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WiesbaÜMrTagblatt

Erfcheimmgszett:

86. Jahrgang

Mittwoch, 10. August 1938,

Nr. 185,

Chamberlain und Daladier kehrten zurück.

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Neuer Mordanschlag tschechischer Rowdies

Blücher übernimmt das Kommando bei Schangfeng

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6 Ausgaben

Unterhaltungsbeilage.

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Am 7. August griffen im Bezirk Erodekowo, ungefähr 200 Kilometer nördlich von dem Hauptkampfgebiet, russische Abteilungen die japanischen Grenzwachen an. Auf beiden Seiten gab es mehrere Tote und Verwundete. Der japanische Botschafter in Moskau legte energischen Prote^ doch versuchte Litwinow-Finkelstein die Dinge in, ihr Gegen­teil umzukehren und sprach von japanischen Vorstößen. Der Protest Tokios wurde abgelehnt.

Nach den in Tokio eingelausenen Frontberichten befinden sich die Schangfeng-Höhen und zahlreiche umliegende Hügel in derHand der Japaner. Hinter der russischen Front stellte man starke Truppenbewegungen fest. Unter anderem besinden sich 50 Tanks auf dem Wege nach H a n s ch i, etwa 20 Kilometer nördlich von Schangfeng. Mit neuen roten Angriffen ist deshalb stündlich zu rechnen. Moskau aber schweigt sich über die letzten Kampf­handlungen beharrlich aus.

Anzeigenpreise: Ein Millimeter Höhe der 22 Millimeter bresten Spalte im Anz^entell «rund- der 85 Millimeter brellen Spalte tat Sattel « Plhtzm

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Unterbrochene Ferien

(eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)

grenze trotzdem zu öffnen, und zwar noch wirksamer, als es bisher in der Praxis schon der Fall war. In franzö­sischen Kreisen glaubt man dies Verhalten auch mit dem Him weis darauf begründen zu können, daß General Franco noch nicht die Vorschläge des englischen Planes vom 21. Juni be­antwortet habe und man sich oeshalb seine Handlungsfreiheit zurücknehmen dürfe. Außerdem bedrücken auch i chw c r e innenpolitische Probleme die französische Regierung, wobei man nur an die scharfe Zuspitzung des Hafenarbeiter- ftreikes in Marseille zu denken braucht, der eine ernste Gefahr für wichtige Lebensmitteltransporte darstellt.

Wenn in England Chamberlain und Lord Halifax setzt gleichfalls mit langen politischen Konferenzen ihre Arbeit wieder ausgenommen haben, so sind dafür vor allem, die Vor­gänge in P a l ä st i n a und im Fernen O st en, in Spanien und auch in der Tschecho-Slowakei ver­antwortlich zu machen. Der Kolonialminister M a c d o n a I d, der sich zwei Tage zu persönlicher Unterrichtung in Palästina aufgehalten hat,'soll wichtige Anregungen für eine Änderung der bisherigen englischen Palästina-Politik mitgebracht haben. Jedenfalls beweisen die täglichen Todesopfer in Palästina, daß irgend etwas sehr bald geschehen muß. Schließlich ist in der Zwischenzeit der erste Bericht Lord Runcimans aus Prag in London ein getroffen, dessen Behand­lung offenbar ebenfalls kein Aufschub duldet, obwohl, wie es hieß, der englischeBerater und Vermittler" seinen Auftrag in Prag völlig selbständig durchführen sollte. Nach einer vorübergehenden kurzen Periode gewisser Zuversicht, sind jetzt also plötzlich wieder, hervorgerufen durch die verschiedensten Ereignisse, die politischen Sorgen stark in den Vordergrund getreten und man wird abwarten muffen, wie die Staats­männer diesmal mit ihnen fertig werden.

wt. Noch ist die erschütternde Nachricht von dem Mord an dem Sudetendeutschen Paierle nicht verklungen, und schon wird ein neuer Anschlag bekannt. In der Nacht vom 7. zum 8. August überfielen tschechische Rowdies das Mitglied der SDP. Josef Wiesner in Sirb (Böhmerwald) und ver­letzten ihn durch Messerstiche schwer. Die Tschechen lärmten vor dem Hause Wiesners und stießen Schmährufe auf die Sudetendeutsche Partei aus. Wiesner verbat sich das. Er verließ später das Haus und als er mit seinem Kameraden Bogner zurückkehrte, wurde er zusammengestochen und Bogner durch einen Schlagring verletzt. Anscheinend haben die Tschechen kommunistische Elemente gegen die Sudetendeutschen aufgehetzt. Messer und Schlagring sind die typischen Waffen, die wir bei der Kommune gewohnt sind.

