Wiesbadener Tagblait
Erscheimmgszeit:
86. Jahrgang
Montag, 8. August 1938
Nr. 183. V
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Die Roten verloren den Geländegewinn am Ebro
Tschechische „Verfliegen am laufenden Band
Macdonald in Jerusalem.
wt. Die chaotischen Verhältnisse in Palästina bereiten den Engländern schwere Sorge. Sie kommt am besten in der überraschenden Reise des Staatssekretärs für Kolonien, Malcolm Macdonald nach Jerusalem zum Ausdruck. Zn den Besprechungen, die Chamberlain vergangene Woche in London abhielt, war dieser Besuch beschlossen worden. Er sollte ohne jedes Aufsehen durchgesührt werden. Macdonald benutzte deshalb ein Flugboot der Luftwaffe und begab sich über Malta nach Palästina. Er hatte dort eine eingehende Unterredung mit dem hohen Kommissar Mac
Balbo, Gast Hermann Görings.
Berlin, 7. Aug. Wie das Stabsamt des Ministerpräsiden- t-n Generalfeldmarschall Göring mitteilt, wird der italienische Lustmarschall und Generalgouverneur von Libyen, Jtalo V a l b o, aus Einladung des Seneralseld marschalls am 9. August zu einem Besuch in Berlin eintrefsen. Während seines mehrtägigen Ausenthalts »in Deutschland wird Balbo auch Übungen der deutschen Luftwaffe beiwohnen. e
Höchster dänischer Orden sür den Eeneralscldmarschall.
Berlin, 6. Aug. Der dänische Gesandte, Kammerherr Zahle, überbrachte am Samstag Ministerpräsident Eeneral- fewmarschall Göring im Auftrage Seiner Majestät des Königs von Dänemark das Erogkreuz des Danebrog- Ordens mit den Insignien in Diamanten. Außerdem überreichte Exzellenz Zahle dem Eeneralfeldmarschall als perfon- liches Geschenk die zum Eroßkreuz gehörende große Ordenskette.
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dem Feind erhebliche Verluste beigebracht. Weiter wurde die rote Flugbasis M o n j o s mit Bomben belegt, wobei drei Apparate zerstört wurden. Ein roter Flieger, der die nationalen Bomber verfolgte, flüchtete schließlich auf französisches Gebiet.
Michael und dem Kommandeur der britischen Truppen General Haining sowie Major Saunders. Über den Inhalt wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Man nimmt an, daß sich Macdonald an Ort und Stelle überzeugen wollte, ob der P e e l - P l a n wirklich erfolgreich durch- qeführt werden kann. Die plötzliche Reise hat die englische Öffentlichkeit außerordentlich überrascht. Bemerrenswert ljt, daß der britische Oberkommandierende in Palästina anläßlich der Anwesenheit Macdonalds einen Aufruf zum Frieden und zur Ordnung über den Rundfunk erließ. Die englischen Blätter glauben jedoch nicht, daß eine grundsätzliche Änderung in der Palästina-Politik cintreten wird. Die Geheimhaltung des Reiseplanes diente vor allem der persönlichen Sicherheit Macdonalds, der inzwischen wieder in Malta eingetroffen ist. Der Terror hat auch durch dieses Ereignis keine Unterbrechung er« fahren. In Jericho kam es zu einem Zusammenstoß zwischen einer Militärpatrouille und Freischärlern, wobei ein englischer Soldat und zwei Araber getötet wurden. Auf der Straße von Nablus nach Senin wurde ein Polizist in einem arabischen Omnibus von einem Fahrgast erschossen.
Diplomatie und Kanonen.
