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Wiesbadener Tagblatt

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Unterhaltungsbeilage. $üro:

Nr. 155.

Mittwoch, 6. Juli 1938.

86. Jahrgang.

»Ml Mm II öet MWll-AM.

Der englische Plan zur Zurückziehung angenommen. — Burgos und Barcelona müssen Stellung nehmen. — Wird Moskau den Friedensschritt sabotieren?

Unser Standpuntt.

88. Berlin, 6. Juli. (Drahtbericht unserer Berliner Ab­teilung.) Die gestrige Vollsitzung des Nichteinmischungs­ausschusses, an der die Vertreter von 27 Nationen teilnahmen, hat die auf sie gesetzten Hoffnungen gerechtfertigt. Der eng­lische Plan über die stufenweise Zurückziehung der Freiwilligen aus Spanien, die Zuerkennung der Rechte Kriegführender an beide Parteien unter ge­wissen Voraussetzungen und die Wiederherstellung der Land- und Seekontrolle an den spanischen Grenzen, ist ein­stimmig angenommen worden. In London herrscht darüber große Befriedigung. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, daß rund ein Jahr über diesen Plan verhandelt worden ist. Wie der Plan heute im einzelnen aussieht, das wird man erst in einigen Tagen, voraussichtlich am Freitag, ersahren. Er wird nämlich jetzt sofort den beiden spanischen Parteien übermittelt, die ihre Zustimmung geben müssen, daß nun die Kommissionen mit der Zählung der Freiwilligen be­ginnen können. Sobald der Plan in Burgos und Barcelona vorliegt, soll er in Form eines Weißbuches oerössentlicht werden. Der Vertreter Moskaus hat auch gestern wieder den ganzen Plan nur unter dem Vorbehalt angenommen, daß auch seine Regierung zustimmen wird. In London mißt man dem aber keine große Bedeutung bei, sondern glaubt, daß Sowjetrußland dieses Einigungswerk nicht gefährden wird, um sich nicht völlig zu isolieren. Die Durchführung des Planes wird ziemlich erhebliche Soften verursachen, insgesamt etwa 2% Millionen Pfund Sterling. Aber auch hier haben Deutschland, Italien, England und Frankreich durch die gestern erfolgte erste Zahlung von je 12 500 Pfund die Ingangsetzung der Arbeiten ermöglicht.

Die zweite Voraussetzung ist nun die Zustimmung der beiden spanischen Parteien. Sobald diese Zustimmung vorliegt, sollen sich die Auszählkommiffionen zu

den kämpfenden Heeren nach Spanien begeben. Das wird auf nationalspanischer Seite, angesichts der Ordnung und Disziplin die dort herrschen, vermutlich keine großen Schwierigkeiten machen. Wohl aber muß man mit solchen Schwierigkeiten auf der Seite der Roten rechnen, zumal die Roten bekanntlich vielfach die ausländischen Söldner zu „Spaniern" gemacht haben. Hier liegt zweifellos ein Eefahrenpunkt für den ganzen Plan. Andererseits aber ist die Tätigkeit der Kommissionen in Spanien zeitlich begrenzt. Sie sollen ihre Feststellungen etwa im Laufe von 1% Mo­naten treffen. Sobald die Kommisiionen sich auf spanischem Boden befinden, werden die Grenzen geschlossen, die Kontrolle zur See und zu Land setzt wieder ein. Frankreich hat daran die Bedingung geknüpft, daß sich innerhalb von 40 Tagen Her­ausstellen muß, ob die Kommisiionen arbeiten können oder nicht. Ist das nicht der Fall, so hält sich Frankreich an die Verpflichtung der vollständigen Sperre der Pyrendengrenze nicht mehr gebunden.

Man sieht einmal, daß auch im allerbesten Fall, wenn nämlich alles klappt, einige Zeit vergehen wird, bis der Ab­transport der Freiwilligen aus Spanien beginnen kann. Man sieht aber auch zum andern, daß für Moskau und seine Helfer in Barcelona noch Möglichkeiten gegeben sind, die Durchfüh­rung dieses nach so langen Verhandlungen zustande gekomme­nen Plans zu sabotieren. Es wird also auch weiterhin darauf ankommen, daß alle Mächte gegen solche Sabo­tage-Versuche der Roten zusammen st ehen und den jetzt eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen. Deutsch­land und Italien haben stets den Standpunkt eingenommen, daß alles geschehen muß, den Krieg in Spanien möglichst bald zu einem für die spanische Nation -guten Ende zu führen und daß deshalb auch die Parole lauten muß: „Spanien den Spaniern!" Dementsprechend haben sie diesem Plan zu- B'immt, der seine Feuerprobe allerdings erst noch zu be- en haben wird.

