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©efiMttie «fite Wunde obe'r ek-n-en SrfjitiTF am Körper har, wird er angesteckt."

Wir glaubten ihm zwar nicht recht, doch was sollten wir tun! Man mutzte froh sein, überhaupt wieder einen fahr­baren Untersatz unter sich zu haben, die Reeder bestürmen einen heute keineswegs mit Bitten, allergnädigft eine Stel­lung anzunehmen!

Tanz neben Barrikaden.

Jedenfalls benützten mir die wenigen Tage bis zur Ab­fahrt, um das Leben in Schanghai noch recht zu genießen. Und das konnte man dort wunderbar! Wir lagen unter Pootung Point, gegenüber der Stadt, und hatten nur wenige Minuten mit dem Boot zu fahren, um an Land zu gelangen. Es war damals die Zeit der innenchinsfifchen Unruhen — wann wären dort keine? —, das hinderte aber unsere Be­kannten nicht, uns täglich zu Diners, Tanz-Tees und Cock­tails einzuladen. Nicht einmal in Paris gibt es einen so internationalen Großbetrieb wie im mondänen Schanghai..

Wohl liegt hier das ärgste Elend dicht neben den Luxus- lokalen. Am Ufer liegen Hunderte Zampans, kleine Boote, die den Schlamm und Mist aus dem Flußbett verladen, um ihn im Inland als Dünger zu verkaufen. Bis zum Bauch stehlen die armen Teufel im Wasser, manchmal bei mörde­rischer Kälte, und schaufeln.

Auf den Kähnen wohnt die ganze Familie mut den Schweinen und Hühnern, die kleinen Kinder sind mit einem Strick am Bein angebunden, damit sie nicht ins Wasser fallen. Der Unrat wird einfach ins Wasser geschüttet, der Cestank ist derart penetrant, daß man erbrechen könnte. Nicht weit davon liegt das Astorhouse-Hotel. Nach vierwöchiger Fahrt sind wir wieder unter Menschen, was liegt daran, daß der Verdienst eines Monats draufgeht!

Die Musik spielt einen Charleston, parfümierte Damen in weitzgepuderten Dekolletes, mit Schmuck behangen, tanzen, wilder und ausgelassener, als sie es daheim getan hätten. Die Herren sind durchweg im Smoking oder in Uniformen der vielen Handels- und Kriegsschiffsosfiziere. Denn draußen liegen englische, französische, amerikan>ifche, auch italienische Kriegsschiffe, nur kein deutsches!

Vom Astorhouse-Hotel geht's ins Majestic. In den Logen sitzen die Angehörigen aller Nationen und machen ihre Geschäfte. In der Halle tanzen Chinesen, Japaner, Malaien, die weiße Gesellschaft mehr unter sich. Der Champagner fließt in Strömen, französische und englische, auch japanische Mädchen, setzten sich ungefragt zu uns an den Tisch und nippen aus unfern Gläsern. Wie im Fluge vergeht di« Zeit, und niemand läßt sich durch die Stacheldrahtverhaue und Barrikaden auf den Straßen die Laune verderben.

Daß di« guten Leute auf einem Vulkan tanzten, haben sie wohl später eingesehen. Damals war alles heiter und übermütig, und ein ganzer Zug von lustigen Girls und einigen Herren im Smoking begleitete mich zum Boot, al« ich, mit einer großen Flasche Lysol bewaffnet (die ich mir zuvor beim Apotheker erstanden hatte), zu meinem Schiffe zurücksuhr. Als jüngster Offizier hatte ich nichts mit den Vorbereitungen zur Einschiffung der Passagiere zu tun, und es war klar, daß ich meinen Urlaub bis zuletzt ausnützte.

Diesmal brachte uns Pilot Lange, ein deutscher Lotse, den Jangtse hinab. Am andern Morgen waren wir um vier Uhr früh an der Mündung, der Lotse ging in seinen Kutter und vom Lotsendampfer grüßte uns das gewohnte Signal TDL. lGlückliche Reise!).

