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Unterhaltungsbeilage. ®üro: Berlin-WUmer-darf.
Nr. 173.
Mittwoch, 27. Juli 1938.
86. Jahrgang.
Vorsichtiger Optimismus.
(Eigener Drahtbericht unserer Berliner Schriftleitung.)
Wirkung des Geistes.
Deutsche Kunststütten: Bayreuth und Salzburg.
Von Dr. Heinrich Reichert.
Chamberlain vor dem Unterhaus.
as. Berlin, 27. Juli. Bevor das englische Unterhaus in die langen Sommerferien geht, hat Chamberlain gestern noch einmal in einem großen außenpolitischen Überblick die Auffassungen der ermlischen Regierung zu den wichtigsten Fragen der großen Politik dargelegt. 2m ganzen bestätigte diese Rede den Eindruck, den man schon aus der Mission Lord Runcimans gewinnen mußte, daß England nämlich wieder stärkeren Anteil an allen Fragen des europäischen Festlandes nimmt. Zum anderen war der optimistische Ton der Rede bemerkenswert, wobei vielleicht mit zu berücksichtigen ist, daß Chamberlain die Abgeordneten nicht mit Sorge und Unruhe in die Ferien entlassen wollte. Gewiß fehlt auch in ,dieser Rede nicht der Hinweis auf die großen englischen Rüstungen, aber im ganzen werden die Aussichten doch freundlich und zuversichtlich beurteilt. Es ist selbstverständlich, daß uns in erster Linie das interessiert, was Chamberlain über das deutsch-englische Verhältnis sagte. Wir nehmen gern zur Kenntnis, daß der englische Ministerpräsident nicht an das Märchen von dem unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Deutschland und England glaubt, daß es seiner Ansicht nach viel mehr keineswegs unmög- l i ch ist, „die Bemühungen um eine Verständigung (nämlich zwischen beiden Ländern) fortzusetze-n". Das Flottenabkommen, das in England in der Tat viel zu wenig gewürdigt worden ist, ist dem englischen Ministerpräsidenten Beweis dafür, daß eine Einigung in allen lebenswichtigen Fragen der beidew großen Völker durchaus möglich ist. Eine Ansicht, die in Deutschland zweifellos geteilt wird.
Chamberlain ist dann vor allem auf die beiden Fragen cingegangen, die heute noch jeder wahren Befriedung Europas entgegenstehen. Zum tschechischen Problem hat er dabei die gestern hier ausgegebene Lesart bestätigt, daß Lord Runciman nicht als Schiedsrichter, sondern als V e r m i t t- l er und „Untersucher" nach Prag geht. Chamberlain hat hinzugefugt, daß Runciman von der englischen Regierung vollkommen unabhängig sein wird. Im ganzen waren die Ausführungen Chamberlains zum tschechischen Problem vorsichtig und zurückhaltend. Der Ministerpräsident, der Übertreibungen abhold ist, vermied es, diese Frage durch eine rosenrote Brille zu betrachten, wozu nach der sauersüßen Miene, womit man die Mission Runcimans in Prag ausgenommen hat, auch nicht der mindeste Anlaß gegeben ist.
Zum Spanienproblem waren gegenüber den immer wieder auftauchenden englischen Ideen über eine Kompromitz- lösung_.die Feststellungen Chamberlains bemerkenswert, daß man gegenwärtig nicht an eine Vermittlung denken kann. Man kann aus den Worten des englischen Ministerpräsidenten wohl schließen, daß er selbst an den Endsieg Francos glaubt. Jedenfalls will England auch hier alles tun, um jeder weiteren Gefahr für den europäischen Frieden vorzubeugen. Dementsprechend setzt sich England auch weiterhin für die Zurückziehung der Freiwilligen ein. Hinsichtlich der Inkraftsetzung des italienischenglischen Abkommens fand Chamberlain eine bet merkenswerte, wenn auch nicht völlig klare Formulierung Er erklärte nämlich auf eine Zwischenfrage: „Wenn die Regierung »en Eindruck haben kann, daß Spanien aufgehört hat eine Gefahr für den Frieden Europas zu sein, so werden wir das als eine Regelung der spanischen Frage betrachten." Mit anderen Worten heißt das, daß dann das englisch-italienische Abkommen in Kraft treten kann.