Kz. Die Verhandlungen zwischen Tokio und Moskau haben, trotzdem am Sonntagabend eine neue Besprechung zwischen Litwinow-Finkelstein und dem japanischen Botschafter stattfand, nicht zur Einigung geführt. Die Sowjets versteifen sich auf den Vertrag von Huntschun und die diesem Abkommen beigefügte Karte, wonach die Schangfenghöhen zum russischen Gebiet gehören. Bei dem erwähnten Vertrag handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen chinesischen Beamten und zaristischen Militärgouverneuren, die dreiviertel Jahrhundert zurückliegen. Die Karte des umstrittenen Gebietes erklärt das
Kz. Das „Verfliegen" scheint eine chronische Krankheit der tschechischen Luftwaffe zu sein. Diesmal waren die Polen an der Reihe. Drei. schwere ftch^wfta)^ Bomber überflogen in Kampfformation die Grenze bei Bie- litz, am hellichten Tage und an einer Stelle, wo eine Unklarheit über die Grenzziehung ausgeschlossen ist. Sie hielten eine Höhe von 800 Meter, das niedrigste, was in dem Eebirgsland geflogen werden kann. Nachdem die Flugzeuge 22 Kilometer tief in polnisches Gebiet eingeörungen waren, kehrten sie wieder in die Tichecho-Slowakei zurück. Die Erregung in Warschau ist außerordentlich grog und der polnische Gesandte in Prag erhielt sofort Anweisung, energisch zu protestieren. Wir sind gespannt, ob man in Prag wieder die alte Platte auslegt und die fade Entlchuldigung vom Verfliegen oorbringt. 5n diesem Falle sollte man ta.- sächlich dem Luflkommando in Prag den Rat gecen, feine Flieger umschulen zu lasien. Sie eignen sich ■nom tw einmal zu Taxi-Chauffeuren, da sonst höchstwahrscheinlich, die Fahrgäste das gewünschte Ziel nie erreichen würden.
Wenn man im Hradschin glaubt, diese fortgesetzten provokatorischen Grenzverletzungen durch eine summa r t j ch e Eegenrechnuug begleichen zu können, so ist man sich der Lächerlichkeit, der man sich damit aussetzt, nicht bewugt. Prag
Gefahr eines neuen Franc-Sturzes.
London, 7. Aug. Wie der „Suuday Referee" in sensationeller Aufmachung meldet, besteht die Möglichkeit eines weiteren Frankensturzes bis zu einem Kurse o o n 200 z u m P s u n d. Die Nationalisierung der Rwtungs- industrie, die Rüstungen und Rüstungsanlagen seien der Grund für einen neuen französischen Geldbedarf. Daladier stehe in enger Fühlung mit dem englischen Premierminister, dessen Rat dahin gehe, den französischen Staatshaushalt zunächst auszu- qleichen. Wenn das nicht getan werde, bestehe die Gefahr, daß eine Krise den Franken bis zu 200 oder 220 gegenüber dem Pfund abwerten werde. Das Kabinett hoffe, einen derartigen Kurssturz aber noch verhindern zu können.
Militärpartei gegen Hodscha.
as. Berlin, 8. Aug. Eine besonders interessante politische Tatsache in der gegenwärtigen Situation ist die deutlich wahrnehmbare innere Unsicherheit im tschechischen Lager, die nie so deutlich zu Tage getreten ist, wie jetzt. Es begann mit einem ziemlich massiven Angriff gegen die Politik des Ministerpräsidenten Hodscha, dem man in gewissen tschechischen Kreisen — vorn deutschen Standpunkt ganz zu Unrecht —, eine allzu große Laschheit in der Vertretung der tschechischen Interessen nachsagen zu muffen glaubt. Nun hat sich im Laufe der vergangenen Woche gezeigt, daß die tschechische Militärpartei tatsächlich einen noch schärferen Kurs verfolgt, als die Kreise um Hodscha, die sich wenigstens um den Anschein einer mäßigen Verhandlungsbereitschaft mit den Volksgruppen bemühen, während das Militär auch darauf kaum noch Wert legt, sondern provoziert, wo immer es nur möglich ist. Diese Zwiespältigkeit int tschechischen Lager bestand wie gesagt von Anfang an. Man muß aber leider feststellen, daß der Ein - fluß der radikalen Strömung zuzunehmen scheint. Die erneuten schweren Zwischenfälle an der deutsch-tschechischen und der polnisch-tschechischen Grenze zu einem politisch so bedeutungsvollen Zeitpunkt, sind ein deutlicher Hinweis, ebenso die Veröffentlichungen in einem Teil
Japans Vormarsch auf Sanlau.