Burriana, eine wichtige Küstenstadt, genommen

51 rote Flugzeuge abgeschossen.

Salamanca, 6. Juki. (Funkmeldung.) Wie der natio­nale Heeresbericht meldet, wurden am Dienstag die Operationen an der Teruel-Front erfolgreich fortgesetzt. Westlich des Flusses Turia wurden wichtige Positionen besetzt und der Fluß selbst überschritten. An der C a st e l Ion- Fr o n t eroberten die Nationalen die Stadt Burriana. Burriana hatten die Roten zu einer starken Küstenbefestigung ausgebaut. Der Kommandeur der bolschewistischen Levante- Truppen hatte noch vor wenigen Tagen erklärt, daß das Schicksal Vurrianas entscheidend sei für das Schicksak von Sagunt. In Burriana wurden viele Gefangene gemacht, da die nationalen Truppen für die Bolschewisten völlig über­raschend eindrangen. Südwestlich von Rules beherrschen die Nationalen den Ort V a l l de U x o. Das Puntalgebirge tonnte in seiner ganzen Ausdehnung besetzt werden. Im Ab­schnitt Tales wurden die Orte Sueras und Fuente de la Higuera erobert.

Die nationalen Flieger bombardierten nordöstlich von Amposta einen sowjetspanischen Munitionszug, ferner die Munitionsfabrik Eava (Provinz Barcelona), die in Brand geriet, sowie den Fkugplatz von Alicante, wo zahlreiche Ge­bäude und Flugzeuge vernichtet wurden.

Demonstrationen in Valencia.

Bilbao, 5. Juli. Ständig laufen neue Nachrichten aus dem bolschewistischen Gebiet ein, die die zunehmenden Schwie­rigkeiten der roten Machthaber unter dem Druck des Vor­dringens der Nationalen erweisen. So kam es in Valencia zu einer Protestkundgebung von mehreren tausend Personen, die aus Ortschaften im Kriegsgebiet vertrieben worden waren und in Valencia ihrem traurigen Schicksal ohne jede Hilfe überlassen wurden. Wie der rote Sender Carta­gena meldet, wurden bewaffnete Milizen gegen die Demon­stranten eingesetzt. Eine große Zahl von Männern und Frauen wurde verhaftet, die ihrer Empörung in Schmährufen auf die roten Machthaber Ausdruck gaben. Die Verhafteten sind dann Schanzbataillonen zugeteilt und sofort an die Front abgeschoben worden.

Die bolivianische Regierung hat amtlich im Rundfunk mitgeteilt, daß sie energisch den in den letzten Tagen aufgetauchten Vorschlag ablehne, die Chaco-Konserenz als Schiedsgericht über die Grenzziehung im Gran Chaco ent­scheiden zu lassen.

Eroberungen im Frieden.