Ächtung der Lüge.
Kz. In den letzten Wochen erreichte die Pressehetze wieder einmal einen Höhepunkt. Und das in einer Zeit, die ohnehin voller Spannungen ist. Die Gefahren, die der poli-. tischen Luge iltnewohnen. wurden nie deutlicher als gerade Ht diesen Tagen. Alle Mahnungen, die der Führer und der Reichsvressechef Dr. Dietrich so oft ausgesprochen haben, blieben bisher ohne Erfolg. Die Art und Weise wie die „Times" anläßlich der Ostmark-Gedenkfeiern die heroische Tat Holzwebers und Planettas berabsetzte zeigt am besten, daß selbst ernsthafte und große Blätter der Hetzseuche erliegen. Ulm so erfreulicher ist es. daß nun der Verband der Internationalen Zeitschriften, dessen Präsident ein Deutscher ist. einen Aufruf erließ in oem eine Berichterstattung gefordert wird, die „den Formen und der Würde des Anstands" entsvricht. In dem Ausruf, oer bisher von den Vertretern Frankreichs. Italiens, Polens und Ungarns unterzeichnet wurde, heißt es u. a daß die internationale Zeitschriftenvkesse. gleich in welcher Sprache uno auf welchem Arbeitsgebiet ste erscheint, es als ihre FVV;“lisch e .Aufgab e ansieht,. ihre Tätigkeit aus- IchIreßlick in den Dtenst rein sachlicher und me r 161 e i ft a 11 ii it 6 ä u ft e 11 c n. Die zer- Iik T^denzen eines gewissen Teils der Presse, die den Weltfrieden gefährdeten, machten es zur Pflicht, alle Präsidenten der einzelnen Sektionen zu Bitten, ihre Mitglieder dem Boden internationaler Anschauungen und /ll°glichkeiten sich e,nzusetzen fLr eine in Inhalt und dornt, in Wort und Bild wahre und ? ressegest al tu n g. Die internationale ZeiUchrtttenvresse will so zur Entgiftung der volitischen und menschlichen Atmosphäre Beitragen, den friedlichen Wettbe- werb der Volker, untereinander fordern und für ehrliche Aufklärung an einer.wahrbaften Völkerverftän- rberten.®antü Bat der Internationale ZeltschrntenverBand e t n Beispiel gegeben. und alle wahren ttrievensfreunde würden es von Herzen Begrüßen, wenn sich dre Tagesprefse aller Länder die vorgenannten Erund^tze. die jur die deutsche Presse schon längst verpflichtende Geltung haben, zur Richtschnur nehmen würde. Die
Alles in allem wird man sagen können, daß die Rede Chamberlains, die auch am Fernost-Konflikt nicht vorBei- ging, den Friedenswillen unterstrich und auf einen vorsichtigen Optimismus aBgestimmt war, also von der eine
Lord Runciman, de? von Premierminister CbamBerlain zum Berater der tschechischen Regierung vorgeschlagen wurde.
(Weltbild. K.)
Zeitlang in England stark verbreiteten Kriegspsychose ab- rückte. „Der Horizont hat sich im allgemeinen aufgehellt", das war die Feststellung, die Chamberlain den englischen Parlamentariern in die Ferien mitgab.
Der englische Botschafter bei Graf Ciano.
Rom, 26. Juli. Zwischen dem englischen Botschafter und dem italienischen Außenminister hat am Dienstagabend eine neue Unterredung stattgefunden. Über den Inhalt der Besprechung werden vorerst keine Angaben gemacht, doch findet in hiesigen politischen Kreisen der" Umstand eine gewisse Beachtung, daß die heutige Unterredung zeitlich mit den Erklärungen des englischen Premierministers im Unterhaus zur internationalen Lage zusammenfällt.
Hetzorgane müssen iur reden ehrlichen Journalisten geächtet und aus den Bezirken, in denen stch der Anständige bewegt, ausgestoßen werden.
Jüdischer Hetz-Journalist ausgewiesen.