Begräbnis Paierles am Donnerstag.

Der Mörder Paierles ist anscheinend ein tschechi­scher Emigrant aus Wien. Die Obduktion der Leiche ergab das Vorhandensein von vier Messerstichen und einer Kopfverletzung, die von einem Schlag mit einer Bierflasche herrührt. ' Dem Bezirksrechtswahrer der SDP. wurde die An­wesenheit bei der Untersuchung verweigert. Das B e g r ä b - nis Paierles findet am Donnerstagvormittag statt. 40 bis 50 Ortsgruppen der SDP. .werden daran teilnehmen. Der Leichenzug geht von Hartmannitz nach Eutwaffer, dem Heimatort des Ermordeten.

Die Schuld der Behörden.

Die offizielle D u l d u n g, die das Mordgesindel von leiten der Behörden findet, kommt am besten in der amtlichen Verlautbarung über die Schießereien des tschechischen Soldaten auf der Strage Hohenelbe Mittellangenau, über die wir gestern berichteten, zum Ausdruck. Es heißt darin, daß der Soldat nach einem auf dem Chausseebaum sitzenden Bussard geschossen habe. Es wirft ein eigenartiges Licht auf die Disziplin des tschechischen Militärs, wenn Soldaten mit ihrer Dienstwaffe nach Bussarden schießen. Sehr seltsam aber ist es, daß diese in die Luft abgefeuerten Kugeln so niedrig flogen, daß sie den auf dem Felde arbeiten­den sudetendeutschen Landleuten um die Ohren pfiffen. Die Bevölkerung ist über diese amtliche Erklärung, die eilte glatte Verhöhnung bar ft eilt, außerordentlich empört.

SDP.: Die Verhältnisse sind unhaltbar.

Noch am Dienstag traten die Kreisleiter der SDP. unter dem stellvertretenden Parteioorsitzenden Karl Frank zu einer Beratung zusammen. Aus sämtliche« Berichten ging hervor, daß eine allgemeine Verschärfung der Lage zu verzeichne« «uh die deutsche Bevölkerung auf das höchste beunruhigt ist. Die Ermordung Paierles, ein neues Opfer volkstreuer Überzeugung, beweise, daß die V *r - hältnisse unhaltbar geworden feien. Die Folgen der deutschfeindliche« Hetze, so heißt es in der über die Kreisleiter- Konferenz ausgegebenen Mitteilung des sudetendeutschen Presseamtes, haben derartige Ausmaße angenommen und

Warum Kriegspsychose?

Von Fritz Günther.

Als vor jetzt zwei Jahren in Spanien der Retter erstand und General Franco den Kampf ffege.it den Marxismus auj« nahm, um dem so lange gequälten Land Ruhe und Ordnung zu bringen, da glaubte Moskau sein Ziel, die Weltrevolution zu entfesseln, erreichen zu können. Von Ansang an unterstützte es die spanischen Bolschewisten auf das nachdrücklichste mit Waffen, Munition und Menschenmaterial und ließ nichts un­versucht, den Brandherd zu schüren und zu erweitern. Im Volksfront-Frankreich fand es dabei einen Bundesgenossen, der seine Grenzen für den Transport des Kriegsmaterials zur Verfügung stellte und mit den roten Horden offen sympathi­sierte.' Seit dieser Zeit besteht eine latente Kriegs­psychose, die durch eine raffinierte jüdische Pressehetze ge­schürt, sich immer dann besonders stark zeigte, wenn mit pro­vozierten Zwischenfällen, wie roten Bombenwürfen auf neutrale Schiffe an den Küsten Spaniens oder andere« Über­griffen des Moskauer Störenfrieds, eine Ausdehnung des Konflikts versucht wurde. Europa sollte in einen dauern­den Unruhezustand verseht und seine Bevölkeru«g durch die ständige Gefahr eines Ubergreifens der Kriegsfälle in Angst und Schrecken versetzt werden.

