Eleonore" stieß in der Nähe von Ezerwinsk auf Grund. Er trug ein so großes Leck davon, daß er zu sinken begann. Die 150 Passagiere konnten von anderen Schiffen gerettet und nach Warschau weiterbefördert werden.

Grubenunglück. Am Dienstagnachmittag wurden auf der Schachtanlage Scharnhorst in Dortmund durch Zu- bruchgehen einer Strecke zwei Hauer abgeschnitten. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen, Verständi­gung mit den Abgeschlossenen ist erreicht. Sie sind unverletzt und befinden sich hrnter dem Bruch in Sicherheit.

Englischer Tourist bei einer Hochtour tödlich verunglückt. Dienstagfrüh unternahmen drei englische Touristen, die in Avolla im Eringtal (Kanton Wallis) Quartier genommen batten, ohne Führung eine Besteigung des Dent de Veisivt. Bei der Ersteigung der Westwand löste sich ein Felsstück und zerschlug das Seil der Touristen. Der letzte Mann der Seil­schaft, dr Tourist C. F. Hook aus London, verlor dadurch den Halt und stürzte 50 Meter in die Tiefe. Seine Gefährten alarmierten in Arolla sofort eine Rettungskolonne, der es gelang, den Schwerverletzten zu bergen. Trotz sofortiger ärzt­licher Hilfe starb der Verunglückte jedoch während des Trans­portes nach dem Dorfe Hausers.

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Das Vorwerk für den Volkswagen entsteht.

An der Fernverkehrsstraße Hamburg—Braunschweig, in der Nähe der Stadt Braunschweig, geht das Vorwerk für den deutschen Volkswagen der Vollendung entgegen. Die langgestreckten Gebäude, die ein riesiges Bau­gelände einnehmen, sind bereits bis zum Dachstuhl aufgeführt, so daß nun bald mit der Ausbildung der vielen Spezialarbeiter in diesem Vorwerk begonnen werden kann. (Weltbild, K.)

Journalisten-Ttugzeug abgestürzt.

Elf Tote.

Budapest, 11. Aug. Ein schweres Flugzeugunglück, dem 9 ungarische Journalisten und die aus zwei Mann bestehende Besatzung zum Opfer fielen, ereignete sich am Mittwoch in der Nähe von Debreczin. Die Journalisten hatten sich in einem ungarischen Verkehrsflugzeug nach Debreczin begeben, um über einen Ausflug zu berichten, den die aus Anlaß des internationalen St.-Stephan-Flieger-Treffens in Ungarn weilenden ausländischen Sportflieger unternommen batten. Das Unglück ereignete sich auf dem Rückflug nach Budapest in den Abendstunden. Das Flugzeug stürzte aus bisher noch nicht geklärter Ursache ab. Sämtliche Insassen konnten nur als Leichen geborgen werden.

Millionenschaden in Jugoslawien durch Unwetter. Seit Siet Tagen werden Bosnien, Kroatien und Slowenien von weren Unwettern heimgesucht. Blitzschläge töteten fünf Personen und verursachten allein im Bezirk Pettau (Slowenien) sechs größere Brände. In der Umgebung von Sarajewo richtete der Hagel einen Schaden von 2 Millionen Dinar an.

Britischer Dampfer in Kanada in Klammen.

London, 11. Aug. (FM.) Auf dem im Hafen von 'Htcnfreal liegenden 13 950 Tonnen großen Dampfer „A n d a n i a“ der Cunard-White-Star-Line brach am Mitt­wochabend, wie aus Montreal berichtet wird. Feuer in einem Laderaum aus. Der Brand konnte bisher noch nicht gelöscht werden. Drei Feuerwehrleute sind mit Gasvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Die Mannschaft der blinden Ringkämpfer. Dieser Tage bar eine englische Ringkämvfermannschaft ihren 40. Sieg in den letzten fünf Jahren davongetragen, die in der Geschichte des Sportes wohl einzigartig dasteht. Es handelt sich um die Mannschaft der berühmten Blindenschule Overbrook, deren Mitglieder durchwegs des Augenlichts beraubt sind. In ganz England sind diese blinden Ringkämpfer populär geworden, deren Mannschaft seit Jahren Sieg auf Sieg davontrug. Noch vor zwei Jahren war es üblich, daß der blinde Kämpfer von seinem Gegner im Rirm den Vorteil des ersten Griffes als Vorgabe erhielt, veute ist die Overbrook-Mannschaft so geübt und geschickt, daß sie freiwillig auf diese Vorgabe verzichtet. Wenn der Eongschlag ertönt, verlassen der blinde und der sehende Kämpfer gleichzeitig ihre Ecken, wie bei einem normalen Kampf.