Drei japanische Angriffskolonnen sehen, gegenwärtig gegen Hankau vor. Trotz der Zusammenziehung starker chinesischer Streitkräfte vor Hankau. setzen die Javaner ihren Vormarsch fort, obgleich der über seine ^ler getretene Jangtsekiang ein Hindernis für etn schnelles Vordringen ist Gegen Nantschang und die Eisenbahn Kiukiang —Tschutschau geht die japanische Sudgruppe erfolgreich (ZlbCltDllO, KJ
russische Interesse an den Höhen von Schangfeng. Die der Posset-Bucht vorgelagerten Berge beherrschen die für -mpan außerordentlich wichtigen Eisenbahnen, die die hochmodernen japanischen Häfen in Nord-Korea mit dem Landinnern verbinden und eine schnelle Transportmoglichkert nach der russischen Grenze hin bieten. Die Russen möchten durch sie Besetzung und Befestigung der Hohen die japanische Aktionskraft in der unmittelbaren Nahe von Wladiwostok hemmen und sich die Möglichkeit sichern, tm Kriegsfall den japanischen Nachschub von Schangfeng zu bedrohen. Offenbar nimmt man im Kreml an, daß der Augenblick, in dem Japan durch den Konflikt mit China stark engagiert ist, für einen Handstreich günstig sei. Zudem hofft man, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und durch die Bindung japanischer Truppen die Chinesen zu entlasten. Am Samstag schien es, als ob Moskau einlenken wollte. Die letzten Meldungen jedoch lassen jeden Verständigungswillen auf fetten der Sowjets vermissen. Um den Ansprüchen einen Schein von Recht zu geben, bezieht sich fytnfel|tein auf Verträge, die längst überholt sind. Diese Methode muß, nachdem die Sowjets den bisherigen Status quo Jahrzehnte hindurch geachtet hatten, absurd erscheinen. Nach Mos^uer Mitteilungen befinden sich die umkämpften Höhen in der Hand
gibt nämlich bekannt, daß seit dem 20. Mai die tschechische Grenze in 74 Fällen von deutschen Flugzeugen überflogen worden sei. Drei Zeilen später macht man bereits die Einschränkung, daß nur 20 dieser Flugzeuge „einwandfrei als deutsche Militärapparate festgestellt werben konnten. Die Tschechen haben uns vor Wochen schon einmal eine derartige Gegenbilanz offeriert und damals konnte zweifelsfrei belegt werden, daß es sich um reguläre und jugelaffene Zivilflugzeuge der Luftverkehrslinien, oder um glatte Erfindungen yandelte. Diesmal hat man Orts- und Zeitangaben wohlweislich weggelassen, um eine prompte Widerlegung zu verhindern. Bei der nervösen Stimmung und den kriegs- treiberischen Tendenzen, die die tschechischen Gemüter beherrschen, hätte man zweifellos bei jeder einzelnen Erenzuber- fliegung sofort Proteste zu hören bekommen. Aber in Prag war es still. Nachdem man nun durch die unerhörte Frechheit der eigenen Militärpiloten die Mißbilligung selbst des wohlwollenden Auslandes auf sich gezogen hatte, glaubte Prag zur Begütigung der öffentlichen Meinung der Welt einen Gegenstoß unternehmen zu muffen. Die verschwommene Form, die der Aktion von vorneherein den Stempel der Verlogenheit aufdrückt, bedeutet aber praktisch nur eine SekbA» belastung.