' Die Entwicklung der Verhältnisse hat inzwischen gezeigt, daß die Bemühungen Moskaus, trotz der eifrigenNlcht- einmischungs" - Tätigkeit seines AutzenmiNlsters Litwinow- Finkelstein vergeblich waren. Die europäischen Mächte be­wahrten kaltes Blut und ließen sich den klaren Blick für die Dinge, so wie sie tatsächlich lagen, nicht trüben. Die Erkennt­nis,'auf welcher Seite das Recht und wo das Unrecht zu suchen ist, wuchs mehr und mehr auch bei denen, die vorher auf das falsche Pferd gesetzt hatten. Und wenn heute an dem End­sieg des Generals Franco und seiner Mission nach den Er­folgen der tapferen nationalspanischen Truppen nicht mehr zu zweifeln ist, so kann auch der verruchte Plan Moskaus, Europa von Spanien aus in Trümmer zu legen, dank der festen Haltung des faschistischen Italiens und des national­sozialistischen Deutschlands als gescheitert betrachtet werden. An diesem Bollwerk, das durch die Achse BerlinRom ver- körpert wird, brechen sich immer wieder die roten Wellen, die zerstören möchten, was friedlicher Ausbau errichtet. Das in das spanische Wenteuer von Moskau gesteckte Kapital ist ver­loren und Sowjetrußland hat sich inzwischen nach andere« Möglichkeiten zur Erreichung seines Zieles umsehen müssen. ,

Um den Mißerfolg in Europa auszugleichen, verlegte Sowjetrußland den Schauplatz seiner unheilvollen Tätigkeit einstweilen nach dem F e r n e n O st e n, um dort den Japanern, deren erfolgreiche Operationen in China den Moskauer Ge­walthabern' ein Dorn im Auge sind, in den Rücken zu fallen. An der fernöstlichen Dreiländerecke, die von Korea,. der Mandschurei und Sibirien gebildet wird, haben über einem provozierten Zwischenfall die Kanonen bereits gesprochen; japanisches Gebiet auf Korea wurde mit Bomben belegt. Nur die ruhige und feste Haltung Japans, das eine Lösung des Schangfeng-Konfliktes auf diplomatischem Wege er­strebt, hat bisher größeres Unheil verhindert. Bei dieser Ge­legenheit zeigte sich aber wieder ein wie wenigehrlicher Ver­handlungspartner Moskau im Grunde ist. Während Herr Litwinow-Finkelstein so tat, als ob er sich auf die japanische Anregung einlaffen wollte, hat er gleichzeitig nichts verhindert, was die Lage nut irgendwie erschweren konnte. Er getraut sich zwar nichts zu 'unternehmen, was den Kriegszustand zwischen Japan und Sowjetrutzland bedeuten würde, macht aber bei der Frage der Erenzregulierung und der Zurücknahme der Truppen soviel Schwierigkeiten, daß seine Msicht, im Trüben zu fischen, unverkennbar bleibt.

Wobei man im Zweifel fein kann, ob die Dinge nicht in­zwischen über die Bedeutung eines örtlichen Konfliktes hinaus­gewachsen sind. In den letzten Tagen wurde wiederholt die Auffassung vertreten, daß man im Kreml mit dem Vorgehen der Militärstellen in Wladiwostok, die für den Schangfeng- Konflikt verantwortlich sind, durchaus nicht so ganz einver­standen ist. Marschall Blücher, der Kommandant der sowjetrussischen Armee im Fernen Osten soll, wie derKurier Polski" bei einer Untersuchung dieser Gerüchte festgestellt

einen Zustand so hemmungsloser Unsicherheit geschaffen, daß eine Bereinigung dieser Lage nur durch eine grundsätzliche Lösung, keinesfalls aber durch Teilmaßnahmen, möglich ist.

Verhandlungen Lord Runcimans.

Lord R u n c i rn a n suchte gestern die tschecho-slowakische Regierung auf und besprach mit ihr die vorgelegten Vorschläge und Dokumente. Um 5 Uhr nachmittags empfing der Lord die Mitglieder der Sudetendeutschen Partei zur Besprechung des ihm vor einigen Tagen überreichten SDP.-Memorandums. Die polnischen Parteien in der Tschecho-Slowakei haben beschlossen, Lord Runciman über die Lage der polnischen Minderheit zu unterrichten. Wie die Polnische Telegraphen­agentur aus Warschau meldet, ist die S l o w a k i sch e Partei gewillt, die Prager Regierung wegen Nicht­einhaltung des Pittsburger Vertrages vor dem Inter­nationalen Gerichtshof in Prag zu verklagen. Die Slowaken betonen, der genannte Vertrag fei zwischen zwei Völkern geschloffen worden und somit ein internationales Dokument, das der Konferenz in Versailles vorgelegen habe.

