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Wiesbadener Tagblatt

Erscheimmgszelt:

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86. Jahrgang

Dienstag, 19. Juli 1938

Nr. 166.

mit

großer Aufmerksamkeit verfolgt.

35 Kilometer tief in das rote Gebiet eingebrochen

Noch keine Entspannung im Mandschukuo-Konflikt

Englischer Königsbesuch in Paris.

Wöchentlich

mit einer täglichen

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sich birgt. Man kann nur hoffen, daß man diese Worte, die ja nicht nur für das Verhältnis Prags zu den Slowaken gelten, weder in Prag überhört noch in den Hauptstädten, in denen man die Entwicklung der tschechischen Frage

Das englische Königspaar fuhr am Dienstagvormittag um 9.10 Uhr nach Paris ab. Bis Dover erfolgt die Fahrt in einem Sonderzuge, dann über den Kanal bis

Boulogne auf der königlichen Jacht „Enchantreß". Georg VI. trug beim Verlassen der englischen Hauptstadt die blau-goldene

Uniform eines Admirals. Paris hat sein festliches Gewand angelegt. Unsere Aufnahme zeigt eines der vielen Bilder des Königspaares, die die Straßen von Paris schmücken.

(Scherl-Wagenborg-M.)

Willig ililil 6eWt in WOW.

Von unserem bei den Reichsfestspielen weilenden Schriftleiter Dr. H. Reichert.

Es mögen mehr Strömungen gewesen sein . . . Auf seinen nachdenklichen Gängen steht dem Berichterstatter keine Literatur zu Gebote, zu überprüfen. Bloh was sich ihm auf­drängt, wenn er das trümmerschöne Schloß sieht, wenn er im traulichen Garten des kurpfälzischen Museums sich ergeht, abends durch das brennende Spalier der Fackeln in den Schloßhof zu den Re ichsfe st spielen geht oder die Erwartung der Nation erlebt, die sich in der Thing- stätte auf dem Heiligen Berg ausspricht — bloß dies schreibt er nieder.

Diese Stätten künden nicht nur mit romantischen Zungen Schönheit, sie reden auch eine geist-politische Sprache: denn von diesen Stätten gingen und gehen Be­wegungen aus, die nicht nur als vereinzelte Stimmen ver­hallten oder das Recht des Individuums oder ein abstraktes Dogma verfochten. Es waren und find Stimmen des ganzen deutschen Volkes. Aussprache und Sehnsucht seines völkischen Wesens.

Wie wunderbar erklingt bei den Reichsfestspielen tm Schloßhos das Wort der Dichter . . . Goethes, Tiecks, Eichendorffs. Es ist, als gebe erst das Wort den Trüm­mern des Schlosses wieder Herr. Das Wort: es beschwört die Erinnerung an die große geschichtliche Bewegung der Reformation herauf, die hier im Schloß bei den Kur­fürsten ihre Schützer und Förderer fand, — und im Gefolge das deutsche Wort, die deutsche Sprache schuf. Wie ein Ge­schenk des ersten Vorstoßes zur deutschen Ein­heit mutet es an. Eine urlebendige Kraft ward damals im deutschen Volke geweckt. Und wir, die Enkel, genießen ihre Pracht in den Ruinen ihrer Schöpfer.

Wie traut ist im Kurpfälzischen Museum der Zusammenklang von Haus und Garten, von Baum und Architektur, von Blatt und plätscherndem Wasser. Und droben, wo Hölderlins unsterbliche Ode an Heidelberg im Originale liegt, umfängt uns warm und traulich die Aus­stellung „Romantik in Heidelberg". Richtig, als Klassik und Antike in Deutschland übermächtig werden wollten. — und als das deutsche Herz das einigende Band erlittenen Schmerzes, gemeinsamer Not umschlang, nach der preußischen Niederlage von 1806 und 1807, da vereinigt die deutsche Ro­mantik hier in Heidelberg ihre besten Geister, entzündet die vaterländischen Feuer, bereitet vor — zur deutschen Be­freiung 1813. Diese Kräfte waren gewonnen aus der Be­sinnung des Menschen aus sich selbst, ihr Land, ihre Ge­schichte und ihr Volkstum. Die Vollkommenheit der Landschaft, der Glanz und die Schmach ihrer Ee- schichte, förderte — diesen zweiten Vor st ob zur deut­schen Einheit.