, 3et)t eift hatte ich Zeit, mich ein wenig an Bord umzu- fehen. Berm Frühstück lernte ich den Arzt kennen, der den Transport begleitete und von den Philippinen bis hierher entgegengefahren war. Wie erstaunt war ich, als er sich als ehemaliger Österreicher entpuppte, ein gebürtiger Deutsch- Prager, der in Wien studiert hatte. Er lebt jetzt auf Culion, ist mit einer Engländerin verheiratet und hat zwei Kinder! Angst kennt er nicht, und er bemühte sich, uns über diese schreckliche Krankheit aufzuklären. Er erzählte, daß der Er­reger des Aussatzes ein Schwammpilz fei, «in Verwesungs­produkt der Erde und tropischer Pflanzen. Die Ansteckung erfolgt zumeist durch das Barfußgehen.

Durch das Eindringen europäischer Kleidung in den Orient, namentlich des Gebrauchs von Schuhen, fei der Aus­satz stark zurückavgangen. Er erzählte auch, daß er mit dem Mrs eunem indischen Baum gewonnenen Chaulmoograül bei Erkrankungen im Anfangsstadium gute Erfolge erzielte.

Unser Erster Offizier meinte, daß er sich für seine Person lieber an 'den Grundsatz „Nicht anrühren und Bier trinken" halte, und das kräftig!

Schwerer Gang.

Unser Schiff durchpflügte die unendlichen Fluten dös Stillen Ozeans. Am Deck lagen die Kranken und Wetz Angehörigen auf ihren Decken in der warmen Sonne, ein eigener Abschnitt des Vordecks war für' sie reserviert, wäh­rend auf der Back die dienstfreie Mannschaft saß, die harmonika des Bootsmannes spielte das traurige SeemiriWs- lied „La Paloma" und das Schiff wiegte sich leise vM'mne°r' Seite zur andern in der hohen Dünung.

Der Schlafsaal des Zwischendecks, der sonst für Deck­passagiere bestimmt war, wurde für die Schwerkrankön reserviert. Als ich das erstemal durchgehen mutzte, um in die Kettenlast zu gelangen, packte mich das Grauen. Manche hatten keine Haut, manche hoben ihre abgestorbenem und «h- geschrumpften Glieder, hatten mitten im Gesicht Geschwüxe oder an Stelle der Augen nackte Höhlen, dabei litten sie durch die starken Bewegungen des Schiffes an der Seekrankheit und lagen, gleich verfaulenden Leichen, am Boden herum, die meisten erbrachen!

Auf der andern Seite waren die Räume der leicht Er­krankten. Die meisten durften an Deck gehen. Bis auf die eigentümlichen 6mimen Flecke und Knoten in der Haut und den Löwenfalten auf der Stirn waren sie ganz' nornxal, rauchten oder plauderten, scherzten mit den Kindern, soweit sie nicht seekrank waren und apathisch auf ihren Decken lagen.

Rührend war es, die Fürsorge der Angehörigen zu be­obachten. Sie wußten genau, daß sie früher oder später auch erkranken würden, wenn sie die Verbannung mit ihren Männern oder Frauen teilen würden. Doch das konnte W nicht abhalten; unter den noch gesunden Begleitpersonen fand sich auch die Gattin eines amerikanischen Ingenieurs, He ihren Mann begleitete, der irgendwo in China an einem Eisenbahnbau arbeitete und sich angesteckt hatte. Die weißen Kranken hatten abgesonderte Kammern bekommen.

Der verbannte Funker.

Mr Offiziere und die Mannschaft gingen ruhig unserm Dienste nach; nur die ersten Tage konnte man eine änf- fallende Ängstlichkeit beobachten. Man gewöhnt sich an alles. Schließlich waren wir schon früher alle gewohnt, das eigene Leben keineswegs für etwas so Unersetzliches und Wichtiges zu halten. Dafür sorgten schon der Dienst auf dem alten, morschen Dampfer, die Taifune der chinesischen Gewässer und die Riffe der Südfee, von dem Gesindel, mit dem wir ums meist herum schlagen mutzten, ganz zu schweigen. GeHi unsere Reisen mit Kulis als DÄpasiagiere war dies die reinste Bergn ügu ngs reise!