Rom, 27. Juli. (Funkmeldung.) Der aus Malta gebürtige englische Journalist Cremona, der römische Vertreter der beiden amerikanischen Zeitungen „Christians Science Monitor" und „Wallstreet Journal", hat von der zuständigen italienischen Stelle die Mitteilung erhalten, daß sein Verbleiben in Italien nicht mehr erwünscht sei, und daß er das Land oerlasten solle. — Auf Verwendung der englischen Botschaft wird die Maßnahme gegen Cremona, der jüdischer Abstammung ist, iwchmals geprüft. Die Antwort steht jedoch noch aus. Cremona sollte am 29. Juli Italien verlassen.
In diesem Sommer des Thrakers zeigt Deutschland, das Deutschland der Lebensbejahung, des Geistes, der Kraft, wieder einmal sein musisches Gesicht, so sehr das Welt- gebrüll der Deutschlandfeinde es zu einem waffenstarrenden Kriegsarsenal und zu einer Tyrannenburg stempeln möchte.
Rach den Reichsfestspielen zu Wien, während der Reichsfestspiele zu Heidelberg und den Festwochen in München bekunden Bayreuth und Salzburg die fortwährende Wirkung und ungebrochene Pflege deutscher Kultur.
Lebendigkeit des Daseins und der Le- bensbejaHsing. Gewiß, Salzburg besitzt vorab den Weltruf der landschaftlichen Schönheit. Aber die alte Äischofsstadt ist auch schön von innen wie keine zweite: Bildung, Gei st und Seele formten ihr Gesicht zu jungem Schönsein. Es kommt der Stadt zugute, daß jahrhundertelang ihre Fürstbischöfe kunstsinnige Fürsten waren. Aber dieselben geistlichen Herren waren auch reisige Männer und kluge Staatsführer. Ein hoher, weltweiter Gesichtskreis war ihnen eigen. Das Irdische war unvermeidlich, so fromm auch ihre Gesten waren. Geistliches und Weltliches traten in Wechselwirkung, durchdrangen sich. Kloster, Dom, Burg, Fest- haus, Gottesdienst und Kunstdienst wurden Geschwister: Überlieferung führte ins Moderne, man suchte den Ausgleich — und blieb dabei lebendig. Die Welt in Salzburg war nach allen Seiten hin ausgefüllt, aber sie stand auch nach allen Seiten hin offen. Solart und Fischer von Erlach wirkten hier, der italienische Einfluß war besonders stark in Baukunst und Theater. Es flutete immer in Salzburg. Bedrängung. llberwuchtung gibt es nicht. Auch die Berge bleiben in schönem Respekte. Wie feine Landschaft ist auch die Seele dieser Stadt aufs Helle. Flutende, Weite geformt. Das gotisch Ernste. Dämmerhafte, Rückbesinnliche ist wohl in den älteren Bauten noch erhalten, das Barocke, tn Träumerei und Formerlösung sich selbst Befreiende, hat aber doch aus allen Linien gesiegt. Das Barocke ist Ausdruck der Lebendigkeit der Stadt, ihres Daseinswillens. ihr eigentlicher Baustil.
Ein Teil dieses jahrhundertealten, immer lebensbejahenden Daseinswillens ist das Fieber der Schönheits- treube, das die Stadt ergreift, wenn es sich um ihre Festspiele handelt. Die Lebensbejahung wird zur Beladung des Universums, der Schöpfung. Eine verflossene Zeit deutete dies falsch. Sie machte aus Universum die politische, die volkauflösende Internationale. Aber die Seele Salzburgs blieb deutsch wie ihre Sehnsucht. Die Heimkehr Österreichs zum Reich knüpfte die Festspiele wieder an den deutschen Geist, aus dem die Stadt lebte und lebt, an jenen lebendigen Gei ft. der auch den Tod bejaht, weil er ihn nicht fürchtet und zum Universum rechnet. Symbolhaft ist. daß diese deutsche Stadt die Gräber ihrer Toten inmitten des Stadtgewühls wie am Herzen trägt, daß die idyllischen Friedhöfe von St. Peter und St. Sebastian Elanz- stücke der Stadt sind und selbst in den Festspielen ihre Rolle miispielen. So stark lebt diese Stadt, daß ihre Toten mit- spielen. Und so Bietet auch diese Wechselwirkung der Beiden höchsten menschlichen Einsätze, des Lebens und des Todes, nur einen neuen Gleichklang in diesem einzigartigen harmonischen Gebilde, das weder Worte, noch die Pinfelkunst des Malers völlig auszuschöpfen vermögen. Am ehesten mag es noch die Beflügeltste aller Künste, die Musik, deren innerstes Wesen selBst Harmonie ist und die sich einen ihrer größten Meister gerade von dieser Stätte aus bürgerlich umschatteter Wiege holte: Wolfgang Amadeus Mozart! Er ist der Genius des deutschen Salzburg.