Von Walter Atzmus. •

Kaum ein anderer Staat ist so wie Deutschland daraus angewiesen, aus seinem Boden das letzte herauszuholen. Dieser Zwang ist seit der Machtergreifung durch den National­sozialismus noch größer geworden, da einmal das Wachstum der Volkszahl und zum anderen die Erfolge der Arbeits­schlacht zu einem bisher unerreichten Höchststand des Nahrungsmittelverbrauchs führten._ Aus mancherlei Einzelmeldungen wissen wir auch, wie sehr sich das nationalsozialistische Deutschland bemüht hat, neues L a n d z u gewinnen, Ödland zu kultivieren und insgesamt den Er­trag der Bodenbewirtschaftung zu erhöhen. Im Anfang haben diese Bestrebungen im Rahmen der Arbeitsbeschaffung eine große Rolle gespielt, sie sind dann aber schr bald immer stärker in den Dienst der Erzeugungsschlacht gestellt worden. Jetzt nun wird die Aufmerksamkeit auf diese friedliche Erobe­rungswaffe des Dritten Reiches dadurch hingezogen, daß das Reichsernährungsministerium einen Rechenschaftsbericht vor­legt, der den Titel trägt: „Die Meliorationen in den Jahren 1933 bis 19 36". Dieser Bericht zeigt, in wie hohem Maße der nationalsozialistische Staat der Boden- verbesserung seine Aufmerksamkeit geschenkt hat und auch weiterhin schenkt. Es zeigt sich zugleich, wie notwendig diese Arbeiten sind, mußten doch in den letzten Jahren von unserer ohnehin knappen landwirtschaftlichen Nutzfläche 6 5 0 0 00 ha für andere dringende Zwecke freigemacht werden. Wenn es trotz allem gelungen ist, unsere Volksernäh­rung unabhängiger vom Ausland zu machen, so ist das eine historische Leistung unseres Landvolkes, eine Leistung, die ober nicht hätte erzielt werden können, wenn nicht das Landes- kulturwerk mit größtem Eifer gefördert worden wäre. Wenn es gelang, in den vier Jahren, die der Bericht umfaßt, 536 000 ha Neuland zu gewinnen, so ist das, wie Reichsminister Darrö mit Recht sagt, ein Ergebnis, das vor der Geschichte bestehen wird. Dieser Raum ist gewonnen worden aus den Watten Ser Nordsee, durch Entwässerungen, Bewässerungen, Flußregelungen und Eindeichungen.

Die planmäßige Wasserwirtschaft, die bei der Landeskultur die ausschlaggebende Rolle spielt, fängt an bei der Wildbachverbauung. Hierfür sind insgesamt 4,681 Mil­lionen RM. aufgewandt, wofür 156 Kilometer Wildbüche in geregelte Bahnen gebracht wurden. Beschränkten sich diese Bauten ausschließlich auf Bayern, so hat schon der nächste Schritt in der planmäßigen Wasserwirtschaft, nämlich der Bau von Talsperren in den Einzugsgebieten unserer Flüsie und Ströme viele Teile des Reiches berührt. In manchen deutschen Gauen hat der Reisende heute Gelegenheit, Tal­sperren zu bewundern, die dem Ernährungswerk dienen und die außerdem oft noch neue landwirtschaftliche Reize geschaffen haben. So sind insgesamt 183,28 Millionen cbm Stauraum neu geschaffen worden, wofür 73,8 Millionen RM. aufge­wendet wurden. Eine andere schr wichtige Aufgabe, bei der vor allem der Arbeitsdienst in großem Umfange eingesetzt wurde, ist die Entwässerung durch offene Gräben. Auf diese Weise wurden über 466 000 ha versumpftes Kulturland entwässert, wofür über 100 Millionen RM. aufgewendet wurden. Auch die Flüsse tun uns keineswegs den Gefallen, ihren Lauf immer so einzurichten, wie es für die Landwirt­schaft am vorteilhaftesten wäre. Hier wird mit F l u ß - regelungen eingegriffen und wenn in den vier Jahren etwas über 11000 Kilometer Flußlciufe ausgebaut wurden, so entspricht diese Länge etwa der Entfernung von Berlin nach Tokio.

Bekannter als diese Acheiten sind der Allgemeinheit die Ö d l an d e r s ch l i e ß u n g e n. die bei der erstrchten Nah­rungsfreiheit des deutschen Volkes eine besonders wichtige Rolle spielen. Noch liegen in Deutschland 2,5 Millionen ha kultivierungsfähiges Ödland brach, das im Rahmen des Vier­

^ngertteutorftsteten angelegt wurden, Kaliber auszuhalten haben, sondern es

Was Valencias Fall bedeuten würde, wissen die Roten genau. Der Kampf um die Stadt dürfte noch härter werden der um Bilbao, Santander oder Oviedo und längere Zeit veanlvruchen — falls nicht eine Panik bei den Roten eintritt.

Das letzte Bollwerk vor Valencia, die Stadt Sagunt ist zurzeit das Ziel zweier national-svanischer Angrisfskolonnen. die aus den Räumen Teruel und Castellon südwärts unter ständigen Kämvfen vordringen. Nachdem die letzten 14 Tage crne ganze Kette von Durchbrechungen der roten Ver- reldigungslinie durch Francos Truvven gebracht haben, steht letzt der Augenblick bevor, indem sich die beiden national- W"l>chen Angriffskolonnen vor Sagunt vereinigen werden. •yut diesem Augenblick beginnt dann die direkte Offensive gegen Valencia. Der neueste Hilfeschrei, den die Roten über ffender von Valencia in die Lüste schickten, ist also sehr begründet. Der rote Oberbefehlshaber. Miaia, Hal alles.