Rach dem Abendessen konnte man allerdings bemerken, wie sich einer nach dem andern aus unserer Messe fortstähl, und aus dem Badezimmer hört« man ein verdächtiW Plätschern. Jeder hatte irgendein anderes „bewährtes" Mittel, mit dem er sich einrieb oder das Badewasser parW- mierte; unsere Messe roch eher nach einem Spital, und sogar das Bier schmeckte nach Karbol, wie der „Erste" be­hauptete.

Alles war friedlich, nur der Telegraphist hatte die ge­samte Wut aller Offiziere auf sich vereinigt. Wir sahen nämlich, wie er das kleine Mädel eines Kranken auf die Arme genommen hatte und ihm Schokolade in den Mund schob! Das war das Signal zu einer allgemeinen Empö-. rung; es wurde ihm feievlichst das Betreten der Messe ver­boten, und der Steward mußte ihm das Esten in seine Funk- bude tragen. Dort konnte er seine geliebte Violine infi­zieren, aber nicht uns! Jeder verbarg'seine Nervosität unter mehr oder weniger geschmackvollen Witzen. Aber es sollte anders kommen!

Unruhe.

Unter den schwer Erkmnkten war anscheinend eine kleine Empörung über die Schiffskost ausgebrochen. Ob die Ge­sellschaft nicht mehr für die Verpflegung eines Kranken be­willigt hatte oder der Koch zuviel verdienen wollte — Schiffsköche und Proviantmeister verdienen oft mehr als der Kapitän und können sich nach wenigen Jahren Seefahrt ihr Häuschen kaufen —, jedenfalls stieg die Erregung immer mehr an.

Unter den Kranken waren Chinesen, Neger, einige Hawaianer, Phitipinos; die Weißen waren getrennt unter­gebracht und wußten anscheinend nichts von dem Aufstand vorn. Vorderhand beschränkte sich die ganze Sache auf er­regtes Fluchen, Vorstellungen bei dem 'Ersten Offizier und einige schwer« Eisennägel, die nachts auf die Brück« geworfen wurden.

(Fortsetzung folgt.)

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zwischen Wilhelmstraße und Markt

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3ift Abend M ein GSMNM0

S Abend ist ein Gekgenlled । alter, ferner Zeit,

Der alte Lehrer spielt das Lied,

Der müd«, graue Mann,

Der, seit der Sohn im Westen fiel, Sich nicht mehr freuen kann.

Am Abend grüßt er ihn im Lied, In dem die Liebe schwingt.... . Vielleicht, daß es zum fernen Sohn, Empor zum Lichte dringt . . .

Hans Gstfgen.

Verlassenes Mädchen im j)ark.

Von Walter Bersich.

Die Vermieterin stieß mit einem leichten Ruck die Tür zum. Balkon auf. Eine schwere Welle von hundert natürlich gemixten Düften flutete Calver entgegen, und als er an das Eesimse vortrat, blickte er über Grünes, an dem die Dolden Bs Goldregens perlten. Auf einem Wasserbecken war ein Schwan beim Regieren, also allein. Das entschied die Sache, Calper. mußte zwar.ganz genau, daß der Mietzins eigentlich über seine Verhaltnine ging, doch der Erfüllung vieler träume io nab vermochte er nicht, seinen Wünschen zu widerstehen.

..Gut. sagte er erregt, und seine sonst io gleichmütigen Augen glanzten. „Ich habe es mir nun doch anders überlegt. Ich miete das Zimmer. Ist es Ihnen recht, wenn ich meine Sachen noch heute bringen laste und hier gleich übernachte?" , Schon am Abend genoß er dieses Märchen. Er hatte einen Korbstuhl auf den Balkon gerückt, dachte lächelnd an sWe'Dumpfheit seiner bisherigen Behausung, deren Fenster auf , M von Hühnern und Hofhunden reich öev.ölkertes Geviert gegangen waren und keine Sonne kannten. Er versuchte einen begonnenen Roman zu Ende zu lesen. Das Licht ent­schwand bald hinter den Kronen, der Kastanien. Dunstig fiel das Dammer zu Boden und lockte den faden Schein der Weg- lgmpen hervor, die mehr aus Sittlichkeits-, als aus Niitzlich- reitsgrundpn elngeführt worden waren.