Landschaft. Dom, Musik. Mozart, Festspiele — alles ist aBer nur jeweils ein anderer Ausdruck für den einen Grund- zug: der Wille zur LeBendigkeit des Daseins. Und so wird es keinen geBen. der ermüdet diese Stadt verläßt. Landschaft und Kunst sind ihre Junghrunnen, die Festspiele aBer ein Eleichklang aus Beiden zugleich.
LeBendigkeit des Wirkens. Ist SalzBurg der Daseinswille einer Stadt. so ist Bayreuth die Nach- Wirkung eines Menschen, der Persönlichkeit Richard Wagners. Geht man nach SalzBurg mit den Augen und dem Herzen, so soll man sich nach Bayreuth mit Ehrfurcht auf den Weg machen. Es ist schon so, wie es AlBert Lavignae in seinem Buch^.Die künstlerische Reise nach Bayreuth" schreiBt: ,,Es giBt viele Verkehrswege nach Bayreuth. Der einzig richtige Weg wäre aBer. auf den Knien hinzupilgern." Zwar Lavignacs politische Landsleute haBen offenBar von der Ehrfurcht nicht viel profitiert. Wir lesen unter den Ehrengästen Bayreuths auch Namen der Deutsch- tembe wie Clemenceau. Painlevs unb Barthou. Um so mehr nahmen. bie französischen Musiker mit von der deutschen Weihestatte an Eindruck, an Belehrung und verbindendem Geiste. Vincent ,d 2 nby, der Romantiker unter der französischen Komponistengeneration, wurde nach dem Besuch von Bayreuth ein geradezu fanatischer Wagnerianer. Er kompo- nlerte unter dem Einfluß der NiBelungen — ein Franzose! — die sinfonische Dichtung „Wallensteins Lager". Auch Masse- net, ein eifriger Besuckwr der Bayreuther Festspiele, verfiel ihrem Zauder. Versucht er in seiner „Manon" das Wag-
Die Ebro-Offensive der Roten zusammengebrochen.
Bilbao, 27. Juli. (Funkmeldung.) Der nationalspanische HeeresBericht meldet, daß die rote Offensive im Ebro- Tal noch immer andauert. Ein Bolschewistisches Regiment, das in der Nähe der EBromLndung den Fluß über- schritten hatte, wurde aBgeschnitten und aufgeiieben. Die Bolschewisten verloren üBer 400 Tote und 350 Gefangene. Die Bei Mequinenza in bas nationalspanische Gebiet eingedrungenen roten Truppenteile gerieten in einen Hinterhalt, wobei ihre nach Süden führenden Brückenoerbindungen von den nationalen Truppen zerstört wurden. Bei Mora del Ebro an der Straße Ganbcfa — Tarragona setzten die Franco- Truppen ihre Einkreisungsmanöver fort, und schnitten den Roten die rückwärtigen Verbindungen ab. Ein feindlicher Angriff an der Katalan-Front bei Collada im Abschnitt Gort wurde leicht abgewiesen.
2m Estremadura-Gebiet dauern die SäuBerungsaftionen nach versprengten roten Streitkräften noch immer an. In allen Befreiten Ortschaften sind die nationalen Truppen stets Gegenstand großer Begeisterung. llBerall nimmt das Leben der Zivilbevölkerung hinter der Front schon wieder einen normalen Verlauf. Die im Estremadura-Gebiet gefangenen roten Truppen gehören den Brigaden 20, 21, 25, 91, 103 und 109 an.
An der Levante-Front konnte ein Angriff auf den kürzlich eroberten Salada-Verg blutig abgewiesen werden. In diesem Angriff wurden zwei feindliche Stellungen genommen. Die nationalspanifche Luftwaffe griff überraschend feindliche Truppenkanzentrationen an _ unb brachte ben Bolschewisten mehrere tausend Mann Verluste bei. In der Nacht vom Sonntag zum Montag wurden die Hafenanlagen von Denia unb Eandia mit großem Erfolg bombardiert.