Wie mächtig ist das Gefühl, wenn abends die Sterne und der Wind, das Feuer und das Wort im Schlotzhof bei den Reichsfest spielen das Herz ergreifen. Der erste Vor­stoß zur deutschen Einheit verpuffte. Die Reformation verriet die von ihr gerufenen Kräfte. Im Bauernkrieg, den der Heidelberger „Götz" so nachdrücklich vorstellt, erlahm­ten sie. Die Romantik aber (man spielt auch Eichendorffs „Freier"), die zweite Sehnsucht nach der deutschen Größe, erstarb an sich selbst: in unfruchtbaren Träumen und in ihrer Abkehr von der Welt. „Im Anfang aber ist die Tat" sagt Faust auf dem Schlotzhof bei den Spielen. Reformation und Romantik waren Bausteine. Krone und Erfüllung ist — unsere Zeit. Die letzte oeutsche Bewegung hat die Geschichte bildende Kraft. Sie vollendet: die deutiche Einheit. Zum erstenmal in der deutschen Geschichte ergreift in Zusammen­schau und Zusammenfassung das deutsche Gefühl das ganze Volk, zum erstenmal bedingen sich bewußt und wechselseitig Politik und Kultur. Wie ein Ausdruck dessen sind die Reichs festspiele, die einzigen, die das Reich als solches trägt und veranstaltet: erfüllte Vergangenheit und erfüllte Gegenwart sind sie.

Und die erfüllte Zukunft? Drüben liegt die gewaltige Thing st ütte, der Heilige Berg. Was sich der deut- schen Bewußtwerdung entgegenstemmt, ia auch was ihr gleich­gültig gegenübersteht, bat keinen Raum mehr. Aber Raum bat noch eines: d i e große schöpferische dichterische Tat. Auf dem Schlotzhof spielen sie noch die großen Dich­tungen der deutschen Vergangenbeit. Wo ist die große Gestaltung der Gegenwart: schöpferisch, die Möglich­keiten der Vergangenheit nützend, die neue Volkwerdung e r - füllend, gestaltet für die Ewigkeit? Groß und feier­lich wie die Thingstätte, heilig wie der Name „Heiliger

Tokio, 19. Juli. (Funkmeldung.) Der japanische Botschafter in Sowjetrußland, Schigemitsu, ist von einer Europareise nach Moskau zurückgekehrt, um die Verhandlungen wegen des Zwischenfalles von Hunschun zu führen. Die japanische Regierung hat jetzt ihren Protest in Moskau erneuert, wobei sie die Behauptung des stellver­tretenden sowjetrussischen Autzenkommissars Stomonjakow, Schanseng sei Sowjetgebiet, erneut zurückwies.

Vor der Sowjetbotschaft in Tokio demonstrierten am Dienstag Mitglieder der nationalistischen Kenkokukai-Partei (Reichsgründungspartei). Dabei nahm die Polizei sieben Verhaftungen vor. Die Demonstranten hatten Flugzettel mit der Aufschrift „Sofortige Bestrafung Sowjetrußlands" in das Botschaftsgelände geworfen, als der Geschäftsträger eine Unterredung verweigerte, die Kenkokukai gefordert hatte, um wegen der Grenzverletzung bei Hunschun zu protestieren. Die Polizei ermahnte die Verhafteten, angesichts der „delikaten internationalen Lage" künftig derartige Demon­strationen zu unterlassen.