Von diöfer Minute an nahm ihn das Leben auf den Wegen und kleinen Plätzen des Parks gefangen — im Lichtkreis der für, ihn sichtbaren Lampen erschienen Helle fÄIeiber, und zuweilen leuchtete das freie Haar, dann wieher M kecke Hut eines Mädchens, und immer ging neben dielen sonst kaum beachtenswerten Ereignissen der dunklere Schatten eines Anzugs oder Mantels.

Der Schwan schlief natürlich schon lange.

Calver hatte sich eben eine Zigarette entzündet und blies leite den Rauch gegen die Streifen der Markise, als ein Paar leine Aufmerksamkeit erregte, bas etwas abseits von der Laterne einen erregten Wortwechsel zu führen schien. Er ver­nahm. wie bei junge Mann mit einem bösen Ausruf davon- eilte. Das Mädchen verharrte in einer ergebenen Stellung und preßte die Hande an das Gesicht. Es gingen mancherlei Menschen an dieser halb im Schatten verborgenen Gestalt vor­über, niemand hatte ein Wort des Trostes, aber auch keiner eines der Beachtung überhaupt, denn »u den Nachtstunden im Park hat der Mensch ein Recht auf Dinge, die ihn allein an- gehen — und hatte Calver nicht erst am heutigen Tage sein Quartier am Rande dieser Schicksale bezogen, lo würde ihn wohl auch kaum die eine unscheinbare Gestalt des verlorenen Glucks länger als eine Stunde auälenb und rührend beein- flußt haben.

Eine Stunde, vielleicht war es sogar länger, daß er es an feinem Platz und das Mädchen cs in ihrer einmal ein­genommenen Stellung aushielt. Dann litt es ihn nicht weiter hier oben. Er wandte sich, schritt zum dunklen Ausgang der Wohnung, die Stiegen hinunter, mußte einen halbkreis­förmigen Weg zum Eingang des Parks zurücklegen und dort eine, Weile suchen — denn das Mädchen war zunächst nicht sichtbar. Calver fand es dennoch, und schon hörte er, daß es verhalten weinte, wohl im Kampf gegen das Übermaß des Gefühls, desten Härte man es ausgeliefert hatte. Was konnte man ihr sagen, wie ihr helfen?

Ihre Tasche lag am Boden, danach bückte er sich nun, nähert« sich der Weinenden langsam und sagte halblaut:

„Man hat Ihnen llnrecht getan. Aber meinen Sie doch, bitte, nicht mehr. Es geschieht immer Unrecht auf der Welt. Und Sie werden auch dies einmal vergessen haben---“

Erstaunt und beschämt hob sie den Kovf.

„Vergessen? Man vergißt Böses nicht so leicht----

aber — — — wer gibt Ihnen das Recht, zu fragen? Weshalb kümmern Sie sich um mich?"

Ihr schien seine Ungehörigkeit erst jetzt aufzufallen. Dennoch trocknete sie schon die Tränen ab.

„„„ salver wußte nichts zu antworten. Cs kam eigentlich vyn selb», daß.He unter einer Lampe auf einer Bank Platz Stigmen und über das Wasser blickten in unbewußter

Sie sprachen an diesem Abend nicht viel miteinander. Calver wußte nur den Namen des Mädchens. Lina, und er hatte, genug zu tun, dies« zwei Silben still für sich viele Male SU wiederholen.

Gut. so wurde es Sonntag. Und da auch Calper einsam war hatte man eine kleine Wanderung beschlossen, durch- alierte die rdyllnchen Ortschaften der Umgebung und kam end- STTZ„ ___kl. ths niß in einem jener

Waldlokale an, wohin die Stadtjugend im öommet ihre Tanz- ireitee tragt. Man letzte sich, genoß die schönen Dinge. Er­frischung. Konzert und ein wenig Ruhe, mochte lustige Be­merkungen über die Tanzenden und war gut Freund mit­einander — wie Calver hoffte, nur noch kurze Zeit als Beginn. Won letzt betete er die etwas fremdartige Grazie des Mädchens an---

Was geschah? Er folgte dem erschreckten Blick seiner jungen Freundin — offenbar starrte sie einen Tänzer an. Im ein mnger Monn nickte.zwischen zwei Takten herüber und auch der kleine Hut des Machens senkte sich grüßend, während sie freudig ertötete. Der Tanz brach ab.