Paris und die sudetendeutsche Frage.

In Paris hatte der deutsche Botschafter, eine Unterredung mit Außenminister Bonnet, die in der franzö­sischen Öffentlichkeit viel beachtet wurde. Rach der Mitteilung der deutschen Botschaft ging die Zusammenkunft auf den Wunsch des französischen Außenministers zurück. Bonnet sprach sich, so besagt die Mitteilung, auch über die Mission Runcimans und die tschecho-slowakische Frage aus. Vor allem aber schien ihm daran zu liegen, die Mel­dungen über französische Materiallieferungen und Frei­willigenverschickungen nach Rotspanien zu dementieren.

wt. Der rote Marschall Blücherhat selbst die Führung ... Sowjettruppen bei Schangfeng übernommen. Das ist die Sensation, die die weitere Entwicklung im Fernost-Konflikt gebracht hat. Die Meldung, die von sowjetruffischen Über­läufern bestätigt wird, findet in Tokio größte Beachtung. Die japanischen Blätter bringen sie über alle Spalten. Die An­wesenheit Blüchers in dem umstrittenen Gebiet muß zweifellos als eine erhebliche Verschärfung des Konfli ft es gewertet werden. In Tokio ist man sich dessen bewußt. Noch in. der Nacht konferierte der Kriegsminister Jtagaki mit seinem Stellvertreter, General T o j o, mit General Nakamura und Oberst Sato. Gleichzeitig berief der Eeneralstabschef eine Konferenz seiner sämtlichen Abteilungs­leiter ein.

Die diplomatischen Verhandlungen sind inzwischen nicht wieder aufgenommen worden. In London empfing der aus seinem Urlaub zurückgekehrte Außenminister Lord Halifax gestern den sowietrussischen Botschafter Maisky und einen Vertreter der japanischen Botschaft. Der Fernost-Konflikt dürste Gegenstand der beiden Besprechungen gewesen sein.

Die japanische Offensive auf H an kau konnte gestern einen neuen Erfolg verbuchen. Die erste chinesische Verteidigungslinie vor Nantschang wurde durchbrochen. Die Japaner, die am Westufer des Poyangsees gelandet waren, stießen westwärts vor, umgingen die stark ausgebauten chinesischen Stellungen von Süden her und brachten dadurch den chinesischen Widerstand ins Wanke«. Am Dienstag wurde Kanton erneut von japanischen Bombern angegriffen, die erheblichen Schaden anrichtete»

as. Berlin, 10. Aua. Völlig überraschend und lange vor der ursprünglich in Aussicht genommenen Zeit sind der englische und der französische Ministerpräsi­dent aus den Ferien nach London, bzw. Paris zurückgekehrt, und haben sofort wichtige politische Be- iprechungen ausgenommen. Auch der englische Außenminister Lord Halifax traf in London ein, sein französischer Kollege Bonnet hatte Paris erst gar nicht verlassen. Der Grund für diese auffallende Geschäftigkeit ist in den zunehmen­den Sorgen zu sehen, die man sich im Foreign Office und im Quai d'Orsay über die verschiedensten politischen Dinge macht. Die Rückkehr Daladiers von seiner Kreuzerfahrt im Mittelmeer hat innen- und außenpolitische Gründe. Vor allem dürfte für seinen Entschluß die neue Bersch lechte- rung im Verhältnis zu Italien maßgebend gewesen sein. ' Nach der Einigung im Londoner Nichteinmischungsaus­schuß am 21. Juni hatte die ftanzösische Regierung die Si der Pyrenäengrenze zugesagt, und zwar als Vorbereitungsmatz- nahme für die Zurückziehung der Freiwilligen. Damit waren Hoffnungen auf die Anbahnung besserer französisch-italienischer Beziehungen verknüpst und gerade in Frankreich hatte man sich viel für die Zukunft versprochen. Leider ist es aber bei der damaligen theoretischen Zusage geblieben. Rom bat den ein­wandfreien Beweis dafür führen können, daß auch in aller­letzter Zeit wieder sehr umfangreiche Transporte von Kriegs­material für Barcelona und Valencia aus Frankreich abge- gangen sind. Diese Feststellungen hat man nun offenbar den Italienern sehr übel genommen. Es heißt vielfach, daß Daladier unter dem Druck der marxistischen Parteien letzt wieder die Absicht habe, die Pyrenäen-

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