Fünf Kinder von explodierendem Blindgänger getötet. Zu einem folgenschweren Unglücksfall kam es in einem Dorf bei Luzk in Wolhynien. Mehrere Knaben fanden auf dem Felde ein altes Artilleriegeschoß, mit dem sie in unvorsichtiger Weise umgingen. Plötzlich explodierte die Granate und tötete fünf Jungen auf der Stelle. Zwei weitere Kinder wurden schwer verletzt.

Lebendig verbrannt. In der Nähe von Eoulomniers. wenige Kilometer östlich von Paris, überschlug sich bei der Landung ein Versuchsflugzeug der französischen Luftwaffe. Der Flugzeugführer, ein bekannter französischer Flieger namens Guy de Chateaubrun, verbrannte bei lebendigem Leibe.

Die Jlrzirecfynung TUbrecfyt Dürers.

Ls ist bekannt, daß der Leibarzt des amerikanischen Multimillionärs Rockefeller ein Jahreshonorar von 40 000 Dollar erhielt. Für diesen riesigen Betrag mußte er freilich ausschließlich dem greisen Ölkönig zur Verfügnug stehen, der den Ehrgeiz hatte, 100 Jahre alt zu werden. (Rockefeller starb als 99jähriger.) Mau fragt sich angesichts solcher Ver-

Und wieder blüht die Heide.

eine Aufnahme aus der Lüneburger Heide, die sich jetzt dem Besucher in ihrer ganzen Schönheit und Bliiten- vracht zeigt. Der „Tote Grund" bei Wilsede. (Weltbild. K.)

dienstmüglichkeiten, was wohl die Ärzte in früheren Jahr­hunderten verdient haben mögen.

Wir wissen beispielsweise, daß der berühmte deutsche Maler Albrecht Dürer, als er 1521 bei einem Besuch in Antwerpen erkrankte, sich eigens den „Meister Jakob", den größten Arzt von ganz Flandern, kommen ließ. Dürer, da­mals schon als genialer Künstler hochgeehrt, lebte in guten finanziellen Verhältnissen. Dennoch bezahlte er dem bedeu­tenden Arzt für die Behandlung nur 15 Franken. Das war, wenn es auch keine offizielle Gebührenordnung gab, zu jener Zeit die übliche Taxe. Aber schon einige Jahrzehnte später, Anno 1567, erfahren wir, daß der erste „Meister der Arznei­kunde" und „Leibphysikus" des Herzogs von Berry jährlich das stattliche Einkommen von 6000 Franken bezog. Weniger glücklich war der Leibarzt des Bischofs von Troyes, dem sein geistlicher Vrotgeber jährlich lediglich 860 Franken be­zahlte und dabei noch die wenig menschenfreundliche und mit christlicher Nächstenliebe kaum zu vereinbarende Bedingung stellte, daß er keiner anderen Person in der Diözese ärztlichen Beistand gewähren dürfe. Wie bescheiden ist diese Summe, wenn wir sie mit dem Honorar vergleichen, das Ludwig XI. seinem Leibarzt, dem berühmten Jacques Coictier, aussetzte: es betrug 38 000 Franken.

Im 17. Jahrhundert gehen die Arzthonorare sprunghaft in die Höhe. Der Leibarzt des Herzogs von Liegnitz erhielt beispielsweise 50 000 Mark — vorausgesetzt, daß sein Herr ge­sund war. Wurde er krank, so reduzierte die herzogliche Kasse das Honorar sogleich auf 20 000 Mark. Der französische Arzt Quenaut, der jährlich etwa 60 000 Franken verdiente, galt als einer der höchstbezahlten Mediziner Europas. In den Archiven von Versailles finden wir heute noch eine Ab­rechnung, die zeigt, was der Sonnenkönig Ludwig XIV. für eine kleine Operation — es handelte sich um die operative Entfernung einer Fistel — ausgab. Der völlig gefahrlos« Eingriff, der freilich angesichts der Machtstellung bei Patienten damals «in Ereignis war, das nicht nur Frank reich, sondern ganz Europa in Atem hielt, kostete 1,3 Mil Honen Franken! Die genaue Rechnung für diese denk würdige Operation zeigt, wie die Kosten verteilt wurden:

Francois Felix, erster Chirurg 520 000 Franken Bessieres, zweiter Chirurg 100 000 Franken dÄquin, der Rezepteschreiber 350 000 Franken Fagon, für Tränkleinverab reichen 200 000 Franken Hilfskräfte und Apotheker 168 000 Franken

Diverse Auslagen 4 000 Franken

Summa Summarum 1342 000 Franken

•ALMOLIVE-SEIFE

1 Stück 30^

3 stück 85