"er mittleren Ostküste an einigermaßen zusammen- vangenden Verbanden auftreiben konnte, in den Raum «agunt-Valencia geworfen.

2m Juni wurden 41 rote Flugzeuge im Luft­kampf und 10 durch die Luftabwehr abge- schossen. Die Nationalen verloren 5 Apparate durch Luft­abwehr.

liegt nur noch 28 Kilometer von Valencia ^.„'ernt Fallt diese Stadt — und das ist nach der bisherigen SSi™Ä6luna des national-spanitchen Vormarsches an der ^Itkufte nur noch eine Frage kurzer Zeit — dann gerät ir “1 -.5 1 a in den unmittelbaren Feuer- \ r der national-spanischen schweren y 11111 e 11 e. (Es werden dann nicht nur die Vorfeld- ö;?”.Valencia, die wie immer von sowjet-russischen " das seuerschwere -v—yuuen. iunuci.li es dürfte dann auch in Wöester Ze.it der starke Hafenoerkehr in der Guadalavia- Mundung rur Valencia aufhören.

Japans Gegenmahnahme: Besetzung Hainans?

Protest der japanischen Presse.

Tokio, 6. Juli. (Funkmeldung.) Der Sprecher des Außen- amtes erklärte heute zur Frage der Besetzung der Paracelsus- Inseln durch französisch-anamitische Polizei unter Führung französischer Offiziere, daß 1920 und 1921 von französischer und britischer Seite erklärt worden sei, daß die Paracelsus- Inseln zum Verwaltungsbezirk Haina« ge­hörten. Der Sprecher des Außenamtes betonte, daß ein An­

spruch Jndochinas oder Frankreichs auf die Paracelsus-Inseln deshalb unberechtigt sei.

Die japanische Presse wendet sich leidenschaftlich gegen Frankreichs Vorgehen und schreibt, Frankreich habe da­mit sein wahres Gesicht gegenüber Japan und dem China- konslikt gezeigt. Wenn Frankreich seine Haltung nicht ändere, so müsse Japan entsprechende Maßnahmen ergreifen. Da Hainan chinesisches und damit Operationsgebiet sei und außer­dem militärische Befestigungen aufzuweisen habe, so würde die Besetzung Hainans durch Japan vollkommen berechtigt sein.

Erwachen die verführten französischen Arbeiter?

CGT. verlor über 150000 Mitglieder.

Paris, 5. Juli. Doriot weist in der nationalistischen „Liberte" nach, daß die marxistisch-kommunistische CET.-Ee- werkschaft eigentlich gar nicht das Recht habe, im Namen der französischen Arbeiter zu sprechen, wie sie das immer tue. Im Laufe der letzten Monate hätten über 150 000 von C GT. - Mitgliedern diese Gewerkschaft ver­lassen. Innerhalb von sechs Monaten hat die der CGT- Gewerkschaft angeschlossene Bauarbeitergewerkschaff 40 000 Mitglieder verloren, die Veamtengewerkschaff 24 000 Mit­glieder, die Gewerkschaften für die Nahrungsmittelbranche und für die chemische Industrie je 9000 Mitglieder. In der

Metallindustrie haben sogar über 70 000 Arbeiter der CGT.- Eewerkschast den Rücken gekehrt.

Es handele sich, so bemerkt Doriot, um eine Bewegung allgemeiner Art, die man nicht unterschätzen dürfe. Zahlreiche Arbeiter begännen sich darüber klar zu werden, daß sie von den marxistischen Demagogen getäuscht worden sind. Die politischen Streiks und die bitteren Enttäuschungen infolge des Scheiterns der Volksfront seien die Hauptgründe dieses Abfalles. Die CGT. umfasse heute nur noch ' einen Bruchteil der französischen Arbeiterschaft. Sie könne sie also nicht mehr vollkommen vertreten. Die Regierung müsse dieser neuen Lage Rechnung tragen und das Monopol, das sich die CGT. anmaße, brechen.