Unter Vorsitz des Ministerpräsidenten K o n o e be­handelte der Staatsbeirat am Dienstag den Erenzzwifchenfall von Hunschun. Anschließend besprach sich der Außenminister mit dem Kriegsminister über das weitere Vorgehen der japanischen Regierung, da Moskau anscheinend eine Haie Stellungnahme verweigert. Bis jetzt sind offizielle japanische Proteste $n Moskau und Chardin sowie direkte Vorstellung des Abschnittskommandeurs der japanischen Grenztruppen bei Hunschun ausweichend oder mit der Be­hauptung beantwortet worden, daß die von Sowjettruppen desetzte Höhe bei Schanseng Sowjetgebiet sei. General iso, der bisherige Befehlshaber der Korea-Armee, er- klarte bei seiner Rückkehr nach Japan in Shimonoseki, daß er persönlich nicht glaube, daß Moskau an eine ernstliche Heraus­forderung Japans denke. Die innere Lage Sowjetrußlands mache es feiner Ansicht nach unmöglich, daß Stalin sich in ein derartig gefährliches Abenteuer stürze.

Einrichtung eines Währungsausgleichsfonds.

Tokio, 19. Juli. (Funkmeldung.) In einer Erklärung des ".inonzMinisters wurde am Dienstag offiziell die Einrichtung eines Währungsausgleichsfonds in Höhe von 300 Millionen Pen aus den Goldreserven der Bank von Japan ^kannt gemacht. Der Fonds dient zur Sicherstellung der Ein- Mhrung von Rohstoffen und zur Förderung der Slusytifc.

Bilbao, 18. Juli. Der Eeländegewinn der Offensive der Nationalen an der Teruel-Front in den letzten drei Tagen beträgt, wie bekannt wird, etwa 10 0 0 qkm. Die Tiefe des Vormarsches belief sich durchschnittlich auf 30 kin. Die Hälfte der Straße Teruel—Sagunt be­findet sich nunmehr im Besitz der Nationalen.

Am Montagvormittag drückten die nationalen Truppen an der Levante-Front die nördlich vom Mijares-Flvß be­findliche 30 km tiefe Fronteinbuchtung wiederum weiter ein und stießen mehrere Kilometer weit in östlicher Richtung vor. So besetzten sie die an der Straße nach Lucena ge­legene Ortschaft Cortes de Arenoso Weiter südlich setzten sie ebenfalls in östlicher Richtung den Vormarsch von Billanueva de la Reina längs der Straße Fuenta'de la Reina fort. Schließlich wurde die Stellung Casilla Desordo besetzt.

Sejugspreife: Für eine Bezugszeit von 2 Wochen 94 Rpf., für einen Monat RM. 2.—, ein- schließlich Traglohn. Durch die Post bezogen RM. 2.35, zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld, Einzel- nummern 10 Rpf. — Bezugsbestellungen nehmen an: der Verlag, die Ausgabestellen, die Träger und alle Postanstalten. — Die Behinderung der Lieferung rechiferttgt keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

„Reinigungsaktion" in der Fernoftarmee.

Tokio, 17. Juli. (Ostasiendienst des DNB.) Aus Hsinking wird gemeldet, daß Stalin Marschall Blücher, den Befehls­haber der Fernostarmee, zur Berichterstattung über die Ljuschkow-Afsäre nach Moskau beordert habe. Die inzwischen in Chabarowsk eingetroffene Untersuchungskommission unter Führung des stellvertretenden Volkskommissars Mekhis hat bereits Angehörige der Fernostarmee und des Jnnenkom- mistariats einem strengen Verhör unterzogen und auch schon einige Todesurteile vollstreckt. Man vermutet, daß die Rück­berufung Blüchers weitere „drastische Reinigungsaktionen" in den Reihen der Fernostarmee zur Folge haben wird.

Die Verhandlungen stocken.

