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Wiesbadener Tagblan

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Staats Krise um zwei Tanzbeine

Der Sultan von 2oh o r«, dem britischen Schutzstaat im südlichsten Teil der Halbinsel Malakka, ist mit der englischen Regierung in Konflikt geraten, weil er darauf besteht, die um 40 Jahre jüngere Londoner Tänzerin Lydia Cevily Hill ui heiraten, ein Vorhaben, dar «mich auf den Widerstand seiner malaiischen Untertanen stützt.

65 Jahre ist der Sultan von Johore, Herr über 300 000 Untertanen auf der Halbinsel Malakka, alt. Er ist bekannter, als mancher seiner bedeutenderen Kouegen — wegen seiner Heiratsaffären. Die malaiische Majestät liebt nun einmal europäische Frauen und steht nicht ein, warum fie stch auch in ihrem Privatleben bevormunden lassen soll. Im politischen Leben hat stch der Sultan mit seinem „Vormund", Mr. Roland Braddell, abgesundem einem Engländer, der zwar nur den vorsichtigen Titel „General Adrnser" — „General- berater" — innehat, der jedoch der eigentliche Leiter der Ge­schicke des Landes ist, ganz abgesehen davon, daß Johore unter der Oberheit der von dem britischen Gouverneur Sir Shenton Thomas verwaltete» Straits Settlements steht.

In erster Ehe war der Regent von Johore mit einer Schottin, der jungen Witwe Helen Wilson aus Glasgow, ver­heiratet. Nach Jahren ungetrübten Glücks bekam er die äutzerst fromme und puritanische Dame, die sich bei den malaiischen Untertanen des Sultans nur sehr geringer Be­liebtheit erfreute, über und ließ sich von ihr scheiden, nicht ohne sie in großzügigster Weise finanziell sicherzustellen. Nun hätte man glauben sollen, datz die braunhäutige Majestät des Heiratens überdrüssig geworden war. Aber der Sultan hatte bei einem Besuch in London eine 23jährige Kabarett- künstlerin kennen gelernt, deren anmutige Sprache der Beine und sanfte Stimme sein noch immer jugendliches Herz be­törte. Er lud Miß Lydia Cevily Hill — so heißt das blonde Girl — zu einem Besuch in seinem prächtigen Palast in Bharu ein, und die Engländerin leistete vor kurzem, begleitet von ihrer Mutter, dieser Aufforderung Folge.

Nun hat der Sultan seinen Entschluß bekannt gegeben, daß er Lydia heiraten werde. Die junge Dame ist inzwischen wieder nach London zurückgekehrt, um alle Vorbereitungen für ihre Übersiedlung nach Johore zu treffen. Mittlerweile aber ist um sie eine förmliche Staatskrise entstanden. Die englische Regierung hat nämlich Sir Thomas, den Gouver­neur von Straits Settlements, beauftragt, den Sultan zum Verzicht auf diese Heirat zu bewegen. Es gehe nicht an, er­klärte sie, daß ein so wichtiger Verbündeter des, Britischen Reiches wie der Sultan von Johore, ein Revuegirl eheliche

und damit seine Autorität auf der Halbinsel Malakka unter­grabe. Der Monarch roeigert sich indessen ganz entschieden, seine» Plan aufzugeben, und hat seinen JSeneral Adviser" gebeten, nach London zu fahre», um die Regierung Seiner britannischen Majestät davon zu verständigen. Er habe stch, so ließ er in London verkünden, stets als ein Freund Eng­lands erwiesen und sagar zur Befestigung von Singapore eine freiwillige Spende von 500 000 Pfund beigetragen. Seine Privatangelegenheiten gingen jedoch die britische Regierung

nichts an, und wenn es ihm einfalle, eine chinesische Bettlerin zu heiraten, so sei das auch seine Sache.

Inzwischen aber haben auch seine sonst so geduldigen Untertanen ihr Mißfallen an dem Heiratsplan geäußert. Sie wollen kein Londoner Tanzgirl als Landesmutter haben und machen kein Hehl daraus, daß sie nicht ungern eine Ab­dankung des Sultans sehen würden. Vorerst ist es noch un­gewiß, wie die durch zwei Tanzbeine verursachte Krise im Staate Johore gelöst wird. zb.

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