der tschechischen Presse. Soeben erst hat z. B. wieder der bekannte tschechische Schuhindustrielle Bata geschrieben:
„Mancher versteht nicht die Schwäche und Unentschloffen- heit, wie sie sich jetzt in Prag zeigt. Alle Schwierigkeiten beruhen in der Unentschlossenheit." Dabei hat man den Eindruck, daß vor allem von den politischen Kräften zur gesteigerten Unnachgiebigkeit aufgefordert wird, die die eigentlichen Schöpfer des jetzigen Tschechenstaates sind und damit die tatsächlichen Urheber seiner gegenwärtigen Schwierigkeiten. Staatspräsident V e n e s ch und seine engsten politischen Freunde werden sich sagen, daß sie selbst und ihr Einfluß ebenso schwer gefährdet sind, wie ihr Werk, der künstlich geschaffene und durch innere Gewaltanwendung erhaltene tschechische Nationalstaat. Wo sich also Ansätze zu einer größeren Verhandlungsbereitschaft zeigen — kaum erkennbare Ansätze übrigens —, da setzt sofort der energische Widerstand jener Kräfte ein, die sich heute um die Prager Burg und den tschechischen Generalstab gruppieren. Auf deutscher Seite wird man sich vor allem hüten müssen, aus solchen internen Schwierigkeiten und aus einigen Differenzen über die besten antideutschen Methoden voreilige Schlüsse zu ziehen. An den Grundsatz eines erweiterten Kampfes gegen das Deutschtum ist man sich bei fast allen Tschechen einig. Gerade darin liegt die auch heute noch nicht überwundene Hauptgefahr für die künftige Neuordnung im tschechoslowakischen Staat.
Innere Unsicherheit in Prag
((Eigener Drahtbericht unserer Berliner SchrifHeilung.)
Salamanca, 8. Aug. (Funkmeldung.) Dem nationalen Heeresbericht vom Sonntag zufolge wurden an der Ebrofront die Abschnitte Faqon—Mequinenza von den Roten vollständig gesäubert. Dieses Vorgehen müssen sogar die Roten in ihrem Bericht eingestehen. Die 24. r o 1 e D i v i s i o n, die in diesen Abschnitten'eingesetzt war, wurde völlig a u f g e r i e t> e n. Die Roten ließen über 1000 Gefangene und Verwundete auf den Kampfplätzen zurück. .
Das Hauptquartier in Burgos teilt mit, daß am Sonntagvormittag die Säuberung der Ebro-Front insofern restlos durchgeführt worden ist, als es gelang, die letzte Position Der Rotspanier auf dem rechten Ufer, Vertice Roda, zu erobern. Der Widerstand der Roten hat nach ihrer schweren Niederlage vollständig aufgehört. Das rechte Ebro-Ufer zwischen Fayon und Mequinenza befindet sich wieder in Händen der Nationalspanier. Das am Samstag und Sonntag eroberte Gebiet beläuft sich auf über 100 Quadratkilometer.
Wie die Frontberichterstatter ergänzend mittetlen, sind an der Ebro-Front bisher sechs rote Brigaden auf- gerieben worden, die ausschließlich aus Ausländern bestanden. Unter den roten Milizen herrscht große Empörung darüber, daß die bolschewistische Kampfleitung stets auf dem linken Ufer geblieben sei, um der Gefahr einer Gefangennahme zu entgehen j hingegen befänden sich die nationalen Stabsoffiziere während der Dauer der Kämpfe stets in den vordersten Linien. 90 rote Milizen, die mit ihrem Truppenteil beim Vorgehen der Nationalen über den Ebro zurückgetrieben wurden, haben den Fluß abermals überquert und sind zu den Nationalen übergelaufen. ' .. ,
Mer die Tätigkeit der Luftwaffe teilt der Heeresbericht mit, daß die Aktivität an der Ebro-Front unverändert fortgesetzt wird. Durch Tiefflieger-Angriffe wurden