Calper hatte, keine Zeit, eine Frage zu stellen, denn schon verbeugte uri) beim erneuten Einsetzen des Tangoklanges der Fremde vor Lina Sie erhob sich und folgte ergeben der Auf­forderung. Ergeben und glücklich, konnte Calper noch denken. Dann kreiste der Saal, das. Konzert, das Krün der Bäum«, di« ihren Duft durch die offenen Fenster der Veranda her- stromten. — —--

„. folgten. Zuweilen tauchte bas strahlende

Gesicht Linas zwischen den Kopsen und Schultern bet Tanzenden auf, und als sie einmal auf wenige Minuten noch an seinen, Tisch kam, um das zurückgelassene Täschchen zu holen, mußte Calper auch noch verneinen, er könne leibet keinen Swing tanzen. Dann war sie fort.---

Die Musik tobte weiter. Calper wartete und wartete, sich zwar benken, baß ein böser und ein guter Zu­fall sich vereint hatten, um hier draußen, unter feiner. Calvers, Führung, eine Versöhnung erfolgen zu lassen — bas alles wußte er. Aber konnte, burfie die Freundin, die Getröstete, so gehen, ohne ein weiteres Wort, ohne neue Abrede?

. ...^"chts. hiervon begriff er, und als die Hälfte der elek- trifchen Birnen mit herber Mahnung erlosch, mußte der Kellner ihn auffordern, zu gehen. Sonst hätte er weiter gewartet,.

Er lief umher. Es waren mindestens zwei Stunden bis zur stadt zurück zu bewältigen, da keine Bahn mehr fuhr.

• , H§r späte Park empfing ihn mit wenigen Lichtern und viel Geheimnis. Jeder Weg darin war ihm in ein paär Tagen bekannt geworden. Sein Kovf brannte, das Bild dieser schonen Nachtlandschaft prägte sich für immer feinem erinnern ein Er preßte die Hande an den schmerzenden Zopf, «ein Hut fiel zur Erde, und als er im Licht des ersten Morgens beim leisen Drosselschlay aufblickte, erkannte er den Baum über seinem Haupte als jenen wieder, unter dem er vor wenigen Tagen Lina gefunden hatte.

Noch glaubte er ihren Duftzu spüren, und bann war es, als sage er sich selbst jene Wort«, die er ihr zum TrÄr gegeben:

. ,.....es geschieht immer Unrecht auf der Welt. Du

wirst auch dies einmal vergessen haben . . .“

Sein Lächeln tat ihm sehr weh.

Nachruf auf ein Insekt.

Von Nikolaus Schwarzkopf.

Soeben schlug ich ein Buch auf, bas ich seit vorigem Sommer nicht mehr in der Hand hatte, und sand zwischen den Zeilen einen vertrockneten Erdfloh eingepreßt. Unter der Lupe konnte ich das zerquetscht« Körperchen noch deutlich erkennens die zarte Äderung int Flügel, das eine Auge, zwei Taster, die hilfesuchend ausgriffen; Bauch und Brustkorb waren von der Hornkruste, die abgesallen, zertrümmert. Aber die un­endlich langen unb überaus starken Hinterbeinchen spreizten weit auseinander; ich konnte in der ungeheuren Anstrengung noch die Riesenkraft sehen, mit der das Tierchen im Augen­blick der Überraschung sich aus der Gefahr ziehen wollte. Ich erschrak vor solcher Wucht... Es war zu spät, mein Lieber, zu spät: die Seiten meines Buches klappten zusammen, ich sah dich nicht, ein Augenblick, und du warst tot.

Mer höre, du kleine Mumie! Du hast dein Bäuchlein mit winzigen Teilchen eines meiner Wirsinghäupter angefüllt; ich bin dir darob nicht böse. Auch wenn ich dich im vorigen Sommer lebendig in meine Hand bekommen hätte, wäre vir nichts geschehen. Ich liebe das Leben, wo und wie immer es sich darbietet. Ich liebe die Menschen kaum mehr als dich,