as. Berlin, 19. Juli. Mit großer Regelmäßigkeit kommen aus Prag Meldungen, die etwa lauten, in den Verhand­lungen über das sogenannte Nationalitätenstatut ist er­neut eine Verzögerung eingetreten. Das wird auch für den gestrigen Montag berichtet. Ob unter solchen Umständen das Nationalitätenstatut, wie mehrfach ange­kündigt worden war, Anfang der kommenden Woche im Parlament behandelt werden kann, erscheint mehr als frag­lich, spricht man doch neuerdings sogar davon, daß mit der Behandlung des Statuts im Senat frühestens Ende September zu rechnen ist. Was den Inhalt der neuen Maßnahmen anlangt, so lauten die Nachrichten noch weniger ermutigend. Die tschechischen Regierungsblätter bezeichnen solche Inhaltsangaben zwar einfach als „müßige Schreiber­kombinationen", tatsächlich möchte man damit wohl nur die Tatsache tarnen, daß das Wenige, was man überhaupt den Sudetendeutschen bieten will, im Laufe der Verhandlungen im Kreise der tschechischen Koalitionsparteien immer mehr beschnitten wird. Alle Meldungen stimmen jedenfalls darin überein, daß mai^die Forderungen der Sudeten­deutschen nach Aiktonomie zu umgehen versucht, indem man Verwaltungsgebiete schafft, in denen die Sudeten­deutschen keine Mehrheit haben, d. h. in dem man jede vernünftige Gebietseinteilung ablehnt. Nicht viel anders sieht es mit der beabsichtigten Sprachenregelung aus. Wenn danach nämlich den „Minderheiten" der Gebrauch ihrer Sprache über­all dort gestattet wird, wo sie mindestens 15 % der Gesamt- beoölkerung erreichen, so wird das in der Praxis in erster Linie den im deutschen Gebiet lebenden tschechischen Minder­heiten zugute kommen. Die Folge würde also die Ver­wischung des nationalen Charakters einer

Reihe deutscher Städte sein, in denen die tschechischen Minder­heiten dank der Tschechisterungsmaßnahmen bereits 15 % aus­machen, oder diesen Prozentsatz in absehbarer Zeit erreichen werden. So sehen also die „Zugeständnisse" aus, die Prag machen will. Von einem echten Entgegenkommen an die Volks­gruppen ist gar nicht die Rede. Die Vokksgruppengesetze, die Hodscha vorbereitet, haben nur den Zweck, dem mangelhaft orientierten Ausland Sand in die Augen zu streuen.

Inzwischen laufen die Versuche der Tschecho-Slowakei weiter, die Slowaken für die Regierung zu ge­winnen und sie aus der Front der fordernden Volksgruppen herauszulösen. So hat man maßgebenden Männern der slo­wakischen Hlinka-Partei gute Verwaltungsposten angeboten in der Hoffnung, mit solchen Vestechungsmethoden die autono= mistischen Slowaken spalten zu können. Diese Ämterbe­stechung hätte Prag dann gern als „stille Autonomie­lösung" frisiert. Die Slowaken sind aber nicht gewillt, sich mit solchen Methoden abspeisen zu lasten. Das geht sehr deutlich aus dem slowakischen Hauptorgan „Skowac" hervor, der erneut die Autonomie der Slowaken fordert und dazu u. a. sagt: „Darauf beharren wir. Es geht uns nicht um persönliche Er­oberungen. Wir sind für die Änderung des Regimes. Wir fordern, daß der Umbau des Staates mit vollem Ernst und gutem Willen durchgeführt werde. Andernfalls könnten große Komplikationen entstehen, die weder unser Staat noch Europa braucht." Hier werden also nochmals klar und deut­lich die Gefahren aufgezeigt, die die jetzige Prager Politik in

_ r Werktäglich nachmittags.

b Ausgaben Geschäftszeit: 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonn- ru Feiertags.

Unterhaltungsbeilage. BecBn-aiHtmer’W

Prager Spiegelfechtereien

(Von unserer Berliner Schriftleitung.)

Der nationale Heeresbericht vom Montag teilt mit: An der Teruel- und Castellonfront wurde der Vormarsch fort­gesetzt. Die Straße von Fuentes de Rubielos nach Zucayna ist völlig besetzt worden. Südlich davon wurde die Ortschaft Olba erobert und in der Provinz Castellon Villanueva de l a R e i n a. Im Abschnitt Sueroas wurde die feindliche Front aufgerollt und der Ort I n q u e sowie die Stellungen südöstlich hiervon besetzt.

Die nationale Luftwaffe bombardierte den Hafen von Alicante sowie den Bahnhof, wo mehrere Materialzüge getroffen wurden. Nordöstlich von Segorbe konnten die Flieger ein feindliches Munitionslager in die Luft sprengen. Im Luftkampf wurden am Montag nicht weniger als 18 sowjetspanische Flugzeuge abgeschosten.

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